Wirtschaftsstandort | Peru

Peru baut seine Standortvorteile aus

Trotz der politischen Krisen im Land entwickelt sich Perus Wirtschaft stabil. Es besteht großes Potenzial in Logistik und Bergbau. Mehrere deutsche Firmen bauen ihre Präsenz aus.

Janosch Siepen

Von Janosch Siepen | Bogotá

Makroökonomische Stabilität, Offenheit für Außenhandel und großes Potenzial in den Bereichen Bergbau, Landwirtschaft, erneuerbare Energien und Logistik machen Peru zu einem attraktiven Standort für ausländische Unternehmen. Zwar ist die Wirtschaftskraft geringer als die von Brasilien, Chile und Kolumbien. Doch verfügt das Land über eine Reihe von Trümpfen: Neue Hafenprojekte lassen es zu einer führenden Logistikdrehscheibe in Südamerika werden. Große Kupfervorkommen wecken das Investoreninteresse angesichts der weltweit steigenden Nachfrage nach diesem strategischen Rohstoff. Entsprechend könnte Peru seine Stellung als Handelspartner Deutschlands in der Region künftig ausbauen.  

  • Neue Industrieparks und Sonderwirtschaftszonen könnten künftig das verarbeitenden Gewerbe stärken. Auch die Agrarwirtschaft hat das Potenzial, sich zunehmend zu industrialisieren. 

    Im Ranking des britischen Informationsdienstleisters Economist Intelligence Unit (EIU) über das Geschäftsklima in 82 Ländern belegt Peru den dritten Platz von zwölf untersuchten Märkten in Lateinamerika. Weltweit ist es Rang 47. Zu den Stärken des Landes gehören die hohe makroökonomische Stabilität und die Offenheit im Handel, zu den Schwächen die instabile politische Lage, so EIU.

    Langfristig kommt die Energiewende als globaler Trend mit ihrem Rohstoffhunger Peru entgegen. Auch bei erneuerbaren Energien kann der Andenstaat in der Region an Bedeutung gewinnen, da immer mehr internationale Unternehmen Projekte starten. Peru verfügt über großes Wind- und Solarpotenzial sowie ein besseres Investitionsklima als das Nachbarland Kolumbien, das mit regulatorischen Herausforderungen und Konflikten mit lokalen Gemeinden zu kämpfen hat.

    33 Mio.

    Personen lebten 2022 im Land.

    Quelle: INEI 2023

    242 Mrd.

    US-Dollar betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2022 laut Schätzungen.

    Quelle: IWF 2023

    7.090

    US-Dollar machte das BIP pro Kopf damit 2022 aus.

    Quelle: IWF 2023

    Rang 69

    belegte das Land 2022 unter den deutschen Exportzielen.

    Quelle: Destatis 2023

    Rang 101

    nimmt das Land im Corruption Perceptions Index 2022 ein (unter 180 Ländern).

    Quelle: Transparency International 2023

    5,5 %

    betrug die Analphabetenquote im Jahr 2020.

    Quelle: Weltbank 2023

     

    Ausführliche Informationen zur Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt

    Wirtschaftliche Stabilität überzeugt deutsche Unternehmen

    Laut Marina Yzú von der Deutsch-Peruanischen Industrie- und Handelskammer (AHK Peru) sind knapp 90 Unternehmen mit deutschem Kapital im Land vertreten. Mit Lieferungen im Wert von über 1 Milliarde US-Dollar (US$) lag Peru 2024 auf Platz 72 der wichtigsten Absatzmärkte Deutschlands. Für deutsche Firmen wie B. Braun, Faber-Castell oder Fraport ist das Land ein bedeutender Standort in der Region. "Die wirtschaftliche Stabilität, Unabhängigkeit der Zentralbank und Stärke der Währung in Peru sind die wichtigsten Faktoren für deutsche Unternehmen", sagt Yzú. 

    SWOT-Analyse Peru

    S

    Stärken Strengths

    • Rohstoffreichtum, vor allem Kupfer und Silber
    • Starker makroökonomischer Rahmen
    • Guter Marktzugang dank zahlreicher Handelsabkommen
    • Günstige klimatische Bedingungen für Agrarprodukte mit hohen Margen
    • Attraktive Lage am Pazifik für Exporte nach China
    W

    Schwächen Weaknesses

    • Hohe Abhängigkeit vom Kupferpreis
    • Korruption weit verbreitet
    • Fehlen einer breiten industriellen Basis
    • Sehr großer informeller Sektor
    • Hoher bürokratischer und administrativer Aufwand
    O

    Chancen Opportunities

    • Steigende Kupfernachfrage und -preise weltweit
    • Großes Potenzial für erneuerbare Energien
    • Logistische Anbindung durch neue Hafenprojekte
    • Finanzstabilität bietet Investitionsspielraum
    • Zahlreiche Straßen- und Schienenprojekte
    T

    Risiken Threats

    • Abhängigkeit von chinesischer Wirtschaft
    • Sich verschlechternde Sicherheitslage
    • Blockaden durch soziale Konflikte und Proteste
    • Hohe politische Instabilität
    • Dürren und Starkregen durch Extremwetterphänomene

    Peru als wichtiger Logistikhub Südamerikas

    Mitte 2025 eröffnete das Hamburger Logistikunternehmen FMS ein Büro in Lima. Peru habe sich zu einem sehr interessanten Markt entwickelt, vor allem durch Infrastrukturinvestitionen wie den Außenhafen in Callao. "Dennoch braucht es dringend weitere Investitionen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu steigern", sagt Juan Diego Galarza von FMS Peru. 

    Derzeit plant die Firma, das Land als südamerikanischen Hub und Logistikknoten zu nutzen. Insgesamt wolle man 1 bis 2 Millionen Euro in den Betrieb investieren. Bislang habe der Markt sehr gut reagiert, und die Gewinnaussichten für das Unternehmen in Peru seien gut. Galarza empfiehlt: "Deutsche Unternehmen sollten sich mit anderen deutschen Firmen im Markt auszutauschen, um Wissen zu teilen. Oft ist die Kommunikation in verschiedenen Branchen erstaunlich offen."

    Bergbau gewinnt weiter an Bedeutung

    Die Wirtschaftsstruktur Perus verändert sich. Der Anteil des verarbeitenden Gewerbes am Bruttoinlandsprodukt ist seit 2012 kontinuierlich gesunken und liegt inzwischen leicht unter dem des Bergbaus (einschließlich Öl- und Gasförderung). Dieser hat in den vergangenen Jahren an Gewicht gewonnen hat und könnte in Zukunft noch stärker werden. Peru ist nach Chile weltweit zweitgrößter Kupferproduzent, verfügt über große unerschlossene Vorkommen unter anderem an Silber, Kupfer, Zink, Gold und Blei und spielt bei der weltweiten Rohstoffsicherung eine wichtige Rolle. 

    Die Bergbauinvestitionen in Peru wuchsen von Januar bis November 2025 um 21,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Besonders die Ausgaben für Exploration signalisieren Vertrauen in den Sektor. Nach Einschätzung des Beratungsunternehmens Wood Mackenzie ist weiterhin mit hohen Kupfer- und Goldpreisen zu rechnen, da die Produktionskosten in Chile steigen und die Nachfrage schneller wächst als das Angebot. Das kommt Peru entgegen, dessen wichtigstes Exportprodukt Kupfer ist. Das gesamte Bergbauprojektportfolio umfasste mit Stand Oktober 2025 rund 63 Milliarden US$. Bei der Beschaffung greifen die Bergbauunternehmen häufig auf technologische Lösungen aus Deutschland zurück, da bei Produktionsausfällen hohe Verluste drohen.

    Bedeutung der Wirtschaftszweige in Peru (Anteile in Prozent)

    Sektoren

    Anteil am BIP 2024

    Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

    7,4

    Bergbau (inklusive Öl- und Gasförderung)

    12,5

    Verarbeitendes Gewerbe

    12,2

    Energieversorgung (inklusive Wasserversorgung)

    2,4

    Baugewerbe

    7,2

    Dienstleistungen

    58,2

    Nominale WerteQuelle: INEI 2026

    Laut Yzú bietet auch der Agrarsektor gutes Absatzpotenzial für Technologieanbieter, da die Branche in verschiedenen Produktkategorien international führend sei. Künftig wolle das Land Anreize schaffen, eine Agroindustrie zu etablieren, anstatt nur Produkte zu exportieren. Davon könnten deutsche Firmen profitieren. Auch sind deutsche Firmen schon jetzt wichtige Lieferanten und Betreiber von Solar- und Windenergieprojekten. Die Dekarbonisierung im peruanischen Bergbau ist dabei ein Katalysator für die Branche.

    Regionen setzen auf unterschiedliche Branchen

    Die mit Abstand wichtigste Wirtschaftsregion ist die Hauptstadt Lima. Hier dominieren der Dienstleistungssektor und das verarbeitende Gewerbe. Mit 10,4 Millionen Menschen lebt etwa ein Drittel der Bevölkerung Perus in der Metropolregion. Im Süden des Landes, insbesondere in den Bundesstaaten Arequipa, Apurímac und Moquegua bestimmen die großen Kupfervorkommen das Geschehen. In Arequipa, das als Zentrum des Bergbaus gilt, findet alle zwei Jahre die Perumin statt, eine der größten Bergbaumessen in der Region. Auch der Bundesstaat Áncash ist ein Kupferproduzent. Cajamarca im Norden beherbergt wichtige zukünftige Bergbauprojekte. In der Landwirtschaft stechen die nördlichen Bundesstaaten La Libertad, Piura und Lambayeque hervor. 

     

    Janosch Siepen

    Von Janosch Siepen | Bogotá

  • Investitionsoffenheit und wirtschaftliche Stabilität locken Unternehmen nach Peru - darunter auch deutsche Firmen, die ihre Aktivitäten in dem Andenstaat ausweiten.

    Peru weist solide fiskalische Rahmendaten auf. Der Staat ist vergleichsweise gering verschuldet mit 32 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Er fördert Investitionen und sorgt für stabile Bedingungen, um Investoren zu gewinnen. Außerdem punktet das Land mit seiner Lage am Pazifik und großem Potenzial im Bergbau, der Landwirtschaft und bei grüner Energie. Laut der staatlichen Außenhandelsagentur Promperú gaben 2025 elf ausländische Unternehmen Investitionsversprechen für 2,5 Milliarden US-Dollar (US$) ab, vor allem für die Sektoren erneuerbare Energien und Agrarindustrie. 

    Wegen der guten klimatischen Bedingungen für die Landwirtschaft hat sich das Land bei Trendfrüchten wie Heidelbeeren, Trauben und Avocados zu einem der weltweit größten Exporteure entwickelt. Peru will den globalen Trend zu gesunder Ernährung nutzen und sich als führender Anbieter in diesem Bereich etablieren. Im September 2025 verabschiedete die Regierung ein Paket mit Steueranreizen für die Agrarindustrie (Gesetz Nr. 32.434) für den Zeitraum von 2026 bis 2035.

    Durch die erstklassigen Rohstoffvorkommen sind außerdem zahlreiche ausländische Bergbaukonzerne in Peru engagiert. Allerdings hadert der Sektor mit Risiken wie sozialen Protesten und langwierigen Genehmigungsverfahren. Von der Exploration bis zur Produktion dauern Bergbauprojekte in dem Andenstaat durchschnittlich 40 Jahre. Das ist mehr als doppelt so lange wie der internationale Schnitt von 15,5 Jahren, so das Instituto Peruano de Economía (IPE). Eine weitere Sorge ist die wachsende Präsenz organisierter Kriminalität im informellen Bergbau – angefeuert durch die hohen Erlöse.

    Bergbau dominiert ausländische Direktinvestitionen

    Der Bestand an ausländischen Direktinvestitionen (FDI) in Peru ist in den letzten zehn Jahren um über ein Viertel gewachsen. Rund 23 Prozent des Bestands entfallen auf den Bergbau, gefolgt von den Finanzdienstleistungen mit 22 Prozent und dem Telekommunikationssektor mit 18 Prozent. In der Energiewirtschaft und im verarbeitenden Gewerbe sind jeweils gut 11 Prozent des FDI-Bestands investiert. Laut dem Statistikamt INEI haben Großbritannien und Spanien am meisten investiert. Auf Rang 3 und 4 folgen Chile und die USA.

    Deutsche Unternehmen setzen auf Produktion in Peru

    Direktinvestitionen aus der Bundesrepublik Deutschland sind gering. Einige bekannte deutsche Unternehmen unterhalten jedoch seit Jahrzehnten Produktionsstätten oder haben in Peru investiert. So betreibt Fraport den internationalen Flughafen in Lima. Der mittelfränkische Bleistift- und Schreibwarenhersteller Faber-Castell ist seit fast 60 Jahren in Peru präsent. Fast ein Viertel der weltweiten Produktion kommt aus dem Werk im Bezirk Ate der Metropolregion Lima. Ende 2025 kündigte Faber-Castell an, die Produktion einiger europäischer Werke nach Peru zu verlagern.

    Das Nürnberger Schreibwarenunternehmen Staedtler investierte 2018 in zwei Produktionsstätten in Peru, heute weltweit die einzigen Produktionsstandorte des Unternehmens außerhalb Deutschlands. B. Braun beliefert seit über 40 Jahren den peruanischen Krankenhausmarkt und unterhält eine Produktionsstätte zur Herstellung parenteraler Lösungen bei Lima, um für Peru und dessen Nachbarländer zu produzieren. Heinz-Glas ist seit 2006 in Peru aktiv und produziert Flakons für den regionalen Markt.

    Größte deutsche Investoren in Peru (Stand: Januar 2026)

    Unternehmen

    Branche

    FraportFlugverkehr
    Faber-CastellSchreibwaren
    B.BraunMedizintechnik
    Heinz-GlasGlaswaren
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

    Investitionsförderung: Offener Markt und Steuervorteile

    Peru gilt als ein Land mit einem der offensten Investitionssysteme der Welt. Eine der Hauptstrategien der peruanischen Regierung zur Förderung ausländischer Investitionen sind Freihandelsabkommen und bilaterale Investitionsschutzabkommen mit rund 30 Ländern sowie die Mitgliedschaft im Investitionsausschuss der OECD. Seit 2022 ist Peru Beitrittskandidat der OECD. Zwischen Peru und Deutschland besteht seit 1997 ein Investitionsschutzabkommen

    Artikel 63 der Verfassung von 1993 garantiert ausländischen Investoren die gleichen Rechte wie inländischen. Ausländische Investitionen sind nicht genehmigungspflichtig und in den meisten Wirtschaftsbereichen uneingeschränkt zulässig. Sie müssen bei der peruanischen Investitionsförderungsagentur ProInversión registriert werden. Beschränkungen bestehen unter anderem im Luft- und Seetransport und Bereichen wie private Sicherheit und Überwachung.

    Die Rechte von Investoren können durch Rechtsstabilitätsvereinbarungen abgesichert werden. Ausländische Investoren dürfen eine Vereinbarung beantragen, wenn sie mindestens zwei Jahre lang 10 Millionen US$ in den Bergbau oder den Kohlenwasserstoffsektor oder 5 Millionen US$ in einen anderen Sektor investieren möchten.

    Eine Reihe weiterer Instrumente begünstigt Investitionen: Peru verfügt seit 2008 über eine gesetzliche Regelung für öffentlich-private Partnerschaften (Gesetzesdekret Nr. 1.362). Das Steuergesetz für öffentliche Arbeiten (Nr. 29.230) ermöglicht es Unternehmen, öffentliche Arbeiten durchzuführen und dafür einen Teil der zu zahlenden Körperschaftssteuer erlassen zu bekommen. Darüber hinaus gibt es Steuervorteile für wissenschaftliche Forschung, technologische Entwicklung und Innovationsprojekte sowie in den Sonderentwicklungszonen (Zonas Especiales de Desarrollo - ZED). Die ZED in Piura, Moquegua und Arequipa und die Freihandelszone in Tacna leiden allerdings an mangelnder Infrastruktur wie Stromknappheit und einer schwachen Integration in bestehende Wertschöpfungsketten, so eine Studie des Kreditinstituts BBVA. 

    Das Gesetz Nr. 32.449 sieht die Schaffung privater Sonderwirtschaftszonen (ZEEP) unter anderem in Chancay, Ancón und Callao sowie Steueranreize vor. Bereits Ende 2025 vergab die staatliche Investitionsförderungsagentur ProInversión den 1,3 Milliarden US$ schweren Auftrag für ein Industriepark-Projekt in Ancón an ein chinesisches Konsortium. 

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung. 

    Janosch Siepen

    Von Janosch Siepen | Bogotá

  • BezeichnungAnmerkung
    AHK PeruDeutsch-Peruanische Industrie- und Handelskammer
    ProInversiónInvestitionsförderungsagentur von Peru
    PromperúPeruanisches Wirtschafts- und Handelsbüro
    Instituto Nacional de Estadística e Informática (INEI)Peruanische Statistikbehörde
    Banco Central de Reserva del Peru (BCRP)Peruanische Zentralbank
    Instituto Peruano de Economía (IPE)Peruanisches Wirtschaftsinstitut
    Cámara de Comercio de LimaHandelskammer der Hauptstadt Lima