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Philippinen investieren ins Wasser- und Abwassersystem
Der Nachholbedarf im philippinischen Wassersektor ist enorm. Beim Bau neuer Kläranlagen und der Sanierung des Leitungsnetzes kommen auch internationale Anbieter zum Zuge.
25.03.2026
Von Boris Alex | Kuala Lumpur
Im philippinischen Wassersektor stehen nach Angaben der philippinischen Regierung Projekte mit einem Gesamtwert von rund 17 Milliarden US-Dollar (US$) an. Dies eröffnet auch deutschen Ausrüstungs- und Lösungsanbietern Geschäftschancen entlang der gesamten Wertschöpfungskette in der Wasserversorgung und Abwasserbehandlung. Der Nachholbedarf ist eklatant und die zunehmende Urbanisierung erhöht nochmal den Druck auf die städtische Wasserinfrastruktur. In den dünnbesiedelten Regionen des Archipels sind dezentrale Lösungen gefragt. Daneben bieten Projekte zur Behandlung von Industrieabwässern interessante Beteiligungschancen.
Flächendeckende Trinkwasserversorgung bis 2030
Allein bis 2030 will die philippinische Regierung umgerechnet 5,6 Milliarden US$ in den Wassersektor investieren. Bis dahin sollen alle Haushalte über eine Trinkwasserversorgung und eine Abwasserentsorgung verfügen. Im Jahr 2024 hatten nur knapp 70 Prozent der 27 Millionen Haushalte direkten Zugang zu sicherem Trinkwasser, so die Daten des Department of Health. Vor allem in den ländlichen Regionen ist die Versorgungslage oft mangelhaft. In den urbanen Zentren stehen der Kapazitätsausbau und die Modernisierung des Leitungsnetzes im Mittelpunkt. Für die Aufbereitungsanlagen werden unter anderem moderne Filteranlagen, Pump- und Ventilsysteme sowie Mess- und Regeltechnik benötigt.
Der jahrelange Investitionsstau in der philippinischen Wasserinfrastruktur hat dazu geführt, dass die Wasserverluste (Non Revenue Water, NRW) landesweit bei etwa 40 Prozent liegen, in manchen Regionen des Archipels sogar bei über 60 Prozent. Der private Teilkonzessionär für die Wasserversorgung in der Hauptstadtregion Metro Manila, Maynilad, will bis 2027 insgesamt 120 Millionen US$ in sein Leitungsnetz investieren und so den Anteil der Wasserverluste bis 2030 auf 20 Prozent reduzieren. Allein im Jahr 2025 hat der Versorger eigenen Angaben zufolge rund 70.000 Lecks repariert. Entsprechend groß ist der Bedarf an Ausrüstung zur Leckkontrolle. Zudem sind Lösungen zur Rohrsanierung gefragt.
Ehrgeizige Ziele für die Abwasserentsorgung
Im Abwassersektor ist der Nachholbedarf noch größer: Landesweit sind nur 3 Prozent der Haushalte an ein geschlossenes Abwassersystem angebunden, selbst in der Region Metro Manila sind es nur knapp 20 Prozent. Die meisten Haushalte entsorgen ihr Abwasser stattdessen in Klärgruben.
Allein im Großraum Manila fallen jeden Tag mehr als 2 Millionen Kubikmeter Abwasser an. Nach den Plänen der Regierung sollen bis 2027 drei von vier Haushalten in Metro Manila an das städtische Abwassersystem angeschlossen sein. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Kläranlagenkapazitäten erhöht und das Abwasserleitungssystem ausgebaut werden. Im Januar 2026 wurde die Aglipay Sewage Treatment Plant in Mandaluyong City eingeweiht. In dem knapp 70 Millionen US$ teuren Klärwerk wird das Abwasser von 650.000 Haushalten behandelt, so die Aussage des privaten Konzessionärs Manila Water. Das Projekt ist Teil eines Investitionsplans für sein Konzessionsgebiet im Großraum Manila mit einem Volumen von 470 Millionen US$. Darüber hinaus will das Unternehmen bis 2040 weitere 300 Millionen US$ in die Wasserinfrastruktur in seinem Konzessionsgebiet Clark Free Port Zone, rund 80 Kilometer nördlich von Metro Manila, investieren.
Wasserrecycling bietet Geschäftschancen
Im Rahmen seines "New Water" Investitionsprogramms setzt Maynilad bei der Trinkwasserversorgung in Metro Manila auch auf die Aufbereitung von Abwasser. Die erste Wasserrecyclinganlage mit einer Kapazität von 5 Millionen Liter pro Tag wurde 2022 in Betrieb genommen. In einer zweiten Anlage werden ab 2026 täglich 12 Millionen Liter Trinkwasser aufbereitet. Als Technologiepartner ist der japanische Industriekonzern Hitachi an dem Projekt beteiligt. Mit dem Bau weiterer Anlagen soll die Gesamtkapazität in den nächsten Jahren auf 90 Millionen Liter pro Tag ausgebaut werden.
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Dünnbesiedelte Küstenregionen setzen auf Meerwasserentsalzung
Auch die Meerwasserentsalzung bietet in den Philippinen zunehmend Geschäftschancen. Vor allem in den dünnbesiedelten Küstenregionen will die philippinische Regierung die Trinkwasserversorgung künftig durch Meerwasserentsalzung sicherstellen. Das bietet besonders Anbietern von kleinen und modularen Lösungen Geschäftschancen.
Die bislang größte Meerwasserentsalzungs- und Aufbereitungsanlage des Landes entsteht aktuell nahe der Küstenstadt Iloilo. Die Anlage von Metro Pacific Water soll ab 2027 täglich 66,5 Millionen Liter Trinkwasser produzieren und 50.000 Haushalte versorgen. Das Projekt mit einem Investitionsvolumen von 93 Millionen US$ wird mit dem französischen Umwelttechnikkonzern Suez realisiert.
Industrie muss in Abwasserbehandlung investieren
Mit 4,2 Milliarden Kubikmetern entfiel 2024 rund ein Drittel des gesamten philippinischen Abwasseraufkommens auf den Industriesektor. Strengere Vorschriften und eine bessere Überwachung sollen dafür sorgen, dass die Unternehmen ihr Abwasser nicht unbehandelt entsorgen. Der Bedarf an Aufbereitungstechnik für Industrieabwasser - insbesondere in Wachstumsbranchen wie der Elektronikindustrie, der Nahrungsmittelverarbeitung und dem Pharmasektor - dürfte in den nächsten Jahren weiter zulegen, so die Einschätzung von TraceData Research.
Dies eröffnet Geschäftschancen beispielsweise für Anbieter von Zero-Liquid-Discharge-Lösungen (ZLD). Die Technik kommt vereinzelt bei größeren Unternehmen wie dem Lebensmittelkonzern San Miguel bereits zum Einsatz. Ein weiteres Wachstumssegment ist der Tourismussektor. Bei Hotel- und Ressortneubauten in Küstennähe sind vor allem dezentrale Anlagen zur Trinkwasseraufbereitung und Abwasserbehandlung gefragt.
| Bezeichnung | Anmerkung |
|---|---|
| Germany Trade & Invest | Außenhandelsinformationen für die deutsche Wirtschaft |
| AHK Philippinen (German-Philippine Chamber of Commerce and Industry, GPCCI) | Anlaufstelle für deutsche Unternehmen |
| German Water Partnership | Netzwerk deutscher Unternehmen und Institutionen der Wasserbranche zur Exportförderung |
| National Water Resources Board | Philippinische Regulierungsbehörde für den Wassersektor |
| Department of Public Works and Highways | Ministerium für Infrastrukturbau |
| Philippine Water Works Association | Verband für die Wasserwirtschaft |
| PhilGEPS | Ausschreibungsplattform der Zentralregierung |
| Public Private Partnership Center | Informationsstelle für Öffentlich-private Partnerschaften |
| Water Philippines Expo | Messe und Konferenz für den Wassersektor (17.03. bis 19.03.2027, Manila) |