Wirtschaftsausblick | Peru
Peru wählt marktfreundliche Präsidentin
Die Wirtschaft reagiert erleichtert auf den Wahlausgang. Das Geschäftsklima dürfte sich verbessern. Dennoch bleiben zahlreiche Herausforderungen bestehen.
06.07.2026
Von Janosch Siepen | Mexiko-Stadt
Top-Thema: Was bedeutet die Wahl Fujimoris für Peru?
Peru hat am 7. Juni 2026 die rechtsgerichtete Politikerin Keiko Fujimori zur Präsidentin gewählt. Der Sieg Fujimoris dürfte Investoren und die Unternehmerschaft beruhigen. Sie vertritt deutlich marktfreundlichere und fiskalisch orthodoxere Positionen als Sánchez. Fujimori plant, den Haushalt zu konsolidieren, Bürokratie abzubauen und kleine Unternehmen zu fördern. Die landwirtschaftliche und industrielle Entwicklung möchte sie durch staatliche Programme vorantreiben.
"Der erwartete Wahlsieg von Keiko Fujimori wird von vielen deutschen Unternehmen als Signal für wirtschaftliche Kontinuität und eine Stärkung des Vertrauens in den Wirtschaftsstandort Peru wahrgenommen."
Das sagt Federico Thielemann, Geschäftsführer der Deutsch-Peruanischen Industrie- und Handelskammer (AHK Peru). "Trotz weiterhin bestehender Herausforderungen in den Bereichen Regierungsführung und öffentliche Sicherheit werden die Perspektiven für deutsche Investitionen in Peru derzeit positiv eingeschätzt."
Populistische Gesetzesvorhaben des peruanischen Kongresses sowie die traditionell hohe politische Instabilität im Land stellen weiterhin Risiken für das Geschäftsumfeld dar. Allerdings wird das künftige Parlament merklich weniger zersplittert sein als der scheidende Kongress, was zur Verbesserung der Regierbarkeit und der politischen Stabilität beitragen kann. Fujimoris Partei bildet nach der Kongresswahl im April den größten Block in beiden Kammern mit jeweils etwa einem Drittel der Sitze.
Aufgrund des hauchdünnen Vorsprungs in der Präsidentschaftswahl bleibt die ohnehin fragile politische Lage im Land aber weiter angespannt. Sánchez kündigte an, das Resultat nicht anzuerkennen. Es besteht ein Risiko sozialer Unruhen. Fujimori steht vor zahlreichen Herausforderungen, darunter wachsende Unsicherheit, das Extremwetterphänomen El Niño, das Peru 2026 treffen und zu Dürren führen könnte, sowie eine starke Opposition.
Wirtschaftsentwicklung: Wachstum bleibt 2026 gemäßigt
Das Wirtschaftswachstum in Peru dürfte sich 2026 trotz Fujimoris Sieg verlangsamen. Der britische Informationsdienstleister Economist Intelligence Unit (EIU) prognostiziert für 2026 einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,5 Prozent. Andere Institute sind optimistischer und gehen von einem Plus von rund 3 Prozent aus. Impulse erwartet das spanische Kreditinstitut BBVA unter anderem vom Bausektor und dem Groß- und Einzelhandel.
Die klimatischen Bedingungen im El-Niño-Jahr bremsen hingegen den Agrar- und Fischereisektor. Die zwischenzeitliche Sorge vor einem Wahlsieg von Sánchez ließ Unternehmen bei Investitionen zögern. Hinzu kommt ein Anstieg der Inflation durch teurere Importe infolge des Irankonflikts.
Investitionsklima könnte sich mittelfristig verbessern
Unter Fujimori könnte sich die Umsetzung öffentlich-privater Projekte beschleunigen. Die staatliche Investitionsförderungsagentur ProInversión verwaltet für 2026 ein Portfolio von 46 Investitionsprojekten im Wert von 8,2 Milliarden US-Dollar (US$). Die Projekte konzentrieren sich vor allem auf die Bereiche Infrastruktur, Abwasserentsorgung, Gesundheitswesen und Tourismus.
Auch der Bergbau könnte durch die neue Regierung Unterstützung erhalten. Die Kupfermine Tía María dürfte in der zweiten Jahreshälfte 2027 in Betrieb gehen und der Branche Impulse geben. Weitere Projekte werden laut BBVA zwischen 2026 und 2027 mit dem Bau beginnen.
Steigende Inflation bremst Konsum
Höhere Preise für importierte Kraftstoffe und Düngemittel infolge des Irankonflikts treiben die Inflation an. EIU rechnet 2026 mit einer Geldentwertung von durchschnittlich 4 Prozent. Dies belastet die privaten Haushalte. Analysten rechnen mit einem etwas schwächeren Wachstum des Privatkonsums von 2,9 Prozent (2025: 3,6 Prozent).
Handelsüberschuss schrumpft
Hohe Kupfer- und Goldpreise sowie US-Zollerleichterungen für Agrarprodukte aus Peru stützen die Exporte. Die USA sind der wichtigste Absatzmarkt für peruanische Agrarexporte. Allerdings steigt die Rechnung für Kraftstoffimporte wegen der hohen Ölpreise. Dadurch verringert sich 2026 der Handelsüberschuss Perus, so EIU.
Ein potenziell schwächeres Wirtschaftswachstum in China, Perus wichtigstem Handelspartner, könnte die Handelsbilanz ebenfalls trüben. Der 2024 eröffnete Tiefseehafen in Chancay erleichtert dagegen den Handel zwischen Peru und der Volksrepublik.
Deutsche Perspektive: Firmen beurteilen Peru positiv
Laut dem AHK World Business Outlook vom Frühjahr 2026 beurteilen deutsche Unternehmen ihre Geschäftslage in Peru deutlich positiver als im regionalen Vergleich. Auch die Geschäftserwartungen bei den befragten Firmen sind besser. Als Risiken nennen die Unternehmen vor allem die Rechtssicherheit und Wirtschaftspolitik im Land.
Deutsche Unternehmen sind in strategischen Sektoren aktiv
Zahlreiche deutsche Unternehmen treiben Projekte im Land voran. HIMA, ein baden-württembergischer Spezialist für Automatisierung und industrielle Sicherheit, eröffnete im Frühjahr 2026 ein Büro in Lima. Von dort aus will das Unternehmen Peru und Nachbarmärkte bearbeiten. Mehrere deutsche Unternehmen möchten zudem am Wachstum des peruanischen Logistik- und Transportsektors partizipieren:
- DHL Supply Chain eröffnete im September 2025 ein neues Logistikzentrum bei Lima mit einer Investition von mehr als 7 Millionen US$.
- DHL Express hat eine neue Servicestelle in Trujillo eröffnet, um Kunden den Ex- und Import von Produkten, vor allem im Agrarbereich, zu erleichtern.
- FlixBus möchte im peruanischen Markt aktiv werden; allerdings verzögert sich der Markteintritt, da das peruanische Transportministerium bislang nicht die entsprechenden Genehmigungen ausgestellt hat.
Deutsche Unternehmen interessieren sich auch für den Energiesektor im Land. Viridi aus Neckarsulm etwa treibt das Solarprojekt Tierra Blanca im Departamento Ica voran. Das Projekt umfasst eine Leistung von 250 Megawatt und ein Investitionsvolumen von 375 Millionen US$. Zudem stößt das Potenzial der peruanischen Landwirtschaft auf das Interesse deutscher Firmen. Unternehmen wie BASF und Bayer verstärken ihr Engagement im Land.
Nähere Informationen zu Peru finden Sie auf der GTAI-Länderseite.