Wirtschaftsumfeld | Peru | Wirtschaftsstruktur

Peru profitiert von seinem Bergbau- und Logistikpotenzial

Neue Industrieparks und Sonderwirtschaftszonen könnten künftig das verarbeitenden Gewerbe stärken. Auch die Agrarwirtschaft hat das Potenzial, sich zunehmend zu industrialisieren. 

Von Janosch Siepen | Bogotá

Im Ranking des britischen Informationsdienstleisters Economist Intelligence Unit (EIU) über das Geschäftsklima in 82 Ländern belegt Peru den dritten Platz von zwölf untersuchten Märkten in Lateinamerika. Weltweit ist es Rang 47. Zu den Stärken des Landes gehören die hohe makroökonomische Stabilität und die Offenheit im Handel, zu den Schwächen die instabile politische Lage, so EIU.

Langfristig kommt die Energiewende als globaler Trend mit ihrem Rohstoffhunger Peru entgegen. Auch bei erneuerbaren Energien kann der Andenstaat in der Region an Bedeutung gewinnen, da immer mehr internationale Unternehmen Projekte starten. Peru verfügt über großes Wind- und Solarpotenzial sowie ein besseres Investitionsklima als das Nachbarland Kolumbien, das mit regulatorischen Herausforderungen und Konflikten mit lokalen Gemeinden zu kämpfen hat.

33 Mio.

Personen lebten 2022 im Land.

Quelle: INEI 2023

242 Mrd.

US-Dollar betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2022 laut Schätzungen.

Quelle: IWF 2023

7.090

US-Dollar machte das BIP pro Kopf damit 2022 aus.

Quelle: IWF 2023

Rang 69

belegte das Land 2022 unter den deutschen Exportzielen.

Quelle: Destatis 2023

Rang 101

nimmt das Land im Corruption Perceptions Index 2022 ein (unter 180 Ländern).

Quelle: Transparency International 2023

5,5 %

betrug die Analphabetenquote im Jahr 2020.

Quelle: Weltbank 2023

 

Ausführliche Informationen zur Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt

Wirtschaftliche Stabilität überzeugt deutsche Unternehmen

Laut Marina Yzú von der Deutsch-Peruanischen Industrie- und Handelskammer (AHK Peru) sind knapp 90 Unternehmen mit deutschem Kapital im Land vertreten. Mit Lieferungen im Wert von über 1 Milliarde US-Dollar (US$) lag Peru 2024 auf Platz 72 der wichtigsten Absatzmärkte Deutschlands. Für deutsche Firmen wie B. Braun, Faber-Castell oder Fraport ist das Land ein bedeutender Standort in der Region. "Die wirtschaftliche Stabilität, Unabhängigkeit der Zentralbank und Stärke der Währung in Peru sind die wichtigsten Faktoren für deutsche Unternehmen", sagt Yzú. 

SWOT-Analyse Peru

S

Stärken Strengths

  • Rohstoffreichtum, vor allem Kupfer und Silber
  • Starker makroökonomischer Rahmen
  • Guter Marktzugang dank zahlreicher Handelsabkommen
  • Günstige klimatische Bedingungen für Agrarprodukte mit hohen Margen
  • Attraktive Lage am Pazifik für Exporte nach China
W

Schwächen Weaknesses

  • Hohe Abhängigkeit vom Kupferpreis
  • Korruption weit verbreitet
  • Fehlen einer breiten industriellen Basis
  • Sehr großer informeller Sektor
  • Hoher bürokratischer und administrativer Aufwand
O

Chancen Opportunities

  • Steigende Kupfernachfrage und -preise weltweit
  • Großes Potenzial für erneuerbare Energien
  • Logistische Anbindung durch neue Hafenprojekte
  • Finanzstabilität bietet Investitionsspielraum
  • Zahlreiche Straßen- und Schienenprojekte
T

Risiken Threats

  • Abhängigkeit von chinesischer Wirtschaft
  • Sich verschlechternde Sicherheitslage
  • Blockaden durch soziale Konflikte und Proteste
  • Hohe politische Instabilität
  • Dürren und Starkregen durch Extremwetterphänomene

Peru als wichtiger Logistikhub Südamerikas

Mitte 2025 eröffnete das Hamburger Logistikunternehmen FMS ein Büro in Lima. Peru habe sich zu einem sehr interessanten Markt entwickelt, vor allem durch Infrastrukturinvestitionen wie den Außenhafen in Callao. "Dennoch braucht es dringend weitere Investitionen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu steigern", sagt Juan Diego Galarza von FMS Peru. 

Derzeit plant die Firma, das Land als südamerikanischen Hub und Logistikknoten zu nutzen. Insgesamt wolle man 1 bis 2 Millionen Euro in den Betrieb investieren. Bislang habe der Markt sehr gut reagiert, und die Gewinnaussichten für das Unternehmen in Peru seien gut. Galarza empfiehlt: "Deutsche Unternehmen sollten sich mit anderen deutschen Firmen im Markt auszutauschen, um Wissen zu teilen. Oft ist die Kommunikation in verschiedenen Branchen erstaunlich offen."

Bergbau gewinnt weiter an Bedeutung

Die Wirtschaftsstruktur Perus verändert sich. Der Anteil des verarbeitenden Gewerbes am Bruttoinlandsprodukt ist seit 2012 kontinuierlich gesunken und liegt inzwischen leicht unter dem des Bergbaus (einschließlich Öl- und Gasförderung). Dieser hat in den vergangenen Jahren an Gewicht gewonnen hat und könnte in Zukunft noch stärker werden. Peru ist nach Chile weltweit zweitgrößter Kupferproduzent, verfügt über große unerschlossene Vorkommen unter anderem an Silber, Kupfer, Zink, Gold und Blei und spielt bei der weltweiten Rohstoffsicherung eine wichtige Rolle. 

Die Bergbauinvestitionen in Peru wuchsen von Januar bis November 2025 um 21,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Besonders die Ausgaben für Exploration signalisieren Vertrauen in den Sektor. Nach Einschätzung des Beratungsunternehmens Wood Mackenzie ist weiterhin mit hohen Kupfer- und Goldpreisen zu rechnen, da die Produktionskosten in Chile steigen und die Nachfrage schneller wächst als das Angebot. Das kommt Peru entgegen, dessen wichtigstes Exportprodukt Kupfer ist. Das gesamte Bergbauprojektportfolio umfasste mit Stand Oktober 2025 rund 63 Milliarden US$. Bei der Beschaffung greifen die Bergbauunternehmen häufig auf technologische Lösungen aus Deutschland zurück, da bei Produktionsausfällen hohe Verluste drohen.

Bedeutung der Wirtschaftszweige in Peru (Anteile in Prozent)

Sektoren

Anteil am BIP 2024

Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

7,4

Bergbau (inklusive Öl- und Gasförderung)

12,5

Verarbeitendes Gewerbe

12,2

Energieversorgung (inklusive Wasserversorgung)

2,4

Baugewerbe

7,2

Dienstleistungen

58,2

Nominale WerteQuelle: INEI 2026

Laut Yzú bietet auch der Agrarsektor gutes Absatzpotenzial für Technologieanbieter, da die Branche in verschiedenen Produktkategorien international führend sei. Künftig wolle das Land Anreize schaffen, eine Agroindustrie zu etablieren, anstatt nur Produkte zu exportieren. Davon könnten deutsche Firmen profitieren. Auch sind deutsche Firmen schon jetzt wichtige Lieferanten und Betreiber von Solar- und Windenergieprojekten. Die Dekarbonisierung im peruanischen Bergbau ist dabei ein Katalysator für die Branche.

Regionen setzen auf unterschiedliche Branchen

Die mit Abstand wichtigste Wirtschaftsregion ist die Hauptstadt Lima. Hier dominieren der Dienstleistungssektor und das verarbeitende Gewerbe. Mit 10,4 Millionen Menschen lebt etwa ein Drittel der Bevölkerung Perus in der Metropolregion. Im Süden des Landes, insbesondere in den Bundesstaaten Arequipa, Apurímac und Moquegua bestimmen die großen Kupfervorkommen das Geschehen. In Arequipa, das als Zentrum des Bergbaus gilt, findet alle zwei Jahre die Perumin statt, eine der größten Bergbaumessen in der Region. Auch der Bundesstaat Áncash ist ein Kupferproduzent. Cajamarca im Norden beherbergt wichtige zukünftige Bergbauprojekte. In der Landwirtschaft stechen die nördlichen Bundesstaaten La Libertad, Piura und Lambayeque hervor. 

 

Dieser Inhalt gehört zu

nach oben
Feedback
Anmeldung

Bitte melden Sie sich auf dieser Seite mit Ihren Zugangsdaten an. Sollten Sie noch kein Benutzerkonto haben, so gelangen Sie über den Button "Neuen Account erstellen" zur kostenlosen Registrierung.