Wirtschaftsumfeld | Slowenien | Arbeitskräfte
Fachkräfte
Die schwächelnde Konjunktur entspannt den Arbeitsmarkt kaum. Personal fehlt in Industrie und Tourismus. Slowenien erleichtert deshalb die Anwerbung aus dem Ausland.
08.09.2026
Nach der Coronakrise nahm die Beschäftigung in Slowenien stetig zu und erreichte 2024 mit 1,1 Millionen Erwerbstätigen einen Rekordwert. Laut Statistikamt ging die Beschäftigtenzahl 2025 erstmals um 0,4 Prozent zurück. Parallel schwächte sich die Konjunktur ab: Das Wirtschaftswachstum verlangsamte sich von 2,7 Prozent im Jahr 2022 auf 1,1 Prozent 2025.
Slowenien im weltweiten VergleichFolgende Karte ermöglicht den Vergleich zwischen zahlreichen Ländern weltweit. Bitte beachten Sie, dass die Werte in der Karte aus international standardisierten Quellen stammen und somit ggf. von Angaben aus nationalen Quellen im Text abweichen können. |
Für 2026 erwartet die slowenische Nationalbank ein leichtes Beschäftigungsplus von 0,4 Prozent. Für den Zuwachs dürfte vor allem der öffentliche Sektor sorgen. Im Privatsektor bauen Unternehmen hingegen Stellen ab, insbesondere im verarbeitenden Gewerbe. Die Industrie leidet unter der schwachen Auslandsnachfrage und stark gestiegenen Arbeitskosten. Dennoch blieb die registrierte Arbeitslosenquote 2025 mit 4,6 Prozent beziehungsweise rund 45.000 Personen auf dem Vorjahresniveau. Damit verharrt sie auf dem niedrigsten Stand seit 2001.
Demografischer Wandel verschärft Personalmangel
Die schwächelnde Konjunktur dürfte daran wenig ändern: Nach Einschätzung des Wirtschaftsforschungsinstituts IMAD wird die Arbeitslosigkeit auch in den kommenden Jahren niedrig bleiben. Denn mit der Alterung der Bevölkerung schrumpft auch das heimische Arbeitskräfteangebot. Bis 2028 sei außerdem mit einer nie dagewesenen Pensionierungswelle zu rechnen, warnte zuletzt die Geschäftsführerin von Adecco Slowenien, Mirela Kurt.
Seit Jahren verlassen mehr Menschen den slowenischen Arbeitsmarkt, als neu eintreten. Nach Angaben des slowenischen Rentenversicherungsamtes ZPIZ überstieg die Zahl der Arbeitsmarktabgänge die der Neueintritte seit 2024 um jeweils rund 13.000 Personen. Weil qualifizierte Arbeitskräfte schwer zu ersetzen sind, halten viele Arbeitgeber auch in konjunkturellen Schwächephasen an ihren Beschäftigten fest. Zusätzlich soll eine neue Kurzarbeitsregelung weitere Entlassungen vermeiden. Die Regierung von Ministerpräsident Janez Janša hat die 2025 gesetzlich verankerte Regelung im Juli 2026 erneut aktiviert. Sie gilt bis zum 20. Januar 2027.
Die Erwerbsquote älterer Menschen soll steigen
Um kurzfristige Personalengpässe zu überbrücken, setzen slowenische Unternehmen auf Arbeitnehmerüberlassung. Besonders verbreitet ist Leiharbeit im verarbeitenden Gewerbe. Laut Eurostat waren 2025 rund 5,3 Prozent der Beschäftigten in Slowenien als Leiharbeitskräfte tätig. Damit lag der Anteil mehr als doppelt so hoch als der EU-Durchschnitt mit 2,2 Prozent.
Ein weiteres Arbeitskräftepotenzial sind ältere Beschäftigte. Die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen lag 2025 mit 57,6 Prozent deutlich unter dem EU-Mittel von 66,4 Prozent. Eine 2025 beschlossene Rentenreform könnte die Lebensarbeitszeit indes verlängern. Zwischen 2028 und 2035 sollen die Altersgrenzen schrittweise von 60 auf 62 Jahre bei 40 Beitragsjahren und von 65 auf 67 Jahre bei mindestens 15 Beitragsjahren steigen. Das noch nicht in Kraft getretene, sogenannte Interventionsgesetz der neuen Regierung sieht weitere Anreize für eine längere Erwerbstätigkeit vor.
Gutes Bildungsniveau und passende Qualifikationen
Personalberater bescheinigen dem slowenischen Bildungssystem eine hohe Qualität. Fast jeder Dritte im erwerbsfähigen Alter besaß 2025 einen Hochschulabschluss. Englisch- und Deutschkenntnisse sind weit verbreitet. Nach Einschätzung von Tilen Prah, Geschäftsführer der Personalagentur Kariera, decken die Ausbildungsprofile den Bedarf wichtiger Branchen weitgehend ab. Dazu zählen die Pharmaindustrie, Fahrzeugbau, Elektrotechnik und Logistik.
Arbeitskräfte fehlen in Industrie und Tourismus
Gleichwohl betrifft der Personalmangel zahlreiche Branchen und reicht von einfachen Tätigkeiten bis zu qualifizierten Fachberufen. Laut einer Mitte 2026 veröffentlichten Umfrage des slowenischen Arbeitsamtes ZRSZ suchen Unternehmen im 2. Halbjahr vor allem Hilfskräfte im verarbeitenden Gewerbe, Verkäufer, Lkw-Fahrer sowie Reinigungs- und Servicekräfte. Auch Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen sind gefragt. Besonders schwer zu besetzen sind Stellen mit eher geringen Qualifikationsanforderungen, berichtet Kariera-Chef Prah.
Im Handel und in der Informationstechnik sieht Boštjan Grobler vom Personaldienstleister Workforce noch Chancen, inländische Bewerber zu finden. In Industrie und Tourismus ließen sich offene Stellen dagegen kaum noch ohne Arbeitskräfte aus dem Ausland füllen. Als besonders angespannt gilt die Lage in Ljubljana, in den Industriezentren Novo mesto und Maribor sowie in den touristisch geprägten Regionen Gorenjska und Goriška an den Grenzen zu Österreich und Italien.
Arbeitsmigration aus Drittstaaten wird erleichtert
Im 1. Quartal 2026 waren in Slowenien rund 148.000 außerhalb der EU geborene Menschen erwerbstätig. Das entsprach etwa 15 Prozent aller Erwerbstätigen. Gut 91 Prozent von ihnen stammen aus dem ehemaligen Jugoslawien. Die Bedeutung von Arbeitskräften aus jugoslawischen Nachfolgestaaten nimmt jedoch langsam ab: Ihr Zuzug geht zurück, während zunehmend Beschäftigte aus Asien nach Slowenien kommen.
Der slowenische Staat erleichtert seit Jahren die Beschäftigung von Drittstaatsangehörigen. Schon unter der Vorgängerregierung wurde die Anerkennung beruflicher Qualifikationen vereinfacht und die Voraussetzungen für hochqualifizierte Beschäftigte gelockert. Saisonarbeit ist inzwischen auch im Tourismus und im Gastgewerbe möglich. Die neue Regierung unter Ministerpräsident Janez Janša will die Anwerbung ausländischer Fachkräfte weiter erleichtern.
Ein Schwerpunkt liegt auf den Philippinen. Dort eröffnete das Land im März 2025 erstmals eine Auslandsvertretung und veranstaltete eine Jobmesse. Zwischen beiden Ländern besteht inzwischen ein bilaterales Beschäftigungsabkommen.