Special | Peru | Rohstoffsicherung
Deutschland sollte bei seiner Rohstoffsicherung nach Peru blicken
Peru verfügt über zahlreiche Ressourcen und gute Produktionsbedingungen. Experten zufolge sollte Deutschland stärkeres Interesse an den peruanischen Rohstoffen zeigen. (Stand: 27.04.2026)
Von Janosch Siepen | Mexiko-Stadt
Vorkommen: Großes Potenzial für weltweite Rohstoffversorgung
Peru ist eines der wichtigsten Rohstoffländer Lateinamerikas. Bei den Vorkommen zahlreicher Metalle liegt das Land international auf Spitzenplätzen. Neben dem weltweit größten Silberbestand beherbergt Peru die drittgrößten Kupfervorkommen. Laut dem peruanischem Energie- und Bergbauministerium (MINEM) befinden sich die meisten Vorkommen des roten Metalls in den Regionen Arequipa (40,7 Prozent), Cajamarca (30,6 Prozent), Áncash (6,7 Prozent) und Junín (6,5 Prozent). Von den rund 85 Millionen Tonnen Kupferreserven gelten allerdings nur knapp ein Viertel als gesichert. Der Rest sind wahrscheinliche Vorkommen auf Basis von ersten geologischen Studien.
Laut der Unternehmensberatung Ernst & Young werden bislang nur etwa 1,5 Prozent des peruanischen Territoriums für den Bergbau genutzt. Die Ausgaben für Bergbauexploration in Peru sind in den letzten Jahren jedoch angestiegen, im Jahr 2025 um 38,5 Prozent. Die Ausgaben lassen sich vor allem auf Kupferprojekte von Unternehmen wie Zafranal (Kanada) und Southern Peru Copper (Mexiko) zurückführen.
| Rohstoff | Vorräte (in 1.000 t) | Weltanteil (in %) |
|---|---|---|
| Kupfer | 85.000 | 8,7 |
| Zink | 18.000 | 7,5 |
| Silber | 110 | 18,0 |
| Blei | 5.000 | 5,3 |
| Molybdän | 1.000 | 5,9 |
| Zinn | 150 | 2,5 |
Erschließung: Kupferproduktion auf Rekordniveau
In den letzten Jahren hat Peru mit der Demokratischen Republik Kongo um Platz 2 auf der Liste der weltweit größten Kupferproduzenten gerungen und lag 2025 auf Rang 3. MINEM zufolge produzierte der Andenstaat 2025 2,8 Millionen Tonnen Kupfer. Damit wuchs die Produktion im Vergleich zum Vorjahr nur um magere 1,2 Prozent, erreichte jedoch einen historischen Rekordwert. Grund dafür sind hohe Kupferpreise und der kontinuierliche Betrieb der Minen. Dem Bergbauministerium zufolge möchte das Land seine Produktion 2026 auf einem Niveau von 2,8 Millionen Tonnen konsolidieren.
Ab 2027 könnte das Niveau weiter steigen, weil neue Projekte den Betrieb aufnehmen, zum Beispiel Tía María. Weitere Entwicklungen könnten dem Sektor zusätzlich Schub geben. So arbeitet das MINEM an einer Roadmap für den Kupfersektor der nächsten Jahre und möchte bürokratische Prozesse digital verschlanken. Zudem strebt der geologische Dienst des Landes, INGEMMET, die Öffnung neuer Explorationsgebiete ab Mai 2026 an.
| Rohstoff | Förderung (in 1.000 t) | Weltanteil (in %) |
|---|---|---|
| Kupfer | 2.700 | 11,7 |
| Zink | 1.500 | 11,5 |
| Silber | 3,6 | 13,8 |
| Blei | 290 | 6,4 |
| Molybdän | 39 | 15,0 |
| Zinn | 33 | 11,4 |
Über 60 Prozent der peruanischen Kupferproduktion entfallen auf die Regionen Moquegua, Arequipa, Apurímac und Áncash. Stärkste Kupferproduzenten waren 2025 die Unternehmen Southern Perú Copper (Mexiko), Las Bambas (China), Cerro Verde (USA, Japan, Peru), Antamina (Australien, Schweiz), Quellaveco (England, Japan) und Chinalco (China). In den letzten Jahren haben sich die Marktanteile im Sektor verschoben. Während Southern Perú Copper und Las Bambas Spitzenplätze ergattern konnten, hat Antamina deutlich an Marktanteil verloren.
China ist wichtigster Investor
Peru hat MINEM zufolge ein Bergbauportfolio im Wert von knapp 64 Milliarden US-Dollar (US$). Davon entfallen 71 Prozent auf Kupferprojekte. Hauptinvestor des gesamten Portfolios sind chinesische Unternehmen mit über einem Fünftel des Investitionsvolumens. Zu den wichtigsten zählen China Minmetals, Zijin Mining und Zhongrong Xinda mit großen Kupferprojekten wie El Galeno (3,5 Milliarden US$) und Río Blanco (2,8 Milliarden US$). Dabei modernisieren sich chinesische Projekte zunehmend. So wird die Kupfermine Toromocho von Chinalco digital betrieben und aus einem Steuerungszentrum 150 Kilometer entfernt in Lima überwacht. Zudem führte Chinalco zusammen mit Huawei autonome Bohrsysteme ein.
Der Wettbewerb verschärft sich"
Peru gewinnt als Kupferstandort strategisch an Bedeutung – gleichzeitig baut China seinen Einfluss systematisch aus. Welche Folgen das für deutsche Unternehmen hat, erklärt Christoph Danner, Rohstoffexperte beim Maschinenbauverband VDMA, im Interview. Seine Prognose: Die Spielregeln im peruanischen Bergbau könnten sich grundlegend verändern.
Herr Danner, welche strategische Bedeutung gewinnt Peru im globalen Kupfermarkt?
Peru ist bereits heute einer der wichtigsten Kupferproduzenten weltweit und wird künftig weiter an Bedeutung gewinnen. Während Chile stagniert, verfügt Peru über erhebliches Wachstumspotenzial. Die Produktionsvolumina beider Länder dürften sich in den kommenden Jahren deutlich annähern.
Wie ist Deutschland in Peru bei der Rohstoffsicherung positioniert?
Bislang fehlt ein strategischer Ansatz. Die Rohstoffbeziehungen sind weitgehend marktgetrieben. Zwar hat ein Umdenken eingesetzt, konkrete Maßnahmen zur Sicherung von Lieferketten stehen jedoch noch aus.
Wie baut China seine Position im peruanischen Bergbau aus?
China investiert gezielt entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Minenbeteiligungen über Technologie bis hin zu Logistik. Dadurch sichert sich das Land nicht nur den Zugang zu Rohstoffen, sondern gewinnt auch Einfluss auf deren Vermarktung und Transport.
Welche Auswirkungen hat das auf deutsche Unternehmen?
Der Wettbewerb verschärft sich deutlich. Chinesische Anbieter kombinieren Technologie mit Finanzierung und werden zunehmend leistungsfähiger. Gleichzeitig entstehen strukturelle Vorteile für chinesische Unternehmen, etwa wenn Rohstoffabnahme, Infrastruktur und Technologie aus einer Hand kommen. Das kann den Marktzugang für deutsche Firmen erschweren.
Verarbeitung: Mehr Verhüttung in Peru selbst
Peru verarbeitet sein Kupfer kaum selbst weiter. Zu den Ausnahmen zählt Southern Copper mit der Schmelze Ilo. Bis 2029 möchte das Unternehmen 1,4 Milliarden US$ in die Schmelze investieren. Der Großteil von Perus Kupfer wird im Ausland verarbeitet. Und Perus Kupferausfuhren wachsen. Inzwischen kommt fast ein Drittel aller peruanischen Exporte aus dem Kupferbergbau. Drei Viertel des peruanischen Kupfers gehen nach China.
Zwischen Deutschland und Peru besteht seit 2014 ein Rohstoffabkommen. Laut Zahlen von UN Comtrade liegt Peru bei den deutschen Kupferimporten auf Rang drei, nach Brasilien und Chile. Demnach gingen im Jahr 2024 Lieferungen im Wert von 282 Millionen US$ nach Deutschland. Das sind rund 10 Prozent der deutschen Kupferimporte. Zu den Abnehmern zählt unter anderem der Hamburger Kupferproduzent Aurubis.
| Rohstoff | Verarbeitung pro Jahr (in 1.000 t) | Weltanteil (in %) |
|---|---|---|
| Arsen | 25,4 | 44,6 |
| Zinn | 26,6 | 7,3 |
| Kadmium | 0,3 | 1,1 |
| Kupfer | 394,9 | 1,9 |
| Zink | 349,5 | 2,6 |
ESG: Deutsches Unternehmen in der Kritik
Im Januar 2026 registrierte die peruanische Ombudsstelle 99 sozialökologische Konflikte, zwei Drittel davon im Bergbau. Immer wieder kommt es zu Konflikten hinsichtlich Eigentumsverhältnissen, Wassernutzung und zum Teil schwerer Umweltverschmutzung. Menschenrechtsorganisationen berichten von mangelnder Beteiligung lokaler Gemeinden bei Bergbauprojekten und von Vertreibung. Ende 2025 reichte das katholische Entwicklungshilfswerk Misereor beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) Beschwerde gegen Aurubis ein und berief sich dabei auf das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz. Angeprangert werden die Minen Antamina und Quellaveco, aus denen Aurubis sein Kupferkonzentrat bezieht. In den Minen soll es zu schweren Umweltbelastungen und Menschenrechtsverletzungen gekommen sein.
| Stärken | Schwächen | |
|---|---|---|
| Ökologie | Verbesserte Umweltgesetzgebung | Berichte über Umweltverschmutzung |
| Soziales | Soziale Akzeptanz als wichtige Voraussetzung für Projektzulassung | Soziale Konflikte können Projekte blockieren |
| Governance | Regierung gibt Ziele vor | Unternehmensabgaben kommen nicht immer bei lokalen Gemeinden an |
Eine der größten Herausforderungen in dem Sektor ist es, eine Soziallizenz zu erhalten und beizubehalten. Sie ist die Voraussetzung für ein Kupferprojekt. In der Vergangenheit haben Konflikte mit Gemeinden immer wieder zum Stillstand von Projekten geführt. Zwar konnten Projekte wie Tía María durch den Dialog mit den Gemeinden und ihre Einbeziehung zuletzt Durchbrüche beim Projektfortschritt erzielen. Trotzdem kommt es weiterhin zu Protesten gegen das Projekt. In Peru gibt es ein Finanzierungssystem (Regalías Mineras, Canon Minero), das sicherstellen soll, dass ein Teil der Investitionen und Gewinne von Bergbaubetreibern den Gemeinden und Regionen im Land zugutekommt. Allerdings kommen solche Gelder bei den jeweiligen Gemeinden mitunter nicht an, berichten Kritiker.