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Branche kompakt | Saudi-Arabien | Bauwirtschaft

Baukonjunktur in Saudi-Arabien verliert an Dynamik

Nach Jahren stetigen Wachstums verlangsamt sich Saudi-Arabiens Bauwirtschaft deutlich. Trotzdem zählt das Land weiterhin zu den größten Projektmärkten weltweit.

Von Heena Nazir | Dubai

Ausblick der Bauwirtschaft in Saudi-Arabien

Bewertung:

 

  • Saudi-Arabiens Bauwirtschaft kühlt sich 2026 nach Projektboom deutlich ab.
  • Deutsche Unternehmen sind selten Hauptauftragnehmer.
  • Ausländisches Know-how ist jedoch sehr gefragt.

Anmerkung: Einschätzung der Autorin für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Die Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Januar 2026

  • Die Marktchancen in Saudi-Arabiens Bauwirtschaft verschieben sich von standardisierten Großprojekten hin zu technisch anspruchsvollen, strategisch priorisierten Vorhaben.

    Die Bauwirtschaft in Saudi-Arabien hat nach Rekordjahren spürbar an Dynamik verloren. Sinkende Ölpreise, gestiegene Material- und Finanzierungskosten sowie haushaltspolitische Anpassungen dämpfen die Vergabe neuer Großaufträge. 

    1,5 Billionen US$

    umfasst der saudi-arabische Projektmarkt (Wert aller Vorhaben in Planung und im Bau) und zählt damit zu den größten weltweit.

    Nach Daten des Informationsportal MEED Projects gingen die neu vergebenen Bauaufträge in Saudi-Arabien 2025 deutlich zurück und lagen bei rund 84 Milliarden US$. Das sind 47 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Projektmarkt bleibt dennoch einer der größten weltweit. Die Regierung konzentriert sich stärker auf ausgewählte, wirtschaftlich tragfähige Großprojekte, insbesondere im Umfeld der Expo 2030 in Riad und der Fußball-Weltmeisterschaft 2034. Daher ist mittelfristig mit einer moderaten Erholung zu rechnen, auch wenn viele Vorhaben nur schrittweise umgesetzt werden.

    Hochbau und Infrastruktur tragende Säule der Bauwirtschaft

    Der Hochbau prägt die Bautätigkeit weiterhin maßgeblich. Staatlich geförderte Wohnungsbauprogramme, großvolumige Stadtentwicklungsprojekte sowie Vorhaben im Hotel-, Tourismus- und Freizeitsektor sichern den Bauunternehmen vor Ort trotz rückläufiger Neuvergaben eine Grundauslastung, weil viele Projekte bereits umgesetzt werden. Zusätzliche Impulse liefert der Ausbau von Veranstaltungs- und Begleitinfrastruktur im Vorfeld internationaler Großveranstaltungen.

    Parallel dazu bleibt die Bauaktivität im Tief- und Infrastrukturbau stabil. Umfangreiche Investitionen fließen in Verkehrsnetze, Flughäfen sowie in die Strom-, Wasser- und Abwasserinfrastruktur. Zunehmend an Bedeutung gewinnt zudem der Industriebau. Chemie-, Energie- und Industrieprojekte tragen spürbar zur Auslastung der Baukapazitäten bei und erhöhen den Bedarf an technisch anspruchsvollen Bau- und Ingenieurdienstleistungen.

    Saudi-Arabien: Auftragseingang in der Bauwirtschaft nach Sektoren 2024 bis 2025 *)In Milliarden US-Dollar; Veränderung in Prozent
    Sektoren

    2024

    2025

    Veränderung 2025/2024

    Hochbau (Construction) 

    41,0

    25,1

    –38,7

    Energiewirtschaft

    53,4

    25,2

    –52,8

    Transportwesen

    18,6

    9,1

    –51,1

    Wasserver- und -entsorgung

    15,7

    10,1

    –35,7

    Gasindustrie

    18,8

    7,3

    –61,2

    * Gesamtkosten der Projekte (einschließlich Ausrüstungen, Anlagen etc.), deren Hauptauftrag im jeweiligen Zeitraum vergeben wurde. Abgeschlossene Verträge, die nicht umgesetzt oder gestoppt wurden, sind nicht berücksichtigt.Quelle: MEED Projects (Contract Awards) 2025; Januar 2026

    Wohnungsbau bleibt wichtigster Impulsgeber 

    Im Hochbau summierten sich die Bauvergaben 2025 auf 25,1 Milliarden US$ – deutlich weniger als 2024 und ein Hinweis auf eine insgesamt geringere Dynamik. Politisch bleibt der Schwerpunkt jedoch gesetzt: Innerhalb des Hochbaus ist der Wohnungsbau weiterhin der wichtigste Treiber. Mit 7,7 Milliarden US$ entfielen 30,6 Prozent der Vergaben auf den Wohnungsbau. Hintergrund ist ein struktureller Wohnungsmangel bei gleichzeitig stark wachsender und junger Bevölkerung. Zentraler Baustein ist das Wohnungsbauprogramm der saudischen Vision 2030. Es verfolgt das Ziel, die Wohneigentumsquote saudischer Haushalte bis 2030 auf 70 Prozent zu steigern; Ende 2024 lag sie bereits bei 65,4 Prozent.

    Saudi-Arabien: Auftragseingang im Hochbau in ausgewählten Sektoren 2024 bis 2025 *)In Milliarden US-Dollar; Veränderung in Prozent
    Sektoren

    2024

    2025

    Veränderung 2025/2024

    Hochbau, darunter

    41,0

    25,1

    -38,7

      Wohnungsbau 10,67,7–27,7
      Gewerbe 2,84,041,9
      Wohn-/Gewerbeprojekte (Mixed-Use)5,73,7–35,5
      Telekommunikation 2,23,034,5
      Kultur 2,42,2–7,7
      Hotel- und Gastgewerbe 4,51,3–71,9
      Einzelhandel 1,21,0–17,1
      Gesundheitswesen1,30,9–30,4
      Freizeitindustrie 8,30,7–91,6
    * Gesamtkosten der Projekte (einschließlich Ausrüstungen, Anlagen etc.), deren Hauptauftrag im jeweiligen Zeitraum vergeben wurde. Abgeschlossene Verträge, die nicht umgesetzt oder gestoppt wurden, sind nicht berücksichtigt.Quelle: MEED Projects (Contract Awards) 2025; Januar 2026

    Über die staatliche Plattform Sakani werden vergünstigte Hypotheken, Grundstücke und Förderinstrumente vermittelt. Im 1. Halbjahr 2025 konnten dadurch mehr als 54.000 saudische Familien erstmals Wohneigentum erwerben. Parallel treiben staatliche Entwickler den Neubau voran. Roshn, ein Immobilienentwickler im Besitz des staatlichen Public Investment Fund, plant bis 2030 den Bau von rund 395.000 Wohneinheiten in mehreren Provinzen. Ergänzend entwickelt die National Housing Company großflächige Wohngebiete gemeinsam mit privaten Partnern. Diese Projekte binden den Privatsektor zunehmend über Public-Private-Partnerships (PPP) ein, bei denen private Anbieter Bau, Finanzierung und Betrieb staatlicher Bauprojekte übernehmen.

    Ausgewählte PPP-Projekte im Wohnungsbau in Saudi-Arabien Investitionsvolumen in Millionen US$
    ProjektStatus

    Investitionsvolumen 

    King Khalid University – Faculty HousingHauptauftrag Präqualifikation

    500

    King Salman International Airport – Airport City: Employee Residential Facilities 1 & 2 (Phase 1)Hauptauftrag Präqualifikation

    500

    King Salman International Airport – Airport City: Employee Residential Facilities 3 & 4 (Phase 2)Hauptauftrag Präqualifikation

    500

    Expansion Tanajib HousingHauptauftrag Präqualifikation

    300

    Al-Iman Hospital Staff HousingHauptauftrag Präqualifikation

    120

    MODON Oases – Residential UnitsMachbarkeitsstudie

    100

    Quelle: MEED Projects, Recherchen von Germany Trade & Invest; Januar 2026

    Infrastrukturprogramme sichern Basisauslastung für die Bauindustrie

    Der Infrastrukturbau bleibt auch in der Phase geringerer Gesamtvergaben ein stabilisierender Faktor. Investiert wird vor allem in Verkehrs-, Energie- sowie Wasser- und Abwasserinfrastruktur. Der Ausbau von Metrosystemen, Flughäfen und Versorgungsnetzen sorgt für eine kontinuierliche Nachfrage. 

    Ein Schlüsselprojekt ist das Jeddah Public Transportation Program. Das von der Metro Jeddah Company verantwortete Vorhaben umfasst den Aufbau eines integrierten Verkehrssystems mit rund 249 Kilometern Schieneninfrastruktur sowie ergänzenden Bus-, Tram- und Fährlösungen. Das Gesamtbudget liegt bei rund 30,4 Milliarden US$, wovon aktuell etwa 21,2 Milliarden US$ projektiert sind. Nach Verzögerungen wurde das Projekt Anfang 2026 wieder aufgenommen und befindet sich in der Designphase.

    Ausgewählte Großprojekte der Bauwirtschaft in Saudi-ArabienProjekte in der Planungsphase; Auswahl
    ProjektProjektstatus

    Projektwert (Mrd. US$)

    Tower District Real Estate – The North Pole (Masterplan)Planung

    10,0

    King Abdulaziz International Airport, Terminal 2Machbarkeitsstudie

    10,0

    King Salman Gate, MekkaPlanung

    10,0

    Riyadh Metro, Linie 7Angebotsphase

    8,0

    The North Pole – Rise Tower, RiadPlanung

    5,0

    Khuzam Business Center (NHC)Machbarkeitsstudie

    5,0

    Saudi Landbridge (Riad–Dschidda)Planung

    4,5

    Jeddah Airport CityPlanung

    4,1

    King Hamad CausewayPräqualifikation Hauptauftrag

    4,0

    King Salman Causeway (Tiran-Brücke)Machbarkeitsstudie

    4,0

    Quelle: MEED Projects, Recherche GTAI; Januar 2026

    Staatliche Ziele und Programme

    Die Bauwirtschaft ist eng an staatliche Entwicklungsziele gekoppelt. Zentrale Programme betreffen den Ausbau erneuerbarer Energien, die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur sowie großvolumige Stadtentwicklungsprojekte. PPP-Modelle gewinnen vor allem in der Wasserwirtschaft und bei Infrastrukturvorhaben an Bedeutung und sollen privates Kapital mobilisieren. 

    Förderprogramme und Finanzierungsmöglichkeiten in Saudi-Arabien
    Programm / FondsTräger / InstitutionSektorArt der FörderungZielgruppeBemerkungen
    Housing ProgramMinistry of Municipal, Rural Affairs and Housing (MoMRAH)WohnungsbauBereitstellung von Bauland, Planungsfreigaben, Wohnbaustrategien, indirekt über FinanzierungstöpfeLokale & internationale Projektentwickler (über JV mit NHC, Roshn etc.)Ziel: Wohneigentumsquote von 70 % bis 2030. Private Bauträger können sich an staatlichen Wohnquartieren beteiligen.
    Sakani-Programm (Teil des Housing Program)MoMRAH + Real Estate Development Fund (REDF)WohnbaufinanzierungZinsgünstige Endkundenkredite, GrundstücksvergabeIndirekt relevant: Bauträger profitieren von Kreditvergabe an KäuferPlattform für Wohnungsvermittlung, Grundstücksvergabe, Baufinanzierung.
    National Infrastructure Fund (NIF)National Development Fund (NDF)Infrastruktur (Bau, Transport, Wasser, Energie)Co-Finanzierung, Garantien, ProjektfinanzierungInländische & ausländische Investoren, PPP-KonsortienStrategisches Instrument zur Beschleunigung von Vision-2030-Infrastrukturprojekten; zielt auf PPP-Beteiligung.
    Tourism Development Fund (TDF)Saudi Ministry of TourismTourismus, Hotelbau, FreizeitinfrastrukturKredite, Co-Investments, GarantienProjektentwickler, Investoren (inländisch & ausländisch)Unterstützt Tourismusprojekte inkl. NEOM, Red Sea Project, Amaala etc.
    Real Estate Development Fund (REDF)MoMRAH (nachgeordnet)WohnimmobilienBauherrenfinanzierung, EndkundenfinanzierungLokale Bauherren / indirekt Investoren mit PartnerstrukturStark vernetzt mit NHC-Projekten und staatlichen Wohnparks.
    PPP-Projektförderung (PSP-Regime)National Center for Privatization (NCP)Bau, Wasser, Transport, Gesundheit, BildungPPP-Modell: Vergabe, Garantien, RegelwerkeLokale & ausländische Unternehmen (EPC, Betreiber, Investoren)Klar definierte PPP-Pipeline, Mindestprojektvolumen: 53 Mio. US$, Ausschreibungen über NCP.
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest, Januar 2026

    Technische Nischen eröffnen Chancen für deutsche Unternehmen

    Für deutsche Unternehmen liegen die größten Marktchancen in technisch anspruchsvollen Segmenten, erklären Branchenkenner. Dazu zählen laut einer Analyse des Magazins MEED Insight vor allem Planungs- und Ingenieurleistungen, Energie- und Umwelttechnik, Gebäudetechnik sowie spezialisierte Bau- und Ausrüstungslösungen. Deutsche Firmen treten selten als alleinige Hauptauftragnehmer auf, sind jedoch als Technologie- und Lösungspartner in internationalen Konsortien gefragt. Punktuelle Möglichkeiten ergeben sich zudem für das Bauhandwerk in spezialisierten Gewerken, etwa im hochwertigen Innenausbau oder in der technischen Gebäudeausrüstung, insbesondere in wachstumsstarken Regionen wie Riad und an der Westküste, betonen die Experten.

    Von Heena Nazir | Dubai

  • Die Bauwirtschaft Saudi-Arabiens ist stark staatlich geprägt und projektgetrieben. Trotz sinkender Neuvergaben bleibt sie einer der größten Nicht-Öl-Sektoren.

    Die Bauwirtschaft zählt zu den größten Wirtschaftssektoren außerhalb von Öl und Gas und ist ein zentraler Treiber der wirtschaftlichen Transformation Saudi-Arabiens. Zwischen 2021 und 2024 stieg die reale Wertschöpfung von rund 23,5 Milliarden auf etwa 25,1 Milliarden US$. Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt blieb mit gut 5 Prozent weitgehend stabil.

    Internationale Führung bei komplexen Projekten

    Diese Segmentierung prägt auch die Wettbewerbsstruktur. Im Hochbau dominieren überwiegend lokale, häufig familiengeführte Bauunternehmen, die dank enger Beziehungen zu öffentlichen Auftraggebern den Großteil der Wohn- und Gewerbeprojekte realisieren. Internationale Anbieter treten hier meist als Unterauftragnehmer auf.

    In technisch komplexeren Bereichen wie Industrie-, Infrastruktur- und Spezialtiefbau übernehmen dagegen häufig ausländische Unternehmen die Rolle des Hauptauftragnehmers. Projekte werden in der Regel in Konsortien mit lokalen Partnern umgesetzt. Asiatische und europäische Konzerne sind in diesen Segmenten besonders stark vertreten. Deutsche Unternehmen sind zwar nur punktuell als Hauptauftragnehmer präsent, spielen jedoch als Technologie-, Engineering- und Spezialanbieter, etwa bei Industrieanlagen, Energieinfrastruktur und hochwertigen Baustoffen, eine wichtige Rolle.

    Hohe Auslastung treibt Kosten und Kapazitätsengpässe

    Diese Entwicklung verstärkt zugleich den Kosten- und Preisdruck. Der staatliche Baukostenindex, der die Preisentwicklung zentraler Bauinputs wie Baustoffe, Arbeitskosten und ausgewählter Bauleistungen abbildet, erhöhte sich im Jahresdurchschnitt von 103 Punkten im Jahr 2021 auf rund 118 Punkte im Jahr 2025. Nach kräftigen Zuwächsen in den Jahren 2021 und 2022 verlangsamte sich der Anstieg zuletzt, blieb jedoch positiv. Kostentreiber sind vor allem Materialpreise, Logistik sowie Engpässe bei qualifizierten Arbeitskräften.

    Wichtige Branchenunternehmen in Saudi Arabien
    UnternehmenHerkunftBausparte / Schwerpunkt in Saudi-Arabien
    Saudi Binladin GroupSaudi-ArabienHoch- und Infrastrukturbau; Megaprojekte im öffentlichen Sektor (Moschee-Erweiterungen, Hochbau, Infrastruktur)
    Nesma & PartnersSaudi-ArabienEPC, Industrie- und Infrastrukturbau; NEOM, Red Sea Project, Aramco-Projekte
    Almabani General ContractorsSaudi-ArabienInfrastruktur- und Verkehrsprojekte; Flughäfen, Metro, Großprojekte
    El Seif Engineering ContractingSaudi-ArabienHoch- und Tiefbau; Geschäfts- und Hochhausprojekte, urbane Großentwicklungen
    BechtelUSAProjektmanagement, Infrastruktur- und Industriebau; NEOM, Metro, Industriecluster
    WebuildItalienGroßinfrastruktur, Verkehr, Tunnel- und Bahnbau; NEOM, Red Sea, Qiddiya
    China State Construction Engineering Corp. (CSCEC)ChinaHoch- und Tiefbau, Tunnel- und Großprojekte; NEOM
    Samsung C&TSüdkoreaGroßprojekte, Tunnel- und Hochbau; NEOM, Industrieprojekte
    Hyundai Engineering & ConstructionSüdkoreaInfrastruktur-, Industrie- und Anlagenbau; NEOM, Öl- und Gasprojekte
    China Communications Construction Company (CCCC)ChinaInfrastruktur- und Küstenbau; Häfen, Verkehrs- und Küstenprojekte
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest, Januar 2026

     

    Hohe Eigenproduktion bei Grundstoffen, Importbedarf bei veredelten Materialien

    Saudi-Arabien verfügt über eine breit aufgestellte heimische Produktion von mineralischen Grundbaustoffen, gestützt durch eine wachsende Rohstoffbasis und eine hohe Zahl an Abbau- und Gewinnungslizenzen. 2024 waren insgesamt 2.401 Bergbau- und Steinbruchlizenzen vergeben, davon entfiel der größte Teil auf Baustoffe wie Kalkstein, Gips und Zuschlagstoffe. Nicht-metallische Rohstoffe stellen mit rund 54 Prozent den größten Anteil der bislang entdeckten Lagerstätten. 

    Trotz dieser starken lokalen Basis bleibt das Land bei veredelten Baustoffen und Spezialprodukten in erheblichem Umfang auf Importe angewiesen. Bei Steinen, Gips und Zement (HS 68) deckt die inländische Produktion zwar den Massenbedarf, dennoch wurden 2024 spezialisierte Erzeugnisse im Wert von rund 860 Millionen US$ eingeführt. Ähnlich stellt sich die Situation bei Keramik (HS 69) dar: Während Standardprodukte lokal gefertigt werden, beliefen sich die Einfuhren höherwertiger Anwendungen auf etwa 759 Millionen US$. Auch bei Glas und Glaswaren (HS 70) ergänzen Spezialgläser die überwiegend heimische Produktion mit Importen von rund 971 Millionen US$.

    Noch ausgeprägter ist die Importabhängigkeit bei Metallen und metallischen Vorprodukten. Zwar verfügt Saudi-Arabien über eigene Kapazitäten, etwa bei Aluminium, wovon 2024 rund 63 Prozent exportiert wurden. Gleichzeitig bleiben zahlreiche metallische Werkstoffe und Weiterverarbeitungsprodukte importgetrieben. Die Einfuhren von Eisen und Stahl (HS 72) erreichten 2024 rund 6,2 Milliarden US$, Waren daraus (HS 73) knapp 8,0 Milliarden US$. Bei Kupfer (HS 74) beliefen sich die Importe auf etwa 3,9 Milliarden US$, bei Aluminiumhalbzeugen (HS 76) auf rund 1,7 Milliarden US$. 

    Von Heena Nazir | Dubai

  • Die Vergabepraxis in Saudi-Arabiens Bauwirtschaft ist staatlich geprägt, formalisiert und wettbewerbsintensiv. 

    Die Rahmenbedingungen der Bauwirtschaft in Saudi-Arabien sind eng mit den staatlichen Transformationszielen der Vision 2030 verknüpft. Öffentliche Investitionen prägen weiterhin den Markt, während private Vorhaben insbesondere im Wohnungs-, Tourismus- und Industriebau an Bedeutung gewinnen. Für ausländische Unternehmen eröffnen sich daraus attraktive Geschäftsmöglichkeiten, zugleich steigen jedoch die Anforderungen an Marktkenntnis, lokale Präsenz und strategische Vernetzung.

    Vergabepraxis im öffentlichen und privaten Sektor

    Im öffentlichen Sektor erfolgt die Auftragsvergabe überwiegend über Ministerien, spezialisierte Entwicklungsbehörden und staatsnahe Projektgesellschaften. Zu den zentralen Akteuren zählen unter anderem der Staatsfonds Public Investment Fund (PIF), die Royal Commission for Riyadh City (RCRC), die Saudi Water Partnership Company (SWPC) sowie sektorale Behörden wie KACARE oder ENOWA. Großprojekte werden häufig in eigenständigen Projektgesellschaften gebündelt und stufenweise über Präqualifizierungen, Angebotsbewertungen und Hauptverträge vergeben. 

    Die Vergabeverfahren orientieren sich formal an internationalen Standards, sind jedoch häufig komplex, mehrstufig und zeitintensiv. Zwar hat Saudi-Arabien in den vergangenen Jahren Transparenz- und Compliance-Strukturen weiter ausgebaut und verfolgt offiziell eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Korruption. In der Praxis bleibt der frühzeitige Zugang zu Projektträgern, Beratern und Entscheidungsträgern dennoch ein wesentlicher Erfolgsfaktor, insbesondere bei großvolumigen oder politisch priorisierten Vorhaben.

    Private Projektentwickler agieren in der Regel flexibler. Vor allem bei technisch anspruchsvollen, zeitkritischen oder kapitalintensiven Projekten kommen Direktverhandlungen oder begrenzte Ausschreibungen zum Einsatz, häufig auf Basis bestehender Geschäftsbeziehungen. Dies betrifft insbesondere Vorhaben im Industrie-, Logistik- und Tourismussektor sowie Teilprojekte innerhalb größerer staatlicher Programme.

    Ausschreibungen und Informationszugang

    Öffentliche Bau- und Infrastrukturprojekte werden zentral über das nationale E-Procurement-System Etimad ausgeschrieben. Rechtsgrundlage bildet das Government Tenders and Procurement Law, das digitale Verfahren verbindlich vorschreibt und die Beteiligung ausländischer Unternehmen formal regelt. Ergänzend informieren einzelne Entwicklungsbehörden und staatliche Projektgesellschaften über eigene Vergabeportale und Kommunikationskanäle. 

    Für die laufende Marktbeobachtung spielen zudem spezialisierte Projektdatenbanken und Fachportale eine wichtige Rolle, da Projektprioritäten, Zeitpläne und Budgets kurzfristigen Anpassungen unterliegen können. Insbesondere bei Großprojekten berichten Unternehmen von längeren Entscheidungswegen und wechselnden Zuständigkeiten, weshalb eine kontinuierliche Marktpräsenz vorteilhaft ist.

    Hürden für deutsche Unternehmen

    Für deutsche Unternehmen stellen vor allem die Größe und Komplexität der Projekte, der intensive internationale Wettbewerb sowie steigende Anforderungen an lokale Wertschöpfung zentrale Herausforderungen dar. Hinzu kommen Vorgaben zur Beschäftigung einheimischer Arbeitskräfte sowie die Notwendigkeit, sich frühzeitig in langfristige Projekt- und Konsortialstrukturen einzubinden, erklären deutsche Unternehmensvertreter in Gesprächen mit Germany Trade & Invest (GTAI).

    Bei staatlichen Großprojekten ist die Vergabe häufig an internationale EPC-Konsortien (Engineering, Procurement and Construction – Planung, Beschaffung und Bau aus einer Hand) ausgelagert, wodurch sich für deutsche Unternehmen insbesondere Chancen als spezialisierte Zulieferer, Technologiepartner oder Beratungsdienstleister ergeben, betonen Branchenkenner.

    Nachhaltigkeit und Sorgfaltspflichten

    Nachhaltigkeitsaspekte gewinnen in der saudi-arabischen Bauwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Staatliche Auftraggeber integrieren verstärkt Vorgaben zu Energieeffizienz, Ressourcenschonung und Umweltstandards in ihre Ausschreibungen. Parallel dazu steigen die Erwartungen an die Einhaltung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten, insbesondere entlang komplexer Lieferketten und beim Einsatz von Arbeitskräften. Unternehmen sind daher gut beraten, ihre internen Compliance-, Kontroll- und Dokumentationsmechanismen frühzeitig an die lokalen Anforderungen anzupassen.

    Hinweise für den Markteinstieg

    Ein erfolgreicher Markteinstieg setzt in der Regel eine frühe Positionierung bei Projektentwicklern, Planern und Entscheidungsträgern voraus. Aufgrund der Marktstruktur sind Kooperationen mit lokalen Partnern häufig entscheidend, um regulatorische Vorgaben zu erfüllen und operative Risiken zu reduzieren. Unterstützung bieten zudem die Delegation der Deutschen Wirtschaft in Saudi-Arabien sowie spezialisierte Netzwerk- und Beratungsangebote vor Ort, die den Zugang zu relevanten Akteuren erleichtern können.

    Tipps für den Markteinstieg

    • Früh positionieren: Projektstrukturen entstehen oft vor der Ausschreibung.
    • Lokale Partner: Kooperationen erleichtern Marktzugang und Umsetzung.
    • Technikfokus: Chancen vor allem bei hochwertigen, energieeffizienten Lösungen.
    • Langfristig denken: Großprojekte erfordern dauerhafte Präsenz.
    • Netzwerke nutzen: AHK und GTAI unterstützen beim Markteintritt.

    GTAI stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Heena Nazir | Dubai

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest

    Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    Delegation der Deutschen Wirtschaft für Saudi-Arabien

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Ministry of Transport and Logistic Services

    Infrastrukturprojekte

    Ministry of EnergyÖl, Gas, Kraftwerke

    Ministry of Health

    Krankenhausbau

    Ministry of Municipal and Rural Affairs and Housing

    Stadtentwicklung, Wohnungsbau

    Ministry of Industry and Mineral Resources

    Industrie- und Bergbauprojekte

    Ministry of Environment, Water and Agriculture

    Wasserprojekte

    Ministry of Investment

    Investitionsförderung

    Middle East Economic Digest (MEED)

    Fachzeitschrift (kostenpflichtig)

    Construction Week

    Fachzeitschrift

    MEED Projects

    Datenbank (kostenpflichtig)

    Saudi Build

    Fachmesse in Riad (jährlich; nächster Termin: 2. bis 5 November 2026)

    BIG 5 Saudi Fachmesse in Riad (jährlich; nächster Termin: 10. bis 13. Mai 2026)
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