VALPARAISO, CHILE- JANUARY 2, 2018: The busy cargo seaport in South America in Valparaiso, Chile. It is the most important seaport in Chile. | Toniflap - stock.adobe.com Hafen, Container, Chile | © Toniflap - stock.adobe.com

Special | Seidenstraße

Chinas neue Seidenstraße reicht bis Lateinamerika

Die Volksrepublik gehört zu den führenden Investoren in der Region und ist Haupthandelspartner der meisten Staaten. Welche Länder und Sektoren wecken Chinas Interesse?

  • Durch Handel und Investitionen festigt China seine wirtschaftliche Präsenz in Lateinamerika. Dabei verdrängt es zunehmend etablierte Anbieter, auch deutsche. (Stand: 21.8.2026)

    Kaum ein lateinamerikanischer Haushalt kommt heute ohne Produkte aus China aus. Kleidung und Schuhe "Made in China" gehören vielerorts ebenso zum Alltag wie Smartphones von Huawei oder Computer von Lenovo. Über die Straßen rollen immer mehr chinesische Autos, Windturbinen aus der Volksrepublik liefern Strom, und auch in den Fabriken stammen zahlreiche Maschinen und Anlagen aus dem Reich der Mitte. China steht längst nicht mehr nur für billig, sondern hat sich als Anbieter qualitativ akzeptabler Produkte mit einem überzeugenden Preis-Leistungs-Verhältnis etabliert – sowohl bei Konsum- als auch bei Investitionsgütern.

    China – für sieben Länder Lateinamerikas wichtigstes Lieferland

    Tatsächlich war China 2025

    • für sieben Länder der Region, darunter Brasilien, der wichtigste Warenlieferant,
    • für weitere zwölf Länder der zweitwichtigste Lieferant,
    • für fünf Länder der wichtigste Absatzmarkt,
    • für zwei weitere Länder der zweitwichtigste Exportmarkt,
    • für vier Länder der wichtigste Handelspartner insgesamt: Bolivien, Brasilien, Chile und Peru.

    Besonders ausgeprägt ist die Bedeutung Chinas als Absatzmarkt für Chile und Peru. Der Anteil Chinas an den Gesamtexporten lag dort 2025 bei 36,8 beziehungsweise 33,5 Prozent. Zu den wichtigsten Exportgütern zählen Kupfer, Lithium und Agrarerzeugnisse.

    Aus chinesischer Sicht bleibt die Bedeutung Lateinamerikas dagegen vergleichsweise begrenzt. Laut UN Comtrade entfielen 2024 (jüngste verfügbare Daten) lediglich 7,5 Prozent der chinesischen Exporte auf den Subkontinent. Der Anteil Lateinamerikas an Chinas Importen lag mit 9,2 Prozent etwas höher. Dabei handelt es sich allerdings teilweise um strategisch wichtige Rohstoffe wie Kupfer und Lithium, deren Vorkommen weltweit begrenzt sind.

    Ungleichgewicht im Handel

    Kritiker bemängeln die Asymmetrie der Handelsstruktur zwischen China und Lateinamerika. Die Volksrepublik importiert vor allem Rohstoffe und Lebensmittel, während sie ein breites Spektrum industrieller Erzeugnisse exportiert. Dies trägt nur begrenzt zur lokalen Wertschöpfung in den Lieferländern bei.

    Beide Punkte stehen im krassen Gegensatz zu Chinas 2025 veröffentlichtem Positionspapier zur Lateinamerikapolitik, das ausgewogenen Handel und eine diversifizierte Handelsstruktur verspricht. Das Dokument ist bereits das dritte seiner Art nach 2008 und 2016 und unterstreicht Chinas langfristigen Anspruch auf eine stärkere Verankerung in der Region.

    China verdrängt traditionelle Anbieter – auch die aus Deutschland!

    Mit ihrem guten Preis-Leistungs-Verhältnis, ihrer wachsenden Produktpalette, ihrer Präsenz und Schnelligkeit machen chinesische Anbieter sowohl der lokalen Industrie als auch Anbietern oberer Preissegmente aus Industrieländern Konkurrenz. Besonders schmerzhaft war die Entwicklung für die USA. Ihr Anteil an der Gesamteinfuhr in die Region sank zwischen 2002 und 2025 von 46 auf vorläufig 28 Prozent.

    Trotzdem sind die USA immer noch die Nummer 1 bei den Importen und Exporten für die Gesamtregion – allerdings nur unter Einschluss Mexikos. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Region nach Brasilien wickelt rund 60 Prozent ihres Handels mit den USA ab. Ohne Mexiko übertrumpfte China die USA  bereits 2018 als wichtigster Kunde der Region und erstmals 2024 als wichtigstes Lieferland. Zugleich versechsfachte China seinen Importanteil von 3,7 auf 22,7 Prozent.

    Auch deutsche Unternehmen spüren die chinesische Konkurrenz. Allerdings war deren Importanteil nie besonders hoch.

    Doch geht es nicht nur um Importe. Viele deutsche Firmen produzieren seit Jahrzehnten vor Ort. "Das ist ein extremer Wettbewerbskampf", zitierte das Handelsblatt am 22. Juli 2026 Alexander Seitz, CEO des Südamerikageschäfts von Volkswagen. In Brasilien, dem wichtigsten Markt deutscher Autobauer in der Region, stieg der Marktanteil chinesischer Fabrikate laut Seitz innerhalb von nur zwei Jahren von 2 auf 20 Prozent.

    Chinas Investitionen schwer quantifizierbar

    Nach offiziellen Statistiken sind die USA und Europa noch immer die größten Investoren in Lateinamerika. Allerdings liegt die tatsächliche Bedeutung chinesischer Investitionen deutlich höher als amtlich ausgewiesen. Beispielsweise übersteigt allein die Investition von Tianqi Lithium in den chilenischen Chemiekonzern SQM den von der Zentralbank angegebenen Gesamtbestand von Chinas Investitionen in Chile.

    USA und Spanien weiter wichtigste Investoren in Lateinamerika und in der KarbikAnteile am Investitionsbestand in Prozent; Stand: 2023 1)
    Herkunftsland

    Anteil 2)

    USA

    21,8

    China

    1,2

    EU; darunter

    59,5

      Spanien

    14,7

    Rest der Welt

    17,6

    1) Jüngste verfügbare Daten; 2) Abweichung von 100 Prozent durch Rundungsdifferenzen.Quelle: Banco de España auf Basis von UNCTAD- und IWF-Daten

    Fakt ist: China ist aus der Investitionslandschaft der Region nicht mehr wegzudenken. Laut  Forschungsnetzwerk Red ALC-China flossen zwischen 2000 und 2024 rund 203 Milliarden US-Dollar (US$) an chinesischen Direktinvestitionen nach Lateinamerika. Doch auch dies sind nur Schätzungen. Ein Großteil der Kapitalflüsse wird über Offshore-Finanzzentren abgewickelt. Laut dem Chinaexperten Enrique Dussel Peters entfielen zwischen 2018 und 2024 knapp 70 Prozent der chinesischen Direktinvestitionen auf die Kaimaninseln, die Britischen Jungferninseln, Hongkong und Luxemburg. Von dort fließen sie entweder als Auslandsinvestition wieder zurück nach China – oder unter statistisch irreführender Herkunftsbezeichnung in Drittländer.

    Soviel investieren Unternehmen aus China in Lateinamerika und der KaribikIn Millionen US-Dollar, Anteile in Prozent
    Jahr

    2019

    2020

    2021

    2022

    2023

    2024

    2025 *)

    Investitionssumme

    19.231

    9.277

    12.706

    15.476

    10.520

    9.795

    8.659

    Anteil an den Direktinvestitionen insgesamt in der Region

    12,0

    9,9

    8,9

    7,9

    5,6

    6,0

    4,2

    * vorläufig.Quelle: Red ALC-China – Akademisches Netzwerk Lateinamerikas und der Karibik zu China 2026

    Zwar sind Chinas Investitionen seit 2019 eher rückläufig, unter anderem wegen der schwächeren Konjunktur im Inland. Gleichzeitig konzentrieren sich chinesische Firmen mehr auf strategisch wichtige Branchen, kritische Rohstoffe und Infrastrukturprojekte. Ziel ist es, langfristig den Zugang zu wichtigen Ressourcen zu sichern und die Kontrolle über weitere Stufen der Wertschöpfungskette auszubauen.

    Motor Seidenstraßeninitiative

    Ein wichtiger Treiber von Chinas Engagement in Lateinamerika ist die 2013 gestartete neue Seidenstraßeninitiative. Bislang haben 23 Staaten der Region Absichtserklärungen unterzeichnet. Zuletzt trat Kolumbien der Initiative 2025 bei, während Panama im selben Jahr seinen Austritt erklärte. Angesichts der handelspolitischen Spannungen mit den USA könnten sich weitere Länder Lateinamerikas künftig verstärkt China zuwenden.

    Stefanie Schmitt

    Von Stefanie Schmitt | Santiago de Chile

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  • China plant, die bilateralen Beziehungen zu Brasilien unter Präsident Lula auszubauen. Dabei ist die Volksrepublik bereits der mit Abstand wichtigste Außenhandelspartner. (Stand: 27.12.2022)

    Nur eine Woche nach seiner eigenen Bestätigung im Amt als Staatsoberhaupt Chinas gratulierte Xi Jinping Lula zu seinem Wahlerfolg in Brasilien. Auf chinesischen Nachrichtenkanälen spekulieren Analysten auf eine Intensivierung der Süd-Süd-Kooperation: Mit Lula als neuem Präsidenten beständen Chancen darauf, dass Brasilien als Partner in die (Konnektivitäts-)Initiative "Neue Seidenstraße" einsteige. Argentinien hatte im Februar 2022 bereits den Beitritt zur Belt-and-Road-Initiative (BRI) angekündigt.

    Strategische Partner auf dem Weg zum Freihandelsabkommen?

    Luiz Inácio Lula da Silva will das Image Brasiliens und die internationalen Beziehungen nach allen Seiten verbessern. Zwar betonte er in seiner ersten Ansprache den Wunsch, die Beziehungen zu den USA und Europa zu beleben, ohne China zu erwähnen. Doch gehört die Volksrepublik ebenso wie Argentinien und die USA zu den ersten Zielen, denen Lula nach seinem Amtsantritt am 1. Januar 2023 einen Besuch abstatten will.

    Außerhalb der Zollunion Mercosur verfolgt Brasilien mit keinem anderen Land eine so eng abgestimmte Außenpolitik wie mit China. Auf dem 6. Ministertreffen der brasilianisch-chinesischen Kommission COSBAN im Mai 2022 wurden neue Fünf- und Zehnjahrespläne verabschiedet. Darin vorgesehen ist der Abbau verschiedener Handelshemmnisse. Auch ein Freihandelsabkommen ist im Gespräch. Dabei preschte der kleine Mercosur-Staat Uruguay bereits vor und kündigte im Juli 2022 an, bilaterale Verhandlungen mit China aufzunehmen.

    In der Coronapandemie haben sich die Handelsbeziehungen zwischen Brasilien und China weiter intensiviert. Brasilien befindet sich in einer deutlich größeren Abhängigkeit. Fast ein Drittel der brasilianischen Exporte geht nach China und mehr als 20 Prozent der Importe stammen von dort. Zudem konnte die asiatische Großmacht mit der Lieferung von Masken und Impfdosen punkten, auch wenn Brasiliens aktueller Präsident Jair Bolsonaro dies nie öffentlich anerkannte.

     

    Brasilien als wichtiges Investitionsziel chinesischer Unternehmen

    Unter Bolsonaro herrschte ein chinafeindlicher Ton. Pläne zur Einrichtung eines 20 Milliarden US-Dollar (US$) schweren Fonds für neue Produktionskapazitäten wurden auf Eis gelegt. Dennoch fokussieren sich chinesische Unternehmen zunehmend auf Brasilien, wie der jüngste BRI-Report von Germany Trade & Invest zeigt. Im Jahr 2021 verdreifachten sich die chinesischen Investitionen in Brasilien und erreichten wieder das Vorkrisenniveau von 5,9 Milliarden US$.

    Hauptgrund für den drastischen Anstieg sind die kapitalintensiven Beteiligungen der chinesischen Erdölkonzerne China National Offshore Oil Corporation (CNOOC) und China National Oil and Gas Exploration and Development Company (CNODC) an den Explorationsrechten im Bohrfeld Búzios. Laut dem China Global Investment Tracker war Brasilien 2021 das wichtigste Investitionsziel für China. Dies betont die Jahresstudie des Chinesisch-Brasilianischen Unternehmerrates CEBC.

    Fokus liegt auf Energie, doch das Spektrum wird breiter

    In keinen anderen Wirtschaftsbereich Brasiliens investieren chinesische Unternehmen so intensiv wie in den Stromsektor. China General Nuclear Power Group (CGN Energy International) trat erst 2019 in den brasilianischen Markt ein. CGN übernahm Atlantic Energias Renováveis der britischen Betreibergesellschaft Actis und kurz darauf große Wind- und Solarprojekte des italienischen Konzerns Enel. Mittlerweile verfügt CGN in Brasilien über Aktiva im Wert von etwa 930 Millionen US$ und eine installierte Leistung von insgesamt 1,1 Gigawatt. Bis 2024 plant das Unternehmen weitere 2 Milliarden US$ zu investieren und die Gesamtleistung auf 3 Gigawatt zu erweitern.

    Darüber hinaus gehören auch die staatlichen Großkonzerne China Three Gorges (CTG), State Grid Corporation of China (SGCC) und State Power Investment Corporation (SPIC) zu den großen Investoren im brasilianischen Stromsektor. Zunehmend engagieren sich auch die großen Baukonzerne PowerChina und China Energy Engineering Group (CEEC), und mit BYD, Goldwind und Sinoma Blades stoßen immer mehr Technologieanbieter nach Brasilien vor.

    Auf welche Bereiche konzentrieren sich chinesische Investitionen in Brasilien?

    Wirtschaftsbereich

    Anteil am Investitionsvolumen 2007-2021 (in %)

    Anteil an der Gesamtzahl der Investitionsprojekte 2007-2021 (in %)

    Stromsektor

    45,5

    33,7

    Öl & Gas

    30,9

    6,4

    Bergbau

    6,3

    k.A.*

    Verarbeitende Industrie

    5,5

    25,2

    Infrastrukturbau

    4,5

    3,5

    Land-, Vieh- und Forstwirtschaft

    3,3

    6,4

    Finanzdienstleistungen

    2,0

    5,9

    IT

    k.A.*

    10,9

    Andere

    2

    7,9

    * keine explizite Angabe/ist unter "Andere" erfasst.Quelle: Chinesisch-brasilianischer Unternehmerrat Conselho Empresarial Brasil-China (CEBC) 2022

    Ein besonderes Augenmerk wirft China auch auf die Hafeninfrastruktur, die für den Abtransport von Rohstoffen erforderlich ist. Das Großprojekt eines Hafens in São Luís (Maranhão) scheint jedoch nicht zustande zu kommen. Dafür sicherte sich der chinesische Konzern Cofco erst im März 2022 die Konzession für ein weiteres Terminal im Hafen Santos.

    Immer attraktiver sind zudem die Investitionen in das belebte Startup-Ökosystem. Bei der Erweiterung der digitalen Seidenstraße in Brasilien spielt der Technologiekonzern Huawei eine zentrale Rolle.

    Für großes Aufsehen sorgte im Sommer 2021 die Übernahme des Mercedes-Benz-Werks in Iracemápolis (São Paulo) durch Great Wall Motors. Aber auch CAOA Chery und BYD beleben das Angebot chinesischer Kfz auf dem brasilianischen Markt. Mit dem Aufkommen des Elektroantriebs können chinesische Hersteller Marktanteile gewinnen.

    Deutsche Zulieferer sind willkommen

    Ein koordiniertes Zusammenspiel unter chinesischen Unternehmen lässt sich bislang nicht erkennen. Schließlich müssen diese im lokalen Wettbewerb bestehen. Im März 2022 vergab SPIC Brasil den Großauftrag zur Modernisierung des Wasserkraftwerkes São Simão an den US-Konzern GE Power und nicht etwa an PowerChina oder CEEC. Auch nach großen Übernahmen im Stromsektor wie Atlantic durch CGN oder CPFL durch State Grid nahm die Zulieferung chinesischer Ausrüstung nicht erkennbar zu.

    Im Kfz-Sektor wird dies noch deutlicher. CAOA produziert in Partnerschaft mit dem chinesischen Hersteller Chery, ist aber weitgehend autonom, um sich an lokale Bedingungen anzupassen. Der Anteil nationaler Wertschöpfung soll auf über 40 Prozent steigen. Im September 2022 zeichnete CAOA die besten Zulieferunternehmen aus, darunter auch drei deutsche: Mahle, Dürr und Isringhausen. Auch Great Wall Motors erweitert den Lieferantenkreis und strebt bis 2026 einen Anteil nationaler Wertschöpfung von über 50 Prozent an.

    Gloria Rose

    Von Gloria Rose | São Paulo

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  • China ist Chiles wichtigster Handelspartner und ein bedeutender Investor. Aber das Verhältnis ist nicht ungetrübt. Nicht alle Investitionspläne sind Selbstläufer. (Stand: 13.11.2025)

    Für Chile ist China der mit Abstand größte Absatzmarkt weltweit. Rund 38 Prozent der Exporte gingen 2024 in die Volksrepublik. Ein großer Teil davon entfällt auf Kupfer und Lithium. Gefragt sind aber auch Wein, Lachs und Kirschen. Auch als Lieferland steht China auf Platz 1.

    Chiles Bevölkerung schätzt an den chinesischen Produkten vor allem die wettbewerbsfähigen Preise. Im Einzelhandel ist die Dominanz geradezu überwältigend. Laut chilenischer Zentralbank stammten 2024 rund 37 Prozent der importierten Konsumgüter aus China. Besonders hoch sind die Anteile bei Bekleidung (68 Prozent), Elektroartikeln wie Handys (55 Prozent) und Schuhen (52 Prozent), ermittelte die Cámara Nacional de Comercio für 2024.

    "Es ist in der Tat beeindruckend, dass sich selbst in den letzten Winkeln Chiles chinesische Billigsupermärkte finden. Aber es sind eben nicht mehr nur billige Textilien und andere Konsumgüter, die aus China bezogen werden, sondern inzwischen auch Autos, Lastwagen bis hin zu Maschinen und Anlagen. Das ist ein Trendwechsel. Schon jetzt nimmt der Druck auch in den wenigen Segmenten zu, in denen Deutschland in Chile stark ist – speziell im Automobilbau oder bei Bergbaumaschinen." 

    Cornelia Sonnenberg Geschäftsführerin der AHK Chile

    Chinesische Investitionen offiziell stark unterschätzt

    Auch als Investor ist China nicht mehr wegzudenken, wobei jedoch Kanada weiter die unangefochtene Nummer 1 ist. Allerdings ist schwer abzuschätzen, wieviel China tatsächlich investiert hat. Die Zentralbank gibt das Volumen 2024 mit 959 Millionen US-Dollar (US$) an; das wären lediglich 0,3 Prozent des Gesamtbestands der Direktinvestitionen.

    Dabei hatte allein Tianqi Lithium für seinen 24-Prozentanteil an der chilenischen Sociedad Química y Minera (SQM) 2018 rund 4 Milliarden US$ gezahlt. Auch die Übernahme des Lachszüchters Australis kostete rund 1 Milliarde US$. Grund ist: Vielfach fließen die Gelder nicht direkt, sondern schwer nachvollziehbar über andere Länder.

    Chinas Bemühungen um Chiles Lithium

    Besonders herausragend ist die chinesische Beteiligung von Tianqi Lithium an SQM, dem neben Albemarle bislang einzigen Lithiumförderer in Chile. Künftig wird der Anteil von Tianqi an SQM von bislang rund 24 Prozent aber schrumpfen. Grund ist die unter der Regierung Gabriel Boric angeschobene nationale Lithiumstrategie. Diese sieht ab 2031 eine Mehrheitsbeteiligung des staatlichen Kupferkonzerns Codelco an der Lithiumförderung im Salar de Atacama vor.

    Da es zu dieser Vereinbarung keine öffentliche Ausschreibung gab und die Chinesen zu Recht ihre Interessen gefährdet sahen, zogen sie vor Gericht, scheiterten aber auf dem Rechtsweg. Im November 2025 erfolgte die notwendige Zustimmung der chinesischen Wettbewerbsbehörden zur Joint-Venture-Gründung von Codelco und SQM. Hierfür musste die chilenische Seite China mit einer erhöhten garantierten Mindestliefermenge innerhalb einer fixen Preisspanne entgegenkommen. Pressemeldungen sprechen dabei von einer Menge von 120.000 bis 140.000 Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent pro Jahr.

    China im Energiebereich problematisch

    Schlagzeilen machte der Einstieg von China State Grid (SGCC) beim Netzbetreiber Chilquinta in Valparaíso für 2,2 Milliarden US$ im März 2020 und ein Jahr später der Kauf des Netzbetreibers CGE für rund 3 Milliarden US$. CGE versorgt rund 57 Prozent der chilenischen Endverbraucher mit Strom.

    Kritisch sehen Juristen den Zuschlag für den Bau der 1.500 Kilometer langen Hochspannungs-Gleichstromleitung Kimal-Lo Aguirre an das Yallique-Konsortium 2021. An Yallique ist auch China Southern Power Grid International (CSG) beteiligt. Nach chilenischem Recht sind Stromerzeugung, -übertragung und -versorgung strikt zu trennen. Sowohl SGCC als auch CSG gehören dem chinesischen Staat.

    CSG hält überdies fast 28 Prozent an Transelec, dem größten Übertragungsnetz im Land, und bewirbt sich derzeit gemeinsam mit Patria Investments (Chile) und dem GIC-Fonds aus Singapur um die verbleibenden Anteile, die bei kanadischen Eignern liegen. Presseberichten zufolge will CSG angesichts von Bedenken westlicher Staaten offiziell nicht Haupteigentümer werden.

    Schwerpunkt Krankenhäuser und Gesundheitszentren

    Auch nach dem Gesundheitsmarkt strecken Chinas Firmen ihre Fühler aus. Zwar wurde die schlagzeilenträchtig angekündigte Impfstofffabrik von Sinovac letztlich doch gekappt, nach Plan läuft es dagegen mit dem Bau des neuen Krankenhauses in Coquimbo. Die Ausschreibung hatte 2022 China Railway Construction (CRCC) gewonnen, bis 2028 soll die Klinik fertig sein.

    Darüber hinaus konnte der Baukonzern die Ausschreibung der Konzessionen für ein Institut für Neurochirurgie und Krankenhäuser in Rengo und Pichilemu für sich entscheiden. Ebenfalls im Krankenhauswesen aktiv ist die China Communications Construction Company (CCCC) mit klinischen Zentren in Cauquenes, Constitución und Paral.

    Chinas Baufirmen etablieren sich gegen spanische Konkurrenz

    "Die Chinesen nehmen im Infrastrukturbereich schon seit 2006 an Ausschreibungen teil, gewonnen haben aber lange Zeit immer die Spanier. Es war ein jahrzehntelanger Lernprozess, bis sie zum Zuge kamen – speziell auch über die Zusammenarbeit mit chilenischen Unternehmen." 

    Andreas Pierotic Anwalt bei Bofill Mir, zitiert in der Zeitung La Tercera (31.3.2024)

    Insbesondere beim anstehenden Ausbau von Eisenbahn und Häfen (nach dem Vorbild des Megaports Chancay/Peru) haben chinesische Firmen Chancen. Beispielsweise wurden für das Präqualifizierungsverfahren für Chiles wichtigsten Hafen San Antonio auch zwei chinesische Interessenten ausgewählt.

    Neuer Vorstoß für Chinas digitale Seidenstraße

    Zwar scheiterten 2020 Huaweis erste Pläne, Chile mit China über ein Unterwasser-Glasfaserkabel zu verbinden. Die Entscheidung unter dem damaligen Präsidenten Piñera erfolgte auf Druck der USA. Chile entschied sich hingegen für ein ähnliches Projekt mit Google. Das 14.800 Kilometer lange Humboldt Cable soll bis 2027 Valparaíso mit Sydney verbinden.

    Doch China gibt nicht auf. Wie die Zeitung Pulso Domingo im August 2025 berichtete, gründete Chinas staatlicher Telefongigant China Mobile die Gesellschaft CMI Chile mit einem Startkapital von 3 Millionen US$. Ziel ist die Neuauflage eines Unterwasserkabelprojekts zwischen Chile und Hongkong. Projektpartner sind Huawei und der brasilianische Dienstleister EGS. Als Vehikel zur Umsetzung nutzt China Mobile den britischem Dienstleister Inchape Shipping Services (ISS).

    Obwohl unter britischer Flagge segelnd, dürfte das ISS-Projekt ähnliche geopolitische Empfindlichkeiten auslösen wie das ursprüngliche Humboldt-Kabel. Allerdings sind den chilenischen Behörden aus rechtlicher Sicht die Hände gebunden, denn es handelt sich um eine private Initiative ohne staatliche Beteiligung. Außerdem enthält der Vertrag für das Kabelprojekt mit Google keine Exklusivitätsklausel. Es gibt daher aus Verfahrenssicht, sofern einmal alle Genehmigungen vorliegen, keinen Grund, eine Investition von 500 Millionen US$ abzulehnen.

    China hat nicht zuletzt aus nationalen Sicherheitserwägungen großes Interesse an einer eigenen Datenverbindung mit Südamerika, welche nicht durch das Kabel läuft, das sich in den Händen der USA befindet. Darüber hinaus heißt es in der Presse, hätten die chinesischen Unternehmen den chilenischen Behörden angeboten, ein oder mehrere Rechenzentren in Chile zu errichten. Huawei betreibt bereits zwei Rechenzentren im Land, der Bau eines dritten ist seit Längerem angekündigt. Daneben ist der IT-Konzern einer der Hauptausrüster für die 4G- und 5G-Netze von Chiles Mobilfunkanbieter Movistar, Entel und WOM.

    Lachszucht mit Problemen

    Nach wie vor ungelöst ist der Fall Australis. Joyvio, der Agrobusiness-Arm der chinesischen Legend Holdings, hatte den Lachserzeuger 2019 übernommen. Dessen chilenische Vorbesitzer sollen mit zu hohen Lachsbeständen massiv gegen die Umweltauflagen verstoßen haben. Joyvio wirft ihnen Betrug vor. Jetzt müssen die Gerichte entscheiden.

    Wie sieht Chile China?

    Anders als noch vor fünf Jahren, als Politik und viele Menschen in Chile dem chinesischen Engagement grundsätzlich positiv gegenüberstanden, hat sich die Situation inzwischen leicht verändert. So war die Enttäuschung in der Politik groß, als Sinovac 2023 die angekündigte 100-Millionen-US$-Fabrik für seinen Corona-Impfstoff stoppte. Dies umso mehr, da die Entscheidung unmittelbar nach dem Besuch von Präsident Boric in der Volksrepublik einschließlich Gesprächen mit seinem Amtskollegen Xi bekanntgegeben wurde.

    Auch dass BYD nun doch keine Batteriefertigung im Land aufbauen wird, hat zu Ernüchterung geführt. Allerdings wird Kritik am größten Handelspartner oft nur hinter vorgehaltener Hand geäußert.

    Dennoch bleibt China wichtigster Kunde und Lieferant – und angesichts des unzureichend konkreten Interesses zum Beispiel aus Europa der pragmatische Investor, der "auch Geld in die Hand nimmt". Unterstützt werden Chinas Firmen dabei durch die Präsenz von Staatsbanken wie China Construction Bank oder der Bank of China. Umgekehrt ist Chile Mitglied in der von China initiierten Asiatischen Infrastrukturinvestmentbank (AIIB).

    Allerdings wünschen sich nicht wenige aus dem Unternehmenssektor inzwischen ein Screening für chinesische Investoren. Der Bevölkerungsmehrheit dürfte China aber gleichgültig sein. Hauptsache der Preis stimmt.

    Stefanie Schmitt

    Von Stefanie Schmitt | Santiago de Chile

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  • Peru steht exemplarisch für Chinas Strategie in Lateinamerika. GTAI beleuchtet Chinas Rolle im Land - und was das für deutsche Firmen bedeutet. (Stand: 16.04.2026)

    "Chifagate" – so heißt der Skandal, der den peruanischen Präsidenten José Jerí Mitte Februar 2026 zu Fall brachte. Benannt nach der peruanisch-chinesischen Fusionküche (Chifa) ging es um den mutmaßlichen Interessenkonflikt seiner privaten und politischen Interessen gegenüber chinesischen Geschäftsleuten. Der Vorgang führte zur Absetzung Jerís und verschafft der Frage nach Chinas Präsenz im Land neue Relevanz. China ist Perus wichtigster Handelspartner und investiert seit Jahrzehnten in peruanische Schlüsselsektoren. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young war Peru 2025 der attraktivste Markt für chinesische Investoren in Lateinamerika. 

    Chancay ist Teil von Chinas Lateinamerika-Strategie

    Seit der Einweihung des chinesischen Tiefseehafens Chancay im November 2024 in Peru haben die peruanisch-chinesischen Beziehungen neuen Schub erhalten. Laut dem peruanischen Handelsverband ComexPerú wuchs das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern im Jahr 2025 um über ein Viertel. Chancay übertraf das erwartete Containervolumen im ersten Betriebsjahr um 43 Prozent. Doch dabei dürfte es nicht bleiben: Ergänzt werden soll der Hafen durch den Industriepark Ancón und eine Sonderwirtschaftszone. Den Bau des Industrieparks für 1,3 Milliarden US-Dollar (US$) vergab Peru bereits im Dezember 2025 an ein chinesisches Konsortium.

    Zugehörige Logistikanbindungen wie der Bau einer Bahnstrecke zwischen Chancay und Pucallpa könnten den Hafen enger mit dem Hinterland und Nachbarländern vernetzen. Dadurch wäre langfristig eine Verbindung zwischen Pazifik und Atlantik möglich. Eine Vorinvestitionsstudie für das Projekt ist bereits geplant. Der chinesische Logistikhub macht Peru dadurch auch für deutsche Firmen interessanter. Das Hamburger Logistikunternehmen FMS etwa plant, Peru künftig als südamerikanischen Logistikknoten zu nutzen und mittelfristig 1 bis 2 Millionen Euro in den Geschäftsbetrieb vor Ort zu investieren.

    Peruanischer Bergbau ist Schlüsselsektor für China

    Auf den Tiefseehafen Chancay folgen weitere Hafenprojekte aus chinesischer Hand. So bereitet das Unternehmen Jinzhao den Bau eines neuen Terminals im Hafen von San Juan de Marcona sowie einer angeschlossenen Bahnstrecke für den Export von Eisenerz vor. Parallel entwickelt Jinzhao in Hafennähe die Eisenerzmine Pampa de Pongo mit einem Investitionsvolumen von 1,8 Milliarden US$. Damit wächst Chinas Kontrolle über wichtige Lieferketten Perus. 

    Das Projekt ist eines von zahlreichen Beispielen für die chinesische Präsenz im peruanischen Bergbau. China ist der wichtigste Investor in diesem Sektor und drei Viertel des peruanischen Kupfers gehen nach China. Betreiber wie Las Bambas, Shougang und Chinalco zählen zu den Top 10 der wichtigsten Investoren in der Branche. Neue Projekte chinesischer Firmen wie Río Blanco, El Galeno und der Ausbau von Ferrobamba sollen Chinas wachsenden Kupferbedarf auch in Zukunft sichern.

    Größte chinesische Investoren in Peru
    InvestorHauptsektorSumme (in Millionen US-Dollar)Anzahl Projekte
    China MinmetalsBergbau

    7.500

    3

    China Three Gorges CorporationEnergie und Versorgung

    6.130

    6

    Aluminum Corporation of China (Chinalco)Bergbau

    4.250

    3

    China National Petroleum Corporation (CNPC)Energie

    3.390

    2

    China Southern Power GridEnergie

    2.920

    1

    Zhongrong XindaBergbau

    1.860

    1

    Shougang GroupBergbau

    1.490

    2

    COSCO ShippingTransport und Logistik

    1.010

    2

    China Railway Construction CorporationTransport und Infrastruktur

    990

    3

    China Energy Engineering CorporationEnergie

    900

    1

    Der Zeitraum umfasst Investitionen zwischen 2005 und 2025Quelle: American Enterprise Institute, China Global Investment Tracker 2026

    Zugleich steigert China das technologische Niveau seiner Projekte und arbeitet an modernen, integrierten Lösungen. In der Mine Toromocho des Staatskonzerns Chinalco kommen autonome Bohrer zum Einsatz, die durch ein 150 Kilometer entferntes Kontrollzentrum ferngesteuert werden. Cloud-Dienstleistungen, 5G-Infrastruktur und KI-Algorithmen machen das Ganze möglich. Geliefert wird die Technologie vom chinesischen Telekommunikationskonzern Huawei aus Shenzhen. 

    Was heißt das für deutsche Unternehmen?

    Für deutsche Firmen bedeutet das zweierlei. Unternehmen aus China setzen zwar Projekte um, bei denen deutsche Firmen als Zulieferer zum Zug kommen können. Die zunehmende Modernisierung chinesischer Minen eröffnet Absatzchancen für deutsche Technologie, die chinesische Unternehmen bisher noch nicht selbst anbieten können. "Allerdings sind chinesische Anbieter auch klare Wettbewerber für deutsche Bergbautechnologie – und werden technologisch immer besser", stellt Christoph Danner, Rohstoffexperte beim Maschinenbauverband VDMA, fest.

    "China verfolgt eine aggressive Marktstrategie, Marktanteile sind wichtiger als kurzfristige Gewinne“, so Danner. Viele Kunden entschieden sich für chinesische Anbieter, weil diese unkompliziert die Finanzierung gleich mitlieferten. Zudem gebe es bereits Beispiele aus anderen Ländern der Region, wo chinesische Abnehmer den Einsatz eigener Technologie indirekt zur Bedingung für die Rohstoffabnahme machten.

    Diversifizierung und Innovation sind chinesische Trends

    Darüber hinaus weitet China sein Engagement in Peru weiter aus. Das chinesische Unternehmen Sungrow ist in Gesprächen mit der peruanischen Investitionsagentur ProInversión zu Geschäften im Bereich der erneuerbaren Energien. YOFC arbeitet an der Glasfaserinfrastruktur in Peru, ZTE bietet 5G-Systeme an, und Huawei betreibt wichtige Cloud-Dienstleistungen im Land. Nach Einschätzung des Chinaexperten Enrique Dussel Peters ist die wachsende Präsenz Chinas in Peru Teil eines globalen Trends: "China hat sich in den vergangenen Jahren technologisch rasant entwickelt und ist heute in vielen industriellen Wertschöpfungsketten technologisch führend." 

    Auch er warnt: "Im besten Fall sehen wir harte Konkurrenz für deutsche und europäische Unternehmen – im schlechtesten Fall werden sie aus dem Markt verdrängt." Europäische Unternehmen würden diese Entwicklung noch nicht ernst genug nehmen, sondern sich auf ihrer bisherigen Stärke in globalen Wertschöpfungsketten ausruhen. "Auf sie kommt ein massiver Wettbewerb zu und viele werden überrascht werden", so Dussel.

    Wirtschaftspolitische Kooperation zwischen Peru und China

    • Asiatische Infrastrukturinvestmentbank (AIIB): Mitgliedschaft Perus seit 14. Januar 2022
    • Absichtserklärung Perus zum Beitritt zur Belt and Road Initiative (BRI): unterzeichnet am 27. April 2019
    • Comprehensive Strategic Partnership: seit 9. April 2013
    • Freihandelsabkommen: in Kraft seit 1. März 2010; 2024 aktualisiert
    • Multilaterale Foren: China-CELAC Forum, Pazifikallianz, FEALAC, APEC

    Janosch Siepen

    Von Janosch Siepen | Mexiko-Stadt

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