Branche kompakt | Polen | Maschinenbau
Branchenstruktur
Bislang gibt es keinen polnischen Maschinenbauer, der in seiner Sparte zu den weltweiten Marktführern zählt. Dennoch entwickelt sich die Branche und gewinnt auch deutsche Kunden.
29.06.2026
Der Maschinenbau spielt in Polens Industriemix eine Nischenrolle. Das zeigen Unternehmensdaten der polnischen Statistikbehörde GUS. Klassische Maschinen- und Anlagenbauer erwirtschafteten im Jahr 2025 mit 17,4 Milliarden Euro lediglich 3,5 Prozent aller Umsätze des verarbeitenden Gewerbes. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Anteil bei über 12 Prozent.
Den größten Anteil an den Branchenumsätzen in Polen haben unter anderem Hersteller von Kühl- und Lüftungstechnik, von Forst- und Agrarmaschinen sowie Produzenten von Motoren und Turbinen. Auch Bergbaumaschinen gehören weiterhin zu den wichtigsten Produkten des polnischen Maschinenbaus.
Ergänzt wird der Maschinenbau (NACE-Code: 28) durch Installationsbetriebe (NACE-Code: 33.2) und Ingenieurbüros (NACE-Code 71.12). Diese Firmen konzipieren und montieren Produktionslinien. Sie bilden damit eine wichtige Schnittstelle zwischen Maschinenbau und industriellen Endkunden. Zusammen erzielten Planer und Installationsbetriebe im Jahr 2025 einen Umsatz von mehr als 8,8 Milliarden Euro.
Sparte (NACE-Code) | 2025 | Veränderung 2025/2024 | Marktanteil*) |
|---|---|---|---|
| Kühl- und Gefriereinrichtungen (28.25) | 2,4 | 16,3 | 13,9 |
| Land-und forstwirtschaftliche Maschinen (28.30) | 2,3 | 14,2 | 13,1 |
| Verbrennungsmotoren und Turbinen (28.11) | 2,0 | 17,5 | 11,5 |
| Lager, Getriebe, Zahnräder und Antriebselemente (28.15) | 1,8 | 0,8 | 10,1 |
| Bergwerks-, Bau-und Baustoffmaschinen (28.92) | 1,6 | 5,7 | 9,2 |
Auffällig ist eine Verschiebung in der Absatzstruktur. Während Maschinenbauunternehmen im Jahr 2023 noch mehr als die Hälfte ihrer Umsätze im Ausland erwirtschafteten, lag der Exportanteil 2025 nur noch bei knapp einem Drittel. Hintergrund sind die steigende Inlandsnachfrage und die hohe Investitionsaktivität in Polen.
Deutschland bleibt der wichtigste Auslandsmarkt. Rund 24 Prozent der polnischen Maschinenausfuhren gingen 2025 in das westliche Nachbarland, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat meldet. Gleichzeitig stammen knapp 30 Prozent der nach Polen importierten Maschinen aus Deutschland. Der deutsche Anteil an den Importen nimmt seit Jahren ab. Zunehmend drängen Anbieter aus China und den USA in den Markt.
Firmen suchen neue Märkte
Einige polnische Maschinenbauunternehmen befinden sich in einem Transformationsprozess. Das zeigen unter anderem die Grenevia-Gruppe und das Unternehmen Bumech. Beide Firmen mit Sitz in der Kohleregion Śląskie waren lange auf Bergbaumaschinen spezialisiert. Während Grenevia den Schwerpunkt zunehmend auf Energietechnik verlagert, erschließt Bumech neue Geschäftsfelder in der Rüstungsindustrie.
Auch das Unternehmen Rockfin aus Małkowo bei Gdańsk setzt verstärkt auf den Energiesektor. Der Anlagenbauer ging 2025 eine Partnerschaft mit dem französischen Hersteller Elogen ein, um Wasserstoff‑Elektrolyseure zu produzieren. Elogen liefert die Technologie, Rockfin übernimmt Fertigung und Vertrieb. Zudem ist das polnische Unternehmen an internationalen Energieprojekten beteiligt. Für ein SMR-Projekt in Kanada liefert Rockfin ein System zur Schmierölkühlung.
Deutsche Maschinenbauer sind ebenfalls in die Entwicklungsprojekte polnischer Firmen eingebunden. So liefert Bosch Rexroth Antriebs- und Steuerungskomponenten an KGHM Zanam. Die Tochter des polnischen Kupferkonzerns KGHM verwendet die Teile in einem eigens entwickelten Elektrofahrzeug für den Einsatz im Untertagebau.
Polen entwickelt eigene Roboter
Zu den wichtigsten Exportgütern des polnischen Maschinenbaus zählen Agrarmaschinen. Führende Hersteller sind unter anderem SaMASZ, Agromasz und Pronar. Viele Unternehmen aus diesem Marktsegment haben ihren Sitz in Nordostpolen. Zu den wichtigsten Branchenveranstaltungen gehört die Agro-Show in Bednary bei Poznań, die vom Agrarmaschinenverband PIGMiUR organisiert wird.
Auch Robotiklösungen aus Polen gewinnen international an Bedeutung. Der deutsche Modehändler Zalando nutzt in seinen europäischen Logistikzentren Roboter des polnischen Unternehmens Nomagic. Deren Greifsysteme können auch komplexe Objekte, darunter zweiteilige Schuhkartons, handhaben. Das ist eine Aufgabe, an der klassische Automatisierungssysteme häufig scheitern.
Unterschiedliche Finanzierungsmöglichkeiten
Polnische Firmen finanzieren Investitionen in Maschinen und Anlagen überwiegend aus Eigenmitteln, häufig ergänzt durch Fremdkapital. Rein fremdfinanzierte Beschaffungen sind nach Analysen von Siemens hingegen die Ausnahme. Zudem ist Leasing eine weit verbreitete Finanzierungsform in Polen, wie die Erste Bank berichtet.
Eine wichtige Rolle spielen auch EU-Fördermittel. Zuschüsse gibt es zum Beispiel für energieeffiziente Anlagen, für die Digitalisierung der Produktion und für die Entwicklung neuer Produkte. Das zuständige Ministerium listet alle Programme auf einer Webseite.
Regionale Kompetenzzentren wachsen
Eine einheitliche polnische Interessenvertretung für den gesamten Maschinen- und Anlagenbau existiert nicht. Teilweise übernimmt diese Rolle der Branchenverband VDMA aus Deutschland. Er stellt sich zunehmend europäisch auf und ist auch in Polen mit einer Niederlassung vertreten.
Automatisierungsdienstleister, darunter Planungsbüros und Anlagenintegratoren, organisieren sich unter anderem im Verband FAIRP. Weitere Kompetenzen bündelt das Zentrum für Industrie 4.0 an der Schlesischen Technischen Universität in Gliwice.
Viele internationale Maschinenbauunternehmen sind in Polen mit Vertriebsbüros präsent. Auf der landesweit führenden Maschinenbaumesse ITM in Poznań dominieren daher wenig überraschend Handelsunternehmen. Zu den wichtigsten Branchentreffen zählen außerdem die Warsaw Industry Week, die Kunststoffmesse Plastpol in Kielce sowie die Werkzeugmesse Toolex in Katowice.
Einige große deutsche Maschinenbauer unterhalten Produktionsstandorte in Polen. Bekannte Beispiele sind Bosch, Dürr und Trumpf. Die Unternehmen bauen ihre Präsenz weiter aus. Trumpf betreibt inzwischen drei Standorte im Land, während Dürr 2025 eine neue Halle in Radom in Betrieb genommen hat.
Das polnische Wirtschaftsministerium veröffentlicht eine Liste der wichtigsten Industriecluster. Dazu gehört Evoluma in Białystok. Der Cluster vereint Metallverarbeiter und Maschinenbauer, vor allem aus dem Bereich Agrartechnik. Weitere strategisch wichtige Kompetenzzentren sind der Werkzeugcluster in Bydgoszcz, der Composites-Cluster in Małopolskie sowie die Luftfahrtcluster in Śląskie und Podkarpackie.
Unternehmen | Sparte | Umsatz 2024 |
|---|---|---|
| Grenevia | Energietechnik | 490,7 |
| Trumpf Huettinger | Leistungselektronik | 255,5 |
| Pronar | Agrartechnik | 189,0 |
| Rockfin | Energietechnik | 184,1 |
| Dürr Poland | Förder- und Transportsysteme | 124,3 |
| Aiut | Anlagenplanung | 87,5 |
| WDX | Intralogistik | 65,4 |
| SaMASZ | Agrartechnik | 55,0 |
| ZBUD | Baumaschinen | 32,1 |
| Nextomation | Anlagenplanung | 30,5 |