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Taiwans Auslandsinvestitionen in Deutschland wachsen 2026

Taiwans Unternehmen investieren 2026 deutlich mehr im Ausland. Deutschland kann dabei mehr Investitionen anziehen. Umgekehrt agieren deutsche Firmen in Taiwan eher zurückhaltend.

Jürgen Maurer

Von Jürgen Maurer | Taipei

Taiwanische Firmen investieren wieder mehr im Ausland und nehmen bei ihren ausländischen Direktinvestitionen (FDI) Deutschland stärker ins Visier. Nach Angaben des Department of Investment Review genehmigte Taiwans Wirtschaftsministerium im 1. Halbjahr 2026 vier Investitionsprojekte in Deutschland mit einem Wert von insgesamt 209 Millionen US-Dollar (US$). Damit lag das Volumen zur Jahresmitte bereits doppelt so hoch wie im Gesamtjahr 2025, als es 101,6 Millionen US$ erreichte.

Das Interesse taiwanischer Unternehmen an Deutschland wächst trotz hoher Standortkosten. Energiepreise, Fachkräftemangel, lange Genehmigungsverfahren und komplexe Regulierung machen Investitionen oft teurer und zeitaufwendiger als in anderen Industriestandorten. Dennoch bauen taiwanische Firmen ihre Präsenz in Deutschland und auch in Europa aus, um Lieferketten robuster aufzustellen und Abhängigkeiten von China zu verringern.

Outbound-FDI liegen deutlich über den Inbound-Werten 

Das Wachstum von Taiwans Investitionen in Deutschland korreliert mit dem allgemeinen FDI-Anstieg im Jahr 2026. In den ersten sechs Monaten erreichten Taiwans Zu- und Abflüsse bereits nahezu das Niveau des gesamten Vorjahres. Dabei lagen die Investitionen taiwanischer Firmen im Ausland über den Investitionen, die auf die Insel flossen. 

In den ersten sechs Monaten 2026 genehmigte das Department of Investment Review etwas mehr als 1.160 ausländische Direktinvestitionsprojekte in Taiwan. Sie hatten ein Volumen von 8,9 Milliarden US$. Das entsprach einem Plus von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. 

Die Outbound-FDI stiegen bis zur Jahresmitte 2026 kräftig um 98 Prozent auf 36,3 Milliarden US$. Dabei sind die genehmigten Fälle im 1. Halbjahr 2026 auf 326 zurückgegangen. Somit zog in diesem Zeitraum das durchschnittliche Volumen der genehmigten Projekte deutlich an. Die wichtigsten Zielländer von Outbound-FDI sind 2025 und 2026 die USA, Singapur und Japan. 

Dabei unterstützt Taiwan heimische Unternehmen, die im Ausland investieren. Da mit vielen Ländern Investitionsschutzabkommen fehlen, sichert die Eximbank Taiwan (Export-Import Bank of the Republic of China) genehmigte Auslandsinvestitionen taiwanischer Firmen gegen nichtkommerzielle und politische Risiken ab.

Taiwans FDI entwickelten sich 2025 asymmetrisch Taiwans Inbound- und Outbound-FDI 2025* (in Milliarden US-Dollar; Veränderung gegenüber Vorjahr in Prozent)

Investitionsrichtung 

Genehmigte Fälle 

Volumen (in Milliarden US-Dollar) 

Veränderung des Volumens zum Vorjahr (in Prozent)

Inbound FDI 

2.216 

11,4 

+45,0

Outbound FDI 

817 

38,4 

-14,5

*FDI mit China sind darin nicht berücksichtigt Quelle: Department of Investment Review, Ministry of Economic Affairs, 2026

China wird in der FDI-Statistik separat erfasst und ist in den genannten Werten nicht enthalten. Im Vergleich zu früheren Jahren spielen die Investitionsströme nach China nur noch eine geringe Rolle. Auf China entfielen 1,1 Prozent der taiwanischen Outbound-FDI und 0,02 Prozent der Inbound-FDI. Taiwan ist als Investitionsstandort kleiner als China, wächst derzeit aber dynamisch und ist stärker von strategischen Zukunftssektoren geprägt. Besonders profitiert die Insel von globalen Investitionen in KI-bezogene digitale Infrastruktur

Deutsche Firmen investieren zurückhaltend in Taiwan 

Die Direktinvestitionen deutscher Unternehmen in Taiwan lagen im 1. Halbjahr 2026 bei rund 11 Millionen US$. Bei den insgesamt 13 genehmigten Fällen ist die durchschnittliche Investitionshöhe sehr klein. Gleichzeitig beantragen seit 2022 mehr deutsche Firmen Investitionsgarantien für Taiwan als in den Jahren zuvor. Das spricht für ein grundsätzlich vorhandenes Interesse an Engagements auf der Insel. 

"Deutsche Projekte in Taiwan befanden sich auch im 1. Halbjahr 2026 sowohl unter den Top-5-Ländern bei den neu übernommenen Garantien als auch bei den neu registrierten Anträgen",

sagt Herwig Maaßen, Senior Manager Investitionsgarantien bei PwC (Price Waterhouse Coopers). PwC ist Mandatar des Bundes für dieses Förderinstrument. 

Investitionen in Taiwan bleiben garantiefähig 

Taiwan und Deutschland haben kein bilaterales Investitionsschutzabkommen; auch auf EU-Ebene gibt es kein entsprechendes Abkommen. Investitionen in Taiwan sind dennoch grundsätzlich garantiefähig, sofern sie nach taiwanischem Recht durchgeführt und genehmigt werden. Seit Januar 1960 hat der Bund laut PwC Garantien in Höhe von 151,8 Millionen Euro für deutsche Projekte in Taiwan übernommen. Davon entfielen 79,3 Millionen Euro und damit mehr als die Hälfte auf die Jahre 2022 bis 2026. 

Im 1. Halbjahr 2026 genehmigte PwC für Taiwan neue Garantieübernahmen von 5,6 Millionen Euro. Weitere Anträge über Projekte im Umfang von 20 Millionen Euro sind noch offen. Nach Angaben von Maaßen beziehen sich "Garantieübernahmen in Taiwan fast ausschließlich auf Projekte von großen Unternehmen, deutlich gegen den Trend in anderen Ländern und Regionen". Das deutet darauf hin, dass das Investitionsinstrument vielen mittelständischen Firmen noch wenig bekannt sein dürfte.

Große taiwanische FDI-Projekte zielen auch auf Europa

Europa und Deutschland kommen stärker ins Visier taiwanischer Großinvestitionen. Ein Leuchtturmprojekt ist das mehr als 10 Milliarden US$ schwere Halbleiterprojekt von TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing Corp.) bzw. ESMC (European Semiconductor Manufacturing Corp.; Joint Venture von TSMC mit Bosch, Infineon und NXP) in Dresden. Hier entsteht eine Foundry, die 2027 in Betrieb gehen soll. Rund um das Vorhaben dürften weitere Investitionen taiwanischer Zulieferer aus den Bereichen Maschinenbau, Materialien, Automatisierung und Elektronik folgen. 

Auch Frankreich zieht größere taiwanische Investitionen an. Der Batteriehersteller ProLogium plant in Dunkerque an der Nordseeküste ein Vorhaben im Umfang von rund 6 Milliarden US$. Die Batteriezellfertigung soll 2028/2029 beginnen. Zudem gewinnen Polen und Tschechien an Attraktivität. Größere taiwanische Projekte kommen vor allem dort voran, wo öffentliche Förderung, technologische Kompetenzen und industrielle Abnehmer zusammenkommen.