Tschechiens Maschinenbau leidet unter der geringen Industrienachfrage im In- und Ausland. Der Fachkräftemangel und hohe Energiekosten erhöhen den Druck zu innovativen Lösungen.
Der Maschinenbau gehört zurzeit zu den wachstumsschwächsten Branchen in Tschechien. Im Jahr 2025 stieg der Produktionsindex nur um 2 Prozent. Im 1. Quartal 2026 schrumpfte der Ausstoß um 5 Prozent.
Auch die Aussichten sind nicht besonders rosig. Das Volumen der Neuaufträge lag im 1. Quartal 2026 um 3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Besonders die schwächere Investitionstätigkeit in Europa drückt auf die Nachfrage, erklärt Ivo Červenka, Geschäftsführer des Maschinenbauverbands Svaz strojírenské technologie (SST) auf Nachfrage von Germany Trade & Invest.
Der Verband erwartet erst in der zweiten Jahreshälfte 2026 eine schrittweise Belebung. Ab 2027 könnte es zu einem deutlicheren Wachstum kommen, "sofern sich die wirtschaftliche Lage in Deutschland und anderen wichtigen europäischen Volkswirtschaften verbessert", sagt Branchenexperte Červenka.
Auf dem einheimischen Markt ist die Nachfrage derzeit ebenfalls überschaubar. Die Auslastung der Anlagen im verarbeitenden Gewerbe sinkt seit Herbst 2024.
Zu wenig Maschinenbediener und steigende Lohnkosten
Eine große Herausforderung bleibt der Fachkräftemangel. Das Arbeitsministerium zählte Ende Mai 2026 über 410 offene Stellen für Maschinenbauingenieure und -techniker. Außerdem fehlten über 12.000 Bediener stationärer und mobiler Maschinen.
Das erhöht den Lohndruck. Im Jahresdurchschnitt 2025 stieg der Bruttomonatslohn im Maschinenbau nominal um 6 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten schrumpfte um 3 Prozent auf 106.000 Vollzeitstellen.
2.000
Euro
Lohn werden durchschnittlich in Tschechiens Maschinenbau gezahlt.
Weniger Absatz von Industrierobotern
Trotz des Fachkräftemangels und hoher Lohnkosten fällt Tschechien beim Einsatz von Industrierobotern zurück. Das liegt an fehlenden Großprojekten und der Investitionsschwäche der Autoindustrie. Laut Publikation "World Robotics 2025" wurden 2024 knapp 2.200 Industrieroboter installiert. Damit lag das Land weltweit auf Platz 22. Im regionalen Vergleich schnitten Polen und Ungarn 2024 besser ab.
Mit insgesamt 27.200 Industrierobotern ist Tschechien bei der Gesamtzahl aber immer noch führender Standort in der Region, vor Polen (26.400) und Ungarn (16.300). Pro 10.000 Beschäftigte waren 2024 216 Industrieroboter installiert (Deutschland: 449 Roboter). Enormer Nachholbedarf besteht in Branchen außerhalb der Automobilindustrie.
Bei der Entwicklung neuer Industrieroboter ist das Czech Institute of Informatics, Robotics and Cybernetics (CIIRC) in Prag führend. Es ist Teil der deutsch-tschechischen Forschungsinfrastruktur für Smart Factories (RICAIP) und testet in Prag, Brno und Saarbrücken die Fabrik der Zukunft. Mögliche Technologien sind additive Fertigung (3D-Druck), autonome Robotik und Mensch‑Roboter‑Interaktion.
Das sind auch die Einsatzfelder, in denen der Maschinenbauverband SST künftig gute Geschäftschancen für tschechische Hersteller sieht. "Entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit sind Automatisierung, Robotik, Digitalisierung von Produktionsprozessen, künstliche Intelligenz, fortschrittliche Bearbeitungstechnologien und Energieeffizienz", sagt Geschäftsführer Ivo Červenka.
Außerdem sucht Tschechiens Maschinenbau nach neuen Absatzregionen. Neben den traditionellen europäischen Märkten wächst das Interesse an Indien, den USA, Südostasien, dem Nahen Osten und Lateinamerika. TOS Varnsdorf verstärkt Aktivitäten in Indien und Brasilien, die TOSHULIN-Gruppe realisiert Projekte in den USA und der Türkei. Einige Unternehmen suchen neue Geschäftsfelder in der Verteidigungsindustrie, darunter Tajmac-ZPS durch Lieferungen in die Ukraine.
Autoindustrie bleibt der wichtigste Auftraggeber
Auch wenn der Fahrzeugbau schwierige Zeiten durchläuft, bleibt die Automobilindustrie der wichtigste Abnehmer für den Maschinenbau. Die Kernbranche der tschechischen Industrie investiert jährlich rund 2,5 Milliarden Euro in langfristige Anlagegüter.
Zwar schließen einige Teilehersteller ihre Fabriken, doch die drei großen Autofabriken des Landes und die Zulieferer modernisieren ihre Fertigungslinien weiter. Die Umstellung auf Elektroantrieb ist der größte Impulsgeber.
Škoda Auto eröffnete im Februar 2026 eine Batteriemontagehalle für 335.000 Batteriesysteme pro Jahr in Mladá Boleslav. Die Tschechen sind nun der größte Hersteller von Batteriesystemen im Volkswagen-Konzern.
Toyota will den Standort Kolín zu seiner ersten europäischen Fabrik für Elektroautos umbauen.
Der Lkw-Hersteller Tatra Trucks erweitert seine Produktionsstätte in Kopřivnice, um wichtige Komponenten wie Rahmen, Motoren und Getriebe an einem Ort zu bearbeiten. Für die Anschaffung der Maschinen sind 75 Millionen Euro vorgesehen.
Mit Daimler Truck will einer der führenden Lkw-Hersteller Europas eine große Fertigungsstätte in Tschechien aufbauen. In dem Werk bei Cheb sollen ab 2030 jährlich rund 25.000 Lkw vom Band laufen.
Große Investitionen stehen außerdem in der Verteidigungsindustrie an. Der Munitionsproduzent STV Group plant in Polička eine automatisierte Produktionslinie. Maschinenbauer PBS in Velká Bíteš errichtet neue Fertigungslinien für Motoren in unbemannten Militärflugzeugen. Drohnenhersteller Primoco UAV baut eine Produktionsstätte in Písek.
Ein stabiler Maschinenkäufer bleibt die Energiewirtschaft. Bei der Umrüstung der Kohlekraftwerke setzt Tschechien auf moderne Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Die EU-Kommission stellt 3 Milliarden Euro bereit.
Außerdem erwartet das Land einen Boom bei Biomethananlagen. Die EU-Kommission billigte im April 2026 ein Förderprogramm im Volumen von 3,7 Milliarden Euro. Ziel bis 2030 sind mindestens 100 Anlagen.
In der Atomkraft steht neben dem Ausbau des Kernkraftwerks Dukovany der Hochlauf von kleinen modularen Reaktoren (SMR) an. Der staatliche Stromkonzern ČEZ plant bis 2050 sechs SMR. Die Turbinen soll der deutsche Anlagenbauer Siemens Energy liefern. Am Stausee Orlík plant ČEZ ein großes Pumpspeicherwerk mit einer Leistung von 750 Megawatt.
Impulse für den Maschinen- und Anlagenbau bieten auch neue Bauvorhaben für Datenzentren und KI-Gigafabriken sowie in der Halbleiterindustrie.
Neue Kapazitäten für Energieausrüstungen entstehenAusgewählte Investitionsprojekte im tschechischen Maschinenbau, Investitionen in Millionen Euro| Akteur / Projekt | Investitionssumme *) | Projektstand | Anmerkung |
|---|
| Tatra / neue Halle für Werkzeugbau und Metallbearbeitung in Kopřivnice | 95,2 | Bau beginnt 2026; Fertigstellung für 2028 geplant | 20,7 Millionen Euro Investition in die Halle; 74,5 Millionen Euro in Technologien |
| Škoda JS / Erweiterung des Werkes zur Produktion von Teilen für Atomkraftwerke und modulare Kernreaktoren in Plzeň | k.A. | Alte Halle (Brownfield) wurde 2025 angekauft | Umbau der Nebenhalle in dem Areal |
| Hitachi Energy Czech / Erweiterung eines Werkes für Energieausrüstungen in Brno | 45,5 | Bau 2025 gestartet; Inbetriebnahme Ende 2026 geplant | Produktion von gasisolierten Leitungen und Schaltanlagen |
| AFSI Europe / Erweiterung der Produktion von Kraftstoff- und Ölfiltern in Žatec | 9,5 | Investitionsanreize 2025 genehmigt | Staat gewährt Rabatt bei der Körperschaftsteuer und zahlt Zuschüsse für Arbeitsplätze |
| SEKO Aerospace / Erweiterung der Produktion von hochpräzisen Komponenten für Flugzeugtriebwerke und Energieturbinen in Louny | 7,4 | Investitionsanreize 2026 genehmigt | Staat gewährt Rabatt bei der Körperschaftsteuer; Vorbereitung für Produktionsstart der Komponenten für Kampfflugzeuge F-35 |
| Master Therm tepelná čerpadla / Erweiterung der Produktion von Wärmepumpen in Jablonec nad Nisou | 3,4 | Investitionsanreize 2025 genehmigt | Staat gewährt Rabatt bei der Körperschaftsteuer |
* Umrechnung anhand des Wechselkurses 1 Euro = 24,17 Tschechische Kronen (Tschechische Nationalbank, 12.6.2026).Quelle: CzechInvest, Recherchen von Germany Trade & Invest, Pressemeldungen 2026
Von Gerit Schulze
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Prag