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Branche kompakt | Vereinigte Arabische Emirate | Medizintechnik

Medizintechnikmarkt der VAE wächst moderat

Neue Krankenhäuser, digitale Lösungen und steigende Budgets kennzeichnen den Markt für Medizintechnik in den VAE. Deutsche Anbieter punkten, doch die Konkurrenz wächst spürbar.

Von Heena Nazir | Dubai

Ausblick der Medizintechnik in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE)

Bewertung: 

  • Technologischer Fortschritt und zunehmende Digitalisierung fördern die Branchenentwicklung.
  • Steigende Bevölkerungszahl erhöht die Nachfrage nach Medizinprodukten.
  • Strikte Zulassungsverfahren können zeit- und kostenintensiv sein.
  • Hoher Wettbewerbsdruck erfordert kontinuierliche Innovation.

Anmerkung: Einschätzung der Autorin für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Januar 2026

  • Der Ausbau der Versorgungsinfrastruktur erhöht den Bedarf an moderner Medizintechnik; zugleich verschärft sich der Wettbewerb internationaler Anbieter.

    Der Medizintechnikmarkt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) wächst moderat, aber stetig. Nach Schätzungen von Business Monitor dürfte das Marktvolumen mittelfristig um rund 5 bis 6 Prozent pro Jahr zulegen, getragen von Investitionen in Gesundheitsinfrastruktur und Klinikprojekte. Gleichzeitig nimmt der Wettbewerbsdruck für internationale Anbieter zu. Nach aktuellen Schätzungen belief sich das Marktvolumen 2024 auf rund 630 Millionen US-Dollar (US$). In den Folgejahren dürfte sich das Wachstum fortsetzen, getragen von anhaltenden Investitionen in Gesundheitsinfrastruktur und Medizintechnik.

    Das Marktwachstum ist eng mit dem strukturellen Umbau des Gesundheitswesens verbunden. Die VAE investieren seit Jahren gezielt in moderne Gesundheitsinfrastruktur, den Einsatz fortschrittlicher Medizintechnik und den Ausbau stationärer Kapazitäten. Damit reagieren sie sowohl auf das Bevölkerungswachstum als auch auf ein steigendes Gesundheitsbewusstsein. In diesem Umfeld steigt die Nachfrage nach hochwertigen medizinischen Lösungen, wovon insbesondere technologieorientierte Anbieter profitieren. Neben den USA und China zählt Deutschland weiterhin zu den wichtigsten Lieferländern.

    Privatkliniken treiben den Kapazitätsausbau

    Der Ausbau des Gesundheitswesens zeigt sich deutlich in der Versorgungsstruktur. Nach Angaben von Fitch Solutions verfügten die Emirate im Jahr 2025 über 176 Krankenhäuser mit mehr als 20.840 Betten. Im Jahr 2010 waren es noch 86 Krankenhäuser mit rund 9.600 Betten. Die stationären Kapazitäten haben sich damit innerhalb von 15 Jahren mehr als verdoppelt.

    Parallel dazu hat sich die Rollenverteilung zwischen staatlichen und privaten Akteuren verschoben. Während öffentliche Einrichtungen den Ausbau lange prägten, gewinnen private Anbieter seit rund einem Jahrzehnt an Bedeutung. In Abu Dhabi und Dubai übertrifft der private Krankenhaussektor inzwischen den staatlichen Anteil. Dies erhöht den Wettbewerbsdruck, fördert Effizienz und beschleunigt den Einsatz moderner Medizintechnik.

    Projektpipeline bleibt umfangreich

    Die hohe Investitionsdynamik spiegelt sich in einer weiterhin gut gefüllten Projektpipeline wider. Bis Januar 2026 beläuft sich das Volumen laufender und geplanter Gesundheitsprojekte auf rund 4,3 Milliarden US$. Davon befinden sich Vorhaben im Wert von etwa 1,1 Milliarden US$ im Bau, während Projekte mit rund 3,2 Milliarden US$ noch geplant werden.

    Das größte Einzelprojekt ist der geplante Bau eines Neutronentherapie-Krankenhauses in Abu Dhabi durch ein internationales Joint Venture aus Royal Strategic Partners, der malaysischen MIG Group und Austrian Star Energy. Die auf bestimmte Krebsarten spezialisierte Einrichtung soll ein Investitionsvolumen von rund 1,8 Milliarden US$ erreichen und nach aktuellen Planungen bis 2029 realisiert werden.

    Ausgewählte Investitionsprojekte im Gesundheitssektor in den VAEInvestitionssumme in Millionen US-Dollar
    Projekt

    Investitionssumme

    Projektstand 
    Royal Strategic Partners,MIG,Star Energy / Neutron Therapy Hospital

    1.800

    Studie
    Sharjah Health Care City

    760

    Ausführungsphase
    Manazel / Mohammed Bin Zayed City: Medical City

    408

    Design
    Dubai Islamic Bank / Hamdan Bin Rashid Cancer Hospital

    260

    Angebot
    Musanada / Khalifa City: Abu Dhabi Medical Rehabilitation Centre

    135

    Design
    UAE - Sheikh Mohamed Bin Zayed General Hospital 

    100

    Bewertung
    Quelle: MEED Projects, Recherchen von Germany Trade & Invest, Januar 2026

    Deutschland behauptet sich im Wettbewerb

    Trotz wachsender lokaler Kapazitäten bleibt der Medizintechnikmarkt der Emirate stark importorientiert. Die Einfuhren aus Deutschland stiegen laut Eurostat 2024 um rund 8 Prozent auf etwa 125,3 Millionen US$. 

    Deutschland ist vor allem in hochwertigen und spezialisierten Segmenten wie bildgebenden Geräten und sonstigen medizinischen Instrumenten gut positioniert. In Basissegmenten fällt der deutsche Anteil dagegen geringer aus, was auf eine stärkere internationale Konkurrenz und eine geringere Nachfrage nach Premiumlösungen hindeutet.

    Für 2026 und 2027 sprechen mehrere Indikatoren für eine positive Entwicklung des lokalen Medizintechnikmarkts. Steigende Gesundheitsausgaben, der weitere Ausbau der Versorgungsinfrastruktur und die wachsende Nachfrage nach moderner Diagnostik und Therapie dürften das Exportvolumen erhöhen. 

    Importe ausgewählter Medizinprodukte in die VAE aus Deutschland in Millionen US-Dollar
    SITC CodeProduktgruppeImportwert aus Deutschland (Mio. US$)Anteil Deutschland (in Prozent)
    74183Elektrische Widerstände und Regelwiderstände für medizinische und technische Anwendungen15
    7741Elektromedizinische Diagnosegeräte (z. B. EKG-, Ultraschall- und Überwachungsgeräte)14,88,3
    7742Röntgen-, CT-, MRT- sowie sonstige bildgebende, strahlen- und nuklearmedizinische Geräte26,714,4
    8721Medizinische Instrumente und Apparate, anderweitig nicht genannt9,119,7
    87225Zahnmedizinische Instrumente und Apparate10,125,6
    87229Sonstige medizinische, chirurgische oder veterinärmedizinische Instrumente40,310,4
    8723Chirurgische, medizinische und veterinärmedizinische Instrumente (einschließlich Präzisionsinstrumente)7,67,5
    8724Medizinische Spritzen, Kanülen, Katheter und ähnliche Instrumente5,811,1
    8996Medizintechnische Möbel und Ausstattung (z. B. Krankenhausbetten, OP-Tische)9,95,5
    Quelle: Eurostat, Januar 2026

    Gleichzeitig nimmt der Wettbewerbsdruck zu. Chinesische Anbieter gewinnen vor allem im preisgünstigen Segment Marktanteile, während US-Unternehmen ihre Stärke bei hochinnovativen Premiumlösungen ausspielen. Deutsche Anbieter bleiben bei anspruchsvollen Technologien gut positioniert, verlieren jedoch in Basissegmenten zunehmend Marktanteile.

    Von Heena Nazir | Dubai

  • Die Digitalisierung des Gesundheitswesens in den Golfstaaten schreitet voran. Künstliche Intelligenz unterstützt bereits bei Diagnosen.

    Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) zählen zu den dynamischeren Wachstumsmärkten für digitale Gesundheitslösungen im Nahen Osten. Umfang und Dynamik des Marktes hängen jedoch stark von der jeweiligen Abgrenzung digitaler Leistungen ab. Nach Schätzungen von Research and Markets erreichte der Markt für digitale Gesundheit im Jahr 2024 ein Volumen von rund 620 Millionen US-Dollar (US$). Bis 2030 soll er auf etwa 1,8 Milliarden US$ wachsen, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von knapp 20 Prozent entspricht.

    Eine deutlich weiter gefasste Marktabgrenzung verwendet Nova One Advisor. Demnach belief sich das Marktvolumen 2025 bereits auf rund 945 Millionen US$ und könnte bis 2035 – unter Einbeziehung genomischer Datenplattformen, KI-gestützter Diagnostik und datengetriebener Prävention – auf bis zu 7,8 Milliarden US$ steigen. Die stark auseinandergehenden Prognosen verdeutlichen, dass sich der Markt für digitale Gesundheit in den VAE noch in einer Definitions- und Abgrenzungsphase befindet. In engeren Definitionen überschneidet sich der Digital-Health-Markt teilweise mit dem klassischen Medizintechnikmarkt, der insgesamt eine ähnliche Größenordnung erreicht.

    Künstliche Intelligenz hält Einzug in den Klinikalltag

    Ein zentraler Entwicklungspfad ist der zunehmende Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) im klinischen Alltag. Die VAE verfolgen seit 2017 eine nationale KI-Strategie, die mehrere Sektoren – darunter explizit das Gesundheitswesen – adressiert. Im Rahmen der UAE National AI Strategy 2031 sowie begleitender Programme werden staatliche und staatsnahe Investitionen in Milliardenhöhe mobilisiert. Konkrete, ausschließlich dem Gesundheitssektor zugeordnete Budgets werden dabei nicht systematisch ausgewiesen. KI-Anwendungen in Diagnostik, Bildgebung und Versorgungssteuerung gelten jedoch als prioritäre Einsatzfelder, insbesondere in größeren Klinikverbünden und staatlich regulierten Versorgungssystemen.

    In der Praxis kommen KI-gestützte Systeme bereits bei der Auswertung radiologischer Bilder oder in der Früherkennung bestimmter Erkrankungen zum Einsatz. Das Gesundheitsministerium gründete 2022 ein Digital Health Monitoring Centre, das unter anderem datenbasierte Frühwarnsysteme für Krankheitsausbrüche nutzt. In der Innovationsstrategie des Ministeriums für den Zeitraum 2023 bis 2026 spielen KI-Anwendungen, Telemedizin und datengetriebene Versorgungsmodelle eine zentrale Rolle.

    Elektronische Patientenakten vernetzen das Gesundheitssystem

    Die nationale Gesundheitsdatenplattform Riayati verbindet die regionalen Systeme NABIDH (Dubai) und Malaffi (Abu Dhabi) zu einem einheitlichen föderalen System. Nach Angaben des emiratischen Gesundheitsministeriums (Ministry of Health and Prevention) waren mit Stand Oktober 2024 (letzte verfügbaren Zahlen) rund 4.950 Gesundheitseinrichtungen an Riayati angebunden. Auf dieser Grundlage lässt sich davon ausgehen, dass die Plattform einen großen Teil der lizenzierten Gesundheitseinrichtungen in den VAE abdeckt, insbesondere Krankenhäuser sowie größere ambulante und diagnostische Anbieter.

    Internationale Kooperationen unter staatlicher Rahmensetzung

    Internationale Kooperationen werden im Bereich der digitalen Gesundheit gezielt durch staatliche Stellen und Gesundheitsbehörden gefördert. Dazu zählen insbesondere das Gesundheitsministerium, die Emiratsbehörden sowie Investitionsagenturen wie das Abu Dhabi Investment Office. Kooperationen dienen vor allem dem Technologietransfer, dem Aufbau lokaler Kompetenzen und der schrittweisen Einführung neuer Versorgungsmodelle.

    Beispiele sind Digitalisierungsprojekte zwischen Aster DM Healthcare und Siemens Healthineers oder internationale Kooperationen von Mediclinic Middle East im Bereich spezialisierter Medizin. Solche Partnerschaften sind weniger als Einbahnstraße zu verstehen, sondern als Instrumente zur Integration internationaler Standards in ein lokal reguliertes Gesundheitssystem. 

     

    Internationale Kooperationen emiratischer Kliniken im Bereich Digitalisierung
    KlinikgruppeInternationale PartnerKooperationsschwerpunkt
    Aster DM HealthcareSiemens HealthineersDigitalisierung und Modernisierung der medizinischen Infrastruktur in über 100 Kliniken.
    Mediclinic Middle EastBourn Hall Clinic UKZusammenarbeit im Bereich Reproduktionsmedizin und Fruchtbarkeitsbehandlungen.
    Cleveland Clinic Abu DhabiCleveland Clinic USAWissensaustausch und Implementierung internationaler Standards in der Patientenversorgung.
    NMC HealthcareFrost & SullivanEntwicklung innovativer Gesundheitslösungen und Verbesserung der Patientenversorgung.
    Burjeel HoldingsPhilips HealthcareEinführung fortschrittlicher bildgebender Verfahren und Verbesserung der diagnostischen Kapazitäten.
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest, Januar 2026

    Parallel dazu fördern die Emirate digitale Gesundheitslösungen durch Programme und Gründerzentren, die insbesondere Pilotprojekte und frühe Markteintritte unterstützen.

    Förderprogramme und Start-up-Zentren als EinstiegshilfeEine Auswahl staatlicher Unterstützungsprogramme
    ProgrammStandortSchwerpunktLeistungen
    Dubai Future AcceleratorsDubaiInnovation & PilotprojekteZugang zu Behörden, Finanzierung
    Hub71Abu DhabiStart-up-ÖkosystemInvestoren-Netzwerk, Büroräume
    Abu Dhabi Investment Office (ADIO)Abu DhabiHealthTech-FörderungZuschüsse, Innovationswettbewerbe
    Dubai Health Innovation CentreDubaiGesundheitslösungenTestumgebungen, Kooperationen
    DIFC FinTech HiveDubaiDigitale PlattformenMentoring, Finanzierung
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2025

    Wettbewerb nimmt zu, regulatorische Anforderungen steigen

    Der Markt ist zugleich durch wachsenden Wettbewerbsdruck gekennzeichnet. Neben europäischen und US-amerikanischen Anbietern gewinnen asiatische Unternehmen – insbesondere aus China und Südkorea – an Bedeutung, vor allem in kostengetriebenen Segmenten. Gleichzeitig steigen die regulatorischen Anforderungen an Datenschutz, Interoperabilität und klinische Validierung digitaler Anwendungen.

    Insgesamt bieten die Digitalisierungsstrategien der VAE weiterhin Ansatzpunkte für internationale Anbieter. Der Marktzugang erfordert jedoch zunehmend lokale Präsenz, regulatorische Anpassungsfähigkeit und belastbare klinische Evidenz, wodurch sich der Wettbewerb weniger über einzelne Technologien als über langfristige Integration in das Gesundheitssystem entscheidet,  betonen Experten. 

    Von Heena Nazir | Dubai

  • Die VAE bauen ihr Gesundheitssystem weiter aus. Steigende Staatsausgaben, Pflichtversicherungen und hohe Importabhängigkeit prägen den Markt für Medizintechnik.

    Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) verfügen über ein leistungsfähiges, überwiegend staatlich finanziertes Gesundheitssystem. Nach Einschätzung von Fitch Solutions ist insbesondere die stationäre Versorgung in den vergangenen Jahren stark ausgebaut worden. Parallel dazu investierten die Emirate gezielt in die Primärversorgung sowie in Rehabilitationsangebote, wodurch sich die Versorgungsqualität insgesamt deutlich verbessert hat. Viele medizinische Einrichtungen erreichen inzwischen internationale Standards und positionieren das Land als regionalen Gesundheitsstandort.

    Zwischen 2024 und 2025 steigen die föderalen Gesundheitsausgaben um rund 10,4 Prozent auf etwa 1,6 Milliarden US-Dollar (US$). Bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt der VAE entspricht dies deutlich unter 0,5 Prozent des BIP. Diese vergleichsweise geringe Quote erklärt sich daraus, dass das Gesundheitssystem stark dezentral organisiert ist: Neben dem Bundeshaushalt stellen die einzelnen Emirate – insbesondere Abu Dhabi und Dubai – erhebliche zusätzliche Mittel aus eigenen Budgets bereit. In der Summe liegt der staatliche Finanzierungsanteil des Gesundheitssektors damit deutlich höher. Der Staat bleibt somit trotz wachsender privater Aktivitäten der zentrale Akteur bei der strategischen Entwicklung des Gesundheitswesens.

    Rahmendaten zum Gesundheitssystem in den VAE

    Indikator

    Wert

    Einwohnerzahl (2024 in Mio.)

    11

    Bevölkerungswachstum (2024 in % p.a.)

    3,4

    Altersstruktur der Bevölkerung (2024)

     

      Anteil der unter 14-Jährigen (in %)

    16,1

      Anteil der über 65-Jährigen (in %)

    1,8

    Durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt (in Jahren)

    78

    Durchschnittseinkommen (2024 in US$)

    48.903

    Gesundheitsausgaben pro Kopf (2022 in US$)

    3000

    Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP (2023 in %)

    3,8

    Ärzte/10.000 Einwohner (2023)

    29,8

    Zahnärzte/10.000 Einwohner (2022)

    8,8

    Krankenhausbetten/10.000 Einwohner (2023)

    17,3

    Quelle: Federal Competitiveness and Statistics Authority, Ministry of Health & Prevention, World Bank, Germany Trade & Invest; Januar 2026

    Pflichtversicherung stärkt staatliche Rolle

    Die Finanzierung des Gesundheitssystems basiert auf einer Kombination aus staatlichen Mitteln, obligatorischen Krankenversicherungen und privaten Beiträgen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation wurden 2022 rund 64 Prozent der Gesundheitsausgaben aus öffentlichen Mitteln finanziert. Bis 2027 dürfte dieser Anteil auf etwa 70 Prozent steigen. Damit gewinnt der Staat als Kostenträger weiter an Bedeutung, während private Ausgaben relativ an Gewicht verlieren.

    Parallel dazu sinkt der private Finanzierungsanteil von 36 Prozent im Jahr 2021 voraussichtlich auf rund 30 Prozent im Jahr 2027. Dieser Rückgang wird durch die zunehmende Kostenübernahme staatlich gestützter Versicherungssysteme kompensiert. Ein zentraler Treiber ist die landesweite Einführung der obligatorischen Krankenversicherung, die zuvor nur in Abu Dhabi und Dubai galt und seit Ende März 2023 auf alle sieben Emirate ausgeweitet wurde.

    Die Versicherungssysteme decken je nach Tarif einen Großteil der Behandlungskosten ab und werden durch öffentlich-private Partnerschaften unterstützt. Arbeitgeber sind verpflichtet, ihre Beschäftigten zu versichern, wobei einkommensabhängig unterschiedliche Leistungsumfänge gelten. Ergänzend spielen freiwillige Zusatzversicherungen weiterhin eine wichtige Rolle.

    Versicherungsmarkt wächst dynamisch

    Die Aufsicht über den Versicherungssektor liegt bei der Zentralbank der VAE. Nach deren Angaben stiegen die Bruttobeitragseinnahmen in der Krankenversicherung 2024 um 21,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf rund 17 Milliarden US$. Für den Zeitraum von 2024 bis 2028 wird ein durchschnittliches jährliches Prämienwachstum von etwa 10 Prozent erwartet. Ausschlaggebend dafür ist vor allem die flächendeckende Einführung der Pflichtversicherung.

    Sharia-konforme Takaful-Krankenversicherungen machen rund 10 Prozent des Marktes aus. Diese Versicherungsmodelle orientieren sich an den Prinzipien des islamischen Rechts und gewinnen insbesondere bei lokalen Anbietern an Bedeutung.

    Importabhängiger Medizintechnikmarkt mit zunehmendem Wettbewerbsdruck

    Trotz steigender Gesundheitsausgaben und wachsender Versicherungsdichte bleibt der Medizintechnikmarkt der VAE stark importabhängig. Der überwiegende Teil des Bedarfs wird von internationalen Herstellern gedeckt, während die lokale Produktion bislang nur eine untergeordnete Rolle spielt. Zu den wichtigsten Lieferländern zählen die USA, China und Deutschland.

    Deutsche Medizintechnikhersteller stehen im Markt der VAE unter zunehmendem Wettbewerbsdruck. In standardisierten und preissensitiven Segmenten wie Verbrauchsmaterialien, Basisausstattung und einfachen Diagnosesystemen haben Anbieter aus Asien zuletzt an Bedeutung gewonnen, was den deutschen Marktanteil in diesen Bereichen tendenziell geschwächt hat. In technologieintensiven Segmenten – insbesondere bei bildgebenden Verfahren, diagnostischen Systemen sowie spezialisierten Klinik- und Laborlösungen – bleiben deutsche Anbieter dagegen stabil positioniert und profitieren von ihrer hohen technischen Qualität, Servicekompetenz und regulatorischen Erfahrung.

    Lokale Hersteller konzentrieren sich bislang überwiegend auf einfache Verbrauchsmaterialien wie Spritzen oder Kanülen. Die Regierung der VAE verfolgt zwar das Ziel, die inländische Medizintechnikproduktion auszubauen, die tatsächliche lokale Wertschöpfung bleibt bislang jedoch begrenzt. In den vergangenen Jahren haben sich zwar einzelne internationale Unternehmen in spezialisierten Wirtschaftszonen wie dem Dubai Science Park oder der Dubai Healthcare City angesiedelt, häufig handelt es sich dabei jedoch um Montage-, Service- oder Vertriebsstandorte und weniger um vollintegrierte Produktionsstätten. Diese Zonen bieten mit vollständigem ausländischem Eigentum und steuerlichen Anreizen attraktive Rahmenbedingungen, der Aufbau einer breiteren industriellen Fertigung verläuft jedoch schrittweise und ist weiterhin stark von ausländischem Know-how abhängig.

     

    Gesundheitsorganisationen in den Vereinigten Arabischen Emiraten
    EmiratOrganisationDienstleistungen
    Nationale Behörde und Abu Dhabi Ministry of Health and Prevention (MoHP)Reguliert die Gesundheitsdienste, setzt Politik und Richtlinien um
    Abu DhabiDepartment of Health (DOH)Zuständig für die Lizenzierung und Qualitätskontrolle im Gesundheitssektor
    Abu DhabiAbu Dhabi Health Services Company (SEHA)Betreibt Krankenhäuser und Kliniken, bietet umfassende Gesundheitsdienste an
    DubaiDubai Health Authority (DHA)Verwaltet das Gesundheitswesen in Dubai, inklusive öffentlicher und privater Einrichtungen
    DubaiDubai Healthcare City Authority (DHCA)Reguliert das medizinische Cluster und Freihandelszone von Dubai Healthcare City
    Restliche EmirateEmirates Health AuthorityKoordiniert Gesundheitsdienste und -politik über die restlichen Emirate
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest, Januar 2026

     

    Von Heena Nazir | Dubai

  • Zulassungsrichtlinien für Medizintechnik in den VAE orientieren sich an der EU-Medizinprodukteverordnung und an den Vorschriften der US Food and Drug Administration (FDA).

    Die Federal Customs Authority (FCA) überwacht die Zollvorschriften in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Unternehmen, die Waren exportieren möchten, sollten sich auf der offiziellen Website der FCA über aktuelle Vorschriften, Tarife und Prozesse informieren. Dies ist besonders relevant, um sich über neue Zollvorschriften auf dem Laufenden zu halten.

    Schnelle Registrierung möglich

    Für das Inverkehrbringen medizinischer Geräte muss eine Zulassung beim Ministry of Health durch den Hersteller oder seinen lokalen Agenten beantragt werden. Für die Prüfung ist das Committee on Medical Device Registration zuständig. Das Ministerium hat Zulassungsrichtlinien erlassen, die sich im Wesentlichen an der EU-Medizinprodukteverordnung und an den Vorschriften der US Food and Drug Administration (FDA) orientieren. Die Registrierungsrichtlinien unterteilen Medizintechnik in vier Kategorien, die sich ähnlich der EU-Systematik nach dem Risiko der Anwendung richten.

    Branchenvertretern zufolge bereitet die Registrierung medizinischer Geräte, die eine Zulassung in der EU und den USA nachweisen, zumeist keine größeren Probleme. Eine Genehmigung ist in der Regel gültig für fünf Jahre. Mit der Registrierung unterliegt der Hersteller beziehungsweise sein Agent verschiedenen "Post-Market-Obligations" (Dokumentationspflichten etc.). Zuständig für die Überwachung zugelassener Medizintechnik ist das Drug Control Department (DCD) des Ministeriums.

    Für Fragen zu Zertifizierungen und Standards ist die Emirates Authority for Standardization and Metrology (ESMA) die zuständige Stelle. ESMA stellt sicher, dass diese den nationalen und internationalen Normen entsprechen.

    Unternehmen, die an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen möchten, finden relevante Informationen und Ausschreibungen auf dem offiziellen Portal Department of Health Tenders. Diese Onlineplattform bietet Zugang zu Regierungs- und anderen öffentlichen Ausschreibungen und ist eine wichtige Ressource für Unternehmen, die auf der Suche nach neuen Geschäftsmöglichkeiten sind.

    Erstattungsverfahren sind unterschiedlich

    Bezüglich der Erstattungsverfahren für medizinische Produkte und Dienstleistungen variieren die Bedingungen je nach Emirat und Versicherungsanbieter. Informationen hierzu bieten das Ministry of Health & Prevention und die Health Authority Abu Dhabi (HAAD). Unternehmen sind angehalten, direkt mit diesen Behörden oder den entsprechenden Krankenversicherern in Verbindung zu treten, um spezifische Anforderungen und das Vorgehen für die Erstattung ihrer Produkte zu klären.

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Heena Nazir | Dubai

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest / Vereinigte Arabische Emirate Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft
    AHK VAEAnlaufstelle für deutsche Unternehmen
    Exportinitiative GesundheitswirtschaftDie Exportinitiative bündelt Unterstützungsangebote für die Internationalisierung der Gesundheitswirtschaft
    Ministry of Health and PreventionMinisterium
    Department of Health Abu Dhabi (HAAD)Gesundheitsbehörde für Abu Dhabi
    Abu Dhabi Health Services Company (Seha)staatlicher Gesundheitsdienstleister
    Dubai Health Authority (DHA)Gesundheitsbehörde für Dubai
    Dubai Healthcare City (DHCC)Freizone für Gesundheitsdienstleister
    MEED Projectskostenpflichtige Projektdatenbank
    AEEDC -Internationale Fachmesse für DentalmedizinFachmesse (jährlich; Februar 2026 in Dubai) 
    Dubai International Pharmaceutical & Technology Conference & ExhibitionFachmesse (jährlich; Januar 2026 in Dubai) 
    World Health Expo (früher: Arab Health)führende regionale Fachmesse (jährlich; Januar 2026 in Dubai) 
    MEDLAB Fachmesse (jährlich; Februar 2026 in Dubai) 

     

    Von Heena Nazir | Dubai

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