Arbeitsmarkt | Singapur

Fachkräftemangel bereitet Singapur Sorgen

Die Wirtschaft in Singapur expandiert im Zuge des KI-Booms. Die Nachfrage nach qualifizierten Beschäftigten steigt an.

Von Alexander Hirschle, Julia Merle | Singapur, Bonn

Wir haben die Reihe "Lohn- und Lohnnebenkosten" in "Arbeitsmarkt" umbenannt.

Fast das gesamte Geschäftsmodell Singapurs ist aufgrund der geringen natürlichen Ressourcen auf Dienstleistungen, Innovation und Hightech ausgerichtet. Die Verfügbarkeit von hochqualifizierten Mitarbeitenden ist daher für viele Unternehmen ein zentrales Thema vor allem angesichts der nun steigenden Nachfrage nach Experten im Bereich künstlicher Intelligenz.

Angesichts einer demografischen Entwicklung mit niedrigen Geburtenraten und einer alternden Bevölkerung klagen jedoch viele Unternehmen über einen zunehmenden Mangel an verfügbaren Fachkräften. Die Regierung versucht über Arbeitsimmigration und eine verbesserte Integration von Frauen in das Berufsleben das Beschäftigtenpotenzial zu erweitern. Das Bildungssystem ist bereits erstklassig, die Universitäten des Stadtstaats zählen zu den besten weltweit. Eine weitere Herausforderung für Firmen ist das im regionalen Vergleich sehr hohe Lohnniveau.

Stärken des Arbeitsmarkts

  • Hohes Bildungsniveau 
  • Regierung legt großen Wert auf Ausbildung
  • Sehr gute Universitäten
  • Fokus auf Zukunftstechnologien
  • Beliebter Standort für internationale Expats

     

Schwächen des Arbeitsmarkts

  • Zunehmender Mangel an Fachkräften
  • Hohe Lohnkosten
  • Erschwerte Visabedingungen für ausländische Beschäftigte

  • Singapur benötigt erstklassige Angestellte. Die innovative Volkswirtschaft hat zwar ein sehr gutes Bildungssystem, dennoch kämpfen zahlreiche Unternehmen mit einem Mangel an Fachkräften.

    Die Rekrutierung von Fachkräften ist das größte Problem für die Personalabteilungen in Singapur. In zahlreichen Umfragen und Erhebungen von Personalvermittlungsfirmen und Verbänden wird die Verfügbarkeit von Experten als große Herausforderung genannt. Vor allem in technischen Professionen sieht das Angebot dünn aus, da sich viele junge Singapurer in den vergangenen Jahren für Karrieren in den Bereichen Finanzen, Recht oder Consulting entschieden haben. Der Anteil der Studierenden im Ingenieurwissenschaften fiel von 43 Prozent im Jahr 2003 auf nur noch 22 Prozent zwei Dekaden später.

    Die Arbeitslosenrate liegt mit rund 2 Prozent (2025) auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Sehr schwache Geburtenraten und eine alternde Bevölkerung gehören mit zu den Gründen für den zunehmenden Fachkräftemangel. Knapp 20 Prozent der Bevölkerung sind älter als 65 Jahre. Die Zahl der Geburten fiel 2025 um 11 Prozent, die Fertilitätsrate erreichte im gleichen Jahr mit 0,87 ein neues Rekordtief und liegt auf den untersten Plätzen im weltweiten Vergleich. 

    Firmen auf der Suche nach High-Potentials

    Die Firmen benötigen zwar vor allem hochqualifiziertes Personal. Daneben bestehen die Engpässe insbesondere in Arbeitsfeldern mit weniger attraktiven Arbeitsbedingungen. Jobs in der für Singapur immer noch wichtigen verarbeitenden Industrie sind aufgrund anspruchsvoller Arbeitszeiten und den häufig abgelegenen Arbeitsorten nicht so beliebt. Und auch für einfache Tätigkeiten wie Bauarbeiten, Pflege oder Haushaltshilfe fehlen die Arbeitskräfte. 

    2025 stieg die Bevölkerung Singapurs um 1,2 Prozent auf 6,1 Millionen Menschen an vor allem aufgrund des Zuzugs einfacher Arbeitskräfte wie Bauarbeiter oder Pflege- und Hilfspersonal. Künftig dürften auch Automatisierung und der Einsatz humanoider Roboter stärker erwogen werden, um die Nachfrage nach solchen Tätigkeiten zu bedienen.

    Singapur im weltweiten Vergleich

    Folgende Karte ermöglicht den Vergleich zwischen zahlreichen Ländern weltweit. Bitte beachten Sie, dass die Werte in der Karte aus international standardisierten Quellen stammen und somit ggf. von Angaben aus nationalen Quellen im Text abweichen können.

     

    Attraktiver Arbeitsort für ausländische Beschäftigte

    Bei ausländischen Fach- und Führungskräften ist Singapur sehr beliebt. Die exzellenten Lebens- und Wirtschaftsbedingungen bringen dem Stadtstaat bei internationalen Bewertungen immer wieder Spitzenplätze ein. Er gilt zudem als sicher, hat effiziente Verwaltungsstrukturen und die Steuerlast ist niedrig. Singapur gilt zudem als eines der attraktivsten Reiseziele der Welt. Und viele weitere beliebte Urlaubsorte befinden sich in der Nähe.

    Probleme bereiten Unternehmen allerdings die gestiegenen Anforderungen für die Einstellung ausländischer Arbeitskräfte. Nach Einschätzung der Corporate-Services-Gesellschaft Meridium ist der Prozess mit der Einführung des Compass-Systems 2023 zumindest transparenter geworden. Planbarer sei er damit aber nicht automatisch, da die Benchmarks jährlich angehoben werden. Kleinere Niederlassungen tun sich zudem mit den firmenbezogenen Kriterien schwer, weil sie den Anteil lokaler Fachkräfte und die Nationalitätenvielfalt nicht so leicht darstellen können wie große Unternehmen.

    Attraktiver Arbeitsort für ausländische Beschäftigte

    Bei ausländischen Fach- und Führungskräften ist Singapur sehr beliebt. Die exzellenten Lebens- und Wirtschaftsbedingungen bringen dem Stadtstaat bei internationalen Bewertungen immer wieder Spitzenplätze ein. Er gilt zudem als sicher, hat effiziente Verwaltungsstrukturen und die Steuerlast ist niedrig. Singapur gilt zudem als eines der attraktivsten Reiseziele der Welt. Und viele weitere beliebte Urlaubsorte befinden sich in der Nähe.

    Probleme bereiten Unternehmen allerdings die gestiegenen Anforderungen für die Einstellung ausländischer Arbeitskräfte. Nach Einschätzung der Corporate-Services-Gesellschaft Meridium ist der Prozess mit der Einführung des Compass-Systems 2023 zumindest transparenter geworden. Planbarer sei er damit aber nicht automatisch, da die Benchmarks jährlich angehoben werden. Kleinere Niederlassungen tun sich zudem mit den firmenbezogenen Kriterien schwer, weil sie den Anteil lokaler Fachkräfte und die Nationalitätenvielfalt nicht so leicht darstellen können wie große Unternehmen.

    Beschäftigte verfügen über hohen Bildungsstand

    Die Wirtschaft ist gezwungen, innovative und hochwertige Produkte herzustellen, um die verhältnismäßig hohen Preise der Güter und Dienstleistungen zu rechtfertigen. Bei der Regierung stehen Aus- und Fortbildung daher ganz oben auf der Prioritätenliste. Die Beschäftigten gelten als hervorragend ausgebildet, erwarten aber im Gegenzug auch eine entsprechende Entlohnung. 

    Singapur verfolgt eine klare Strategie, um Beschäftigte für den Einsatz von KI zu qualifizieren. Mit verschiedenen Programmen wie unter anderem den staatlich geförderten SkillsFuture‑Kursen werden Fachkräfte gezielt geschult und erhalten Zugang zu KI‑Werkzeugen. Ziel ist es, Singapur als High‑End‑Hub für KI‑Anwendungen im globalen Wettbewerb zu positionieren.

    Zu dem gut entwickelten Bildungs- und Ausbildungssystem zählen unter anderem die international renommierten Universitäten Nanyang Technological University (NTU) und National University of Singapore (NUS). Sie kooperieren auch mit deutschen Bildungsinstitutionen wie der Technischen Universität München. Die NUS belegt in den QS World University Rankings 2026 den 10. Platz und liegt damit direkt hinter der ETH Zürich und der dem University College in London. Sie war zuvor die erste asiatische Hochschule, die die Top Ten des Rankings erreicht hatte. Die NTU konnte sich gegenüber dem Vorjahr von Platz 15 auf Rang 12 verbessern. 

    Kreativität und Zukunftstechnologien gewinnen an Bedeutung

    Im letzten Pisa-Ranking" 2026 belegten die singapurischen Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 Jahren die zweiten Plätze weltweit in den Fächern Mathematik und Wissenschaften und den ersten Platz bei Lesefähigkeiten. Oft ist der Unterricht in konfuzianisch geprägten Bildungssystemen sehr schematisch und repetitiv angelegt. Den Absolventen wird deswegen Kreativität in Abrede gestellt. 

    Doch auch in diesem Kompetenzbereich schließt Singapur auf und belegt mittlerweile einen Spitzenplatz. Gemäß einer OECD-Untersuchung im Rahmen der Pisa-Studie belegten die 15-jährigen Schülerinnen und Schüler in der Kategorie "kreatives Denken" weltweit den 1. Platz. Sie schnitten doppelt so gut ab wie der Durchschnitt und zeigten besondere Fähigkeiten, Probleme mit originellen Ideen zu lösen. 

     

    Von Alexander Hirschle | Singapur

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  • Beschäftigte wechseln schneller und häufiger ihren Job als in Deutschland. Unternehmen versuchen sie mit Zusatzleistungen zu überzeugen. Auch Frauenförderung ist auf der Agenda.

    Die Personalsuche auf eigene Faust ist in Singapur ohne profunde Kenntnisse des Marktes und der Regularien schwierig. Arbeitsmarktexperten empfehlen, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen anstatt über Jobportale zu suchen. Es gibt eine Vielzahl von Agenturen, die Unternehmen gegen Gebühr entsprechende Dienste anbieten. Ferner eignen sich auch Karrieremessen, um qualifizierte Arbeitssuchende anzulocken. Veranstaltet werden sie von Industrieverbänden, Hochschulen und Vermittlungsagenturen.

    Professionelle Hilfe bei der Suche nach Fachkräften

    Vermittlungsagenturen verfügen im Regelfall über ein großes Netzwerk potenzieller Kandidat:innen. Sie können sie selbst dann kontaktieren, wenn sie noch in einem Beschäftigungsverhältnis stehen. Auch die deutsche Auslandshandelskammer (SGC, Singaporean-German Chamber of Commerce and Industry) unterstützt deutsche Firmen bei der Rekrutierung von Fachpersonal.

    Eine Liste der vom Arbeitsministerium (Ministry of Manpower, MoM) lizensierten Agenturen ist auf dessen Webseite zu finden.

    Die Anzahl der Bewerbungen ist im Regelfall hoch und kann je nach Position in die Hunderte gehen. Doch oft findet sich nur eine Hand voll geeigneter Kandidat:innen darunter. Deshalb weisen Personalverantwortliche auf die Bedeutung des Ausschreibungstitels oder der Stellenbezeichnung hin, um die Bewerberflut einzudämmen. 

    Mehr Frauen in Führungspositionen

    Der Trend geht klar in Richtung einer besseren Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt. Dazu gehört auch die stärkere Partizipation von Frauen in höheren Positionen. Unternehmen können damit bei ihren Beschäftigten punkten.

    Der Anteil von weiblichen Vorstandsmitgliedern bei den 100 größten börsennotierten Firmen in Singapur betrug 2023 knapp 24 Prozent. Von den Beschäftigten insgesamt waren 47 Prozent Frauen.

    Homeoffice mittlerweile Usus

    Förderlich für die Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt ist, dass durch die Coronapandemie neue Konzepte wie Homeoffice und flexible Arbeitszeitmodelle im zuvor extrem kompetitiven und starren Arbeitsleben Singapurs Einzug gehalten haben. Mittlerweile sind "hybride" Modelle in Singapur die Regel, bei denen meist an zwei Tagen pro Woche "wfh" (work from home) geleistet werden darf. Im Frühjahr 2024 wurden neue Richtlinien für flexible Arbeit verabschiedet, die am 1. Dezember desselben Jahres in Kraft traten. 

    Work-Life-Balance gewinnt an Bedeutung

    Die Prioritäten der Bevölkerung in Singapur ändern sich. So legen vor allem jüngere Menschen zunehmend Wert auf "Work-Life-Balance". Gemäß einer Online-Umfrage von Telus Health fühlten sich 2024 fast die Hälfte der Beschäftigten physisch oder psychisch von ihrer Arbeit ausgelaugt. Sieben von zehn Beschäftigten sind nicht glücklich mit ihrer Arbeit. Und Sleepseeker Research zufolge ist Singapur die "müdeste Nation" der Welt. Gehalt ist daher nicht mehr der einzige ausschlaggebende Faktor für Jobsuchende. 

    Nicht zuletzt aus diesem Grund punkten viele große westliche Unternehmen bei singapurischen Angestellten. Der beliebteste Arbeitgeber im Stadtstaat gemäß einer gemeinsamen Umfrage der Gazette Straits Times und dem Portal Statista ist Apple - gefolgt von Google, Heineken, Siemens und Motorala. Unter die Top-Ten schafften es außerdem auch Starbucks und Lego. Die Umfrage kam zu dem Ergebnis, dass die Teilnehmenden ihre Arbeitgeber umso besser bewerteten, desto zufriedener sie mit ihrer Work-Life-Balance waren.

    Mitarbeitende würdigen Fortbildungen und Flexibilität

    Eine Umfrage der deutschen Auslandshandelskammer (AHK) zu den freiwilligen Sozial- und Zusatzleistungen deutscher Unternehmen in Singapur brachte zu Tage, dass diesen ein hoher Stellenwert bei der Rekrutierung und Bindung von Beschäftigten beigemessen wird. Als wichtige Argumente sehen die Firmen Fortbildungsmaßnahmen, gefolgt von flexiblen Arbeitszeiten. Mittlerweile bieten 65 Prozent der befragten deutschen Firmen flexible Arbeitszeitmodelle an. Und in mehr als der Hälfte dürfen bis zu 40 Prozent der Wochenarbeitszeit im Homeoffice geleistet werden. 

    Zusatzvergütungen wie Krankenversicherungen seien mittlerweile der Standard. Als weniger effektive Leistungsangebote werden Altersrenten und Transportzuschüsse bewertet. Dennoch gewähren mehr als 50 Prozent der Firmen ihre Beschäftigten Transporthilfen, 20 Prozent stellen sogar ein Dienstfahrzeug.

    Kenner des singapurischen Arbeitsmarktes schätzen die Fluktuation der Mitarbeitenden im Vergleich zu Deutschland deutlich höher ein. Die Verweildauer insbesondere von jüngeren Beschäftigten geht selten über zwei bis drei Jahre hinaus.

    Gewerkschaften streiken selten

    Ende 2023 waren 813.181 Menschen in Singapur Mitglied einer Gewerkschaft, was 20 Prozent der Beschäftigtenentspricht. Sie sind vor allem in den Sozialdiensten zu finden, gefolgt von der verarbeitenden Industrie, dem Transportwesen, der Lagerhaltung sowie dem Groß- und Einzelhandel. Die Mehrheit der rund 60 Einzelgewerkschaften ist dem Gewerkschaftsbund "National Trades Union Congress" angeschlossen. Dieser unterhält enge Beziehungen zur People's Action Party.

    Konflikte zwischen den Tarifparteien treten selten offen zutage. Obwohl die Arbeitnehmer grundsätzlich – außer in den Versorgungsbereichen Wasser, Gas und Strom – über ein Streikrecht verfügen, werden Dispute in der Regel durch informelle Beratungen mit dem Arbeitsministerium gelöst. Erzielen die Tarifpartien keine Einigkeit, können sie den Fall einem Industrieschiedsgericht zur Entscheidung vorlegen.

    Von Alexander Hirschle | Singapur

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  • Wer bietet mehr? Poker auf dem singapurischen Arbeitsmarkt, denn alle wissen um den Wert guter Fachkräfte vor allem in Zeiten von KI. Gleichzeitig locken niedrigere Löhne an anderen Standorten.

    In Singapur ist der Wettbewerb um Beschäftigte groß und die Arbeitnehmenden sind sich Ihres Wertes auf dem Arbeitsmarkt bewusst. Zudem ist Singapur eine der teuersten Städte der Welt in Bezug auf die Lebenshaltungskosten. Jobsuchende sondieren deshalb ihre Optionen genau und pokern um höhere Gehälter und Zusatzentgelte. Softwareingenieure beispielsweise verdienen in Singapur gemäß des Nodeflair Asia Tech Salary Report etwa das Sechsfache wie in Indien und Universitätsabsolvent:innen fast das Dreifache wie in Taiwan.

    Durchschnittliche Monatslöhne für ausgewählte Positionen In US-Dollar, 2023
    Position

    Monatslohn

    Durchschnittslohn

    3.937

    Führungskraft

    8.249

    Personal mit akademischer Ausbildung

    6.076

    Techniker:in

    3.545

    Unterstützende Bürokraft

    2.546

    Dienstleistungs- und Verkaufskraft

    2.112

    Handwerker:in

    2.169

    Anlagen- und Maschinenbediener:in, Montagekraft

    1.880

    Hilfskraft

    1.410

    Quelle: Ministry of Manpower 2024

    Viele Betriebe mit hohem Lohnkostenanteil liebäugeln mit einem Umzug oder zumindest mit der Auslagerung von Teilen ihrer Produktion an günstigere Standorte in der ASEAN-Region. Dabei stehen vor allem Jakarta, Kuala Lumpur und Ho-Chi-Minh-Stadt hoch im Kurs. Gerade aber für die Hightech-Industrie, wo es einen besonders großen Bedarf an hochqualifizierten Mitarbeitenden gibt - wie etwa im Bereich Medizintechnik oder auch bei Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten - bleibt Singapur weiterhin eine gute Wahl.

    Ausländische Firmen zahlen im Schnitt mehr

    Die finanziellen Erwartungshaltungen der Arbeitnehmenden gegenüber ausländischen Firmen sind tendenziell höher als gegenüber lokalen Unternehmen. Denn obwohl internationale Unternehmen nur ein Fünftel aller Gesellschaften in Singapur ausmachen, beschäftigen sie 60 Prozent der Besserverdienenden mit Einkommen über 12.500 S$ pro Monat und stellen damit einen großen Anteil der sogenannten "High-Earning Jobs".

    David Stepat, Managing Director der Singapurer Beratungsgesellschaft Meridium, weist darauf hin, dass die hohen Aufwendungen für Löhne und Gehälter in Singapur vor allem für deutsche Klein- und Mittelständler problematisch sind, da diese unter höherem Kostendruck stehen. Hinzu kommt, dass die gesetzlichen Mindestgehälter für Arbeitsvisa in festen Schritten angehoben werden und mit dem Alter des Kandidaten deutlich anziehen. Wer einen erfahrenen Spezialisten aus Deutschland nach Singapur bringen will, zahlt der Experteneinschätzung zufolge die höchsten Sätze.

    Zweistellige Lohnzuwächse für KI-Experten

    2025 lag die durchschnittliche reale Lohnsteigerung in Singapur bei 4 Prozent und damit leicht über dem Wert des Vorjahres in Höhe von 3,2 Prozent. Die meisten Prognosen erwarten für die nahe Zukunft moderate Lohnzuwächse. Die Consultants von Aon sehen im Schnitt ein Plus von 4,3 Prozent für 2026 voraus. Für andere Länder in der ASEAN-Gemeinschaft (Association of Southeast Asian Nations) werden noch deutlich höhere Lohnzuwächse für 2026 prognostiziert wie 7,1 Prozent in Vietnam, 5,9 Prozent in Indonesien und 5,2 Prozent in den Philippinen.

    Durchschnittliche Monatslöhne für ausgewählte Branchen In US-Dollar, 2023
    Branche

    Monatslohn

    Durchschnittslohn

    3.937

    Landwirtschaft, Fischerei, Bergbau, Versorgungs-/Abwasser- und Abfallwirtschaft

    3.848

    Verarbeitendes Gewerbe

    4.136

    Baugewerbe

    3.788

    Groß und Einzelhandel, Reparatur von Kfz

    3.693

    Transport und Lagerhaltung

    2.692

    Gastgewerbe, Beherbergung und Gastronomie

    2.161

    Informations- und Kommunikationsleistungen

    3.649

    Finanz- und Versicherungswesen

    6.205

    Öffentliche Verwaltung und Bildung

    5.177

    Gesundheits- und Sozialwesen

    3.848

    Quelle: Ministry of Manpower 2024

    Gemäß der Untersuchung „Robert Walters Salary Survey 2026“ planen knapp 70 Prozent der Betriebe in Singapur eine Lohnsteigerung von rund 3 Prozent. Sie sieht auch eine zunehmend geringen Einstimmung der Erwartungen zwischen Arbeitgebern und Jobkandidaten – die sich zum Teil deutlich höhere Steigerungen erhoffen.

    Zwar boomt die Wirtschaft Singapurs angesichts der global hohen Nachfrage nach KI-Elektronik mit überdurchschnittlich hohen Wachstumsraten. Auf der anderen Seite führen die geopolitischen Unsicherheiten zu einem vorsichtigeren Einstellungsverhalten auf Seiten der Firmen. 

    Gemäß einer Umfrage des Arbeitgeberverbandes SNEF (Singapore National Employers Federation) im August 2026 wollen 51 Prozent der Mitgliedsfirmen 2027 keine oder geringere Lohnzuwächse als im Vorjahr gewähren. Üppige Steigerungen in einer Größenordnung von bis zu 20 Prozent können Robert Walters zufolge KI-Experten erwarten. Schon 2025 lagen die Erhöhungen für KI-Fachkräfte zwischen 15 und 25 Prozent, vor allem für die Segmente AI Engineering, Machine Learning, Data Science und AI Produktmanagement. 

    KI-Kenntnisse stark gefragt

    Gründe dafür sind die breitflächige Implementierung von KI-Applikationen, die digitale Transformation und eine zunehmende Nachfrage hinsichtlich Cyber-Sicherheit. Auch andere Untersuchungen wie von der Manpower Group kommen zu dem Ergebnis, dass Beschäftigte mit KI-Kenntnissen je nach Level bis zu 25 Prozent mehr verdienen können als die Vergleichsgruppe ohne entsprechende Fähigkeiten. 

    Denn die Nachfrage nach Beschäftigen mit KI-Kenntnissen hat sich offiziellen Angaben zufolge in Singapur bereits zwischen 2022 und 2025 verdoppelt und dürfte auch künftig anziehen. Die Regierung plant Pressemeldungen zufolge für 2027 Erleichterungen für die Immigration von KI-Talenten aus anderen Ländern. Auf der anderen Seite steigt die Verunsicherung bei den Arbeitnehmern: Nur 15 Prozent aller Beschäftigten im Stadtstaat stufen ihre Jobsituation unter anderem angesichts der KI-Entwicklungen als sicher ein, was noch unter dem Schnitt in Asien-Pazifik von 18 Prozent lieg. 

    Die Löhne für Minderverdiener sollen gemäß den Richtlinien des National Wages Council (NWC) für den Zeitraum Dezember 2025 bis November 2026 um 5,5 bis 7,5 Prozent erhöht werden. Das betrifft Arbeitsentgelte bis zu 2.700 Singapur-Dollar (S$) pro Monat. Damit wurde die Einkommensgrenze gegenüber den Vorjahresrichtlinien (2.500 S$) angehoben.

    Der National Wages Council (NWC), dem Vertreter:innen der Regierung, der Arbeitgeber und der Gewerkschaften angehören, empfiehlt den Unternehmen eine Erhöhung der Reallöhne im Rahmen der Produktivitätssteigerung. Produktivitätsgewinne sollen fair zwischen Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden geteilt werden. Der NWC berücksichtigt die globale und regionale Wirtschaftsentwicklung, Singapurs Konkurrenzfähigkeit, die Entwicklung der Arbeitsmarktbedingungen, die Arbeitsproduktivität und die Inflation. Die Empfehlungen werden weitgehend beachtet. Der Grad der Umsetzung ist umso höher, je stärker die Belegschaft gewerkschaftlich organisiert ist.

    Zusatzleistungen haben hohen Stellenwert

    Übliche variable Gehaltsbestandteile sind Bonuszahlungen zum Jahresende, das 13. Monatsgehalt sowie eine monatliche Zusatzkomponente, die sich am Umsatz oder anderen betrieblichen Erfolgsfaktoren orientiert. Um ihre Mitarbeitenden an sich zu binden, gewähren die Unternehmen Zusatzleistungen. Diese decken ein breites Spektrum ab, zu dem Sonderurlaub bei Heirat oder bei Todesfällen in der Familie sowie Zuschüsse zu Transport- und Wohnkosten zählen.

    Eine Umfrage der Auslandshandelskammer 2024 zu den freiwilligen Sozial- und Zusatzleistungen deutscher Unternehmen in Singapur brachte zu Tage, dass sie Zusatzvergütungen wie Krankenversicherungen mittlerweile als Standard betrachten. Über die Hälfte der befragten Firmen gewährt ihren Beschäftigten Transporthilfen, 20 Prozent stellen sogar ein Dienstfahrzeug. 

    Weitere Informationen über Löhne und Gehälter in Singapur

    Eine detailliertere Aufschlüsselung von Löhnen und Gehältern nach Berufen bieten die Publikationen "Singapore Yearbook of Manpower Statistics 2024" sowie "Report on Wage Practices 2023" des Ministry of Manpower. 

    Der Arbeitgeberverband Singapore National Employers Federation (SNEF) verkauft weitere Studien wie die "SNEF Salary Information on Executive Jobs 2024" und die "SNEF Salary Information on Non-Executive Jobs 2024", die Gehaltsstrukturen, variable Bezüge und andere Zusatzleistungen in verschiedenen Industriezweigen enthalten.

    Eine Sozialversicherung für viele Zwecke

    Die wichtigste Einrichtung der sozialen Sicherung ist der Central Provident Fund (CPF). Ursprünglich diente er nur der Altersversorgung der Bevölkerung. Inzwischen kann der Fonds auch für die medizinische Versorgung, für den Erwerb von Wohnraum und für die Ausbildung eingesetzt werden. 

    Ausländische Beschäftigte sind nur dann zu Beitragszahlungen verpflichtet, wenn sie den "Permanent Resident"-Status haben. Ansonsten sind alle Angestellten von Privatunternehmen beitragspflichtig. Der volle Beitragssatz umfasst 17 Prozent des Bruttolohns für die Arbeitgeber und 20 Prozent für die Arbeitnehmenden. Personen über 55 Jahre oder mit einem monatlichem Einkommen unter 750 S$ (rund 554 US$) zahlen reduzierte Beiträge. Dadurch sollen die Beschäftigungschancen von älteren Arbeitnehmern und von Niedriglohnempfängern verbessert werden. Die obere Bemessungsgrenze beträgt seit Januar 2026 monatlich 8.000 S$. 

    Sozialbeiträge 2025In Prozent des Bruttolohns nach Alter der Beschäftigten

    Alter

    Arbeitgeberanteil

    Arbeitnehmeranteil

    Insgesamt

    bis 55 Jahre

    17

    20

    37

    55 bis 60 Jahre

    15,5

    17

    32,5

    61 bis 65 Jahre

    12

    11,5

    23,5

    65 bis 70 Jahre

    9

    7,5

    16,5

    über 70 Jahre

    7,5

    5

    12,5

    Gültig für Beschäftigte mit dauerhafter Aufenthaltsgenehmigung ab dem 3. Jahr und mit Monatslöhnen über 750 S$. Für niedrigere Einkommen gelten reduzierte Beitragsätze.Quelle: Central Provident Fund Board 2024

    Von Alexander Hirschle | Singapur

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  • Primäre Rechtsgrundlage des singapurischen Arbeitsrechts ist der "Employment Act 1968" (EA). Darin werden wesentliche Arbeitsbedingungen geregelt. (Stand: 24.03.2025)

    Die folgenden Angaben stellen eine Erstinformation zu den rechtlichen Rahmenbedingungen und der Rechtspraxis dar. Germany Trade & Invest bietet keine weiterführende Rechtsberatung hinsichtlich der Ausgestaltung von Arbeitsverträgen oder arbeitsrechtlicher Einzelfälle an.

    Gesetzliche Regelungen auf einen Blick
    Vergütung: Laut Vereinbarung im individuellen Arbeitsvertrag.
    Mindestlohn: Kein gesetzlicher Mindestlohn; bei Reinigungs-, Sicherheits- und Gartendienstleistungen sowie Aufzuginstandhaltung für Staatsangehörige oder Personen mit unbefristetem Aufenthaltstitel bestimmte Mindestvorgaben.
    Arbeitsstunden pro Woche: Grundsätzlich maximal 44 Stunden pro Woche, acht Stunden pro Tag (Sec. 38 EA); zwölf Stunden bei Schichtarbeit oder schriftlichem Einverständnis des Arbeitnehmers (Sec. 40 EA).
    Zulässige Überstunden: Nach Sec. 38 EA grundsätzlich maximal 72 Stunden pro Monat zulässig (Überschreitung möglich mit Ausnahmegenehmigung, Sec. 41A EA), Vergütung mindestens eineinhalbfacher Stundenlohn.
    Bezahlte Feiertage: 11 (dazu: Übersicht)
    Bezahlte Urlaubstage: Sieben Tage ab dem 1. Jahr und ein weiterer Tag für jedes Jahr der Betriebszugehörigkeit bis zu höchstens 14 Tagen (Sec. 88A EA).
    Sonderzahlungen pro Jahr in Monatslöhnen (13. und/oder 14. Gehalt): Nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber auf freiwilliger Basis oder aufgrund vertraglicher Vereinbarung möglich.
    Tage mit Lohnfortzahlung bei Krankheit: Ab einer Beschäftigungszeit von sechs Monaten bis zu 14 Tage pro Jahr, wenn Krankenhausaufenthalt nicht erforderlich, bei Krankenhausaufenthalt bis zu 60 Tage pro Jahr; bei Beschäftigungszeit zwischen drei und sechs Monaten pro rata zur Beschäftigungsdauer (Sec. 89 EA).
    Probezeit: Gesetzlich nicht festgelegt, aber vertragliche Vereinbarung möglich; drei bis sechs Monate üblich.
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2025

    Rechtsgrundlagen

    Zu den wichtigsten Rechtsgrundlagen gehört der Employment Act 1968 (EA). Dieses Gesetz ist grundsätzlich auf lokale und ausländische Arbeitnehmer anwendbar. Ab 1. April 2019 wurde die Anwendbarkeit des EA auf alle Arbeitnehmer erweitert, auch Manager und leitende Angestellte mit einem monatlichen Grundeinkommen von über 4.500 Singapur-Dollar werden seitdem erfasst. Der die Arbeits- und Ruhezeiten betreffende Teil IV des EA findet allerdings weiterhin keine Anwendung auf Führungskräfte (Sec. 35 EA). Ausgenommen vom Anwendungsbereich des EA bleiben weiterhin Haushaltshilfen, Seeleute sowie Angestellte der Regierung und staatlicher Einrichtungen.

    Bestimmungen bezüglich der Beschäftigung von ausländischen Angestellten finden sich darüber hinaus im Employment of Foreign Manpower Act 1990.

    Außerdem relevant sind beispielsweise das Gesetz zu Ausgleichszahlungen im Fall von Arbeitsunfällen (Work Injury Compensation Act 2019) und das Gesetz zur Sicherheit am Arbeitsplatz (Workplace Safety and Health Act 2006).

    Mit der Kontrolle der Einhaltung der Arbeitsgesetze ist das Ministry of Manpower betraut.

    Der Central Provident Fund Act 1953 enthält Regelungen zur sozialen Sicherung, mithin zu den Beiträgen zum sogenannten "Central Provident Fund". Diese setzen sich aus einem Arbeitgeber- und einem Arbeitnehmeranteil zusammen (siehe Anhang 1 des Gesetzes zu den aktuellen Raten). Der Central Provident Fund umfasst ausschließlich singapurische Staatsangehörige sowie Personen mit unbefristetem Aufenthaltstitel (Permanent Resident).

    Der Industrial Relations Act 1960 regelt die Arbeitsbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Das Gesetz sieht ein System zur Vorbeugung und Beilegung von Arbeitskonflikten durch Tarifverhandlungen, Schlichtungen, Schiedsverfahren sowie Mediation von Einzelstreitigkeiten vor. Der Trade Unions Act 1940 betrifft die Registrierung, Kontrolle und Rechte der Gewerkschaften. Im Trade Disputes Act 1941 ist unter anderem festgelegt, unter welchen Voraussetzungen Streiks und Aussperrungen möglich sind.

    Am 8. Januar 2025 hat das singapurische Parlament den sogenannten Workplace Fairness Act 2025 verabschiedet, die Zustimmung des Präsidenten folgte am 3. Februar 2025. Das neue Gesetz betrifft insbesondere den Schutz vor bestimmten diskriminierenden Verhaltensweisen mit Bezug zur Beschäftigung. Zudem sollen faire Beschäftigungspraktiken (dazu Teil 6, Sec. 25ff. des Gesetzes) eingerichtet werden. Das Gesetz ist noch nicht in Kraft getreten (siehe zum aktuellen "Fair Consideration Framework“).

    Neben den Gesetzen sind in Singapur auch Richterrecht und Common-Law-Grundsätze relevant.

    Vertragsabschluss 

    In Singapur besteht weitgehende Vertragsfreiheit bei der Regelung von Arbeitsverhältnissen, beschränkt durch die gesetzlichen Vorschriften.

    Eine bestimmte Form für den Arbeitsvertrag zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist grundsätzlich nicht vorgeschrieben, sodass er auch mündlich abgeschlossen werden kann. In der Regel erfolgt der Vertragsschluss aber schriftlich. Arbeitsverhältnisse können befristet oder auf unbestimmte Zeit geschlossen werden.

    Rechte und Pflichten der Vertragsparteien

    Im Vertrag werden regelmäßig die Pflichten des Arbeitnehmers festgelegt. Arbeitnehmer haben eine Sorgfaltspflicht und sind unter anderem verpflichtet, den Weisungen des Arbeitgebers Folge zu leisten. Der Arbeitgeber hat insbesondere für angemessene Arbeitsschutzmaßnahmen zu sorgen (Sec. 12 Workplace Safety and Health Act) und das vereinbarte Gehalt zu zahlen.

    Der Regierung ist es erlaubt, Richtlinien für die Lohngestaltung aufzustellen. Dafür ist der National Wages Council (NWC) zuständig. Die Richtlinien dieses Lohnrates gelten sowohl für lokale als auch für ausländische Firmen; sie sind jedoch lediglich Empfehlungen und nicht gesetzlich bindend.

    Der Arbeitgeber ist verpflichtet, allen dem EA unterfallenden Mitarbeitenden die sogenannten "Key Employment Terms" zu übermitteln, grundsätzlich binnen 14 Tagen nach Arbeitsbeginn (Sec. 95A EA). Dabei handelt es sich um die wesentlichen Vertragsbestandteile wie Angaben zu den Vertragsparteien, Hauptpflichten, Arbeitszeit, Gehalt, Urlaubsanspruch, Leistungen im Krankheitsfall sowie Fristen hinsichtlich Probezeit und Kündigung. Die Employment (Employment Records, Key Employment Terms and Pay Slips) Regulations 2016 enthalten ferner Regelungen zu Form und Inhalt der Gehaltsabrechnung.

    Der gesetzliche Mutterschaftsurlaub beträgt in Singapur bis zu 16 Wochen. Ab 1. April 2025 haben arbeitende Väter einen gesetzlichen Anspruch auf insgesamt vier Wochen bezahlten Vaterschaftsurlaub, die mögliche gemeinsame Elternzeit beträgt ab diesem Stichtag bis zu sechs Wochen.

    Vertragsbeendigung 

    Gemäß Sec. 10 Abs. 5 EA muss die ordentliche Kündigung eines Arbeitsverhältnisses schriftlich erfolgen, eine Begründung ist nicht erforderlich. Falls im Arbeitsvertrag nicht ausdrücklich Kündigungsfristen geregelt werden, sieht der EA minimale Fristen vor, die in Abhängigkeit von der Beschäftigungsdauer einen Tag bis vier Wochen (bei über fünfjähriger Betriebszugehörigkeit) betragen (Sec. 10 Abs. 3 EA). Nach Sec. 10 Abs. 2 EA gelten für beide Parteien dieselben Kündigungsfristen.

    Die Möglichkeit einer fristlosen Kündigung besteht insbesondere bei schwerwiegenden Verletzungen des Arbeitsvertrages.

    Arbeitnehmer können sich seit 1. April 2019 an die Employment Claims Tribunals wenden, wenn sie der Meinung sind, zu Unrecht entlassen worden zu sein. Sie haben ihre Ansprüche wegen unrechtmäßiger Entlassung allerdings vorher bei der Tripartite Alliance for Dispute Management (TADM) zur Mediation anzumelden. Außerdem steht ihnen der Rechtsweg über die ordentlichen Gerichte offen.

    Abfindungszahlungen sind nicht gesetzlich vorgeschrieben. Sie können nur beansprucht werden, wenn sie entweder ausdrücklich im Arbeitsvertrag vereinbart sind oder der Arbeitgeber sie implizit anerkannt hat beziehungsweise die vorhergehende Praxis eine berechtigte Erwartung entstehen ließ, vergleichbar mit der "betrieblichen Übung".

    Von Julia Merle | Bonn

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