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Tansania führt in Ostafrika bei Nahrungsmittelmaschinen

Tansania ist der wichtigste Absatzmarkt für Nahrungsmittelmaschinen in Ostafrika. Trotz wachsender Risiken entstehen Chancen vor allem in Verarbeitung und Verpackung.

Von Carsten Ehlers | Nairobi

Tansania ist bei den deutschen Exporten von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen der wichtigste Markt in Ostafrika. Im Jahr 2025 erreichte der Ausfuhrwert rund 31,8 Millionen Euro. Damit lag das Land deutlich vor Kenia mit 22,9 Millionen Euro. Diese Rangfolge hat sich erst in den letzten Jahren etabliert. Zuvor galt Kenia als wichtigster Absatzmarkt in der Region.

Tansania im Vergleich zu Kenia weniger erschlossen

Unternehmensvertreter weisen darauf hin, dass Tansania ein großes wirtschaftliches Potenzial bietet, das bislang nicht vollständig ausgeschöpft ist. Das bislang begrenzte Engagement internationaler Anbieter eröffnet Spielräume für neue Marktteilnehmer. Viele Unternehmen bedienen den Markt vom regionalen Hub Nairobi oder direkt aus Deutschland. Teilweise übernehmen lokale Distributoren den Vertrieb. Der geringe Entwicklungsstand im Einzelhandel schafft Raum für den Aufbau standardisierter Verarbeitung und Verpackung.

Die Nahrungsmittelindustrie konzentriert sich vor allem in Daressalam. Agro-Processing findet in agrarischen Regionen im ganzen Land statt. Der Einzelhandel und Fast-Food-Ketten sind weniger entwickelt als in Kenia.

Der Tourismus gewinnt an Bedeutung. Auf Sansibar entstehen derzeit größere Hotelanlagen. Diese investieren teilweise in eigene Nahrungsmittelverarbeitung oder beziehen Leistungen von Cateringunternehmen, die sich auf der Insel erst etablieren. Der Ausbau des Tourismussektors erhöht den Bedarf an Lösungen entlang der Lebensmittelversorgung von Hotels und Caterern.

Auch im Agro‑Processing wird investiert. Damit steigt die Nachfrage nach Anlagen für Verarbeitung, Verpackung und Qualitätssicherung. Tansania produziert unter anderem Kaffee und Gartenbauprodukte für den Export. In den Agrarregionen um Moshi und Arusha sind zahlreiche, auch ausländische, Cash-Crop-Farmen ansässig. Für den Binnenmarkt werden Getreide, Zucker, Speiseöl, Fleisch und Milch produziert oder lokal verarbeitet und verpackt.

Verschlechterung des Geschäftsklimas

Die wirtschaftliche und politische Lage hat sich zuletzt verschlechtert. Nach den Wahlen Ende 2025 kam es zu Protesten mit vielen Todesopfern. Dies belastet das zuvor stabile Investitionsumfeld.

Politische Stabilität galt lange als zentraler Standortvorteil. Die jüngsten Ereignisse erschweren die Einschätzung der weiteren Entwicklung. Seit Anfang 2026 steht die Lage durch eine hohe Präsenz von Sicherheitskräften unter Kontrolle, jedoch erhöht die politische Unsicherheit die Anforderungen an Risikoabsicherung und Projektplanung.

Zusätzlich wirken sich die Folgen des Iran-Krieges aus. Die wirtschaftlichen Verflechtungen mit der Golfregion sind eng, insbesondere entlang der Küste. Investitionen aus dem Nahen Osten könnten zurückgehen. Gleichzeitig steigen Ölpreise, und es kommt teilweise zu Treibstoffknappheit. Auch Düngemittelimporte verteuern sich.

Die Inflation stieg von 3,2 Prozent im März auf 4,0 Prozent im April 2026. Das Leistungsbilanzdefizit nimmt zu und erhöht den Abwertungsdruck auf den Tanzania Shilling. Erste Abwertungstendenzen gegenüber dem Euro zeigten sich im April und Mai. Steigende Kosten und Währungsrisiken verteuern Importgüter und erhöhen den Preisdruck auf Investitionsentscheidungen. Unternehmen fokussieren sich daher verstärkt auf kleinere, kurzfristig realisierbare Investitionen.

Konjunkturaussichten bleiben dennoch insgesamt positiv

Die Konjunktur- und Geschäftsaussichten bleiben aktuell positiv. Die Weltbank prognostizierte im April ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 6,1 Prozent für 2026. Für ein Entwicklungsland mit starkem Bevölkerungswachstum entspricht dies einer soliden wirtschaftlichen Entwicklung. Das vergleichsweise hohe Wachstum stützt mittelfristig die Investitionsbereitschaft in der Nahrungsmittelverarbeitung. Die Dynamik hängt jedoch davon ab, wie lange der Iran-Krieg andauert.

Die Regierung unter Präsidentin Samia Suluhu Hassan hat die Investitionsbedingungen verbessert. Gleichzeitig verschärfte sie die Local-Content-Anforderungen für Auslandsinvestoren. Größere Investitionen in der Nahrungsmittelindustrie sind davon bislang nicht betroffen, jedoch erhöhen die verschärften Anforderungen die Bedeutung lokaler Partnerschaften für Auslandsunternehmen.

Unternehmen berichten von zunehmender Korruption. Dies erhöht die Unsicherheit für Investoren und erschwert die Kalkulation von Kosten. Zudem steigen Steuern und Zölle. Die Finanzbehörde Tanzania Revenue Authority (TRA) setzt diese insbesondere im formellen Sektor konsequent durch. Für neue Marktteilnehmer erschweren die administrativen Belastungen und steigenden Abgaben den Einstieg.

Binnenmarkt umfasst bald 70 Millionen Menschen

Das starke Bevölkerungswachstum sorgt für eine kontinuierlich steigende Nachfrage nach verarbeiteten Lebensmitteln. Der Binnenmarkt umfasst knapp 70 Millionen Einwohner. Die Bevölkerung wächst jährlich um etwa 1,8 Millionen Menschen.

Die wachsende städtische Mittelschicht fragt zunehmend industriell hergestellte und verpackte Lebensmittel nach. Mit wachsender Mittelschicht steigt der Bedarf an industrialisierten Produktions- und Verpackungslösungen. Bereiche wie Großbäckereien sind bislang weniger entwickelt. In Tansania dient meist Maisbrei Ugali als Grundnahrungsmittel.

Weizen wird in großen Mengen importiert. Er wird überwiegend für Nudeln oder die Bierproduktion verwendet. Eine stärkere Verarbeitung zu Backwaren wäre möglich, wenn sich der Einzelhandel weiterentwickelt. Dies könnte zusätzliche Investitionen in entsprechende Produktionsanlagen auslösen. Internationale Supermarktketten könnten dabei eine Rolle spielen, wie bereits in Kenia.

Chancen für deutsche Unternehmen in Tansania

  • Agro-Processing wächst:

    Bedarf an Anlagen für Verarbeitung und Verpackung steigt.

  • Exportprodukte aufwerten:
    Technik für Sortierung, Verarbeitung und Exportverpackung gefragt.
  • Binnenmarkt entwickelt sich:
    Produktion und Verpackung von Grundnahrungsmitteln nehmen zu.
  • Tourismus treibt Nachfrage:
    Hotels und Caterer benötigen Lösungen für Lebensmittelverarbeitung.
  • Urbanisierung stärkt Verpackungsgeschäft:
    Nachfrage nach abgefüllten und verpackten Lebensmitteln steigt.