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Branche kompakt | Polen | Maschinenbau
Hohe Binnennachfrage stützt Polens Maschinenbau
Der Maschinenbau in Polen profitiert davon, dass unterschiedliche Industrien ihre Anlagen modernisieren. EU-Mittel spielen bei der Finanzierung eine wichtige Rolle.
29.06.2026
Von Christopher Fuß
|
Warschau
Ausblick des Maschinenbaus in Polen
Starke Nachfrage aus dem Inland.
Polnische Maschinenbauer offen für internationale Kooperationen.
Einige Abnehmerbranchen stehen unter Druck.
Eventuell neue Hürden bei Ausschreibungen für internationale Firmen.
Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Juni 2026
Polens Maschinenbau wächst, auch dank umfangreicher Investitionen in Rüstung und Energie. Neue industriepolitische Vorgaben könnten jedoch bald internationale Lieferanten treffen.
Polens Maschinenbau befindet sich im Aufwind. Laut Eurostat steigerten die polnischen Hersteller von Maschinen und Anlagen ihre Umsätze im Jahr 2025 um 9,8 Prozent. Im 1. Quartal 2026 gab es ein weiteres Plus von 8,1 Prozent. Zum Vergleich: Im EU-weiten Durchschnitt wuchsen die Umsätze zum Jahresauftakt lediglich um 1,8 Prozent.
Ein wichtiger Wachstumstreiber ist die Rüstungsindustrie. Polen gehört laut NATO‑Jahresbericht zu den Ländern mit den höchsten Verteidigungsausgaben. Zusätzlich plant die Regierung, Niedrigzinskredite in Höhe von bis zu 43,7 Milliarden Euro aus dem europäischen Rüstungsprogramm SAFE zu nutzen. Als Reaktion bauen polnische Rüstungsunternehmen ihre Kapazitäten aus, um Bestellungen realisieren zu können. Dies steigert die Nachfrage nach Maschinen und Anlagen.
+9,8%
Wachstum der Umsätze von Maschinenbauern in Polen im Jahr 2025
Maschinenbauer erweitern ihr Portfolio
Ein Beispiel für diese Entwicklung ist der Munitionshersteller Mesko, der zum staatlichen Rüstungskonzern PGZ gehört. Das Unternehmen erweitert seine Anlagen für großkalibrige Artilleriemunition. Der polnische Automatisierungsdienstleister Nextomation entwickelt dafür neue Fertigungsstraßen.
Auch Maschinenbaufirmen investieren, um Rüstungsprojekte umsetzen zu können. Der Hersteller von Hydrauliklösungen Ponar Wadowice kündigte im Januar 2026 an, sein Werk in Südpolen für rund 22 Millionen Euro zu erweitern. Ziel ist unter anderem, Kapazitäten für Dual-Use-Anwendungen zu schaffen, also für Produkte mit ziviler und militärischer Nutzung.
In diesem Kontext unterzeichnete Ponar Wadowice eine Absichtserklärung mit dem US-Unternehmen Moog. Moog liefert Komponenten für das Kampfflugzeug F‑35. Polen hat davon mehrere Modelle bestellt und will in Zukunft auch die Wartung übernehmen. Details zur Kooperation sind nicht bekannt. Sie könnte jedoch den Einstieg von Ponar Wadowice in internationale Rüstungsprogramme erleichtern.
Auch Branchenorganisationen suchen den Zugang zur Rüstungsindustrie. Das Maschinenbau-Cluster Evoluma aus dem ostpolnischen Białystok hat die Initiative "Bündnis für die Region" gestartet. Ziel ist es, die rund 150 Mitgliedsunternehmen als Zulieferer für Verteidigungs- und Dual‑Use‑Projekte zu positionieren.
Für einzelne Unternehmen aus Polens Maschinenbau werden Rüstungsaufträge zum Rettungsring. Der traditionsreiche Betrieb Rafako stellte ursprünglich Kessel und Öfen für Kohlekraftwerke her. Mit dem Rückgang der Kohleverstromung geriet das Unternehmen in die Krise und meldete 2024 Insolvenz an. Nach einer staatlichen Intervention produziert Rafako heute unter dem Namen RFK Komponenten für die PGZ‑Gruppe.
Neue Geschäftsfelder entstehen
Der Kohleausstieg und die Energietransformation setzen ebenfalls neue Impulse in Polens Maschinenbau. Der Hersteller von Bergbaumaschinen Grenevia hat gemeinsam mit Tochterfirmen wie Famur und Impact sein Geschäftsmodell erweitert. Die Gruppe baut inzwischen auch Energiespeicher sowie Komponenten für Windanlagen. Die Strategie zeigt Wirkung. Trotz der Schließung von Steinkohleminen konnte Grenevia den Nettogewinn 2025 um mehr als ein Viertel steigern.
Auch der geplante Einstieg Polens in die Kernenergie eröffnet neue Geschäftsfelder. In der Nähe von Gdańsk soll das erste Kernkraftwerk des Landes entstehen. Der US-Technologiepartner Westinghouse verlangt von Zulieferern spezielle Zertifikate. Das polnische Unternehmen ZBUD, ein Hersteller von Hebe- und Fördertechnik, will ein entsprechendes Verfahren durchlaufen. Im Erfolgsfall könnte der Maschinenbauer Kräne für den Materialtransport im Kraftwerk liefern.
Die weiteren Absatzchancen für Maschinenbauer unterscheiden sich je nach Abnehmerbranche deutlich. Das zeigt der Siemens MiU-Index vom Juni 2026, der das Investitionsklima in verschiedenen Industriezweigen in Polen erfasst. Während nur wenige Kunststoffverarbeiter in den kommenden zwölf Monaten Investitionen planen, zeigt sich die Lebensmittelindustrie deutlich ausgabenfreudiger. Rund 41 Prozent der befragten Unternehmen wollen in Maschinen investieren.
Wachsende Exporte nach Polen
Deutsche Maschinenbauer profitieren vom Investitionsboom in Polen. Während die Exporte in die USA und nach China spürbar zurückgehen, entwickelt sich Polen zu einem Stabilitätsanker, berichtet der Branchenverband VDMA. Maschinenausfuhren nach Polen stiegen 2025 um 1,6 Prozent und legten im 1. Quartal 2026 erneut zu.
Größere Kooperationen im Rüstungsbereich sind bislang selten. Im Energiesegment ergeben sich jedoch konkrete Projekte. Das Unternehmen Singulus Technologies aus Kahl am Main liefert Beschichtungsanlagen für eine Photovoltaikfabrik des polnischen Herstellers Roltec. Siemens Energy erhielt gemeinsam mit einem polnischen Partner den Auftrag zum Bau von zwei Gaskraftwerken in Rybnik und Gryfino. Der Kranbauer Liebherr lieferte Anfang 2026 zudem erstmals einen 800‑Tonnen‑Kran nach Polen. Auftraggeber ist das Bauunternehmen Błażej & Roman, das den Kran beim Bau von Windparks einsetzen will.
Neue Einkaufspolitik in Staatsfirmen
Internationale Lieferanten können jedoch schon bald mit neuen Hürden konfrontiert werden. Polens Ministerium für Staatsunternehmen will, dass staatliche Betriebe verstärkt Aufträge an Unternehmen mit polnischem Eigentümer vergeben. Unter dem Stichwort "Local Content" würden polnische Anbieter bei Ausschreibungen zusätzliche Bewertungspunkte erhalten. Obwohl es sich um Empfehlungen handeln soll, will das Ministerium mit den Staatsfirmen Zielvereinbarungen festlegen. Ob diese neuen Vorgaben die Auftragsvergabe tatsächlich beeinflussen werden, ist offen.
Ein weiterer Nachteil für internationale Maschinenbauer ist, dass eine Steuererleichterung für Roboter zum Jahreswechsel 2027 enden wird. Unternehmen, die Roboter für ihre Produktion einkaufen, erhalten bislang zusätzliche steuerliche Abzüge. Wirtschaftsverbände setzen sich für eine Verlängerung und Ausweitung der Regelung ein, etwa auf die automatisierte Intralogistik. Polens Finanzministerium hält sich jedoch bedeckt.
Ausgewählte Investitionsprojekte der Maschinenbauindustrie in PolenInvestitionssumme in Millionen Euro
Bau eines Industriekomplexes für Holzbearbeitungsmaschinen
Ponar Wadowice
24
Bau
Ausbau einer Fabrik für Krafthydrauliksysteme
Hitachi Energy
15
Bau
Ausbau einer Fabrik Transformatoren
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026
Von Christopher Fuß
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Warschau
Der Maschinenbau in Polen erhält weniger Aufträge aus der Automobilindustrie. Chancen gibt es dafür in anderen Branchen. Ein Experte erklärt, welche Technologien gefragt sind.
Taskoprojekt aus Poznań zählt zu den führenden Planern von Automatisierungslösungen in Polens Industrie. Als einer der größten Integratoren von KUKA-Robotern entwickelt das Unternehmen Produktionslinien für verschiedene Branchen. Immer häufiger setzen Kunden dabei auf mobile Roboter, sagt Taskoprojekt-Geschäftsführer Jakub Stanczak.
Welche Branchen investieren aktuell in neue Maschinen und Automatisierung?
Der Markt bleibt sehr anspruchsvoll. Traditionell war die Automobilindustrie der wichtigste Treiber für Automatisierung und Robotik. Doch der starke Import chinesischer Fahrzeuge nach Europa hat zu Investitionsstopps bei den Herstellern und Zulieferern geführt. Projekte gibt es weiterhin, aber deutlich weniger als noch vor einigen Jahren.
Parallel dazu wächst in anderen Industriezweigen das Interesse an der Automatisierung von bestehenden Anlagen. Es geht den Unternehmen vor allem darum, Kosten zu senken. Besonders gefragt sind Lösungen, die das Bedienpersonal von Maschinen und Anlagen ersetzen oder entlasten. Wir installieren bei solchen Projekten zum Beispiel Bildverarbeitungssysteme zur Qualitätskontrolle oder richten einen Roboter so ein, dass er der das Beladen einer Maschine übernimmt.
Welche Technologie würden Sie besonders hervorheben?
Bemerkenswert ist das wachsende Interesse nach AMR-Fahrzeugen, also autonomen mobilen Roboterfahrzeugen für den Warentransport im Betrieb. AMRs werden inzwischen in Bereichen nachgefragt, in denen bislang ausschließlich Menschen einfache Transportaufgaben erledigt haben, sogar im Dienstleistungssektor. Das Interesse steigt kontinuierlich, auch wenn der Markt noch jung ist.
Ein weiterer Trend, der vor allem aus den USA kommt, ist das sogenannte Bin Picking. Roboter erkennen Bauteile in Behältern per 3D-Bildverarbeitung und übernehmen das automatische Entnehmen. Solche Projekte setzen wir inzwischen auch in Polen, Deutschland, Frankreich und Österreich um.
Kommen wir nochmal zu den AMR zurück. Welche Branchen fragen diese Lösungen nach?
Der Trend ist branchenübergreifend. In der Elektronikfertigung übernehmen AMRs den Transport empfindlicher Komponenten. In der Lebensmittelindustrie bewegen sie Eier, Konserven oder Tiernahrung. Viele Unternehmen wollen den Einsatz von Gabelstaplern reduzieren, um Unfälle zu vermeiden und Kosten zu reduzieren. AMRs bieten hier einen klaren Vorteil, da sie berechenbar und kollisionsarm arbeiten.
Im vergangenen Jahr haben wir viele Investitionen bei den Herstellern von Schienenfahrzeugen gesehen. Hält dieser Trend an?
Die Eisenbahnbranche investiert seit Jahren massiv, in Polen und in vielen anderen Ländern. Wir liefern seit geraumer Zeit Ausrüstung für die Produktion von Schienenfahrzeugen.
Das aktuelle Investitionsniveau übertrifft vieles, was wir bisher gesehen haben. Die Hersteller planen weitere Investitionen in ihre Produktionswerke.
Ein weiteres großes Thema in Polen und Europa ist die Rüstungsindustrie. Welche Auswirkungen hat der Boom in der Rüstungsindustrie auf Ihr Unternehmen?
In der Rüstungsindustrie in Polen wurde lange viel angekündigt, aber wenig umgesetzt. Erst seit Ende 2025 sehen wir konkrete Ausschreibungen und Investitionsentscheidungen.
Polen befindet sich hier noch am Anfang, während Länder wie Deutschland, Frankreich, Tschechien oder Großbritannien bereits seit Jahren stark investieren. 2026 nimmt der Markt nun auch in Polen Fahrt auf.
Wie bewerten Sie die Aussichten für Ihre Branche?
Wie gesagt: Der Markt bleibt anspruchsvoll. Positiv ist aber, dass sich das Bewusstsein für Automatisierung stark verändert hat. Der Arbeitskräftemangel der vergangenen Jahre hat Unternehmen zum Umdenken gezwungen. Automatisierung, Robotik und Prozessoptimierung, zunehmend auch KI, werden heute als strategische Notwendigkeit gesehen.
Neue Chancen entstehen beispielsweise durch den Bau von Rechenzentren, in der Halbleiterfertigung und in der Elektronikproduktion. Das sind alles Branchen, die stark in Automatisierung investieren.
Ich freue mich, dass polnische Unternehmen die Bedeutung von Automatisierung endlich klar erkennen. In meinen 20 Jahren in der Branche war das lange nicht der Fall. Heute wollen selbst Unternehmen, die nur einzelne Komponenten fertigen, ihre Prozesse automatisieren. Das ist ein sehr positives Signal für die gesamte Industrie.
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Bislang gibt es keinen polnischen Maschinenbauer, der in seiner Sparte zu den weltweiten Marktführern zählt. Dennoch entwickelt sich die Branche und gewinnt auch deutsche Kunden.
Der Maschinenbau spielt in Polens Industriemix eine Nischenrolle. Das zeigen Unternehmensdaten der polnischen Statistikbehörde GUS. Klassische Maschinen- und Anlagenbauer erwirtschafteten im Jahr 2025 mit 17,4 Milliarden Euro lediglich 3,5 Prozent aller Umsätze des verarbeitenden Gewerbes. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Anteil bei über 12 Prozent.
Den größten Anteil an den Branchenumsätzen in Polen haben unter anderem Hersteller von Kühl- und Lüftungstechnik, von Forst- und Agrarmaschinen sowie Produzenten von Motoren und Turbinen. Auch Bergbaumaschinen gehören weiterhin zu den wichtigsten Produkten des polnischen Maschinenbaus.
Ergänzt wird der Maschinenbau (NACE-Code: 28) durch Installationsbetriebe (NACE-Code: 33.2) und Ingenieurbüros (NACE-Code 71.12). Diese Firmen konzipieren und montieren Produktionslinien. Sie bilden damit eine wichtige Schnittstelle zwischen Maschinenbau und industriellen Endkunden. Zusammen erzielten Planer und Installationsbetriebe im Jahr 2025 einen Umsatz von mehr als 8,8 Milliarden Euro.
Produktion in den wichtigsten Maschinenbausparten in Polen In Euro, Veränderung und Marktanteil in Prozent
Sparte (NACE-Code)
2025
Veränderung 2025/2024
Marktanteil*)
Kühl- und Gefriereinrichtungen (28.25)
2,4
16,3
13,9
Land-und forstwirtschaftliche Maschinen (28.30)
2,3
14,2
13,1
Verbrennungsmotoren und Turbinen (28.11)
2,0
17,5
11,5
Lager, Getriebe, Zahnräder und Antriebselemente (28.15)
1,8
0,8
10,1
Bergwerks-, Bau-und Baustoffmaschinen (28.92)
1,6
5,7
9,2
* Anteile am Gesamtumsatz des Maschinenbaus; berücksichtigt wurden Unternehmen ab 10 Mitarbeiter.Quelle: GUS 2026
Auffällig ist eine Verschiebung in der Absatzstruktur. Während Maschinenbauunternehmen im Jahr 2023 noch mehr als die Hälfte ihrer Umsätze im Ausland erwirtschafteten, lag der Exportanteil 2025 nur noch bei knapp einem Drittel. Hintergrund sind die steigende Inlandsnachfrage und die hohe Investitionsaktivität in Polen.
Deutschland bleibt der wichtigste Auslandsmarkt. Rund 24 Prozent der polnischen Maschinenausfuhren gingen 2025 in das westliche Nachbarland, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat meldet. Gleichzeitig stammen knapp 30 Prozent der nach Polen importierten Maschinen aus Deutschland. Der deutsche Anteil an den Importen nimmt seit Jahren ab. Zunehmend drängen Anbieter aus China und den USA in den Markt.
Firmen suchen neue Märkte
Einige polnische Maschinenbauunternehmen befinden sich in einem Transformationsprozess. Das zeigen unter anderem die Grenevia-Gruppe und das Unternehmen Bumech. Beide Firmen mit Sitz in der Kohleregion Śląskie waren lange auf Bergbaumaschinen spezialisiert. Während Grenevia den Schwerpunkt zunehmend auf Energietechnik verlagert, erschließt Bumech neue Geschäftsfelder in der Rüstungsindustrie.
Auch das Unternehmen Rockfin aus Małkowo bei Gdańsk setzt verstärkt auf den Energiesektor. Der Anlagenbauer ging 2025 eine Partnerschaft mit dem französischen Hersteller Elogen ein, um Wasserstoff‑Elektrolyseure zu produzieren. Elogen liefert die Technologie, Rockfin übernimmt Fertigung und Vertrieb. Zudem ist das polnische Unternehmen an internationalen Energieprojekten beteiligt. Für ein SMR-Projekt in Kanada liefert Rockfin ein System zur Schmierölkühlung.
Deutsche Maschinenbauer sind ebenfalls in die Entwicklungsprojekte polnischer Firmen eingebunden. So liefert Bosch Rexroth Antriebs- und Steuerungskomponenten an KGHM Zanam. Die Tochter des polnischen Kupferkonzerns KGHM verwendet die Teile in einem eigens entwickelten Elektrofahrzeug für den Einsatz im Untertagebau.
Polen entwickelt eigene Roboter
Zu den wichtigsten Exportgütern des polnischen Maschinenbaus zählen Agrarmaschinen. Führende Hersteller sind unter anderem SaMASZ, Agromasz und Pronar. Viele Unternehmen aus diesem Marktsegment haben ihren Sitz in Nordostpolen. Zu den wichtigsten Branchenveranstaltungen gehört die Agro-Show in Bednary bei Poznań, die vom Agrarmaschinenverband PIGMiUR organisiert wird.
Auch Robotiklösungen aus Polen gewinnen international an Bedeutung. Der deutsche Modehändler Zalando nutzt in seinen europäischen Logistikzentren Roboter des polnischen Unternehmens Nomagic. Deren Greifsysteme können auch komplexe Objekte, darunter zweiteilige Schuhkartons, handhaben. Das ist eine Aufgabe, an der klassische Automatisierungssysteme häufig scheitern.
Unterschiedliche Finanzierungsmöglichkeiten
Polnische Firmen finanzieren Investitionen in Maschinen und Anlagen überwiegend aus Eigenmitteln, häufig ergänzt durch Fremdkapital. Rein fremdfinanzierte Beschaffungen sind nach Analysen von Siemens hingegen die Ausnahme. Zudem ist Leasing eine weit verbreitete Finanzierungsform in Polen, wie die Erste Bank berichtet.
Eine wichtige Rolle spielen auch EU-Fördermittel. Zuschüsse gibt es zum Beispiel für energieeffiziente Anlagen, für die Digitalisierung der Produktion und für die Entwicklung neuer Produkte. Das zuständige Ministerium listet alle Programme auf einer Webseite.
Regionale Kompetenzzentren wachsen
Eine einheitliche polnische Interessenvertretung für den gesamten Maschinen- und Anlagenbau existiert nicht. Teilweise übernimmt diese Rolle der Branchenverband VDMA aus Deutschland. Er stellt sich zunehmend europäisch auf und ist auch in Polen mit einer Niederlassung vertreten.
Automatisierungsdienstleister, darunter Planungsbüros und Anlagenintegratoren, organisieren sich unter anderem im Verband FAIRP. Weitere Kompetenzen bündelt das Zentrum für Industrie 4.0 an der Schlesischen Technischen Universität in Gliwice.
Viele internationale Maschinenbauunternehmen sind in Polen mit Vertriebsbüros präsent. Auf der landesweit führenden Maschinenbaumesse ITM in Poznań dominieren daher wenig überraschend Handelsunternehmen. Zu den wichtigsten Branchentreffen zählen außerdem die Warsaw Industry Week, die Kunststoffmesse Plastpol in Kielce sowie die Werkzeugmesse Toolex in Katowice.
Einige große deutsche Maschinenbauer unterhalten Produktionsstandorte in Polen. Bekannte Beispiele sind Bosch, Dürr und Trumpf. Die Unternehmen bauen ihre Präsenz weiter aus. Trumpf betreibt inzwischen drei Standorte im Land, während Dürr 2025 eine neue Halle in Radom in Betrieb genommen hat.
Das polnische Wirtschaftsministerium veröffentlicht eine Liste der wichtigsten Industriecluster. Dazu gehört Evoluma in Białystok. Der Cluster vereint Metallverarbeiter und Maschinenbauer, vor allem aus dem Bereich Agrartechnik. Weitere strategisch wichtige Kompetenzzentren sind der Werkzeugcluster in Bydgoszcz, der Composites-Cluster in Małopolskie sowie die Luftfahrtcluster in Śląskie und Podkarpackie.
Ausgewählte Branchenunternehmen in Polen Umsatz in Millionen Euro
Unternehmen
Sparte
Umsatz 2024
Grenevia
Energietechnik
490,7
Trumpf Huettinger
Leistungselektronik
255,5
Pronar
Agrartechnik
189,0
Rockfin
Energietechnik
184,1
Dürr Poland
Förder- und Transportsysteme
124,3
Aiut
Anlagenplanung
87,5
WDX
Intralogistik
65,4
SaMASZ
Agrartechnik
55,0
ZBUD
Baumaschinen
32,1
Nextomation
Anlagenplanung
30,5
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026
Von Christopher Fuß
|
Warschau
Die meisten Regeln für Maschinenbauunternehmen in Polen basieren auf EU-Recht. Dennoch gibt es nationale Besonderheiten, zum Beispiel bei sprachlichen Vorgaben.
Polen ist Teil des EU-Binnenmarktes. Für deutsche Maschinenbauer gelten daher weitgehend ähnliche rechtliche Rahmenbedingungen wie in Deutschland. Maßgeblich sind die europäischen Produktvorschriften mit CE-Kennzeichnung.
Ab dem 20. Januar 2027 gilt die neue EU-Maschinenverordnung (EU) 2023/1230. Sie konkretisiert und verschärft die Pflichten von Herstellern, Importeuren und Händlern, bezieht Software explizit in die Sicherheitsanforderungen ein und passt die Konformitätsbewertung für Maschinen mit erhöhtem Risiko an.
Ergänzend bleiben weitere harmonisierte EU-Vorschriften relevant, unter anderem zur elektrischen Sicherheit, zur elektromagnetischen Verträglichkeit, zu Druckgeräten sowie zum Explosionsschutz.
Keine Doppelprüfungen bei KI
Maschinen mit KI-gestützten Funktionen können sowohl unter die Maschinenverordnung als auch unter die EU-KI-Verordnung (AI Act) fallen. Für sicherheitsrelevante oder als Hochrisiko eingestufte KI-Systeme gelten zusätzliche Anforderungen. Dies betrifft insbesondere Hochrisikosysteme. Beide Regelwerke sind aufeinander abgestimmt und vermeiden weitgehend doppelte Prüf- und Zertifizierungsverfahren.
Harmonisierte europäische Normen (EN, ISO/IEC) werden in Polen vom Normungsinstitut PKN übernommen. Die CE-Kennzeichnung erfolgt EU-weit einheitlich. Nationale Stellen sind aber in die Umsetzung eingebunden. Dabei spielt in Polen das Technische Überwachungsamt UDT eine zentrale Rolle. Es fungiert als notifizierte Stelle und prüft bestimmte Anlagen vor der Inbetriebnahme, darunter etwa Druckgeräte oder Hebeanlagen.
Anleitungen auf Polnisch vorgeschrieben
Eine wesentliche nationale Besonderheit ist die Sprachpflicht. Betriebsanleitungen, Sicherheitsinformationen und Konformitätserklärungen müssen in polnischer Sprache vorliegen und für Bedien- und Montagepersonal verständlich sein. Englische Fassungen allein sind nicht ausreichend. Dies gilt auch für unvollständige Maschinen.
In der EU gewinnen Nachhaltigkeit und Transparenz entlang der Lieferketten an Bedeutung. Ein wichtiges Instrument ist dabei der digitale Produktpass. Er soll Informationen zu Produkten digital verfügbar machen, etwa zur Materialzusammensetzung oder zur Recyclingfähigkeit. Ziel ist es, Produkte besser vergleichbar zu machen und die Kreislaufwirtschaft zu stärken.
Neue Pflichten für Batterien
Der digitale Produktpass wird schrittweise eingeführt. Den Anfang macht die EU-Batterieverordnung: Für bestimmte Batterien, etwa in Elektrofahrzeugen oder in der Industrie, wird ein digitaler Produktpass ab Februar 2027 verpflichtend. Hersteller müssen dann standardisierte Informationen erfassen und digital bereitstellen.
Die Industrie in verschiedenen EU-Ländern entwickelt unter dem Stichwort Manufacturing‑X Lösungen für den standardisierten Austausch solcher Produktdaten. In Polen spielen solche Ansätze bislang noch eine untergeordnete Rolle.
Parallel dazu schafft die 2024 in Kraft getretene EU-Ökodesign-Verordnung den Rahmen, um den digitalen Produktpass auf weitere Produktgruppen auszuweiten. Welche Produkte konkret betroffen sind und welche Daten angegeben werden müssen, legt die EU nach und nach in weiteren Rechtsakten fest.
Im innergemeinschaftlichen Warenverkehr der Europäischen Union sind die Regelungen des Umsatzsteuerkontrollverfahrens in der EU zu beachten. Informationen hierzu finden sich auf der Internetseite des Bundeszentralamtes für Steuern. Hinsichtlich der Normierung gelten die einschlägigen EU-Richtlinien (siehe etwa Deutsches Institut für Normung e.V.).
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