Die VAE bauen ihr Gesundheitssystem weiter aus. Steigende Staatsausgaben, Pflichtversicherungen und hohe Importabhängigkeit prägen den Markt für Medizintechnik.
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) verfügen über ein leistungsfähiges, überwiegend staatlich finanziertes Gesundheitssystem. Nach Einschätzung von Fitch Solutions ist insbesondere die stationäre Versorgung in den vergangenen Jahren stark ausgebaut worden. Parallel dazu investierten die Emirate gezielt in die Primärversorgung sowie in Rehabilitationsangebote, wodurch sich die Versorgungsqualität insgesamt deutlich verbessert hat. Viele medizinische Einrichtungen erreichen inzwischen internationale Standards und positionieren das Land als regionalen Gesundheitsstandort.
Zwischen 2024 und 2025 steigen die föderalen Gesundheitsausgaben um rund 10,4 Prozent auf etwa 1,6 Milliarden US-Dollar (US$). Bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt der VAE entspricht dies deutlich unter 0,5 Prozent des BIP. Diese vergleichsweise geringe Quote erklärt sich daraus, dass das Gesundheitssystem stark dezentral organisiert ist: Neben dem Bundeshaushalt stellen die einzelnen Emirate – insbesondere Abu Dhabi und Dubai – erhebliche zusätzliche Mittel aus eigenen Budgets bereit. In der Summe liegt der staatliche Finanzierungsanteil des Gesundheitssektors damit deutlich höher. Der Staat bleibt somit trotz wachsender privater Aktivitäten der zentrale Akteur bei der strategischen Entwicklung des Gesundheitswesens.
Rahmendaten zum Gesundheitssystem in den VAEIndikator | Wert |
|---|
Einwohnerzahl (2024 in Mio.) | 11 |
Bevölkerungswachstum (2024 in % p.a.) | 3,4 |
Altersstruktur der Bevölkerung (2024) | |
Anteil der unter 14-Jährigen (in %) | 16,1 |
Anteil der über 65-Jährigen (in %) | 1,8 |
Durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt (in Jahren) | 78 |
Durchschnittseinkommen (2024 in US$) | 48.903 |
Gesundheitsausgaben pro Kopf (2022 in US$) | 3000 |
Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP (2023 in %) | 3,8 |
Ärzte/10.000 Einwohner (2023) | 29,8 |
Zahnärzte/10.000 Einwohner (2022) | 8,8 |
Krankenhausbetten/10.000 Einwohner (2023) | 17,3 |
Quelle: Federal Competitiveness and Statistics Authority, Ministry of Health & Prevention, World Bank, Germany Trade & Invest; Januar 2026
Pflichtversicherung stärkt staatliche Rolle
Die Finanzierung des Gesundheitssystems basiert auf einer Kombination aus staatlichen Mitteln, obligatorischen Krankenversicherungen und privaten Beiträgen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation wurden 2022 rund 64 Prozent der Gesundheitsausgaben aus öffentlichen Mitteln finanziert. Bis 2027 dürfte dieser Anteil auf etwa 70 Prozent steigen. Damit gewinnt der Staat als Kostenträger weiter an Bedeutung, während private Ausgaben relativ an Gewicht verlieren.
Parallel dazu sinkt der private Finanzierungsanteil von 36 Prozent im Jahr 2021 voraussichtlich auf rund 30 Prozent im Jahr 2027. Dieser Rückgang wird durch die zunehmende Kostenübernahme staatlich gestützter Versicherungssysteme kompensiert. Ein zentraler Treiber ist die landesweite Einführung der obligatorischen Krankenversicherung, die zuvor nur in Abu Dhabi und Dubai galt und seit Ende März 2023 auf alle sieben Emirate ausgeweitet wurde.
Die Versicherungssysteme decken je nach Tarif einen Großteil der Behandlungskosten ab und werden durch öffentlich-private Partnerschaften unterstützt. Arbeitgeber sind verpflichtet, ihre Beschäftigten zu versichern, wobei einkommensabhängig unterschiedliche Leistungsumfänge gelten. Ergänzend spielen freiwillige Zusatzversicherungen weiterhin eine wichtige Rolle.
Versicherungsmarkt wächst dynamisch
Die Aufsicht über den Versicherungssektor liegt bei der Zentralbank der VAE. Nach deren Angaben stiegen die Bruttobeitragseinnahmen in der Krankenversicherung 2024 um 21,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf rund 17 Milliarden US$. Für den Zeitraum von 2024 bis 2028 wird ein durchschnittliches jährliches Prämienwachstum von etwa 10 Prozent erwartet. Ausschlaggebend dafür ist vor allem die flächendeckende Einführung der Pflichtversicherung.
Sharia-konforme Takaful-Krankenversicherungen machen rund 10 Prozent des Marktes aus. Diese Versicherungsmodelle orientieren sich an den Prinzipien des islamischen Rechts und gewinnen insbesondere bei lokalen Anbietern an Bedeutung.
Importabhängiger Medizintechnikmarkt mit zunehmendem Wettbewerbsdruck
Trotz steigender Gesundheitsausgaben und wachsender Versicherungsdichte bleibt der Medizintechnikmarkt der VAE stark importabhängig. Der überwiegende Teil des Bedarfs wird von internationalen Herstellern gedeckt, während die lokale Produktion bislang nur eine untergeordnete Rolle spielt. Zu den wichtigsten Lieferländern zählen die USA, China und Deutschland.
Deutsche Medizintechnikhersteller stehen im Markt der VAE unter zunehmendem Wettbewerbsdruck. In standardisierten und preissensitiven Segmenten wie Verbrauchsmaterialien, Basisausstattung und einfachen Diagnosesystemen haben Anbieter aus Asien zuletzt an Bedeutung gewonnen, was den deutschen Marktanteil in diesen Bereichen tendenziell geschwächt hat. In technologieintensiven Segmenten – insbesondere bei bildgebenden Verfahren, diagnostischen Systemen sowie spezialisierten Klinik- und Laborlösungen – bleiben deutsche Anbieter dagegen stabil positioniert und profitieren von ihrer hohen technischen Qualität, Servicekompetenz und regulatorischen Erfahrung.
Lokale Hersteller konzentrieren sich bislang überwiegend auf einfache Verbrauchsmaterialien wie Spritzen oder Kanülen. Die Regierung der VAE verfolgt zwar das Ziel, die inländische Medizintechnikproduktion auszubauen, die tatsächliche lokale Wertschöpfung bleibt bislang jedoch begrenzt. In den vergangenen Jahren haben sich zwar einzelne internationale Unternehmen in spezialisierten Wirtschaftszonen wie dem Dubai Science Park oder der Dubai Healthcare City angesiedelt, häufig handelt es sich dabei jedoch um Montage-, Service- oder Vertriebsstandorte und weniger um vollintegrierte Produktionsstätten. Diese Zonen bieten mit vollständigem ausländischem Eigentum und steuerlichen Anreizen attraktive Rahmenbedingungen, der Aufbau einer breiteren industriellen Fertigung verläuft jedoch schrittweise und ist weiterhin stark von ausländischem Know-how abhängig.
Gesundheitsorganisationen in den Vereinigten Arabischen Emiraten
Von Heena Nazir
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Dubai