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Digital Health

Das stark digitalisierte Norwegen muss auf E-Health setzen. Anders ist im Flächenland die anvisierte Gleichstellung aller Patienten nicht machbar.

Von Michał Woźniak | Stockholm

Nur mit E-Health lassen sich die Herausforderungen lösen

Ausgaben für Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) machen etwa 6 Prozent der Kosten der vier Gesundheitsregionen aus. Nahezu drei viertel der etwa 840 Millionen Euro entfielen 2020 auf Betriebskosten. Für Investitionen wurden etwa 235 Millionen Euro aufgebracht. Digitale Gesundheitsleistungen gewinnen in Norwegen schnell an Bedeutung. Laut der Behörde für E-Health verzeichnete das öffentliche Gesundheitsportal Helsenorge über 77 Millionen Einlogg-Vorgänge im Jahr 2021 - nahezu doppelt so viele wie ein Jahr zuvor. Laut der Bevölkerungsbefragung zu E-Health 2021 haben nur 6 Prozent der Befragten keine E-Health-Angebote genutzt. Allerdings wünscht sich nur jeder dritte noch mehr davon.

Entsprechend gehört Norwegen mit seinen staatlichen E-Leistungen zu der Spitzengruppe. Im eGovernment Benchmark 2022 der EU verfehlt das Land nur im Bereich der grenzübergreifenden eDokumente sowie des Designs der Lösungen den Durchschnittswert. Andererseits erreicht es in Bereichen wie digitale Post, inländische eDokumente oder Anpassung an mobile Geräte die maximale oder fast maximale mögliche Punktezahl.

Im World Index of Healthcare Innovation der FreOpp-Stiftung musste das Land 2021 hingegen deutlich Federn lassen – von Rang 12 ging es runter auf Platz 24 unter den 31 untersuchten Wirtschaften. Allerdings muss hier unterstrichen werden, dass das Ranking vor allem auf Wirtschaften mit privater Gesundheitsvorsorge abzielt. Entsprechend hing die Entwicklung neben den begrenzten Wahlmöglichkeiten für Patienten, vor allem mit der sogenannten „Fiskalen Nachhaltigkeit“ zusammen. Dieser Faktor bemängelt unter anderem „hohe staatliche Gesundheitsausgaben pro Kopf sowie ihre zunehmende Steigerungsrate“ - kein schlechtes Zeichen für Zulieferer und Lösungsanbieter. Bei der Qualität des Gesundheitswesens oder dem Thema Forschung und Technologien schnitt das Land dagegen überdurchschnittlich ab.

Um das digitale Gesundheitssystem weiter zu stützen sollen 2023 über 30 Millionen Euro aus dem Staatshaushalt in die digitale Interaktion oder den Bereich Gesundheitsdaten fließen. Einerseits wurde angekündigt, den einzelnen Regionen mehr Spielraum bei deren Verwendung zu geben: „Die Kommunen selbst kennen die Bedürfnisse und Kapazitäten in den Kommunen am besten und können daher am besten Verantwortung übernehmen und die Arbeit voranbringen“, unterstrich die Gesundheitsministerin. Andererseits soll die Verantwortlichkeit für die Zurverfügungstellung von Gesundheitsdaten beim Gesundheitsdatendienst liegen: „Die Regierung möchte, dass der Einsatz innovativer E-Health-Lösungen sowohl zu einem sicheren und effizienten Gesundheits- und Pflegedienst als auch zur Schaffung eines Heimatmarktes für norwegische Anbieter beiträgt“, erklärte Kjerkol.

Der Staat hilft beim Kauf von Innovationen

Damit neuartige Lösungen auch wirklich eine Marktchance haben und nicht dem teilweise konservativen Einkaufssystem zum Opfer fallen, führt die staatliche Innovationsagentur Innovation Norway zusammen mit dem Forschungsrat ein Nationales Programm für Lieferantenentwicklung (Nasjonalt program for leverandørutvikling). Darin enthalten sind Maßnahmen, wie Innovationspartnerschaften, vorkommerzielle öffentliche Beschaffung oder die Einrichtung neuer öffentlich-private Partnerschaften im Gesundheitssektor. Diese Programme sollen weiter gestärkt werden und sowohl der spezialisierte als auch primäre Gesundheitsdienst animiert werden, "die wichtigsten Herausforderungen durch diese Innovationsprogramme zu lösen", heißt es von offizieller Seite. Ziel sei eine deutliche Erhöhung des Anteils innovativer Beschaffungen.

Augenmerk liegt auf Daten

Seit dem 24. Oktober 2022 wird mit „Pasientens prøvesvar“ (Testergebnisse der Patienten) ein System implementiert, dass Labor- und Radiologie-Untersuchungsergebnisse unabhängig davon wo sie durchgeführt wurden dem Gesundheitspersonal digital zur Verfügung stellt. Damit soll die bisher meist per Telefon, Brief oder Fax stattfindende Abfrage deutlich effizienter gestaltet werden. Laut offiziellen Angaben werden in Norwegen jeden Monat etwa 2 Millionen solcher Anfragen bearbeitet. „Unser gemeinsamer Gesundheitsdienst ist auf eine solide digitale Infrastruktur angewiesen. Wir setzen uns dafür ein, dass neue Lösungen schnell angenommen werden“, unterstrich Gesundheitsministerin Ingvild Kjerkol. Langfristig sollen auch Patienten Zugang zu ihren Untersuchungsergebnissen erhalten. Um der Sensibilität dieser Daten Rechnung zu tragen wird der Zugriff aber technisch begrenzt, jeder Aufruf protokolliert und kontrolliert werden. Ferner erhalten Patienten das Anrecht, entsprechende Einträge ins digitale Journal zu verbieten oder ihren Abruf einzuschränken.

Andererseits werden sie den Zugang zukünftig aber noch breiter freigeben können. Im Oktober 2022 ist Norwegen nämlich offiziell der Infrastruktur für elektronische grenzübergreifende Gesundheitsdienste in der EU - MyHealth@EU - beigetreten. Dadurch soll es einerseits möglich sein, die Patientenakte mit europäischen Ärzten zu teilen. Andererseits können aber Einträge über Behandlungen im EU-Ausland in die norwegische Patientenakte eingetragen werden und so ein volleres Patientenbild liefern.

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