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Peru profitiert von seinem Bergbau- und Logistikpotenzial
Neue Industrieparks und Sonderwirtschaftszonen könnten künftig das verarbeitenden Gewerbe stärken. Auch die Agrarwirtschaft hat das Potenzial, sich zunehmend zu industrialisieren.
06.02.2026
Von Janosch Siepen | Bogotá
Im Ranking des britischen Informationsdienstleisters Economist Intelligence Unit (EIU) über das Geschäftsklima in 82 Ländern belegt Peru den dritten Platz von zwölf untersuchten Märkten in Lateinamerika. Weltweit ist es Rang 47. Zu den Stärken des Landes gehören die hohe makroökonomische Stabilität und die Offenheit im Handel, zu den Schwächen die instabile politische Lage, so EIU.
Langfristig kommt die Energiewende als globaler Trend mit ihrem Rohstoffhunger Peru entgegen. Auch bei erneuerbaren Energien kann der Andenstaat in der Region an Bedeutung gewinnen, da immer mehr internationale Unternehmen Projekte starten. Peru verfügt über großes Wind- und Solarpotenzial sowie ein besseres Investitionsklima als das Nachbarland Kolumbien, das mit regulatorischen Herausforderungen und Konflikten mit lokalen Gemeinden zu kämpfen hat.
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Wirtschaftliche Stabilität überzeugt deutsche Unternehmen
Laut Marina Yzú von der Deutsch-Peruanischen Industrie- und Handelskammer (AHK Peru) sind knapp 90 Unternehmen mit deutschem Kapital im Land vertreten. Mit Lieferungen im Wert von über 1 Milliarde US-Dollar (US$) lag Peru 2024 auf Platz 72 der wichtigsten Absatzmärkte Deutschlands. Für deutsche Firmen wie B. Braun, Faber-Castell oder Fraport ist das Land ein bedeutender Standort in der Region. "Die wirtschaftliche Stabilität, Unabhängigkeit der Zentralbank und Stärke der Währung in Peru sind die wichtigsten Faktoren für deutsche Unternehmen", sagt Yzú.
Peru als wichtiger Logistikhub Südamerikas
Mitte 2025 eröffnete das Hamburger Logistikunternehmen FMS ein Büro in Lima. Peru habe sich zu einem sehr interessanten Markt entwickelt, vor allem durch Infrastrukturinvestitionen wie den Außenhafen in Callao. "Dennoch braucht es dringend weitere Investitionen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu steigern", sagt Juan Diego Galarza von FMS Peru.
Derzeit plant die Firma, das Land als südamerikanischen Hub und Logistikknoten zu nutzen. Insgesamt wolle man 1 bis 2 Millionen Euro in den Betrieb investieren. Bislang habe der Markt sehr gut reagiert, und die Gewinnaussichten für das Unternehmen in Peru seien gut. Galarza empfiehlt: "Deutsche Unternehmen sollten sich mit anderen deutschen Firmen im Markt auszutauschen, um Wissen zu teilen. Oft ist die Kommunikation in verschiedenen Branchen erstaunlich offen."
Bergbau gewinnt weiter an Bedeutung
Die Wirtschaftsstruktur Perus verändert sich. Der Anteil des verarbeitenden Gewerbes am Bruttoinlandsprodukt ist seit 2012 kontinuierlich gesunken und liegt inzwischen leicht unter dem des Bergbaus (einschließlich Öl- und Gasförderung). Dieser hat in den vergangenen Jahren an Gewicht gewonnen hat und könnte in Zukunft noch stärker werden. Peru ist nach Chile weltweit zweitgrößter Kupferproduzent, verfügt über große unerschlossene Vorkommen unter anderem an Silber, Kupfer, Zink, Gold und Blei und spielt bei der weltweiten Rohstoffsicherung eine wichtige Rolle.
Die Bergbauinvestitionen in Peru wuchsen von Januar bis November 2025 um 21,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Besonders die Ausgaben für Exploration signalisieren Vertrauen in den Sektor. Nach Einschätzung des Beratungsunternehmens Wood Mackenzie ist weiterhin mit hohen Kupfer- und Goldpreisen zu rechnen, da die Produktionskosten in Chile steigen und die Nachfrage schneller wächst als das Angebot. Das kommt Peru entgegen, dessen wichtigstes Exportprodukt Kupfer ist. Das gesamte Bergbauprojektportfolio umfasste mit Stand Oktober 2025 rund 63 Milliarden US$. Bei der Beschaffung greifen die Bergbauunternehmen häufig auf technologische Lösungen aus Deutschland zurück, da bei Produktionsausfällen hohe Verluste drohen.
Sektoren | Anteil am BIP 2024 |
|---|---|
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei | 7,4 |
Bergbau (inklusive Öl- und Gasförderung) | 12,5 |
Verarbeitendes Gewerbe | 12,2 |
Energieversorgung (inklusive Wasserversorgung) | 2,4 |
Baugewerbe | 7,2 |
Dienstleistungen | 58,2 |
Laut Yzú bietet auch der Agrarsektor gutes Absatzpotenzial für Technologieanbieter, da die Branche in verschiedenen Produktkategorien international führend sei. Künftig wolle das Land Anreize schaffen, eine Agroindustrie zu etablieren, anstatt nur Produkte zu exportieren. Davon könnten deutsche Firmen profitieren. Auch sind deutsche Firmen schon jetzt wichtige Lieferanten und Betreiber von Solar- und Windenergieprojekten. Die Dekarbonisierung im peruanischen Bergbau ist dabei ein Katalysator für die Branche.
Regionen setzen auf unterschiedliche Branchen
Die mit Abstand wichtigste Wirtschaftsregion ist die Hauptstadt Lima. Hier dominieren der Dienstleistungssektor und das verarbeitende Gewerbe. Mit 10,4 Millionen Menschen lebt etwa ein Drittel der Bevölkerung Perus in der Metropolregion. Im Süden des Landes, insbesondere in den Bundesstaaten Arequipa, Apurímac und Moquegua bestimmen die großen Kupfervorkommen das Geschehen. In Arequipa, das als Zentrum des Bergbaus gilt, findet alle zwei Jahre die Perumin statt, eine der größten Bergbaumessen in der Region. Auch der Bundesstaat Áncash ist ein Kupferproduzent. Cajamarca im Norden beherbergt wichtige zukünftige Bergbauprojekte. In der Landwirtschaft stechen die nördlichen Bundesstaaten La Libertad, Piura und Lambayeque hervor.