Wer bietet mehr? Poker auf dem singapurischen Arbeitsmarkt, denn alle wissen um den Wert guter Fachkräfte vor allem in Zeiten von KI. Gleichzeitig locken niedrigere Löhne an anderen Standorten.
In Singapur ist der Wettbewerb um Beschäftigte groß und die Arbeitnehmenden sind sich Ihres Wertes auf dem Arbeitsmarkt bewusst. Zudem ist Singapur eine der teuersten Städte der Welt in Bezug auf die Lebenshaltungskosten. Jobsuchende sondieren deshalb ihre Optionen genau und pokern um höhere Gehälter und Zusatzentgelte. Softwareingenieure beispielsweise verdienen in Singapur gemäß des Nodeflair Asia Tech Salary Report etwa das Sechsfache wie in Indien und Universitätsabsolvent:innen fast das Dreifache wie in Taiwan.
Durchschnittliche Monatslöhne für ausgewählte Positionen In US-Dollar, 2023| Position | Monatslohn |
|---|
| Durchschnittslohn | 3.937 |
| Führungskraft | 8.249 |
| Personal mit akademischer Ausbildung | 6.076 |
| Techniker:in | 3.545 |
| Unterstützende Bürokraft | 2.546 |
| Dienstleistungs- und Verkaufskraft | 2.112 |
| Handwerker:in | 2.169 |
| Anlagen- und Maschinenbediener:in, Montagekraft | 1.880 |
| Hilfskraft | 1.410 |
Quelle: Ministry of Manpower 2024
Viele Betriebe mit hohem Lohnkostenanteil liebäugeln mit einem Umzug oder zumindest mit der Auslagerung von Teilen ihrer Produktion an günstigere Standorte in der ASEAN-Region. Dabei stehen vor allem Jakarta, Kuala Lumpur und Ho-Chi-Minh-Stadt hoch im Kurs. Gerade aber für die Hightech-Industrie, wo es einen besonders großen Bedarf an hochqualifizierten Mitarbeitenden gibt - wie etwa im Bereich Medizintechnik oder auch bei Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten - bleibt Singapur weiterhin eine gute Wahl.
Ausländische Firmen zahlen im Schnitt mehr
Die finanziellen Erwartungshaltungen der Arbeitnehmenden gegenüber ausländischen Firmen sind tendenziell höher als gegenüber lokalen Unternehmen. Denn obwohl internationale Unternehmen nur ein Fünftel aller Gesellschaften in Singapur ausmachen, beschäftigen sie 60 Prozent der Besserverdienenden mit Einkommen über 12.500 S$ pro Monat und stellen damit einen großen Anteil der sogenannten "High-Earning Jobs".
David Stepat, Managing Director der Singapurer Beratungsgesellschaft Meridium, weist darauf hin, dass die hohen Aufwendungen für Löhne und Gehälter in Singapur vor allem für deutsche Klein- und Mittelständler problematisch sind, da diese unter höherem Kostendruck stehen. Hinzu kommt, dass die gesetzlichen Mindestgehälter für Arbeitsvisa in festen Schritten angehoben werden und mit dem Alter des Kandidaten deutlich anziehen. Wer einen erfahrenen Spezialisten aus Deutschland nach Singapur bringen will, zahlt der Experteneinschätzung zufolge die höchsten Sätze.
Zweistellige Lohnzuwächse für KI-Experten
2025 lag die durchschnittliche reale Lohnsteigerung in Singapur bei 4 Prozent und damit leicht über dem Wert des Vorjahres in Höhe von 3,2 Prozent. Die meisten Prognosen erwarten für die nahe Zukunft moderate Lohnzuwächse. Die Consultants von Aon sehen im Schnitt ein Plus von 4,3 Prozent für 2026 voraus. Für andere Länder in der ASEAN-Gemeinschaft (Association of Southeast Asian Nations) werden noch deutlich höhere Lohnzuwächse für 2026 prognostiziert wie 7,1 Prozent in Vietnam, 5,9 Prozent in Indonesien und 5,2 Prozent in den Philippinen.
Durchschnittliche Monatslöhne für ausgewählte Branchen In US-Dollar, 2023| Branche | Monatslohn |
|---|
| Durchschnittslohn | 3.937 |
| Landwirtschaft, Fischerei, Bergbau, Versorgungs-/Abwasser- und Abfallwirtschaft | 3.848 |
| Verarbeitendes Gewerbe | 4.136 |
| Baugewerbe | 3.788 |
| Groß und Einzelhandel, Reparatur von Kfz | 3.693 |
| Transport und Lagerhaltung | 2.692 |
| Gastgewerbe, Beherbergung und Gastronomie | 2.161 |
| Informations- und Kommunikationsleistungen | 3.649 |
| Finanz- und Versicherungswesen | 6.205 |
| Öffentliche Verwaltung und Bildung | 5.177 |
| Gesundheits- und Sozialwesen | 3.848 |
Quelle: Ministry of Manpower 2024
Gemäß der Untersuchung „Robert Walters Salary Survey 2026“ planen knapp 70 Prozent der Betriebe in Singapur eine Lohnsteigerung von rund 3 Prozent. Sie sieht auch eine zunehmend geringen Einstimmung der Erwartungen zwischen Arbeitgebern und Jobkandidaten – die sich zum Teil deutlich höhere Steigerungen erhoffen.
Zwar boomt die Wirtschaft Singapurs angesichts der global hohen Nachfrage nach KI-Elektronik mit überdurchschnittlich hohen Wachstumsraten. Auf der anderen Seite führen die geopolitischen Unsicherheiten zu einem vorsichtigeren Einstellungsverhalten auf Seiten der Firmen.
Gemäß einer Umfrage des Arbeitgeberverbandes SNEF (Singapore National Employers Federation) im August 2026 wollen 51 Prozent der Mitgliedsfirmen 2027 keine oder geringere Lohnzuwächse als im Vorjahr gewähren. Üppige Steigerungen in einer Größenordnung von bis zu 20 Prozent können Robert Walters zufolge KI-Experten erwarten. Schon 2025 lagen die Erhöhungen für KI-Fachkräfte zwischen 15 und 25 Prozent, vor allem für die Segmente AI Engineering, Machine Learning, Data Science und AI Produktmanagement.
KI-Kenntnisse stark gefragt
Gründe dafür sind die breitflächige Implementierung von KI-Applikationen, die digitale Transformation und eine zunehmende Nachfrage hinsichtlich Cyber-Sicherheit. Auch andere Untersuchungen wie von der Manpower Group kommen zu dem Ergebnis, dass Beschäftigte mit KI-Kenntnissen je nach Level bis zu 25 Prozent mehr verdienen können als die Vergleichsgruppe ohne entsprechende Fähigkeiten.
Denn die Nachfrage nach Beschäftigen mit KI-Kenntnissen hat sich offiziellen Angaben zufolge in Singapur bereits zwischen 2022 und 2025 verdoppelt und dürfte auch künftig anziehen. Die Regierung plant Pressemeldungen zufolge für 2027 Erleichterungen für die Immigration von KI-Talenten aus anderen Ländern. Auf der anderen Seite steigt die Verunsicherung bei den Arbeitnehmern: Nur 15 Prozent aller Beschäftigten im Stadtstaat stufen ihre Jobsituation unter anderem angesichts der KI-Entwicklungen als sicher ein, was noch unter dem Schnitt in Asien-Pazifik von 18 Prozent lieg.
Die Löhne für Minderverdiener sollen gemäß den Richtlinien des National Wages Council (NWC) für den Zeitraum Dezember 2025 bis November 2026 um 5,5 bis 7,5 Prozent erhöht werden. Das betrifft Arbeitsentgelte bis zu 2.700 Singapur-Dollar (S$) pro Monat. Damit wurde die Einkommensgrenze gegenüber den Vorjahresrichtlinien (2.500 S$) angehoben.
Der National Wages Council (NWC), dem Vertreter:innen der Regierung, der Arbeitgeber und der Gewerkschaften angehören, empfiehlt den Unternehmen eine Erhöhung der Reallöhne im Rahmen der Produktivitätssteigerung. Produktivitätsgewinne sollen fair zwischen Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden geteilt werden. Der NWC berücksichtigt die globale und regionale Wirtschaftsentwicklung, Singapurs Konkurrenzfähigkeit, die Entwicklung der Arbeitsmarktbedingungen, die Arbeitsproduktivität und die Inflation. Die Empfehlungen werden weitgehend beachtet. Der Grad der Umsetzung ist umso höher, je stärker die Belegschaft gewerkschaftlich organisiert ist.
Zusatzleistungen haben hohen Stellenwert
Übliche variable Gehaltsbestandteile sind Bonuszahlungen zum Jahresende, das 13. Monatsgehalt sowie eine monatliche Zusatzkomponente, die sich am Umsatz oder anderen betrieblichen Erfolgsfaktoren orientiert. Um ihre Mitarbeitenden an sich zu binden, gewähren die Unternehmen Zusatzleistungen. Diese decken ein breites Spektrum ab, zu dem Sonderurlaub bei Heirat oder bei Todesfällen in der Familie sowie Zuschüsse zu Transport- und Wohnkosten zählen.
Eine Umfrage der Auslandshandelskammer 2024 zu den freiwilligen Sozial- und Zusatzleistungen deutscher Unternehmen in Singapur brachte zu Tage, dass sie Zusatzvergütungen wie Krankenversicherungen mittlerweile als Standard betrachten. Über die Hälfte der befragten Firmen gewährt ihren Beschäftigten Transporthilfen, 20 Prozent stellen sogar ein Dienstfahrzeug.
Weitere Informationen über Löhne und Gehälter in Singapur
Eine detailliertere Aufschlüsselung von Löhnen und Gehältern nach Berufen bieten die Publikationen "Singapore Yearbook of Manpower Statistics 2024" sowie "Report on Wage Practices 2023" des Ministry of Manpower.
Der Arbeitgeberverband Singapore National Employers Federation (SNEF) verkauft weitere Studien wie die "SNEF Salary Information on Executive Jobs 2024" und die "SNEF Salary Information on Non-Executive Jobs 2024", die Gehaltsstrukturen, variable Bezüge und andere Zusatzleistungen in verschiedenen Industriezweigen enthalten.
Eine Sozialversicherung für viele Zwecke
Die wichtigste Einrichtung der sozialen Sicherung ist der Central Provident Fund (CPF). Ursprünglich diente er nur der Altersversorgung der Bevölkerung. Inzwischen kann der Fonds auch für die medizinische Versorgung, für den Erwerb von Wohnraum und für die Ausbildung eingesetzt werden.
Ausländische Beschäftigte sind nur dann zu Beitragszahlungen verpflichtet, wenn sie den "Permanent Resident"-Status haben. Ansonsten sind alle Angestellten von Privatunternehmen beitragspflichtig. Der volle Beitragssatz umfasst 17 Prozent des Bruttolohns für die Arbeitgeber und 20 Prozent für die Arbeitnehmenden. Personen über 55 Jahre oder mit einem monatlichem Einkommen unter 750 S$ (rund 554 US$) zahlen reduzierte Beiträge. Dadurch sollen die Beschäftigungschancen von älteren Arbeitnehmern und von Niedriglohnempfängern verbessert werden. Die obere Bemessungsgrenze beträgt seit Januar 2026 monatlich 8.000 S$.
Sozialbeiträge 2025In Prozent des Bruttolohns nach Alter der BeschäftigtenAlter | Arbeitgeberanteil | Arbeitnehmeranteil | Insgesamt |
|---|
bis 55 Jahre | 17 | 20 | 37 |
55 bis 60 Jahre | 15,5 | 17 | 32,5 |
61 bis 65 Jahre | 12 | 11,5 | 23,5 |
65 bis 70 Jahre | 9 | 7,5 | 16,5 |
über 70 Jahre | 7,5 | 5 | 12,5 |
Gültig für Beschäftigte mit dauerhafter Aufenthaltsgenehmigung ab dem 3. Jahr und mit Monatslöhnen über 750 S$. Für niedrigere Einkommen gelten reduzierte Beitragsätze.Quelle: Central Provident Fund Board 2024
Von Alexander Hirschle
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