Wirtschaftsumfeld | Rumänien | Arbeitsmarkt, Lohnkosten

Rumänien

Dominik Vorhölter

Von Dominik Vorhölter | Bukarest

Arbeitnehmer in Rumänien sind flexibel. Bewerber für offene Stellen zu interessieren, ist leicht. Qualifizierte Kandidaten zu finden, ist jedoch schwer. Die geringe Bildung zählt zu den größten strukturellen Schwächen für die künftige Entwicklung des Arbeitsmarktes. Der Staat investiert nur 3,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in Bildung. Das ist zu wenig, um die digitale Transformation zu meistern. Zum Vergleich: In Deutschland gibt der Staat 4,4 Prozent des BIP für Bildung aus. Darüber hinaus ist Rumänien das Land in der EU mit der größten Anzahl an Schulabbrechern. 

Die Aussicht auf mehr Gehalt motiviert Bewerber dazu, den Job zu wechseln. Doch viele lesen Jobangebote nicht kritisch genug und schicken oftmals nur Lebensläufe, ohne Motivationsschreiben. Somit müssen Recruiter mehr Auswahlgespräche führen. 

Zudem altert und schrumpft die rumänische Bevölkerung. Zusätzlich verliert Rumänien Uniabsolventen an Italien, Deutschland, Frankreich oder das Vereinigte Königreich. Auch gering Qualifizierte wandern aus, um in der Landwirtschaft, im Handel und im Gastgewerbe in Westeuropa zu arbeiten. 

Arbeitgeber können trotzdem Personal finden, wenn sie ein attraktives Gehalt und zusätzliche Leistungen anbieten, wie eine private Krankenversicherung. Derzeit liegt der Durchschnittslohn bei 1.716 Euro. Er ist in den letzten Jahren zweistellig gestiegen. Die Nachfrage nach mittlerem und hochqualifiziertem Personal wird besonders in den Wirtschaftszentren des Landes Timisoara, Cluj-Napoca, Iasi und Bukarest nicht zurückgehen. Der Druck, höhere Löhne anzubieten, wird also bestehen bleiben, insbesondere im Dienstleistungsgewerbe und in der IT-Industrie.