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Branche kompakt | Tschechische Republik | Abfallwirtschaft

Tschechien muss mehr Abfall wiederverwerten

Das Müllaufkommen in Tschechien steigt mit zunehmendem Wohlstand. Bei der Wiederverwertung verfehlt das Land bislang die europäischen Vorgaben. Große Investitionen sind nötig.

Von Gerit Schulze | Prag

Ausblick der Abfallwirtschaft in der Tschechischen Republik

  • Deponien erreichen Belastungsgrenze.
  • Stärkerer Fokus auf Wiederverwertung und Recycling.
  • Neue Anlagen zur Abfallverbrennung in Planung.
  • Spezialanbieter für Gefahrenstoffe, Textilien und Elektronikmüll gesucht.
  • Pfandsystem für Getränkeverpackungen vorerst gescheitert.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Januar 2026

  • Im Industrieland Tschechien fallen enorme Mengen Abfall an. Entsorgung und Verwertung bieten viel Potenzial und sind ein aussichtsreiches Zukunftsgeschäft.

    Das Abfallvolumen in Tschechien wächst weiter. Das gilt für industrielle Erzeuger ebenso wie für private Haushalte. Gründe sind das steigende Wohlstandsniveau, die sich entwickelnde Wirtschaft und der Boom im Onlinehandel. Außerdem ist die Einwohnerzahl nach Russlands Angriffskrieg durch Geflüchtete aus der Ukraine gestiegen. Im Jahr 2024 erreichte das Abfallvolumen einen Rekordwert von 40,3 Millionen Tonnen.

    Mehr Hausmüll als in anderen EU-Ländern

    Auch bei Siedlungsabfällen wurde ein neuer Höchststand erreicht. Laut Eurostat fielen 2023 pro Kopf in Tschechien 538 Kilogramm Hausmüll an und damit 27 Kilogramm mehr als im EU-Durchschnitt.

    5,6 Millionen Tonnen

    Abfälle wurden 2024 auf Tschechiens Deponien gebracht.

    Die Deponiequote bei Haushaltsabfällen ist von 48 Prozent (2021) auf 42 Prozent (2024) gesunken. Der Rest wird verbrannt, recycelt oder kompostiert. Im europäischen Vergleich hat das Land aber immer noch viel Nachholbedarf. Weiterhin landen jedes Jahr über 5 Millionen Tonnen Abfälle auf Tschechiens Deponien, rund die Hälfte davon als Siedlungsmüll.

    Kreislaufwirtschaft gewinnt an Bedeutung

    Diese Menge soll in den kommenden Jahren sinken. Der Aktionsplan "Cirkulární Česko" beschreibt den Weg zu einer effizienteren Kreislaufwirtschaft. Geplant ist, schon beim Produktdesign die künftige Wiederverwertung stärker zu berücksichtigen und eine längere Lebensdauer zu ermöglichen. Der Anteil von Sekundärrohstoffen soll erhöht werden und mehr Produktionsabfälle in den Wirtschaftskreislauf zurückkehren. Es werden neue Recyclingtechnologien sowie die Einführung digitaler und smarter Lösungen für die Abfallwirtschaft unterstützt. Dazu gehören auch automatisierte Anlagen oder Roboter für Müllsortierung und Recycling.

    Der Aktionsplan strebt an, Einwegartikel – besonders aus Kunststoff – zu reduzieren. Bei Bioabfällen wird mehr Kompostierung gefördert. Für Bauabfälle ist eine sauberere Trennung der einzelnen Bestandteile das Ziel, zum Beispiel durch selektive Demontage von Gebäuden.

    Ziel ist es, die Abfallmenge nicht mehr proportional zum Wirtschaftswachstum ansteigen zu lassen. Dazu beitragen soll eine Sharing Economy, also das gemeinsame Nutzen von Ressourcen.

    Neue Akzente durch Regierungswechsel

    Der Regierungswechsel Ende 2025 führt auch in der Abfallwirtschaft zu neuen Akzenten. Laut dem Regierungsprogramm des rechtspopulistischen und EU-kritischen Kabinetts soll ein Pfandsystem für PETFlaschen und Getränkedosen nur eingeführt werden, wenn ein ökologischer Nutzen nachgewiesen ist.

    Anfang Januar 2026 wurde ein Gesetzentwurf der alten Regierung zur Einführung eines Flaschenpfands abgelehnt. Premierminister Andrej Babiš hält das derzeitige Abfalltrennungssystem über Sammelbehälter für effizienter. In Tschechien werden jährlich rund 1,8Milliarden PETFlaschen (47.000Tonnen) und 800 Millionen Getränkedosen (15.000Tonnen) in Verkehr gebracht.

    Laut der Regierungserklärung setzt sich die aktuelle Koalition für den Ausbau von Müllverbrennungsanlagen ein, um das Deponieaufkommen zu reduzieren und Energie zu erzeugen. Auf europäischer Ebene könnte Tschechien dafür eintreten, Emissionszertifikate nicht auf die energetische Abfallverwertung anzuwenden. Kleinere Recycling und Abfallbetriebe sollen durch Deregulierung und weniger Bürokratie unterstützt werden. Am Verbot der Deponierung von Siedlungsabfällen nach 2030 hält die neue Regierung fest.

    Noch unter der vorherigen Regierung entstand der Nationale Abfallwirtschaftsplan (POH ČR) für den Zeitraum bis 2035, der Ende 2025 verabschiedet wurde.

    Tschechiens Ziele für die Abfallwirtschaft

    • Recyclingquote bei Kommunalabfällen von 55 Prozent (2025) auf 65 Prozent (2035) steigern
    • Senkung der Deponiequote auf unter 10 Prozent Gewichtsanteil bis 2035
    • 70 Prozent Sortierquote für in Gemeinden anfallende Abfälle, flankierend zur Erhöhung der Recyclingquote bis 2035
    • Rücknahmequote von 65 Prozent für Elektroaltgeräte ab 2025 

    Quelle: Abfallwirtschaftsplan der Tschechischen Republik für den Zeitraum 2025 bis 2035 (Dezember 2025)

    Bei der Verwertung von Klärschlamm soll die Materialnutzung Vorrang bekommen, vor allem die Phosphor- und Stickstoffrückgewinnung. Hochwertige Schlämme sollen in Böden und zur Energieerzeugung genutzt werden.

    Projekte zur Energiegewinnung aus Abfällen

    Eine zunehmend wichtigere Rolle spielt die thermische Verwertung von Abfällen. Derzeit sind in Tschechien vier größere Müllverbrennungsanlagen für Siedlungsabfälle in Betrieb (in Prag, Plzeň, Liberec und Brno). Sie haben eine Jahreskapazität von rund 860.000 Tonnen. Dort werden etwa 14 Prozent des Hausmülls verwertet. 

    Weitere Anlagen sind in Planung oder bereits im Bau. Für fünf Projekte wurden Investitionsförderungen aus dem EU-Modernisierungsfonds bewilligt:

    • Mělník (Mittelböhmen, 320.000 Tonnen pro Jahr)
    • Komořany (Region Ústí nad Labem, 150.000 Tonnen pro Jahr)
    • Planá nad Lužnicí (Südböhmen, 80.000 Tonnen pro Jahr)
    • Písek (Südböhmen, 50.000 Tonnen pro Jahr)
    • Vráto (Südböhmen, 150.000 Tonnen pro Jahr)

    Daneben gibt es Projekte, die bislang noch ohne Förderzusagen sind, unter anderem in Mährisch-Schlesien. Insgesamt könnten bis 2028 zusätzlich 700.000 Jahrestonnen Kapazitäten zur Abfallverbrennung hinzukommen.

    Außerdem verfügt Tschechien über 20 Verbrennungsanlagen für Industrie- und Krankenhausabfälle mit einer Kapazität von über 100.000 Tonnen. Zudem nutzen fünf Zementwerke Abfall als zusätzlichen Brennstoff. Dort können pro Jahr 550.000 Tonnen Müll thermisch verwertet werden.

    Strom aus Küchenabfällen

    Ein weiteres Geschäftsfeld zur energetischen Abfallnutzung ist die Biogasproduktion. Über ein Zehntel der tschechischen Abfallmenge entfällt auf biologisch abbaubare Bestandteile (4,3 Millionen Tonnen pro Jahr). Dieses Volumen kann bislang nicht in den bestehenden Biogasanlagen verarbeitet werden. Daher sind laut Abfallwirtschaftsplan bis 2035 neue Standorte geplant, die weitere 400.000 Tonnen aufnehmen können. Das wäre eine Verdopplung des aktuellen Standes. Parallel dazu sollen die Kompostierkapazitäten ausgebaut werden. 

    Den Investitionsbedarf schätzen Experten auf über 300 Millionen Euro. Für die Investitionsvorhaben stehen Fördermittel aus EU-Programmen wie dem Modernisierungsplan oder dem Nationalen Aufbauplan bereit.

     

    Aktuelle Investitionsprojekte in Tschechiens Abfallwirtschaft (Auswahl)in Millionen Euro
    Projekt / Ort

    Investition *)

    StandProjektträger
    Umbau und Modernisierung der Abfallverbrennungsanlage / Mělník

    535,8

    Förderung aus dem Modernisierungsfonds; Übergang von Kohle zu Abfall- und Erdgasverbrennung im Heizkraftwerk; Baubeginn 2025; Probebetrieb ab 2027/28ČEZ
    Ausbau einer Anlage zur energetischen Abfallnutzung / Planá nad Lužnicí

    113,7

    Förderung aus dem Modernisierungsfonds; Bau hat 2025 begonnen; Nutzung von Siedlungsabfällen und Biomasse zur Produktion von Wärme und EnergieC-energy
    Müllverbrennungsanlage / Opatovice – Čeperka – Hrobice

    k.A.

    Investitionen von mehreren Milliarden Kronen nötig; Standort in Verhandlung; Widerstand der Öffentlichkeit; Probebetrieb für 2028 geplantElektrárny Opatovice
    Kapazitätserweiterung der Biogasanlage / Mladá Boleslav

    14,9

    EU-Förderung; Fertigstellung bis Ende 2028 geplant; Biomethan soll im öffentlichen Busverkehr und als Erdgasersatz im Netz zum Einsatz komenCompaq Mladá Boleslav
    Abfallzentrum / Olomouc

    14,3

    EU-Förderung; Fertigstellung bis Ende 2027 geplant; Linie zur automatischen Trennung von Altpapier und KunststoffenServisní společnost odpady Olomouckého kraje
    Modernisierung der AbfallsortieranlageOldřichovice

    12,8

    EU-Förderung; Bau 2025 begonnen; Fertigstellung bis Mitte 2027 geplant; Kapazitätserhöhung und neue Technologien zur Selektion von Altpapier und KunststoffenSmolo
    Ausbau der Biogas- und Biomethananlage / Mořice

    9,8

    EU-Förderung; Fertigstellung bis Mitte 2027 geplant; Gasproduktion und BlockheizkraftwerkBMS Mořice
    * Umrechnung anhand des Wechselkurses 1 Euro = 24,265 Tschechische Kronen (Tschechische Nationalbank, 8.1.2026).Quelle: DotaceEU.cz; Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen 2026

    Von Gerit Schulze | Prag

  • Kommunale, private und internationale Dienstleister sind in Tschechiens Entsorgungswirtschaft unterwegs. Der wachsende Markt bietet auch Raum für neue Spezialfirmen.

    In Tschechien werden jährlich rund 35 Millionen Tonnen Abfall wieder genutzt oder verarbeitet. Damit ist die Entsorgungswirtschaft ein wichtiger Geschäftszweig. Die Verwertungsquote stagniert allerdings seit einem Jahrzehnt bei rund 86 Prozent. 

    Quoten bei Verpackungen verfehlt

    Vorgaben aus Brüssel erhöhen den Druck auf Tschechien, bei der Wiederverwendung von Abfällen aufs Tempo zu drücken. Ab August 2026 gilt die EU‑Verpackungsverordnung 2025/40 in allen Mitgliedsländern. Bis 2029 müssen 90Prozent aller EinwegKunststoffflaschen und Getränkedosen eingesammelt werden. Der Anteil von Recyclingmaterial in Kunststoffverpackungen muss ab 2030 mindestens 25 Prozent betragen und steigt danach weiter. 

    Für Tschechien ist das relevant, da die aktuellen Sammelquoten deutlich unter den Zielvorgaben liegen (bei PET-Flaschen rund 70Prozent, bei Dosen rund 30 Prozent). Die Verordnung sieht die Einführung von Pfandsystemen vor, sofern die Mitgliedstaaten ihre 90-ProzentQuote nicht auf anderem Wege erfüllen. Ein solches Pfandsystem hat die Regierung aber Anfang 2026 abgelehnt. Schon jetzt muss Tschechien Strafzahlungen für nicht recycelte Kunststoffe an den EU-Haushalt leisten.

    Derzeit organisiert das Unternehmen EkoKom in Tschechien die Sammlung, Rücknahme und Verwertung von Verpackungsabfällen. Es ist im Rahmen der erweiterten Herstellerverantwortung entstanden, über die rund 20.000 Hersteller, Importeure, Abfüller und Händler ihre Pflichten aus dem tschechischen Verpackungsgesetz erfüllen. Mehr als 99 Prozent der Bevölkerung sind an das System angeschlossen. 

    Vertreter von EkoKom sind der Meinung, dass eine höhere Anzahl von Sammelstellen ausreiche, um die Recyclingquoten zu verbessern. Die Getränkehersteller dagegen sind für ein Pfandsystem, um ausreichend recyceltes PETGranulat verfügbar zu haben. 

    Auf den steigenden Bedarf an Verarbeitungskapazitäten stellt sich der polnisch-tschechische Petrochemiekonzern Orlen Unipetrol ein. Mit einer Großinvestition im nordböhmischen Litvínov sollen im Pyrolyseverfahren aus Plastikresten flüssige Ausgangsstoffe gewonnen werden. Die Anlage könnte laut Presseberichten über 120 Millionen Euro kosten.

    Steigende Menge an Elektronikmüll

    Ein Wachstumsmarkt ist die Entsorgung von Elektronikmüll, da die Verkäufe entsprechender Geräte steigen. Bei der Einsammlung und Verwertung bleibt Tschechien unter der Vorgabe der EU, die laut Richtlinie 2012/19/EU verlangt, 65 Prozent der verkauften Elektro- und Elektronikgeräte zurückzunehmen. 

    Derzeit haben 13 Firmen Lizenzen für das Geschäft. Die größten sind Elektrowin, Rema Systém und Asekol.

    Probleme gibt es besonders beim Sammeln und Verwerten kleiner Geräte und bei der Rohstoffgewinnung. Ein Teil der Altgeräte wird ins Ausland exportiert. Auch bei Photovoltaik-Paneelen fehlen bislang die Kapazitäten.

    Der Abfallwirtschaftsplan schlägt vor, die Sammelquote durch bessere Logistik und Informationskampagnen zu erhöhen. Für LithiumBatterien und EAuto-Komponenten sollen die Recyclingkapazitäten ausgebaut werden.

    Immer mehr Altautos müssen entsorgt werden

    Ein wachsendes Geschäftsfeld ist die Entsorgung von Altautos. Tschechien gehört zu den Ländern mit dem ältesten Fuhrpark in Europa. Die 6,9 Millionen Pkw sind durchschnittlich 16,7 Jahre alt. Im Jahr 2025 wurde eine Rekordzahl von 195.000 Autowracks entsorgt. Rund 330 Unternehmen befassen sich mit der Verwertung von Altfahrzeugen.

    Abfallmengen und Müllentsorgung in Tschechien (2024)in Millionen Tonnen, Anteile in Prozent
    Abfallart

    Abfälle insgesamt

    Siedlungsabfälle

    Produktion (in Mio. t)

    40,3

    6,4

    Abfallnutzung (in %), darunter

    86,0

    58,0

    Wiederverwertung

    82,0

    44,0

    energetische Nutzung

    4,0

    14,0

    Abfallbeseitigung in Deponien (in %)

    14,0

    42,0

    Quelle: Umweltministerium "Angaben zur Abfallwirtschaft 2013 - 2024" (Souhrnná data o odpadovém hospodářství ČR v letech 2013 - 2024), 2026

    Den größten Anteil am Müllaufkommen hat die Bauindustrie. Auf Bauschutt und Abbruchreste entfällt mehr als die Hälfte der gesamten Abfallmenge im Land. Aufgrund enorm steigender Preise für Baustoffe wächst das Interesse am Recycling.

    Besondere Sorgfalt erfordert der Umgang mit Gefahrstoffen. Hier betrug die Abfallmenge im Jahr 2024 rund 1,5 Millionen Tonnen. Jeweils ein Drittel davon erzeugt das verarbeitende Gewerbe und die Wasserwirtschaft (Klärschlamm).

    Abfallmengen in Tschechien nach den größten Abfallartenin 1.000 Tonnen, Veränderung in Prozent
    Abfallart (EU-Abfallverzeichnis-Code)

    2023

    2024

    Veränderung 2024/ 2023 *)

    Insgesamt, darunter

    38.009

    40.315

    6,1

    Bau- und Abbruchabfälle (17)

    23.456

    23.311

    -0,6

    Siedlungsabfälle (kommunale Abfälle) (20)

    5.863

    6.409

    9,3

    Abfälle aus Kläranlagen (19)

    4.292

    5.649

    31,6

    Abfälle der Metall- und Kunststoffindustrie (12)

    922

    1.320

    43,2

    Verpackungsabfälle (15)

    962

    1.023

    6,3

    Abfälle, die bei der Wärmegewinnung entstehen (10)

    779

    789

    1,2

    Abfälle der Land- und Forstwirtschaft sowie der Lebensmittelindustrie (02)

    210

    215

    2,2

    Abfälle aus der Holz- und Papierindustrie (03)

    164

    175

    7,2

    Abfälle aus der organischen Chemieindustrie (07)

    152

    154

    1,2

    * Berechnung aufgrund der nicht aufgerundeten Werte.Quelle: Statistisches Umweltjahrbuch für die Tschechische Republik 2024, Umweltministerium und Umweltinformationsagentur Cenia 2026

    Nach Angaben des tschechischen Umweltministeriums sind derzeit über 8.200 Unternehmen mit der Sammlung, Sortierung, Deponierung und Verarbeitung von Abfällen beschäftigt. Im Register des Ministeriums lassen sich spezialisierte Firmen für alle Formen der Abfallbehandlung finden. 

    Außerdem können in dem Verzeichnis die Entsorgungseinrichtungen recherchiert werden. Demnach gab es Anfang 2026 rund 120 Mülldeponien, 400 größere Kompostieranlagen, 16 Verbrennungsanlagen und sieben Werke, bei denen Müll mitverbrannt wird.

    Europäische Marktführer gut im Geschäft

    Tschechiens Abfallwirtschaft ist ein Milliardenmarkt, der von wenigen Akteuren dominiert wird. Gemessen am Umsatz ist die Remondis-Tochter TSR Czech Republic Marktführer. 

    Führendes Unternehmen bei Siedlungsabfällen ist AVE CZ, das zur EP Industries/Kaprain-Gruppe gehört. Das Unternehmen sammelt Hausmüll in vielen Städten ein, entsorgt Industrieabfälle und Gefahrgut und betreibt Deponien. 

    Die spanische FCC-Gruppe bietet ebenfalls Entsorgungsdienste für Kommunen und Industrie, betreibt Recyclinghöfe und Deponien.

    Die dänische Marius Pedersen ist bei Kommunal- und Gewerbeabfällen, Wertstoffsortierung, Deponiebetrieb und Kompostierung aktiv. Der Mutterkonzern sucht derzeit einen Käufer für das Geschäft in Tschechien und in der Slowakei. Bis Mitte 2026 sollen die Aktivitäten übertragen werden. 

    Ein Schlüsselakteur im Markt ist die kommunale Entsorgungsgesellschaft der Stadt Prag, Pražské služby (PSAS). Das Unternehmen betreibt auch eine große Müllverbrennungsanlage in der Millionenstadt, in der rund 15 Prozent der landesweiten Siedlungsabfälle entstehen.

    Neben den großen Dienstleistern existieren viele spezialisierte Firmen. Dazu gehören Dekonta bei gefährlichen Abfällen und kontaminierten Böden; Purum bei Sondermüll und Dekontaminationsanlagen oder Kovohutě Příbram beim Recycling von Bleiakkumulatoren und Edelmetallen.

    Beispiele für innovative Firmen in der Abfallverarbeitung

    • Regutec produziert aus Altreifen Produkte für Sportstätten, Spielplätze, Lärmschutz und Eisenbahninfrastruktur
    • Ges ECO produziert aus Getränkekartons multifunktionale Bauplatten
    • Classic Oil recycelt alte Kühlmittel
    • Dimatex verarbeitet Alttextilien zu Blumentöpfen, Tischen, Gartenmöbeln

    Wichtige Entsorgungsunternehmen in der Tschechischen Republik (Auswahl)Umsatz insgesamt in Millionen Euro, Veränderung in Prozent 1)
    UnternehmenSparte

    Umsatz 2024 2)

    Veränderung 2024 / 2023 3)

    TSR Czech Republic (Remondis Gruppe)Sammlung und Verwertung von Eisenschrott und Buntmetall

    541

    24,6

    AVE CZ odpadové hospodářství (EP Industries)Abfallsammlung und -verwertung, Deponiebetrieb, Altlastensanierung

    214

    8,0

    FCC Česká republika (FCC Gruppe)Sammlung, Verwertung, Verbrennung von Abfall, Deponiebetrieb

    209

    13,4

    Marius Pedersen (Marius Pedersen Gruppe)Abfallsammlung und -verwertung, ökologische Sanierung

    197

    13,3

    Pražské služby (Stadt Prag)Abfallsammlung und -verwertung, energetische Nutzung, Sammelstellen

    181

    4,1

    Eko-Kom (verschiedene Aktionäre)Sammlung und Verarbeitung von Verpackungsabfällen

    178

    7,7

    Recovera Využití zdrojů (Veolia Gruppe)Sammlung, Verwertung von Abfall, Deponiebetrieb, Altlastensanierung

    108

    7,8

    SAKO Brno (Stadt Brno)Sammlung, Trennung, Verwertung, Bearbeitung, energetische Nutzung von Abfall

    50

    5,2

    Elkoplast CZEntwicklung und Produktion der Gefäße für Sammlung, Trennung, Transport und Bearbeitung von Abfall und Wasser 

    35

    -16,2

    OZO Ostrava (Stadt Ostrava)Sammlung, Trennung, Verwertung und Bearbeitung von Abfall, Sammelstellen

    34

    18,8

    1 Umsätze mit eigenen Erzeugnissen und Dienstleistungen und aus Warenverkauf; 2 Umrechnung anhand des Wechselkurses der Tschechischen Nationalbank für 2024 1 Euro = 25,119 Tschechische Kronen; 3 Veränderung in Prozent auf KronenbasisQuelle: Handelsregister 2026; Abfallwirtschaftsverband ČAOH 2026; Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Von Gerit Schulze | Prag

  • Deutsche Technologien für Recycling und Abfallbehandlung sind in Tschechien gefragt. Das Land ist offen für Investitionen aus dem Ausland. Allerdings ist der Preisdruck hoch.

    Viele internationale Unternehmen sind bereits stark in der tschechischen Entsorgungswirtschaft engagiert. Regional ist das Müllgeschäft allerdings häufig monopolisiert und wird von einem Anbieter bestimmt. Die Kommunen schreiben regelmäßig Entsorgungsaufträge neu aus. Die Vergabeverfahren waren in der Vergangenheit jedoch nicht immer transparent. 

    Am wichtigsten Markt Prag teilen sich das Geschäft derzeit noch mehrere Firmen, neben der kommunalen Entsorgungsgesellschaft Pražské služby (PSAS) sind AVE, Komwag und Ipodec aktiv. Der Stadtrat plant allerdings, die Prager Müllabfuhr schrittweise komplett an PSAS zu vergeben. Bislang reichen die Kapazitäten des Kommunalbetriebs dafür noch nicht aus. Er müsste in neue Fahrzeuge, Sortieranlagen und weitere Infrastruktur investieren. PSAS wird auf die Dienste von Subunternehmen angewiesen sein. 

    Immer wieder illegale Müllimporte 

    Ein offenbar wachsendes Problem für Tschechien sind illegale Abfallimporte, unter anderem aus Deutschland und Österreich. Die Zollverwaltung registrierte 2023 über 640 Tonnen, die ohne Erlaubnis ins Land kamen. In der nordmährischen Gemeinde Jiříkov zum Beispiel wurden seit 2024 Dutzende Tonnen Kunststoff und Glasfaserabfälle aus Bayern rechtswidrig abgeladen. Das tschechische Umweltministerium forderte eine Rückführung nach Deutschland, Ermittlungen gegen zwei lokale Firmen laufen. 

    Fördermittel helfen bei Modernisierung der Branche

    Der Abfallsektor gehört zu den vorrangigen Zielen für Mittel aus EU-Fonds. So fließen auch künftig hohe Investitionen in die Sanierung von Deponien sowie in Sammel-, Sortier- und Verarbeitungskapazitäten. In der aktuellen Förderperiode 2021 bis 2027 kommt Geld vor allem über das Programm Umwelt. Dabei stehen für das spezifische Ziel "Kreislaufwirtschaft" rund 230 Millionen Euro zur Verfügung. 

    Zehn Förderrunden aus diesem Programm wurden bereits abgeschlossen. Sie betrafen die Abfallprävention, Materialrückgewinnung und Energieerzeugung, Recycling von chemischen Abfällen, Sortierlinien, Sammel- und Verwertungshöfe. Die Umsetzung der Projekte läuft zum Teil noch. Aktuell können Anträge für zwei Förderaufrufe eingereicht werden: zum Aufbau von Lebensmitteltafeln (8,3 Millionen Euro Fördersumme) sowie ein größerer zur Abfallbehandlung allgemein. Dabei werden Projekte zur Sortierung, Materialrückgewinnung und Behandlung von Klärschlamm sowie von gefährlichen und medizinischen Abfällen gefördert (Fördersumme 38 Millionen Euro, Anträge bis 6. Januar 2027 möglich). 

    Zuschüsse können bis zu 95 Prozent der Investitionssumme abdecken. Die aktuellen Aufrufe sowie die bereits bestätigten Projekte veröffentlicht das Umweltministerium auf der Webseite des Programms. Mittelempfänger sind potenzielle Kunden für entsprechende Technologien.

    Finanzielle Unterstützung bekommen unter anderem folgende Investitionen: 

    • Kompostierung von Siedlungsabfällen (auch Hauskomposter in Eigenheimen)
    • Aufbau von Re-Use-Zentren zur Wiederverwertung und Reparatur von Produkten
    • Beschaffung von wiederverwendbarem Geschirr und entsprechender Reinigungsinfrastruktur
    • Aufbau von Sammel- und Sortiersystemen für Siedlungs- und Gastroabfälle
    • Technologien für halbautomatische und automatische Sortierlinien
    • Anlagen zur Behandlung und Weiternutzung von Klärschlamm
    • Einrichtungen zur stofflichen Nutzung von Abfällen
    • Bau und Modernisierung von Müllverbrennungsanlagen
    • Anlagen zur Verwertung chemischer Abfälle
    • Beseitigung von Gefahrenstoffen

    Sonderfonds für strukturschwache Regionen

    Die Gewinnung und Verarbeitung von Sekundärrohstoffen kann außerdem über das Programm OPTAK (Technologie und Anwendungen für Wettbewerbsfähigkeit) gefördert werden. Für Abfallprojekte in Strukturwandelregionen wie Karlovy Vary, Ústí nad Labem und Mährisch-Schlesien stellt das Programm "Gerechte Transformation" Mittel für innovative Sortier- und Recyclingprojekte bereit. 

    Fördermittel gibt es ebenso aus dem "Nationalen Aufbauplan", darunter für die Verarbeitung von Bioabfall, sowie aus dem Modernisierungsfonds, der sich aus dem Verkauf von Emissionszertifikaten speist. Hieraus können Vorhaben zur Energiegewinnung aus Abfällen (zum Beispiel energieeffiziente Systeme zur Kraft-Wärme-Kopplung) sowie Biogasanlagen unterstützt werden. 

    Ausführliche Informationen bietet Germany Trade & Invest im Bericht zur EU-Förderung Tschechien.

    EU-Regeln sind zu beachten

    Im innergemeinschaftlichen Warenverkehr der Europäischen Union sind die Regelungen des Umsatzsteuerkontrollverfahrens in der EU zu beachten. Informationen hierzu finden sich auf der Internetseite des Bundeszentralamtes für Steuern. Hinsichtlich der Normierung gelten die einschlägigen EU-Richtlinien (siehe etwa Deutsches Institut für Normung e.V.).

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Gerit Schulze | Prag

  •  

    Bezeichnung

    Anmerkungen

    AHK Tschechische RepublikAnlaufstelle für deutsche Unternehmen
    German RETech Partnership e.V.Netzwerk deutscher Unternehmen und Institutionen der Entsorgungs- und Recyclingbranche zur Exportförderung
    Česká asociace odpadového hospodářstvíTschechischer Verband der Abfallwirtschaft, 24 Mitglieder – siehe členové | ČAOH - Česká Asociace Odpadového Hospodářství
    Institut cirkulární ekonomikyInstitut für Kreislaufwirtschaft
    Iniciativa pro zálohováníVereinigung von 5 Getränkeproduzenten zur Durchsetzung des Pfandsystems für PET-Flaschen und Blechdosen
    For ArchFachmesse für Bauwirtschaft mit Sektion zur Müllentsorgung und-wiederverwertung, Prag 16. bis 19.9.2026
    Stavební veletrh BrnoFachmesse für Bauwirtschaft mit Sektion zur Müllentsorgung und-wiederverwertung, Brno 25. bis 28.3.2026
    EnviWebFachportal
    OdpadyFachzeitschrift und -portal
    Odpadové fórumFachzeitschrift
    Zentrale Veröffentlichungsstellen für Sektorausschreibungen 

    Ministerium für regionale Entwicklung / Suchformular 

    Nationales elektronisches System der Beschaffungen

    Portal der Lieferanten und Auftraggeber 

    Kleine Ausschreibungen von Städten und Gemeinden 

    Von Gerit Schulze | Prag

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