Wirtschaftsausblick | Tansania

Tansanias Geschäftsklima leidet unter Irankrieg

Der Irankrieg belastet die Konjunktur. Deutsche Lieferungen gingen zuletzt deutlich zurück. Mehrere Großprojekte sorgen jedoch weiterhin für wirtschaftliche Dynamik.

Von Carsten Ehlers | Nairobi

Top Thema: Großprojekte in Tansania sorgen auch 2026 für Dynamik

Im Rohstoffsektor stehen die Zeichen weiter auf Expansion. Zu den bedeutendsten Investitionsvorhaben zählen die Nyanzaga‑Goldmine von Perseus Mining und die Kabanga‑Nickelmine von Lifezone Metals. Beide Projekte sollen ab 2027 in Produktion gehen. Bereits länger geplant ist der Ausbau der Liganga-Eisenerzvorkommen sowie der nahegelegenen Kohlevorkommen in Mchuchuma im Süden des Landes. Der chinesische Konzessionär für die beiden Vorhaben könnte laut tansanischer Investitionsbehörde in Kürze mit dem Bau beginnen.

Zudem befinden sich mehrere Infrastrukturvorhaben im Bau. Dazu gehört die elektrifizierte Normalspurbahn, die von Daressalam aus das Land in West-Ost-Richtung durchquert. Für die regionale Integration spielt der Bau der neuen Küstenstraße eine zentrale Rolle. Sie soll Daressalam bald mit Mombasa in Kenia verbinden. Im Jahr 2025 wurde das Wasserkraftwerk Julius Nyerere mit einer Kapazität von 2.115 Megawatt eingeweiht. 

Im Schienensektor kündigte der Betreiber der TAZARA-Bahnstrecke zwischen Daressalam und dem sambischen Kupfergürtel im Mai 2025 eine 30‑jährige öffentlich-private Partnerschaft mit der chinesischen Baugesellschaft CCECC an. Vorgesehen ist ein Ivestitionsvolumen von 1,4 Milliarden US-Dollar für die Modernisierung der Trasse.

Im privaten Sektor stechen zwei weitere Großprojekte hervor. Dazu zählt die East African Crude Oil Pipeline (EACOP), die die ugandischen Ölfelder am Albertsee mit dem Hafen Tanga verbinden soll. Träger sind TotalEnergies und die China National Offshore Oil Corporation (CNOOC. Hinzu kommt der geplante Ausbau des Hafens von Daressalam durch den neuen Konzessionär Dubai Ports World.

Wirtschaftsentwicklung: Verschlechterung des Geschäftsklimas

Die wirtschaftliche und politische Lage hat sich zuletzt verschlechtert. Nach den Wahlen Ende 2025 kam es zu Protesten mit vielen Todesopfern. Dies belastet das zuvor stabile Investitionsumfeld. 

Politische Stabilität galt lange als zentraler Standortvorteil. Die jüngsten Ereignisse erschweren die Einschätzung der weiteren Entwicklung. Seit Anfang 2026 ist die Lage dank der hohen Präsenz von Sicherheitskräften unter Kontrolle. Dennoch erhöht die politische Unsicherheit die Anforderungen an Risikoabsicherung und Projektplanung.

Hinzu kommt, dass insbesondere westliche Geberorganisationen ihre finanzielle Unterstützung aufgrund der Vorkommnisse teilweise zurückfahren. Im Infrastrukturbereich könnten geplante Projekte daher ausfallen. Für deutsche Zulieferer und Consultants sind diese Projekte von großem Interesse.

Zusätzlich wirken sich die Folgen des Irankriegs aus. Die wirtschaftlichen Verflechtungen mit der Golfregion sind eng, insbesondere entlang der Küste. Investitionen aus dem Nahen Osten könnten zurückgehen. Auch steigen Öl- und Düngerpreise, und es kommt teilweise zu Treibstoffknappheit.  

Insbesondere die steigenden Treibstoffpreise befeuern die Inflation. Sie stieg von 3,2 Prozent im März auf 4,0 Prozent im April 2026. Der Trend könnte sich noch verstärken. Das Leistungsbilanzdefizit nimmt zu und erhöht den Abwertungsdruck auf den Tanzania Shilling. Erste Abwertungstendenzen gegenüber dem Euro zeigten sich im April und Mai 2026. Steigende Kosten und Währungsrisiken verteuern Importgüter und erhöhen den Preisdruck auf Investitionsentscheidungen. Unternehmen fokussieren sich daher verstärkt auf kleinere, kurzfristig realisierbare Investitionen.

Konjunkturaussichten bleiben dennoch insgesamt positiv

Die Konjunktur- und Geschäftsaussichten bleiben trotz der verschlechterten Rahmenbedingungen vorerst positiv. Investitionen in Bergbau, Tourismus, Landwirtschaft und Infrastruktur tragen dazu bei. Die Weltbank prognostizierte im April ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 6,1 Prozent für 2026.  Economist Intelligence Unit (EIU) geht von 5,7 Prozent aus. Für ein Entwicklungsland mit starkem Bevölkerungswachstum entspricht dies einer soliden wirtschaftlichen Entwicklung. Die Dynamik hängt jedoch davon ab, wie sich der Konflikt zwischen den USA und Iran entwickelt.

Die Regierung unter Präsidentin Samia Suluhu Hassan hat die Investitionsbedingungen verbessert. Gleichzeitig verschärfte sie die Local-Content-Anforderungen für Auslandsinvestoren. Unternehmen berichten von zunehmender Korruption. Dies erhöht die Unsicherheit für Investoren und erschwert die Kalkulation von Kosten. 

Zudem steigen Steuern und Zölle. Die Finanzbehörde Tanzania Revenue Authority (TRA) setzt diese insbesondere im formellen Sektor konsequent durch. Für neue Marktteilnehmer erschweren die administrativen Belastungen und steigenden Abgaben den Einstieg.

Deutsche Perspektive: Deutsche Exporte gehen zurück

Von Januar bis März 2026 erreichten deutsche Lieferungen nach Tansania rund 43,6 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang von 40,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bereits im Gesamtjahr 2025 sanken die deutschen Exporte wertmäßig. Im Jahr 2024 wurde mit 241 Millionen Euro ein Rekordwert erreicht. Tansania überholte damals sogar Kenia, den traditionell größten deutschen Absatzmarkt in der Region.  

Die Präsenz deutscher Unternehmen in Tansania bleibt ausbaufähig. Investitionen konzentrieren sich vor allem auf Baustoffproduktion, Landwirtschaft und Tourismus. Ergänzend sind deutsche Anbieter in Handel und Logistik aktiv. Viele Unternehmen steuern den Markt weiterhin vom regionalen Wirtschaftszentrum Nairobi oder direkt aus Deutschland. 

Dennoch bietet Tansania mit Infrastrukturvorhaben sowie Aktivitäten in Landwirtschaft, Bergbau, Tourismus, Bauwirtschaft und in der Konsumgüterindustrie vielfältige Liefer- und Markteintrittschancen.

GTAI-Informationen zu Tansania