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Infrastrukturprojekte treiben Südafrikas Bauwirtschaft an

Reformen und Investitionen in die Infrastruktur lassen die Baubranche in Südafrika etwas optimistischer in die Zukunft blicken. Strukturelle Probleme bremsen die Dynamik

Jenny Tala

Von Jenny Tala | Johannesburg

 

Ausblick der Bauwirtschaft in Südafrika

  • Öffentliche Infrastrukturprogramme und Großprojekte treiben die Nachfrage.
  • Reformen verbessern Rahmenbedingungen: Öffnung von Häfen und Schienenverkehr für private Unternehmen schaffen neue Investitionschancen.
  • Umsetzung bleibt Engpass: Verzögerungen und administrative Hürden bremsen die Projektrealisierung.
  • Großteil der Baumaschinen und Materialien wird importiert.

Anmerkung: Einschätzung der Autorin für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Juli 2026.

  • Südafrikas Bauwirtschaft stabilisiert sich: Infrastrukturprogramme treiben die Entwicklung, der Investitionsbedarf bleibt hoch. Gleichzeitig bestehen große regionale Unterschiede.

    Die Bauwirtschaft in Südafrika stabilisiert sich nach mehreren schwachen Jahren, bleibt jedoch deutlich unter früheren Höchstständen. Nach einem Rückgang der Bruttoanlageinvestitionen um etwa 2 Prozent im Jahr 2025 dürfte 2026 wieder ein leichtes Wachstum von rund 2 Prozent einsetzen. Die Bauinvestitionen sind 2025 erneut rückläufig: Während der Wohnungsbau deutlich nachgibt und der Wirtschaftsbau weitgehend stagniert, stabilisiert der Infrastrukturbau das Gesamtbild. Für den Zeitraum 2025 bis 2028 wird ein moderates Wachstum von durchschnittlich rund 2 bis 3 Prozent pro Jahr erwartet. 

    Mehr Projekte aber langsame Umsetzung

    18,7 Mrd. Euro

    betrug der Wert der Bauinvestitionen in Südafrika 2025. 

    Die Dynamik wird vor allem von einer deutlich höheren Zahl privater Investitionsvorhaben getragen. Laut dem Nedbank Capital Expenditure Project Listing stieg das Volumen der Investitionsankündigungen des Privatsektors 2025 von rund 5,8 auf 19 Milliarden Euro. Insgesamt erreichte das Volumen neu angekündigter Projekte rund 35 Milliarden Euro. Die tatsächliche Bauaktivität bleibt zwar bislang verhalten, die deutlich ausgeweitete Projektpipeline deutet jedoch auf eine Belebung der Investitionstätigkeit in den kommenden Jahren hin. Gleichzeitig befinden sich viele Projekte noch in frühen Planungs- oder Vergabephasen, sodass die Umsetzung oft verzögert erfolgt.

    Marktvolumen der Bauwirtschaft in Südafrikain Millionen Euro, Veränderung in Prozent

    Kennziffer

    2024

    2025

    Veränderung 2025/24

    Wert der Bauinvestitionen insgesamt, davon

    19.529

    18.666

    -4,4

    Wohnungsbau

    6.430

    5.702

    -11,3

     öffentlich

    236

    258

    9,3

     privat

    6.194

    5.444

    -12,1

    Wirtschaftsbau

    3.342

    3.235

    -3,2

    Infrastrukturbau

    9.757

    9.729

    -0,3

      öffentlich

    7.274

    7.249

    -0,3

      privat

    2.483

    2.480

    -0,1

    Quelle: South African Reserve Bank Quarterly Bulletin March 2026

    Infrastruktur in den Bereichen Energie, Wasser und Transport im Fokus

    Im Mittelpunkt der Investitionstätigkeit stehen die Bereiche Energie, Wasser und Transport. Die Regierung plant im Rahmen ihrer mittelfristigen Haushalts- und Infrastrukturprogramme Investitionen von deutlich über einer Billion Rand (mehr als 50 Milliarden Euro), um die Energieversorgung zu stabilisieren, logistische Engpässe zu beseitigen und die Wasser- und Abwasserinfrastruktur zu modernisieren. Dabei gewinnt auch die Beteiligung privater Investoren an Bedeutung.

    Zu den wichtigsten Vorhaben zählen die zweite Phase des Lesotho Highlands Water Project, das uMkhomazi-Wasserprojekt in KwaZulu-Natal, weitere Wassertransfer- und Pipelineprojekte sowie Investitionen in Stromerzeugung, Übertragungsnetze und Energiespeicher. Daneben befinden sich umfangreiche Hafen-, Schienen- und Logistikprojekte in der Umsetzung, insbesondere im Raum Durban und Richards Bay. Insgesamt sind mehr als 70 Großprojekte mit einem Investitionsvolumen von über 23 Milliarden Euro im Bau.

    Besondere Impulse kommen aus dem Wasser- und Energiesektor. Für kommunale Wasser- und Sanitärinfrastruktur stellt das Department of Water and Sanitation im laufenden Haushaltsjahr umgerechnet rund 640 Millionen Euro bereit. Bis 2030 sind zusätzlich Investitionen von rund 5,3 Milliarden Euro in strategische Wasserinfrastruktur vorgesehen. Im Energiesektor sollen neue Finanzierungsinstrumente, darunter ein von der Weltbank unterstütztes Kreditgarantieprogramm, Investitionen von bis zu 160 Milliarden Rand mobilisieren – insbesondere für den Ausbau der Stromübertragungsnetze. Der Ausbau erneuerbarer Energien und neue Ausschreibungen für Großenergiespeicher stärken die Investitionsdynamik zusätzlich.

    Private Investitionen treiben neue Marktsegmente

    Viele Großprojekte stehen im Zusammenhang mit der schrittweisen Öffnung bislang staatlich dominierter Infrastruktursektoren für private Investoren. Dadurch sollen Kapazitätsengpässe reduziert, die Wettbewerbsfähigkeit der Logistik verbessert und zusätzliche Investitionen in Häfen, Schienenkorridore und Logistikinfrastruktur angestoßen werden. Im Hafenbereich hat der staatliche Infrastruktur- und Logistikkonzern Transnet erstmals Terminalkonzessionen an internationale Betreiber vergeben. Auch der Schienengüterverkehr wurde punktuell für private Betreiber geöffnet. Im Rahmen eines Third-Party-Access-Modells haben mehrere private Bahnunternehmen Zugang zu ausgewählten Korridoren.

    Ausgewählte Großprojekte in Südafrikain Milliarden Euro
    Projekt/ HauptakteureInvestitionssummeProjektstandAnmerkung
    KwaZulu-Natal Logistics Hub (Transnet / Transnet National Ports Authority TNPA)

    4 - 5

    Im Bau / UmsetzungGrößtes Infrastrukturprogramm; umfasst Hafen-, Straßen- und Logistikprojekte in Durban und Richards Bay (31 Teilprojekte inkl. Hafen, Straßen, Marinestrukturen); zentrales nationales Logistikprojekt
    Lesotho Highlands Water Project – Phase 2 (LHDA, DWS, TCTA) (Gauteng)

    2 - 2,5

    Im BauZentrales Wassertransferprojekt für Gauteng; strategische Versorgungssicherheit. Baufortschritt ca. 48 % (statt geplant 57 %), Dammbau bei 37 % – deutliche Verzögerung, Kosten stark gestiegen
    Ntshongweni Urban Development (Tongaat Hulett), Durban (KwaZulu-Natal)

    1,6

    Im BauGroßprojekt bei Durban (2.186 ha, ca. 20.000 Wohnungen); langfristige Stadtentwicklung bis 2035
    Salvokop Mixed-Use Development, Pretoria (Gauteng)

    ca. 1,3

    In PlanungInnerstädtische Entwicklung (524.000 qm); öffentlich-private Umsetzung mit mehreren Behörden
    Mokolo Crocodile Water Augmentation Project – Phase 2A (Limpopo)

    ca. 1,1

    Im BauIndustriell relevantes Wasserprojekt für Energie- und Bergbausektor
    Cape Town International Airport Expansion (ACSA) (Western Cape)

    ca. 0,6

    In PlanungAusbau von Terminals und Runway; steigender Flugverkehr als Treiber
    Komati Power Station Repowering (Eskom, World Bank), Nkangala District (Mpumalanga)

    ca. 0,5

    Im BauUmrüstung eines Kohlekraftwerks zu Solar- und Speicheranlage im Rahmen der Just Energy Transition, umfasst Solar-PV-Anlagen (ca. 100 MW + Erweiterung) und Batteriespeicher (ca. 150 MW)
    Lanseria Smart City (Gauteng)

    k.A.

    In Planung / EntwicklungNeue Stadt für bis zu 500.000 Einwohner rund um Flughafen Lanseria; staatlich initiiertes, langfristiges Stadtentwicklungsprojekt bis über 2030 hinaus mit geplanter schrittweiser Einbindung privater Investoren, Greater Lanseria Master Plan (GLMP) für Phase 1 erstellt
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026, Infrastructure South Africa: Construction Book Projects 2025

    Große regionale Unterschiede

    Regional zeigt sich ein differenziertes Bild. Wohnungsbau und integrierte Stadtentwicklung sind vor allem in wachstumsstarken Regionen wie dem Western Cape sowie im Großraum Johannesburg von Bedeutung. Vielerorts entstehen großflächige Mixed‑Use‑Projekte, die Wohnraum, Gewerbeflächen und Infrastruktur kombinieren. Besonders dynamisch entwickelt sich die Bauwirtschaft im Western Cape, das von einer starken Binnenmigration und einer anhaltend hohen Nachfrage nach Wohn- und Gewerbeimmobilien profitiert. Zu den größten privaten Bauvorhaben landesweit zählt die geplante Erweiterung des V&A Waterfront in Kapstadt. Das rund 1,1 Milliarden Euro schwere Projekt umfasst die Landgewinnung von etwa 3,2 Hektar in der Granger Bay sowie den Bau neuer Wohn-, Hotel-, Freizeit- und Gewerbeflächen.

    In Südafrikas wirtschaftlich wichtigster Provinz Gauteng dagegen bleibt die Bauaktivität vergleichsweise schwach, was Unternehmen auch auf politische Unsicherheiten zurückführen. "Gerade öffentliche Bauvorhaben kommen kaum voran", sagt Marcin Szatkowski, Managing Director des deutschen Maschinenbauunternehmens BAUER in Südafrika. Im Bundesstaat KwaZulu‑Natal hingegen sorgten Infrastrukturprojekte und die Dynamik im Hafen- und Logistikumfeld für Impulse. Insgesamt bleibe der Markt herausfordernd, so Marcin Szatkowski: "Viele Bauunternehmen investieren zurückhaltend, sodass der Maschinenpark in weiten Teilen veraltet ist." Mittelfristig rechnet er mit einer Erholung der Investitionen, sobald laufende Infrastrukturprojekte verstärkt umgesetzt und zurückgestellte Investitionen nachgeholt werden. 

    Vertreter des deutschen Unternehmens EJOT Fixing Solutions Southern Africa, das auf Befestigungstechnik für Bau-, Industrie- und Bergbauanwendungen spezialisiert ist, beobachten in Gauteng vor allem Investitionen im Bereich von Logistik- und Lagerimmobilien. Getrieben werde diese Entwicklung jedoch primär von Projektentwicklern und Investoren. Dies deutet auf die anhaltende Bedeutung von E‑Commerce, Distributionsnetzwerken und regionalen Lieferketten als Wachstumstreiber im gewerblichen Bausektor hin, während Investitionen in Produktions- und Industriegebäude schwach bleiben.

    Jenny Tala

    Von Jenny Tala | Johannesburg

  • Die Bauwirtschaft Südafrikas wird von Staatsprojekten geprägt, doch private Investitionen nehmen zu. Chancen gibt es vor allem in spezialisierten Segmenten.

    Die Bauwirtschaft in Südafrika ist durch eine duale Struktur geprägt: Staatliche Akteure und öffentliche Auftraggeber dominieren insbesondere den Infrastrukturbau. Institutionen wie Eskom, Transnet oder kommunale Versorger bestimmen den Großteil der Nachfrage. Gleichzeitig gewinnen private Investoren und internationale Unternehmen in ausgewählten Segmenten wie Energie, Telekommunikation sowie Immobilien- und Stadtentwicklung an Bedeutung.

    Neue Rollenverteilung in der Projektumsetzung

    Klassische Tier‑1-Generalunternehmer haben in den vergangenen Jahren hingegen an Marktpräsenz eingebüßt, da mehrere große Baukonzerne restrukturiert wurden oder sich teilweise aus dem lokalen Markt zurückgezogen haben. Die Wertschöpfung verteilt sich zunehmend auf unterschiedliche Akteure entlang der Projektkette. Großprojekte werden heute häufig in EPC- oder EPCM-Strukturen umgesetzt. Dabei übernehmen spezialisierte Planungs- und Ingenieurbüros die Projektplanung und ‑koordination, während Bauleistungen verstärkt an Subunternehmer vergeben werden. Dies erhöht die Bedeutung von Ingenieur- und Beratungsfirmen als zentrale Schnittstellen im Projektgeschäft.

    Parallel dazu gewinnen mittelgroße Bauunternehmen (Mid‑Tier Contractor) an Gewicht. Sie profitieren von einer steigenden Zahl kleinerer und regional verteilter Projekte sowie der Fragmentierung großer Projektvergaben. Der Infrastrukturbau bleibt jedoch stark von öffentlichen Auftraggebern und regulatorischen Vorgaben abhängig.

    Große Branchenunternehmen in Südafrika (Auswahl)Umsatz in Milliarden US-Dollar
    UnternehmenSparte

    Umsatz (Jahr)

    WBHO (Wilson Bayly Holmes-Ovcon)Führendes Bauunternehmen im Hoch‑ und Tiefbau mit Fokus auf Großprojekte in Südafrika und Australien; stark im Infrastrukturbau und kommerziellen Hochbau

    1,6 (2025)

    Raubex GroupEiner der größten Infrastrukturbauer mit Schwerpunkt Straßenbau, Materialien und Bauleistungen; aktiv in mehreren afrikanischen Märkten

    1,2 (2025/26)

    Murray & RobertsInternational tätiger Engineering- und Baukonzern mit Fokus auf Bergbau-, Energie- und Industriegroßprojekte; starke Präsenz im EPC/EPCM-Bereich

    0,75 (2024)

    Concor (ehem. Murray & Roberts Construction)Schwerpunkt Infrastrukturbau, einer der wenigen EPC‑Top‑Player in Südafrika (Mega‑Infrastructure + Energy)

    k.A.

    Stefanutti Stocks (Pty)Integrierter Baukonzern mit Aktivitäten im Hoch‑ und Tiefbau, Wasser, Energie und Industrieprojekten; stark im regionalen Afrika-Geschäft

    0,4 (2025/26)

    AvengEhemals führender Baukonzern, heute stärker auf internationalen Ingenieur- und Bergbauanlagenbau fokussiert; Bauaktivitäten in Südafrika deutlich reduziert

    1,7 (Gruppe, 2025)

    Gibb EngineeringFührendes Ingenieur- und Beratungsunternehmen (EPCM) mit Schwerpunkt Infrastruktur, Energie und Wasser; Projektplanung

    k.A.

    Bigen AfricaBedeutender Engineering- und Development Advisory Player mit Fokus auf Infrastruktur-, Wasser- und Stadtentwicklungsprojekte (EPCM)

    k.A.

    Civils 2000Mid‑Tier Contractor mit Schwerpunkt auf urbaner Infrastruktur, Straßenbau und Versorgungsnetzen

    k.A.

    Power GroupMittelgroßer Generalunternehmer mit Schwerpunkt Straßenbau, Wohnungsbau und zunehmend erneuerbare Energien

    k.A.

    Enza ConstructionWachsender Baukonzern mit Fokus auf Energie-, Transport- und PPP-Projekte; zunehmend relevant im Infrastruktursektor

    k.A.

    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Technologie und Engineering sind gefragt

    Etablierte südafrikanische Bauunternehmen wie WBHO, Stefanutti Stocks oder Concor bleiben zentrale Akteure bei Infrastruktur- und Ingenieurbauprojekten. Internationale Anbieter sind vor allem in technologieintensiven Segmenten präsent – etwa im Energie- und Anlagenbau, im Spezialtiefbau sowie in der Planung und im Projektmanagement. Besonders gefragt sind Ingenieursdienstleistungen, Projektsteuerung, technische Ausrüstung sowie Lösungen zur Effizienzsteigerung und Digitalisierung. Deutsche Unternehmen sind in Südafrika sowohl als Lieferanten, als auch als Technologie- und Engineeringpartner vertreten. So war Siemens maßgeblich an der Modernisierung des PRASA-Bahnnetzes in Gauteng beteiligt und lieferte Signal- und Leittechnik für eines der größten Eisenbahn-Signalisierungsprojekte des Landes. Liebherr betreibt in Durban ein eigenes Vertriebs- und Servicezentrum für Maritime-Krantechnik und arbeitet eng mit dem staatlichen Logistikunternehmen Transnet zusammen. Weitere deutsche Player am Markt sind Bauer, Wacker Neuson und thyssenkrupp Uhde Africa.

    Die meisten hochwertigen Bau- und Infrastrukturkomponenten werden weiterhin importiert, die lokalen Fertigungskapazitäten sind in vielen Segmenten begrenzt. Internationale Anbieter spielen damit eine wichtige Rolle bei der Versorgung des Marktes. Gleichzeitig hat sich der Wettbewerb in den vergangenen Jahren verschärft. Vor allem chinesische und andere asiatische Anbieter gewinnen Marktanteile, insbesondere in preisgetriebenen Segmenten sowie bei Standardausrüstung. Europäische Unternehmen positionieren sich dagegen häufig über technologische Leistungsfähigkeit, Energieeffizienz, Langlebigkeit sowie umfassende Service- und Wartungsangebote.

    Service und regionale Marktbearbeitung gewinnen an Bedeutung

    Angesichts eines vielfach überalterten Maschinenparks steigt die Nachfrage nach Wartung, Ersatzteilen und Modernisierung. Viele Anbieter beliefern den Markt primär mit importierten Maschinen und ergänzen dies durch lokale Serviceangebote. Marcin Szatkowski, Managing Director des deutschen Maschinenbauunternehmens BAUER in Südafrika, verweist auf die wachsende Bedeutung von After-Sales-Services: "Ein großer Teil unserer Tätigkeit entfällt auf Wartung, Ersatzteile und die Aufbereitung gebrauchter Maschinen." Gleichzeitig erwarteten viele Kunden zunehmend integrierte Lösungen über den gesamten Lebenszyklus eines Projekts hinweg.

    Südafrika ist Logistikdrehscheibe

    Südafrika fungiert für viele Unternehmen als regionaler Hub für das südliche Afrika, insbesondere im Rohstoff-, Energie- und Infrastrukturbereich. Internationale Anbieter nutzen das Land nicht nur als Absatzmarkt, sondern als Standort für Vertrieb, technische Beratung, Schulungen und Serviceleistungen für die gesamte Region. Zusätzliche Impulse könnten daher vom Ausbau der regionalen Logistikinfrastruktur ausgehen. In Gesprächen von Germany Trade & Invest mit Vertretern internationaler Logistikunternehmen wurde Afrika als "der nächste große Wachstumsmarkt" bezeichnet, wobei Südafrika als zentrale logistische Drehscheibe gilt. Die erwartete Ausweitung der Handels- und Transportvolumina, auch im Rahmen der Afrikanischen Freihandelszone AfCFTA, dürfte mittelfristig zusätzliche Investitionen in Hafen-, Schienen-, Straßen- und Lagerinfrastruktur anstoßen.

    Jenny Tala

    Von Jenny Tala | Johannesburg

  • Das regulatorische Umfeld ist komplex. Reformen sollen Infrastrukturinvestitionen erleichtern, doch die Umsetzung vieler Vorhaben kommt nur langsam voran.

    Die südafrikanische Bauwirtschaft steht weiterhin unter strukturellem Druck infolge langjährig schwacher Investitionen in die öffentliche und private Infrastruktur. Nach Einschätzung des Chefökonom Azar Jammine der Beratungsfirma Econometrix, liegt das Produktionsniveau des Sektors – gemessen an Bau‑ und Ingenieurleistungen – noch immer rund 30 Prozent unter dem Niveau von 2010. Verantwortlich hierfür sind vor allem Investitionsrückgänge im Zuge der Infrastrukturkrise staatlicher Unternehmen, ineffiziente Vergabeprozesse sowie Unsicherheiten durch Kriminalität und Korruption.

    Reformen verbessern Rahmenbedingungen

    Gleichzeitig zeigt der von der Regierung angestoßene Reformprozess zur Förderung von Investitionen und zur Verbesserung der Rahmenbedingungen Wirkung. Eine zentrale Rolle spielt dabei das präsidentielle Reformprogramm Operation Vulindlela, das seit 2026 in eine dritte Phase übergeht. Im Mittelpunkt stehen Reformen in den Bereichen Energie, Transport, Wasser und digitale Infrastruktur. Ziel ist es, Genehmigungs- und Regulierungsprozesse zu beschleunigen, private Investitionen zu mobilisieren und die Umsetzung von Infrastrukturprojekten zu verbessern. Gemeinsam mit dem National Infrastructure Plan 2050 bildet das Programm den zentralen strategischen Rahmen für die Modernisierung und den Ausbau der südafrikanischen Infrastruktur.

    Regulatorisches Umfeld bleibt komplex

    Der Infrastrukturbau wird überwiegend durch den Staat getragen: Ein Großteil der Projekte entfällt auf öffentliche Auftraggeber, insbesondere in den Sektoren Energie, Verkehr und Wasser. Im Hochbau dominiert dagegen der Privatsektor. Für ausländische Unternehmen ist daher ein Zugang zum öffentlichen Beschaffungswesen entscheidend.

    Ein zentrales Merkmal des Marktes ist die Förderung zuvor benachteiligter Bevölkerungsgruppen durch das Broad-Based Black Economic Empowerment (B‑BBEE). Das System bewertet Unternehmen anhand eines Punktesystems (unter anderem Eigentum, Management, Ausbildung, Lieferketten). Die Teilnahme ist formal freiwillig, in der Praxis jedoch oft Voraussetzung für die erfolgreiche Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen sowie für bestimmte Lizenzen. Zudem beeinflusst die Bewertung entlang der Wertschöpfungskette die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen.

    Ergänzend regelt das Vergaberecht (Preferential Procurement Policy Framework Act, PPPFA) die Berücksichtigung von Transformationskriterien bei öffentlichen Aufträgen. Dadurch können Angebote mit höheren Preisen bevorzugt werden, sofern sie definierte Kriterien erfüllen. Die Anwendung dieser Regelungen führt in der Praxis teilweise zu zusätzlichen Anforderungen an Beteiligungsstrukturen auch im privatwirtschaftlichen Umfeld.

    Reform des Beschaffungsrechts

    Mit dem Public Procurement Act und den dazugehörigen Draft Regulations 2026 wird das öffentliche Beschaffungswesen umfassend reformiert. Ziel ist eine stärkere Vereinheitlichung und Professionalisierung der Vergabeverfahren. Für Bauunternehmen dürften insbesondere höhere Anforderungen an Compliance und Transparenz, stärkere Lokalisierungs- und B‑BBEE‑Vorgaben, mögliche Verpflichtungen zur Untervergabe an förderfähige lokale Unternehmen sowie zusätzliche Dokumentations- und Kontrollanforderungen an Bedeutung gewinnen.

    Öffentliche Ausschreibungen sind dem e-tender-Portal der südafrikanischen Regierung zu entnehmen. 

    Lokalisierung und Importanforderungen

    Neben den B‑BBEE‑Vorgaben gewinnen Lokalisierungsanforderungen ("local content") insbesondere im Infrastrukturbau zunehmend an Bedeutung. Öffentliche Auftraggeber schreiben in bestimmten Sektoren, etwa Energie, Transport oder Wasser, Mindestanteile lokaler Wertschöpfung vor. Diese betreffen sowohl die Beschaffung von Materialien als auch die Einbindung lokaler Zulieferer und Dienstleister. Für ausländische Unternehmen bedeutet dies häufig, dass ein Marktzugang ohne lokale Partner oder eigene Präsenz erschwert ist. Gleichzeitig können Importrestriktionen, technische Standards und Zertifizierungsanforderungen zusätzliche Hürden darstellen und die Projektumsetzung zeitlich verzögern.

    Vorhaben verzögern sich in der Umsetzung

    Die Umsetzung von Infrastrukturprojekten bleibt eine zentrale Herausforderung. Verzögerungen sind häufig und resultieren unter anderem aus unzureichender Projektvorbereitung, komplexen Verfahren und begrenzten administrativen Kapazitäten, insbesondere auf kommunaler Ebene. Auch die Zahl neuer Ausschreibungen bleibt teilweise hinter den Planungen zurück.

    Zudem belasten weiterhin vergleichsweise hohe Baukosten (darunter Energie, Materialien, Logistik) sowie Fachkräftemangel und Sicherheitsrisiken die Branche. Die Margen bleiben entsprechend niedrig, während der Wettbewerb hoch ist.

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Jenny Tala

    Von Jenny Tala | Johannesburg

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    AHK Südliches Afrika

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Department of Public Works and Infrastructure (DPWI)

    Ministerium für Öffentliche Arbeiten und Infrastruktur

    Department of Human Settlements

    Wohnungsbauministerium
    Construction Industry Development Board (CIDB)Regulierungs- und Entwicklungsagentur für die Bauwirtschaft (dem DPWI zugeordnet)

    Master Builders South Africa (MBSA)

    Dachverband der Bauunternehmen in Südafrika, repräsentiert über 4.000 Unternehmen
    South African Forum of Civil Engineering Contractors (SAFCEC)Vereinigung der Tiefbauwirtschaft Südafrikas
    Constructional Engineering Association of South Africa (CEA)Vereinigung der Bauingenieure und Ingenieurbaufirmen in Südafrika
    Green Building Council South Africa (GBCSA)Vereinigung für Grünes Bauen

    Engineering News

    Industriemagazin (wöchentlich) mit Branchenteilen
    SA Building Review Fachzeitschrift
    Big 5 Construct South AfricaFachmesse in Johannesburg, nächster Termin: 8.-10.6.2027
    eTender-PortalOffizielles Portal für öffentliche Ausschreibungen