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Special | Tschechische Republik | EU-Förderung

EU-Förderung in der Tschechischen Republik

Tschechien kann auf fast 35 Milliarden Euro an Kohäsions-, Aufbau- und Modernisierungsmitteln zugreifen. Dieser Investitionsmotor ist angelaufen. Welches Projekt hat wo Chancen?  

Von Miriam Neubert | Prag

Mittelzuweisungen für die Tschechische Republik (Zuschüsse, in Milliarden Euro)

Förderprogramm

Betrag

Aufbau- und Resilienzfazilität

7,1

Kohäsionspolitische Mittelzuweisung, darunter 

21,8

  ESF+

2,7

  EFRE

10,4

  Kohäsionsfonds

8,3

Quelle: Europäische Kommission 2021


  • Förderung im Rahmen der Aufbau- und Resilienzfazilität

    Tschechiens Nationaler Aufbauplan ist 2022 angelaufen. Am besten dotiert sind die Bereiche Nachhaltiger Verkehr, Gebäudeerneuerung und Arbeitsmarktentwicklung.

    Tschechiens Aufbauplan (Národní plán obnovy, abgekürzt NPO) ist von der Europäischen Kommission Mitte 2021 genehmigt worden. Das öffnete die Tür zu 7,1 Milliarden Euro an Zuschüssen aus der Aufbau- und Resilienzfazilität im Wiederaufbauprogramm NextGenerationEU. Hinzu kommen mögliche Darlehen in mehr als doppelter Höhe. Das Land hat sofort die als Vorfinanzierung möglichen 13 Prozent der Zuschüsse beantragt, sodass die Förderaufrufe 2022 ins Laufen kamen.

    Erst Reformen, dann Geld

    Die Abrufung weiterer Tranchen ist aber an die Umsetzung von insgesamt 244 Reformen geknüpft, die in Zwischenzielen bei jeder Beantragung nachgewiesen werden müssen. Zugleich herrscht Zeitdruck, da die Mittel noch 2023 Projekten zugewiesen sein müssen. Die liberal-konservative Regierungskoalition, die Ende 2021 ins Amt kam, hat den Aufbauplan einer Inventur unterzogen und bei 40 Etappenzielen problematische Verspätungen festgestellt.

    Nach intensiven Verhandlungen schloss sie im Sommer 2022 mit Brüssel eine Durchführungsvereinbarung zum Aufbauplan. Im Herbst 2022 will sie die Auszahlung der ersten Tranche in Höhe von fast 1,1 Milliarden Euro beantragen. Zuvor muss ein Paket von 37 Zwischenzielen umgesetzt sein. Dazu zählt das geplante Baugesetz, das in Verbindung mit der Digitalisierung der Verfahren die Genehmigungsprozedur beschleunigt und vereinfacht.

    Informationen zu Förderrunden und Abläufen

    Der NPO hat eine eigene Website, auf der sich die laufenden Aufrufe, das Harmonogramm und aktuelle Informationen befinden. Verantwortliche Instanz ist das Ministerium für Industrie und Handel, das die Einhaltung der Ziele überwacht. Zuständig für einzelne Komponenten sind je nach Fach weitere Ministerien, deren nachgeordnete Behörden oder staatliche Agenturen. Geht es um Unternehmen, ist meist das Industrieministerium zuständig. Dieses veröffentlicht bei seinen Ausschreibungen auch regelmäßig eine Statistik zur Zahl der gestellten Anträge und Höhe der beantragten Fördermittel. Um Mittel können sich auch tschechische Niederlassungen deutscher Unternehmen mit geeigneten Projekten bewerben.

    Im Unterschied zu den Fördermitteln aus der Europäischen Kohäsionspolitik ist beim NPO ganz Tschechien förderfähig. Die Gelder werden zum Teil in zeitlich befristeten Runden, zum Teil auch durchgehend bis ins Jahr 2023 hinein, ausgeschrieben. Die Details finden sich in den Unterlagen zu jeder Ausschreibung. 

    Tschechiens Aufbauplan fußt auf sechs Säulen, die noch einmal in insgesamt 26 Komponenten unterteilt sind. 

    Schwerpunkte des Tschechischen Aufbauplans
    1. Digitale Transformation
    2. Physische Infrastruktur und grüner Wandel
    3. Bildung und Arbeitsmarkt
    4. Öffentliche Verwaltung
    5. Forschung, Entwicklung und Innovation
    6. Gesundheit und Resilienz der Bevölkerung

    Digitalisierung als Muss

    Rund 1,1 Milliarden Euro sollen den digitalen Wandel vorantreiben. Das Innenministerium verantwortet die Aufbauhilfen zur Digitalisierung der Verwaltung und Gesundheitssysteme, für die Cybersicherheit, das Hochgeschwindigkeitsinternet und die 5G-Infrastruktur. Geht es um Unternehmen, übernimmt das Industrieministerium. Fast 200 Millionen Euro fließen in deren digitale Transformation. Der erste mit 62 Millionen Euro dotierte Aufruf Digitales Unternehmen startete im Sommer 2022. 

    Komponenten des Schwerpunkts Digitale Transformation

    Nummer

    Bezeichnung der Komponenten

    Mittelausstattung (Mio. Euro)

    1

    Digitale Transformation, davon

    1.093

    1.1

    Digitale Dienstleistungen für Bürger und Unternehmen

    112

    1.2

    Digitale Systeme der staatlichen Verwaltung

    277

    1.3

    Digitale Hochgeschwindigkeitsnetzwerke

    227

    1.4

    Digitale Wirtschaft/Gesellschaft, innovative Start-ups, neue Technologien

    224

    1.5

    Digitale Unternehmenstransformation

    196

    1.6

    Beschleunigung und Digitalisierung von Bauverfahren

    57

    Quelle: www.planobnovycr.cz; Europäische Kommission

    Ansturm auf Fotovoltaik und Wärmepumpen

    Am besten ausgestattet ist mit 3,2 Milliarden Euro der Schwerpunkt zum grünen Wandel. Beim Übergang zu neuen Energiequellen steht die Fotovoltaik im Vordergrund. Der Ansturm auf die Investitionshilfen war dergestalt, dass das Industrieministerium die Mittel auf über 200 Millionen Euro erhöht und die Frist bis Ende September 2022 verlängert hat. Mitte Juli lagen bereits 2.600 Projektvorschläge vor, die für förderfähige Kosten von insgesamt fast 467 Millionen Euro eine Förderung von 170 Millionen Euro beantragten. Firmen können sich bis Anfang Mai 2023 zudem mit Modernisierungsprojekten zu Fernwärmenetzen und zur Wärmedistribution bewerben.

    Für Energieeffizienz in Gebäuden und für Ökomobilität ist das Umweltministerium zuständig. Die erste Förderrunde zur Senkung des Energieverbrauchs durch Renovierung öffentlicher Gebäude und Beleuchtung schloss im Mai 2022. Wegen der hohen Emissionen aus Kohleheizungen werden aber auch Hausbesitzer gefördert, die auf erneuerbare Energie setzen (Fotovoltaik, Solarthermie, Ersatz durch Biomassekessel oder Wärmepumpen, kleine Stromspeicher). Umsetzungsinstrument ist das Energieeffizienzprogramm Nová zelená úsporám. Es startete im Herbst 2021 und erhält umgerechnet rund 450 Millionen Euro aus dem Aufbauplan. Bis Ende 2023 reicht die Frist für Kommunen und öffentliche Einrichtungen, die Zuschüsse für den Kauf von Elektromobilen und Ladestationen beantragen wollen.  

    Tschechien braucht mehr Recyclingkapazitäten. Unterstützt werden aus den Aufbaumitteln etwa Kompostieranlagen, die energetische Nutzung nicht recyclebarer infektiöser Abfälle aus dem Gesundheitswesen und die Verarbeitung von organischen Abfällen zu Biogas. Unternehmen, die durch innovative Technologien ihren Wasserverbrauch optimieren möchten, können sich bis Ende September 2022 mit Projekten um Subventionen bewerben.

    Beim nachhaltigen und sichereren Verkehr geht es vorrangig um Digitalisierung des Eisenbahnverkehrs, Elektrifizierung von Schienentrassen und Erhöhung der Sicherheit durch Eisenbahnübergänge, Brücken, Tunnel und Radwege. Diese Projekte, von denen einige 2020 begonnen wurden, fallen in die Zuständigkeit der Eisenbahnverwaltung.

    Komponenten der Schwerpunkte Physische Infrastruktur und Grüner Übergang

    Nummer

    Bezeichnung der Komponenten

    Mittelausstattung (Mio. Euro)

    2

    Physische Infrastruktur und Grüner Wandel, davon

    3.285

    2.1

    Nachhaltiger und sicherer Verkehr

    943

    2.2

    Senkung des Energieverbrauchs

    325

    2.3

    Übergang zu sauberen Energiequellen

    262

    2.4

    Entwicklung einer sauberen Mobilität

    192

    2.5

    Gebäuderenovierung und Luftreinhaltung

    632

    2.6

    Naturschutz und Anpassung an Klimawandel

    542

    2.7

    Kreislaufwirtschaft, Recycling, Industriewasser

    141

    2.8

    Revitalisierung der Altlastengebiete

    131

    2.9

    Förderung der Biodiversität und Dürrebekämpfung

    117

    Quelle: www.planobnovycr.cz; Europäische Kommission

    Ausbildung, Innovationen, Gesundheit

    Bei Ausbildungsinvestitionen geht es im Aufbauplan vorrangig um digitale Kompetenzen. Unterstützt werden in dieser Hinsicht auch Weiterbildung und Umschulung in kleinen und mittleren Unternehmen. Bei Forschung und Innovationen liegt die Priorität auf den pharmazeutischen Wissenschaften und auf Unternehmensprojekten, die intelligente Spezialisierung anstreben, auf Forschungszusammenarbeit oder auf der Anwendung von Innovationen. Den Schwerpunkt Gesundheit dominieren Krebsvorsorge und -behandlung, zum Beispiel durch den Bau eines Tschechischen Onkologischen Instituts, die Verbesserung von Screeningprogrammen oder ein Zentrum für Prävention und innovative Pflege am Masaryk Onkologie-Institut in Brno.     

    Komponenten der Schwerpunkte Bildung, Institutionen, Innovationen, Gesundheit

    Nummer

    Bezeichnung der Komponenten

    Mittelausstattung (Mio. Euro)

    3

    Bildung und Arbeitsmarkt, davon

                                       1.594

    3.1

    Innovation in der Bildung im Kontext der Digitalisierung

    191

    3.2

    Anpassung der Kapazität und Fachrichtung der Schulprogramme

    517

    3.3

    Modernisierung der Arbeitsvermittlung und Entwicklung des Arbeitsmarktes

    886

    4

    Öffentliche Verwaltung, Regulierung und Unternehmenshilfen als Reaktion auf Covid-19, davon

    254

    4.2

    Neue Quasi-Kapital-Maßnahmen zur Unternehmensförderung und Umwandlung der Tschechisch-Mährischen Garantie- und Entwicklungsbank zur nationalen Entwicklungsbank 

    39

    4.3

    Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung

    -

    4.4

    Erhöhung der Effizienz der öffentlichen Verwaltung

    1

    4.5

    Entwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft

    214

    5

    Forschung, Entwicklung und Innovation, davon

    322

    5.1

    Exzellente F&E in vorrangigen Bereichen im Gesundheitswesen

    196

    5.2

    Förderung von F&E in Unternehmen und Einführung von Innovationen in die Unternehmenspraxis

    126

    6

    Gesundheit und Resilienz der Bevölkerung, davon

    488

    6.1

    Erhöhung der Resistenz des Gesundheitssystems

    153

    6.2

    Nationalplan zur Verstärkung der onkologischen Prävention und Pflege

    335

    Quelle: www.planobnovycr.cz; Europäische Kommission


    Von Miriam Neubert | Prag

  • Förderung im Rahmen der Kohäsionspolitik

    Tschechien hat im Sommer 2022 die neue Förderperiode eröffnet. Es geht um 21 Milliarden Euro an europäischen Kohäsionsmitteln. In welche Investitionsprojekte fließt das Geld?

    Bei der Abrufung der Gelder aus dem abgelaufenen Mehrjährigen Finanzrahmen steht die Tschechische Republik gut da. Auch die neue Phase konnte sie bereits einläuten, nachdem ihr Partnerschaftsabkommen im Mai 2022 grünes Licht durch die Europäische Kommission erhielt. Dieses Schlüsseldokument gibt über die geplante Verwendung der europäischen Mittel im Rahmen der Kohäsionspolitik 2021 bis 2027 Auskunft. Es geht um gut 21 Milliarden Euro, die die regionalen Unterschiede ausgleichen und den Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft unterstützen sollen.

    Neun operationelle Programme

    Das Land setzt diese Mittel über neun operationelle Programme um. Diese sind im Laufe des Sommers einzeln von Brüssel abgenommen worden.

    Operationelle Programme und Mittelausstattung

    Operationelles Programm (OP)

    Mittel in Mrd. Euro

    Zuständige Instanz

    Verkehr

    4,9

    Verkehrsministerium

    Integriertes regionales OP

    4,8

    Ministerium für Regionalentwicklung

    Technologien und Anwendungen für Wettbewerbsfähigkeit

    3,1

    Ministerium für Industrie und Handel

    Jan Amos Komenský (Bildung, Forschung und Entwicklung)

    2,5

    Ministerium für Bildung, Jugend, Sport

    Umwelt

    2,4

    Umweltministerium

    Gerechter Übergang

    1,6

    Umweltministerium

    Beschäftigung+

    1,5

    Arbeitsministerium

    Technische Hilfe

    0,24

    Ministerium für regionale Entwicklung

    Fischereiwirtschaft

    0,03

    Landwirtschaftsministerium

    Quelle: Staatliche Seite zu den EU-Fördermitteln https://www.dotaceeu.cz/

    Hinzu kommen fünf Programme der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit (Interreg VI-A). Diese betreffen Polen, den Freistaat Sachsen, den Freistaat Bayern, Österreich und die Slowakei. Mit kleineren Beträgen werden aus dem EU-Fonds für innere Angelegenheiten darüber hinaus drei operationelle Programme unterstützt: für Asyl, Migration, Integration; für innere Sicherheit; für Grenzverwaltung und Visapolitik. 

    Wo findet sich was?

    Nationales Koordinierungsorgan für die Mittel der Kohäsionspolitik ist das Ministerium für regionale Entwicklung. Die Ziele sind durch die Investitionspolitik der EU vorgegeben und lauten analog:

    1. Intelligenteres Tschechien (3,4 Milliarden Euro)
    2. Grüneres und kohlenstofffreies Tschechien (6,3 Milliarden Euro)
    3. Verbundeneres Tschechien (4,3 Milliarden Euro)
    4. Sozialeres Tschechien (4,5 Milliarden Euro)
    5. Bürgernahes Tschechien (0,3 Milliarden Euro).

    Ende Juli haben die ersten Programme mit Ausschreibungsrunden begonnen. Dieser Prozess wird sich beschleunigen. Der aktuelle Stand ist auf der offiziellen Website www.DotaceEU.cz unter Aufrufe (výzvy) auf Tschechisch nachzuvollziehen. Wer nach einer geeigneten Förderung für geplante Vorhaben sucht, kann sich mit einer Suchfunktion zu Förderchancen vorarbeiten. Potenzielle Antragstellende werden zugleich von den zuständigen Behörden in Webinaren über Abläufe und Vorgehensweisen informiert. Einen Kurzüberblick liefert auf Tschechisch das ABC der EU-Fördermittel 2021 bis 2027. Viele Beratungsunternehmen und Kanzleien bieten Dienstleistungen rund um das Thema Fördermittel an.     

    Ein großer Fördertopf für Unternehmen

    Das vom Ministerium für Industrie und Handel verantwortete Operationelle Programm Technologien und Anwendungen für Wettbewerbsfähigkeit (OP TAK) ist der zentrale Fördertopf für Unternehmensprojekte. Es knüpft mit einer Ausstattung von 3,1 Milliarden Euro an das auslaufende operationelle Programm Unternehmen und Innovation für Wettbewerbsfähigkeit an. Auch tschechische Niederlassungen deutscher Unternehmen können sich um diese Mittel bewerben. Erste geplante Aufrufe betreffen Innovations-Voucher, Applikationen, Energieeinsparungen, Innovationen, Smart Grids und Windkraftprojekte. 

    Insgesamt soll das operationelle Programm Technologien und Anwendungen für die Wettbewerbsfähigkeit kleine und mittelständische Unternehmen unterstützen, neue innovative Firmen hervorbringen und ihre digitale Transformation vorantreiben. Gefördert werden zum Beispiel die Entwicklung innovativer Produkte, die Einführung progressiver Ausrüstungen und Technologien, die Anschaffung von Produktionsmaschinen, die zu Digitalisierung und Automatisierung überleiten, die Inanspruchnahme von Beratungsdienstleistungen in allen Wachstumsphasen eines Start-ups oder der Aufbau von Datenzentren.

    Auf dem Weg zu einer kohlenstoffarmen und ressourceneffizienten Wirtschaft werden Projekte bezuschusst, die die Energieeffizienz der Firmengebäude verbessern und erneuerbare Energiequellen erschließen. Es geht dabei um Solarthermie, Fotovoltaik, kleine Wasserkraftwerke, Wind, Wärmepumpen, aber auch den Übergang von der Biogasverstromung zur Biogasmethanisierung, den Bau neuer Anlagen für fortgeschrittene Biobrennstoffe zum Einsatz im Verkehr, die Energiespeicherung oder die Energietransformation zwischen Energieträgern. 

    Chancen auch in vier anderen Programmen

    Unternehmen können mit ihren Projekten auch in anderen operationellen Programmen zum Zuge kommen. Geht es etwa um unternehmerische Qualifizierungsprogramme, greift das Programm Beschäftigung+. Gelder aus dem Programm Umwelt winken, wenn Wasserläufe geschaffen oder erneuert werden, die Luftqualität verbessert wird oder bei Lösungen im Übergang zur Kreislaufwirtschaft. Das Programm Fischereiwirtschaft unterstützt Unternehmer der Aquakultur oder Fischverarbeiter.

    Firmen, die ihren Standort in einer der drei vom Strukturwandel betroffenen Kohleregionen Karlovy Vary, Mährisch-Schlesien oder Ústí nad Labem haben, können bei ihren Projekten vom Programm Gerechter Übergang profitieren. 

    Breites Spektrum für Technologieanbieter

    Durch diese Investitionen ergeben sich für Technologieanbieter, aber auch für Bau- und Engineeringfirmen sowie Beratungsdienstleister Lieferchancen. So will das Programm Verkehr das Eisenbahnnetz modernisieren, Lücken im Autobahnnetz schließen und nachhaltige Mobilität ankurbeln (durch Ladestationen, neue Straßenbahn- und Trolleybusstrecken, die Elektrifizierung des Busverkehrs). Verkehrsinfrastrukturen auf regionaler Ebene entwickelt das Integrierte Regionale operationelle Programm, aber auch Krankenhausinfrastrukturen (Notaufnahmen, integrierte Kranken- und Sozialpflege), die regionale digitale Verwaltung, das kulturelle Erbe und den Tourismus.

    Die Schwerpunkte liegen auf Greentech, Energieeffizienz, nachhaltiger Mobilität und digitalen Systemen. Wer eine Förderung zugesprochen bekommt, muss sich an Regeln halten und Anbieter aus anderen EU-Ländern berücksichtigen. Die Ausschreibungsregeln für das OP TAK  gelten seit dem 24. Mai 2022. Beschaffende Unternehmen müssen ihre Ausschreibungen unter dem Profil des Auftraggebers veröffentlichen und auf dem Webportal der Agentur für Unternehmertum und Innovation API. Dort lassen sich die Aufträge sehr übersichtlich nachvollziehen.    

    Von Miriam Neubert | Prag

  • Neue Aufrufe im Modernisierungsfonds für Dekarbonisierung

    Aus dem europäischen Fördertopf erhält Tschechien mindestens 6 Milliarden Euro bis 2030. Es gibt neun Programme. Ein Schwerpunkt ist Fotovoltaik für Firmen und Gemeinden.

    In Tschechien läuft die Zuweisung von Mitteln aus Europas Modernisierungsfonds (MF) auf vollen Touren. Bis Mitte Juli 2022 hatten fast 200 Unternehmen eine Förderzusage in der Tasche, darunter Niederlassungen deutscher Firmen. Ihre Projekte sollen zur Dekarbonisierung der Wirtschaft beitragen.

    Der MF ist komplementär zu den Förderinstrumenten der Kohäsionspolitik und dem Fonds für einen gerechten Übergang angelegt. Er finanziert sich bis 2030 aus 2 Prozent der CO₂-Zertifikate, die im Rahmen des Emissionshandels der Europäischen Union (EU-ETS) anfallen und unterstützt in zehn EU-Mitgliedsländern den Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft. Mindestens 70 Prozent der Mittel müssen Projekten in fünf prioritären Bereichen zufließen: 

    Prioritäten des Modernisierungsfonds nach ETS-Richtlinie
    1. Erzeugung und Nutzung von erneuerbaren Energien
    2. Energieeffizienz
    3. Energiespeicherung
    4. Modernisierung der Energienetze, einschließlich Fernwärme und Pipelines
    5. Gerechter Strukturwandel in Kohleregionen

    Bis zu 30 Prozent der MF-Mittel können nicht-prioritäre Projekte unterstützen. Diese müssen gleichwohl zu einer modernen Energiewirtschaft, mehr Energieeffizienz und weniger Treibhausgasemissionen beitragen.  

    Tschechien bezieht mit 15,6 Prozent nach Polen den zweitgrößten Anteil an Zertifikaten aus dem MF. Die Regierung schätzt das Mittelvolumen, das mit steigenden Zertifikatspreisen wächst, bis 2030 auf mindestens 6 Milliarden Euro. Diese werden in neun Programmen umgesetzt. Das Land hat zudem die Chance zur Aufstockung genutzt und zusätzliche Zertifikate in seinen MF transferiert.

    Förderprogramme des tschechischen Modernisierungsfonds (Fördervolumen, Anteile in Prozent)

    Modernisierungsfonds

    100

      Modernisierung der Wärmeversorgungssysteme (HEAT)

    26

      Neue erneuerbare Energiequellen in der Energetik (RES+)

    38,7

      Verbesserung der Energieeffizienz und Senkung der Treibhausgase in der am EU-ETS teilnehmenden Industrie (ENERG ETS)

    13,3

      Verbesserung der Energieeffizienz in Unternehmen (ENERG)

    6

      Modernisierung des Verkehrs im Unternehmenssektor (TRANSCom)

    3,5

      Modernisierung des öffentlichen Verkehrs (TRANSGov)

    5

      Energieeffizienz in öffentlichen Gebäuden und Infrastruktur (ENERGov)

    4

      Kommunale Energiewirtschaft (KOMMUNERG)

    1,5

      Modernisierung der öffentlichen Beleuchtung (LIGHTPUB)

    2

    Quelle: Tschechisches Umweltministerium 2022

    Zweite Förderrunde zu HEAT und RES+ ausgerufen

    Der Modernisierungsfonds fällt in die Verantwortung des Umweltministeriums. Vermittelnde Instanz ist der Staatliche Umweltfonds (SFŽP), der auf seiner Website detailliert über neue Aufrufe, den Stand und die Ergebnisse informiert. Erste aktive Programme waren HEAT (Modernisierung der Heizkraftwerke) und RES+ (Fotovoltaik). Ende Juni 2022 wurden in beiden Programmen weitere Antragsrunden veröffentlicht. Bald werden die ersten geförderten Projekte aus dem Programm ENERG (Modernisierung der Produktion und der Energiequellen in Unternehmen) bekannt.

    Schritt für Schritt kommen die weiteren Programme an die Reihe. So hat die Europäische Kommission im Sommer 2022 bereits den dritten Investitionszyklus zum MF verabschiedet. In Tschechien betrifft er unter anderem die Modernisierung der öffentlichen Beleuchtungssysteme, die Steigerung der Energieeffizienz und den Übergang von Kohle zu Biomasse und Gas in Fernwärmeanlagen und Anlagen von Unternehmen, die der Industrieemissionsrichtlinie und dem Emissionshandel unterliegen.

    Hocheffizienztechnologien sind gefragt

    Für deutsche Technologienanbieter ergeben sich Geschäftschancen in einem weiten Spektrum, das von Blockheizkraftwerken, Energiespeichern über Mess- und Regeltechnik bis zu Elektrolyseuren für grünen Wasserstoff reicht. Tschechische Unternehmen deutscher Investoren wiederum können prüfen, ob sich diese Förderquelle für ihre Energie-, Effizienz- oder Emissionssenkungsprojekte eignet.    

    Übergang des Heizkraftsektors auf saubere Quellen

    Die Hälfte der Wärmeproduktion basiert in Tschechien noch auf Kohle. Im Rahmen des aktuellen Aufrufs aus dem Programm HEAT zur Modernisierung der Heizkraftwerke können Unternehmen Projektanträge bis Ende Juni 2023 abgeben. Der Aufruf ist mit 15 Milliarden Kronen, umgerechnet über 610 Millionen Euro, dotiert.

    Bei prioritären Projekten geht es um Umbau oder Ersatz der Wärmequelle von Heizkraftsystemen mit Umstellung der Brennstoffbasis oder des Energietyps auf eine breite Palette von sauberen Alternativen:

    1. erneuerbare Energiequellen in Kombination mit hocheffizienter Kraftwärmekopplung (KWK)
    2. Erdgas und andere natürliche oder synthetische Gase, stets in Kombination mit hocheffizienter KWK 
    3. energetische Nutzung von Abfall (Siedlungs- oder Industrieabfall, feste alternative Brennstoffe aus Abfällen, Klärschlamm)
    4. elektrische Energie aus erneuerbaren Quellen
    5. Abwärmeenergie in Verbindung mit hocheffizienter KWK.

    Im Fall von nicht-prioritären Projekten kann die hocheffiziente KWK entfallen.

    Zentrales Programm für erneuerbare Energien

    Das Programm RES+ entpuppt sich als aktuell wichtigste Förderquelle für erneuerbare Energien in Tschechien. Für diesen Bereich sind fast 39 Prozent der MF-Mittel vorgesehen. Bei einem Volumen von 6 Milliarden Euro entspricht das 2,3 Milliarden Euro. Nachdem in diesem Sektor wegen ungünstiger Bedingungen jahrelang kaum etwas passiert war, haben Klimaziele und Fördermittel einen neuen Boom ausgelöst. Der wurde durch Russlands Krieg in der Ukraine und die hohe Versorgungsunsicherheit noch befördert. Es geht vor allem um Fotovoltaik und Speicher.

    Ende Juni 2022 wurden neue Runden ausgerufen. Firmen mit großen Solarprojekten über 1 Megawatt können sich bis Ende Oktober 2022 bewerben. Für Firmen mit kleineren Projekten, aber auch für kommunale Projekte, reicht die Frist bis März 2023.

    Modernisierung energieintensiver Produktionsbetriebe

    Dem Europäischen Emissionshandel unterliegen in Tschechien laut der Aufstellung des Umweltministeriums 239 Unternehmen, darunter viele des verarbeitenden Gewerbes. Die ersten Förderrunden aus dem Programm ENERG ETS zur Modernisierung von Energieanlagen und Produktionstechnologien waren im Sommer 2022 in der Auswertung. Mit neuen ist zu rechnen.

    Bei prioritären Projekten wie Umbau oder Ersatz von Energiequellen entsprechen die geförderten Maßnahmen den oben genannten des Heizkraftsektors. Unterstützt werden darüber hinaus unter anderem Energie- und Emissionseinsparungen im Produktionsprozess (Modernisierung der Anlagen oder neue Konfiguration). Dazu zählen Investitionen in Wasserstoffapplikationen (Elektrolyseure und andere Technologien zur Herstellung von grünem Wasserstoff, Technologien zu Verarbeitung, Transport und Nutzung von Wasserstoff in Energie, Verkehr, Industrieproduktion), aber auch in die Energiesteuerung und die Energieeffizienz der Werksgebäude. Bei nicht-prioritären Projekten ist eine Förderung auch bei einem Übergang zu erneuerbaren Quellen ohne KWK möglich, ebenso ein Übergang auf Erdgas oder Energie aus Abwärme.

    Von Miriam Neubert | Prag

  • Kontaktadressen

    Institution

    Anmerkungen

    Vertretung der Europäischen Kommission in der Tschechischen Republik

    Informationsstelle der Europäischen Kommission

    Deutsch-Tschechische Industrie- und Handelskammer

    AHK Tschechien, Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Webportal zu EU-Fördermitteln

    Übersicht über alle Programme und offenen Runden, auch Förderperiode 2021-2027, Übersicht aller OP

    Webportal für den Aufbau- und Resilienzplan

    Informationen zum aktuellen Stand, übersichtliche Darstellung der Verzahnung von Investitionen und Reformen, kompletter Plan mit Umsetzungssystematik; Vermittlungsorgane: Ministerstvo průmyslu a obchodu, Ministerstvo dopravy, Ministerstvo zemědělství, Ministerstvo životního prostředí, Ministerstvo zdravotnictví, Ministerstvo školství, mládeže a tělovýchovy

    Ministerium für Industrie und Handel

    Federführend bei der Erstellung des Aufbau- und Resilienzplans; durchführende Behörde bei unternehmensbezogenen Aufrufen des Aufbauplans; Lenkungsorgan für das OP Technologien und Applikationen für Wettbewerbsfähigkeit

    Agentur für Unternehmen und Innovationen

    Vermittlungsorgan für das OP Technologien und Applikationen für Wettbewerbsfähigkeit

    Ministerium für regionale Entwicklung

    Zentrales Koordinierungsorgan der EU-Förderprogramme, durchführende Behörde bei der Digitalisierung des Bauprozesses, Altlastenrevitalisierung und regionalen Investitionen, Lenkungsorgan für das Integrierte regionale OP und das OP Technische Hilfe

    Zentrum für regionale Entwicklung

    Vermittlungsorgan für das Integrierte regionale OP

    Umweltministerium

    Verantwortlich für den Modernisierungsfonds; durchführende Behörde zu den Themen saubere Mobilität, Gebäuderenovierung, Luftschutz, Biodiversität, Dürre des Aufbauplans; zuständig für das Energieeffizienzprogramm Nová zelená úsporám; Lenkungsorgan für das OP Umwelt und das OP Gerechter Übergang

    Staatlicher Umweltfonds

    Vermittlungsorgan für das OP Umwelt, das Energieeffizienzprogramm und andere Schwerpunkte des Umweltministeriums

    Innenministerium

    Durchführende Behörde zu den Themen Digitalisierung und effektive Verwaltung des Aufbauplans, Lenkungsorgan für das OP Asyl, Migration und Integration, das OP Innere Sicherheit und das OP Grenzverwaltung und Visapolitik

    Verkehrsministerium

    Durchführende Behörde zu den Themen nachhaltiger und sicherer Verkehr des Aufbauplans; Lenkungsorgan für das OP Verkehr

    Landwirtschaftsministerium

    Durchführende Behörde zu den Themen Naturschutz und Klimawandel, Lenkungsorgan für das OP Fischerei

    Ministerium für Bildung, Jugend und Sport

    Durchführende Behörde zu den Themen Kapazitäts- und Fachänderungen, Innovationen der Ausbildung im Zusammenhang mit Digitalisierung, Forschung und Entwicklung im Gesundheitswesen, Lenkungsorgan für das OP Jan Amos Komenský

    Ministerium für Arbeit und Soziales

    Durchführende Behörde zu den Themen Entwicklung und Modernisierung des Arbeitsmarktes, Lenkungsorgan für das OP Beschäftigung

    Justizministerium

    Durchführende Behörde zum Thema Korruption 

    Kulturministerium

    Durchführende Behörde zu den Themen Entwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft

    Gesundheitsministerium

    Durchführende Behörde zu den Themen Resistenz des Gesundheitssystems und Nationalplan für onkologische Prävention und Pflege

    Liste regionaler Informations- und Beratungszentren

    Beratung bei der Beantragung von EU-Fördermitteln


    Von Miriam Neubert | Prag

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