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Branche kompakt | Rumänien | Solarenergie

Regierung will Kapazitäten verdreifachen

Die Regierung plant, bis 2030 die Kapazitäten für Solarenergie auszubauen. Rumänien hofft dabei auf Fördermittel der EU.

Von Dominik Vorhölter | Bukarest

  • Marktüberblick

    Rumänien bietet Potenzial für Solarenergie. Der Staat fördert den privaten Ausbau. Für die Energiewende stellt die EU Fördermittel bereit.

    Markttreiber und -hemmnisse

    Treiber

    Hemmnisse

    Förderprogramme unterstützen den Ausbau von Solaranlagen

    Schwach ausgebaute Infrastruktur

    "Made in Germany" hat einen guten Ruf in Rumänien

    Regierung erhebt Windfall-Tax bei Energieerzeugern 

    Quelle: Germany Trade & Invest

    Von Dominik Vorhölter | Bukarest

  • Politische Ziele

    Rumänien will mittelfristig weniger Strom importieren. Die Regierung setzt beim Ausbau der Stromversorgung unter anderem auf Solarenergie.

    Rumänien setzt auf Solar- und Windkraft

    Rumänien muss an der Energiesicherheit des Landes arbeiten. Dafür will das Land die Stromimporte von derzeit 21 Prozent ab 2030 auf mindestens 17 Prozent vom Gesamtbedarf verringern. Dies geht aus dem nationalen Energie- und Klimaplan von Oktober 2021 hervor. Dieser Plan gibt das Ziel vor, die Erzeugungskapazitäten der Solar- und Windenergie von derzeit rund 1.600 Megawatt auf rund 6.000 Megawatt im Jahr 2030 zu erhöhen. In der Zwischenzeit setzt Rumänien aber auch auf den Ausbau von Gas- und Dampf-Kombikraftwerken sowie auf die Erweiterung des Atomkraftwerkes in Cernavoda. 

    Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine bringt die Pläne der Regierung, für mehr Energiesicherheit zu sorgen, durcheinander. "Wir behalten uns vor, im Ernstfall die Kapazitäten der Kohlekraftwerke wieder zu erhöhen, wenn wir nicht genügend Energie aus erneuerbaren Quellen erzeugen", sagte Umweltminister Tanszos Barna am 9. März 2022.

    EU-Gelder stehen bereit

    Die EU fördert den Ausbau von erneuerbaren Energien im Rahmen der Aufbau- und Resilienzfazilität. Das Energieministerium hat im Förderzeitraum bis 2027 für Investitionen im Energiesektor 1,6 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Bis Ende April 2022 läuft eine Ausschreibung, bei der Stromerzeuger Beihilfen erhalten können. Pro Projekt können Unternehmen bis zu 15 Millionen Euro erhalten. Es gibt Zuschüsse für den Bau von Anlagen von 0,2 bis 40 Megawatt installierter Leistung. 

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    Von Dominik Vorhölter | Bukarest

  • Marktorganisation

    Die Akteure auf dem rumänischen Strommarkt sind staatliche und private Unternehmen.

    Rumänien hat den Strommarkt liberalisiert

    Der Strommarkt in Rumänien ist ein teilweise entflochtener Markt. Die Erzeugung, Übertragung und der Vertrieb des Stroms liegt noch bei staatlichen Unternehmen. Es gibt aber auch private Marktteilnehmer. Der Strommarkt ist seit Anfang 2020 liberalisiert. Seitdem können Endverbraucher den Versorger frei wählen.

    Erzeuger und Eigenerzeuger von Strom, Anbieter und die Netzbetreiber haben Zugang zum Großhandelsmarkt mit Strom. Als Strommarktbetreiber fungiert die Aktiengesellschaft OPCOM, die sich im Besitz des staatlichen Übertragungsnetzbetreibers Transelectrica befindet.

    Teilmärkte sind offen für internationale Unternehmen

    Der Großhandel mit Strom besteht aus einem Markt zwischen Erzeugern und Abnehmern (Over-the-counter-Handel), dem Day-ahead-market und dem Markt für den Ausgleich der Bilanzkreise. Der Day-ahead-market ist mit den Märkten in Ungarn und der Slowakei verbunden. Alle Teilmärkte sind offen für private und für ausländische Unternehmen. Zusätzlich gibt es einen Markt für Emissionszertifikate. Dabei handelt es sich um grüne Zertifikate, deren Preis staatlich festgelegt ist. Der Mindestpreis beträgt 29,40 Euro und der Höchstpreis 35 Euro pro Zertifikat.

    Marktteilnehmer in Rumänien benötigen eine Lizenz, die ihnen erlaubt als Stromerzeuger oder -lieferant aufzutreten. Dafür müssen Unternehmen, die am Markt teilnehmen möchten, einen ETSO-Identifikationscode vorweisen, den der rumänische Übertragungsnetzbetreiber Transelectrica ausstellt.

    In Rumänien sind acht Verteilnetzbetreiber aktiv: 

    • Electrica Transilvania Nord
    • Electrica Transilvania Sud
    • ENEL Distribution
    • CEZ Distribution Oltenia
    • Electrica Muntenia Nord
    • Enel Distribution Muntenia
    • Enel Distribution Dobrogea
    • E.ON Distribution Moldova

    Von Dominik Vorhölter | Bukarest

  • Marktchancen

    Das rumänische Energieministerium fördert aktiv den Ausbau der erneuerbaren Energien. Stromerzeuger bekommen Zuschüsse für Projekte. 

    Pro Unternehmen gibt es bis zu 15 Millionen Euro

    Das rumänische Energieministerium vergibt EU-Zuschüsse in Höhe von rund 458 Millionen Euro an Stromerzeuger. Damit will die rumänische Regierung Investitionen in den Ausbau von Solar- und Windkraftanlagen anstoßen. Begünstigte können bis zu 15 Millionen Euro an Zuschüssen erhalten, informiert das Energieministerium. 

    Bedingung ist, dass die Antragsteller beim rumänischen Handelsregister mit der Klassifikation der wirtschaftlichen Aktivitäten, auch CAEN, als Stromerzeuger (CAEN 3511) registriert sind. Antragsteller, die Zuschüsse für Solarenergie erhalten möchten, können pro Megawatt installierter Leistung 425.000 Euro erhalten. 

    Bei den Zuschüssen handelt es sich um Finanzmittel, die das Energieministerium als Transferleistung an die Begünstigten auszahlt. Die staatlichen Beihilfen müssen nicht an den rumänischen Staat zurückgezahlt werden. Dieses Geld hat die rumänische Regierung im Rahmen der Aufbau- und Resilienzfazilität von der EU erhalten. Für Projekte im Energiesektor stehen insgesamt bis zum Jahr 2027 rund 1,6 Milliarden Euro bereit.

    Regierung erarbeitet weitere Förderprogramme 

    Um Investoren zu finden, die Solar- und Windparks bauen, erarbeitet die Regierung gemeinsam mit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (European Bank for Reconstruction and DevelopmentEBRD) geeignete Förderprogramme. Konkret geht es darum, eine rechtliche Grundlage für Differenzkontrakte (Contract for Differences, CfD) zu schaffen. Dies ermöglicht den Erzeugern, ihren Strom zu einem festgesetzten Abnahmepreis auf dem Strommarkt anzubieten. In Rumänien fördert die Regierung zudem im Rahmen des Programms Casa Verde die Installation von Solaranlagen in Privathaushalten. Dafür steht aus dem Umweltministerium ein Budget von umgerechnet rund 190 Millionen Euro zur Verfügung. 

    Werte für Sonneneinstrahlung sind im Süden am besten

    Die Globalstrahlung in Rumänien schwankt zwischen einem Höchstwert von 1,49 Kilowattstunden pro Quadratmeter pro Tag und dem Tiefstwert von 0,34 Kilowattstunden pro Quadratmeter pro Tag. Die höchsten Werte messen Meteorologen meist ab Juni, die Tiefstwerte zwischen Januar und Februar. Der jährliche Mittelwert der Sonneneinstrahlung auf horizontalen Flächen beträgt pro Quadratmeter 1,28 Kilowattstunden. Die Orte mit der höchsten Globalstrahlung befinden sich im Süden des Landes, etwa die Region Dobrogea oder die Region um die Hauptstadt Bukarest. Letzte verfügt über eine gut ausgebaute Infrastruktur für Stromanschlüsse an Photovoltaik-Anlagen.

    Ausgewählte Solarprojekte in Rumänien

    Projektbezeichnung und Standort

    Leistung (Megawatt)

    Unternehmen

    Status

    Investitionsvolumen
    (in Millionen Euro)

    Solarpark in Arad

    1.044

    West Power Investments, Monsson Alma

    Projektdesign

    600

    Photovoltaik-Anlage in Rateşti

    154

    Intec Energy Solutions

    Studienphase

    195

    Solaranlage auf OMV-Anlage in Dolj

    111

    OMV Petrom

    Projektdesign

    104

    Photovoltaik-Anlage in Olt

    134

    Grup Blauer Bucuresti

    Projektdesign

    80

    Photovoltaik-Anlage in Bihor

    87

    PNE AG

    Projektdesign

    52

    Quelle: Pressemeldungen, Recherchen von Germany Trade & Invest (Mai 2022)

    Von Dominik Vorhölter | Bukarest

  • Markthemmnisse

    Einzelne Rechtsvorschriften trüben das Investitionsklima. 

    Sekundäre Rechtsakte verschlechtern Rahmenbedingungen

    Im Bereich erneuerbare Energien gibt es darüber hinaus noch viele rechtliche Fragen zu klären. Eine Thema ist die sogenannte Windfall-Tax. Dabei handelt es sich um einen sekundären Rechtsakt, der eine Steuer auf Marktlagenzugewinne von 80 Prozent fordert. Davon sind Energieunternehmen betroffen, die einen Gewinn von mehr als 91 Euro pro Megawattstunde erzielen. Dabei sind der Zukauf von Strom für die Versorgung oder die Betriebskosten schon eingerechnet. Dieser Rechtsakt ist vorerst bis Ende 2022 gültig. Diese Maßnahmen hinderten Energieversorger und -erzeuger unter transparenten Marktbedingungen zu operieren. Derzeit gilt ein staatlich festgelegter Höchstpreis für Gas und Strom. 

    Betreiber von Wind- und Solarparks fühlen sich derzeit von einem sekundären Rechtsakt gegen den Anstieg der Energiepreise im Winter 2021/2022 diskriminiert. Dabei handelt es sich um den Versuch der rumänischen Regierung, das „Energiepreis-Toolkit“ der Europäischen Kommission vom Oktober 2021 umzusetzen. Ziel dabei ist, die Auswirkungen hoher Preise auf schutzbedürftige Verbraucher abzumildern, so auch den Strompreis. Angesichts der Invasion Russlands in die Ukraine, die eine Bedrohung der europäischen Versorgungssicherheit mit Energie zur Folge hat, erlaubt die Kommission weitere Maßnahmen. Im Gespräch sind aktuell Beihilfen mit Fördermitteln aus dem EU-Emissionshandel. 

    Zudem muss das Energieministerium die Regeln zu Stromabnahmeverträgen (Power Purchase Agreements, PPAs) zwischen Netzbetreibern und Stromerzeugern mit erneuerbaren Energien schärfen. PPAs sind spezielle Verträge zwischen Stromerzeugern und größeren Abnehmern, etwa Stromversorgern. Die Möglichkeit PPAs abzuschließen, sei der Schlüssel für die Entwicklung der Branche, sagt Martin Moise, Vizepräsident des Arbeitgeberverbands der Erzeuger von Energie aus erneuerbaren Quellen in Rumänien (PATRES).

    Landgesetz erschwert den Solarausbau

    Ein weiteres Problem ist das Landgesetz. Seit 2019 erschwert der Gesetzgeber es Landbesitzern, Solaranlagen auf Flächen zu bauen, die sie zuvor landwirtschaftlich genutzt haben. Die Rechte für die Umnutzung des Landes zu erhalten, sei sehr zeitraubend und aufwendig, kritisiert der Verband der Energieversorger (AFEER). In der Regel dauert dieser Prozess mehr als zehn Monate.

    Von Dominik Vorhölter | Bukarest

  • Branchenstruktur

    Private Haushalte in Rumänien fragen zunehmend mehr Solartechnik nach. Unternehmen investieren ebenfalls. 

    Lokaler Markt entwickelt sich langsam

    Rumänien ist auf importierte Solarzellen aus dem Ausland angewiesen. Investoren, die Solaranlagen entwickeln, importieren die Solartechnik aus Deutschland, Italien oder Österreich. Es wird aber mit dem US-amerikanischen Investoren Enphase Energie erste lokale Produzenten von Komponenten geben. Das Unternehmen kündigte im April 2022 an, ab 2023 eine Produktion von Mikro-Wechselrichtern in Timisoara zu errichten. Diese fragen meist private Haushalte nach, wenn sie in Solaranlagen investieren. 

    Für die Solarbranche hat der staatseigene Stromlieferant Transelectrica im Jahr 2021 rund zehn Solarprojekten mit einer installierten Leistung von 732 Megawatt einen Netzanschluss genehmigt. Zudem plant das schwedische Unternehmen Monsson Alma eine Investition in einen Solarpark bei Arad mit einer installierten Leistung von 1.044 Megawatt.

    Ein lokaler Zulieferer der Solarbranche ist das rumänische Unternehmen Simtel. Es bietet den schlüsselfertigen Bau von Photovoltaik-Anlagen an. Zu deren Kunden gehören nach eigenen Angaben unter anderem Kaufland (Einzelhandel), REWE (Einzelhandel), Fan Courir (Logistik) und Dedeman (Einzelhandel).

    Von Dominik Vorhölter | Bukarest

  • Kontaktadressen

    Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade and Invest (GTAI)

    Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    Exportinitiative Energie

    Informationen zu Veranstaltungen, Markt- und Länderinformationen

    Factsheets der Exportinitiative Energie

    Factsheets mit allgemeinen Energieinformationen zum Land (teilweise mit Technologie- oder Anwendungsfokus)

    AHK Rumänien

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Energieministerium Rumäniens

    Energieministerium

    Organizaţia Patronală a Producătorilor de Energie din Surse Regenarabile din România (PATRES) 

    Verband für erneuerbare Energien

    Asociația Română a Industriei Fotovoltaice din România

    Verband der rumänischen Photovoltaikindustrie

    PV-Magazine

    Internationales Fachmagazin

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