Interview | Slowenien | Arbeitsmarkt

"Wir wünschen uns weniger Bürokratie"

Die arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen in Slowenien sind sehr arbeitnehmerfreundlich, Vorsicht ist bei Kündigungen geboten. Das sagt Katja Stadler im GTAI-Interview. 

Von Kirsten Grieß | Ljubljana

 

Katja Stadler, Geschäftsführerin Deslo, AHK Slowenien Katja Stadler, Geschäftsführerin Deslo, AHK Slowenien | © privat / DIHK

Katja Stadler ist stellvertretende Geschäftsführerin der deutschen Auslandshandelskammer in Slowenien (AHK Slowenien) und Juristin. Die Kammer vertritt mehr als 260 Unternehmen und berät ihre Mitglieder unter anderem in Rechtsfragen.

Frau Stadler, wie beurteilen Sie die arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen in Slowenien?

Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind sehr arbeitnehmerfreundlich – vor allem mit Blick auf die Arbeitszeitregelungen, die inkludierten Arbeitspausen und den Kündigungsschutz. Kritisiert werden besonders starre Regelungen, die es Unternehmen erschweren, Mitarbeitern zu kündigen. Das Verfahren ist kompliziert und fehleranfällig, was dazu führen kann, dass das Arbeitsverhältnis bis zur gerichtlichen Entscheidung weiterläuft. Zudem sind die Verjährungsfristen von fünf Jahren problematisch, da Arbeitnehmer noch lange nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses Ansprüche geltend machen können.

Wie sieht die konkrete Rechtspraxis in Slowenien aus?

Gerichtsverfahren dauern in Slowenien sehr lange, da die Gerichte überlastet sind. Das führt zu Verzögerungen und Unsicherheiten für Arbeitgeber. Die Rechtsprechung galt lange als arbeitnehmerfreundlich, obwohl in letzter Zeit mehr Objektivität bei Kündigungsverfahren zu beobachten ist. Dennoch bleibt die Praxis herausfordernd für Arbeitgeber.

Haben Sie Tipps für deutsche Unternehmen auf dem slowenischen Arbeitsmarkt?

Es ist ratsam, vor einer Kündigung eine Vereinbarung über die Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu schließen. Das ist in Slowenien üblich und kann Konflikte vermeiden. Eine solche Vereinbarung beinhaltet oft eine Entschädigung in Form von Abfindungen. Ich empfehle, zunächst ohne juristische Unterstützung zu verhandeln, um das Konfliktpotenzial zu minimieren. Ein direktes Gespräch zwischen den Parteien kann oft zu einer einvernehmlichen Lösung führen.

Welche Neuregelungen wünschen sich Arbeitgeber?

In erster Linie wünschen sie sich eine vernünftigere Besteuerung der Löhne und Boni, mehr Flexibilität im Arbeitsrecht, insbesondere bei Kündigungen, und weniger Bürokratie. Nur als Beispiel: Ich kenne viele Beschwerden über das neue Zeiterfassungsgesetz, das den Aufwand für Unternehmen deutlich erhöht. Auch die neuen Pflegebeiträge sind ein Kostenfaktor. Die Arbeitskosten sind in Slowenien ohnehin schon hoch. Hier braucht es Entlastung.