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Nordmazedonien punktet mit günstigem Industriestrom

Kohle und grüne Energien dominieren den Strommix des Balkanlandes. Um die Gasversorgung zu diversifizieren, entsteht eine neue Pipeline. Die Strompreise sind sehr wettbewerbsfähig.

Hans-Jürgen Wittmann

Von Hans-Jürgen Wittmann | Belgrad

Nordmazedonien sichert seine Versorgung größtenteils aus eigenen Quellen. Die Erzeuger um den wichtigsten staatlichen Stromkonzern Elektrarni na Severna Makedonija (ESM) produzierten 2025 insgesamt rund 6,1 Terawattstunden (TWh) Strom, bei einem Gesamtverbrauch von rund 7,1 TWh. Die Nettostromimporte beliefen sich auf 1 TWh, was rund 14 Prozent des Bruttostromverbrauchs entspricht. Vor allem in den sonnenarmen Wintermonaten muss Nordmazedonien Strom einführen.

Primärenergieerzeugung basiert auf Kohle und Wasserkraft

Die Stromerzeugung in Nordmazedonien basiert auf grundlastfähigen, aber den veralteten, wartungsintensiven und störanfälligen Kohlekraftwerken in Bitola und Oslomej. Hinzu kommen rund 120 meist kleinere Wasserkraftwerke. Stark wachsende Kapazitäten privater Erzeuger von Wind- und vor allem Sonnenenergie ergänzen den Mix. Im Jahr 2025 stieg die Solarstromerzeugung im Jahresvergleich um rund 28 Prozent auf etwa 1,1 TWh.

Nordmazedonien richtet seine Energiepolitik als EU-Beitrittskandidat zunehmend am Green Deal, der Energiegemeinschaft (Energy Community) und den EU-Klimazielen aus. Die günstige und regional verfügbare Braunkohle soll nach Plänen der Regierung noch bis Ende des Jahrzehnts die wichtigste Quelle der Stromerzeugung bleiben. Parallel dazu soll der Ausbau von Solar- und Windkraftanlagen den Anteil der Braunkohle am Energiemix schrittweise senken. Dennoch erscheint ein vollständiger Ersatz der Kohleverstromung bis 2030 aus heutiger Sicht ambitioniert, sodass Braunkohle auch darüber hinaus noch eine wichtige Rolle in der Stromversorgung des Landes spielen dürfte.

MEPSO investiert verstärkt in Übertragungsnetz

Die Energiewende ist für Nordmazedonien ein Balanceakt: Denn der Erfolg der voranschreitenden Reduzierung der Kohleverstromung zugunsten mehr grüner Energie hängt davon ab, ob die Investitionen in Netze, Speicher und Verbindungen für die Winterzeit mit dem Ausbau erneuerbarer Energien Schritt halten können. Der Ausbau des rund 2.234 Kilometer langen Übertragungsnetzes kommt bisher nicht mit dem starken Zuwachs erneuerbarer Energien mit. Insbesondere der Photovoltaikboom erhöht den Bedarf an modernen Verteil- und Übertragungsnetzen sowie leistungsfähigen Anschluss- und Regelsystemen und Speicherkapazitäten. Der Übertragungsnetzbetreiber MEPSO und der Verteilnetzbetreiber Elektrodistribucija (EVN-Gruppe) investieren daher verstärkt in die Modernisierung und Erweiterung der Stromnetze im Land.

Tiefere Integration in regionalen Strommarkt stärkt Energiesicherheit

Doch auch die Einbindung in regionale Stromnetze ist für die Energiesicherheit Nordmazedoniens von Bedeutung. Das Balkanland ist bereits heute über regionale Hochspannungsverbindungen eng mit seinen Nachbarländern Griechenland, Bulgarien, Serbien und Kosovo verbunden. Für eine stärkere regionale Integration entsteht derzeit eine neue 400-Kilovolt-Stromverbindung nach Albanien. Die Fertigstellung wird für Ende 2027 erwartet. Darüber hinaus plant MEPSO eine neue 400-Kilovolt-Übertragungsleitung nach Kosovo, die die bestehende Verbindung ersetzen und die grenzüberschreitende Stromübertragung deutlich erhöhen soll.

Nordmazedonien baut Gaspipeline nach Griechenland

Das Westbalkanland verfügt über keine eigene Gasproduktion und ist vollständig auf Erdgasimporte angewiesen. Daten der Energiegemeinschaft zufolge importierte Nordmazedonien rund 3,7 TWh Gas im Jahr 2024. Bis dato strömt russisches und aserbaidschanisches Erdgas überwiegend über eine bestehende Röhre aus Bulgarien ins Land. Skopje will seine Abhängigkeit von dieser Bezugsquelle reduzieren. Aktuell steht die Diversifizierung des Importwegs und die damit einhergehende Erhöhung der Versorgungssicherheit im Zentrum der Energiepolitik.

Mit dem im Bau befindlichen Südlichen Gaskorridor zu den LNG-Terminals an der griechischen Ägäis-Küste erhält Nordmazedonien Zugang zu Flüssiggaslieferungen, darunter geplant aus den USA. Die rund 70 Kilometer lange Pipeline verläuft von Gevgelija nach Negotino, wo sie an die bestehende Pipeline nach Štip andockt. Das Western Balkans Investment Forum (WBIF) gewährt einen Zuschuss von rund 13 Millionen Euro unter Beteiligung der Europäische Investitionsbank (EIB).

Verlängerung der Pipeline nach Norden stärkt Transitfunktion

Ein Weiterbau dieser LNG-Pipeline aus Griechenland nach Serbien ist im Gespräch. Der staatliche Erdgasfernleitungsnetzbetreiber Nomagas und sein serbisches Pendant, Srbijagas, planen eine rund 70 Kilometer lange Röhre von Klečovce bis ins serbische Vranje. Von dort strömt das Gas weiter über das bestehende Pipelinenetz nach Norden. Diese Erweiterung des regionalen Gasnetzes ist von noch größerer strategischer Bedeutung als der Bau der Pipeline nach Griechenland. Denn damit würden Serbien sowie die übrigen Westbalkanländer Anschluss an das LNG-Netz in Griechenland erhalten. Nordmazedonien bildet damit einen wichtigen geopolitischen und geoökonomischen Standortfaktor.

Industriestrompreis auf wettbewerbsfähigem Niveau

Der Industriestrompreis Nordmazedoniens ist in Südosteuropa der drittgünstigste, hinter der Türkei und Bosnien und Herzegowina. Dies ist bedeutend, denn in Nordmazedonien haben sich zahlreiche Unternehmen angesiedelt, die energieintensiv produzieren, darunter viele Kfz-Zulieferer aus Deutschland. Die Preisentwicklung hängt von Großhandelspreisen, dem Importbedarf, der Verfügbarkeit von Braunkohle- und Wasserkraftwerken, sowie den Kosten für die Integration erneuerbarer Energien ab.

Der Strommarkt Nordmazedoniens ist liberalisiert. Marktführer ist ESM mit einem Anteil von zwei Dritteln. Doch neben ESM sind 21 weitere Anbieter auf dem Endkundenmarkt aktiv. Rund die Hälfte des Strombedarfs wird über Strombörsen gedeckt. Die nationale Strombörse MEMO betreibt seit 2023 einen Day-Ahead-Markt und seit 2026 einen Intraday-Markt. Die Regierung verabschiedete im Mai 2025 ein neues Energiegesetz, in den sie wichtige Elemente des EU-Stromintegrationspakets umsetzt.

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