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Branchenstruktur

Neben großen Konzernen bestimmen viele Kleinunternehmen das Baugeschäft in Tschechien. Internationale Anbieter sind vorne mit dabei. Der Trend zur Automatisierung geht weiter.

Von Gerit Schulze | Prag

Nach dem Boom im Gefolge des EU-Beitritts 2004 konnte die tschechische Bauwirtschaft in den letzten Jahren nur noch wenig Dynamik entfalten. Ihr Anteil an der Bruttowertschöpfung im Land liegt nahezu konstant bei 5,6 Prozent (2024). Sie hat damit für die Wirtschaftsleistung eine ähnliche Bedeutung wie der Transport- und Logistiksektor.

Die Bauwirtschaft bleibt aber attraktiv für Neugründungen, besonders für selbständige Handwerker. Nach Angaben des Statistikamtes ČSÚ waren Ende Juni 2025 fast 213.000 wirtschaftlich aktive Subjekte in Tschechiens Bausektor registriert. Das waren rund 15.000 mehr als drei Jahre zuvor. 

Da es derzeit einen Boom bei der Installation von Solaranlagen, Wärmepumpen und anderen energetischen Maßnahmen gibt, drängen Einzelunternehmer in den Markt. Auch viele ukrainische Geflüchtete machen sich selbstständig. Das Segment "Vorbereitende Baustellenarbeiten, Bauinstallation und sonstiges Ausbaugewerbe" (NACE 43) ist das umsatz- und wachstumsstärkste innerhalb der Baubranche. Dazu gehören der Innenausbau, aber auch Dach- und Fassadenarbeiten.

Tschechische und internationale Konzerne gut im Geschäft 

Häufig sparen sich die Baufirmen Steuern und Sozialabgaben, indem sie selbstständige Handwerker als Subunternehmer beschäftigen. Die Zahl größerer Bauunternehmen ist überschaubar. Laut Eurostat gab es 2023 in Tschechien 585 Baubetriebe mit 50 und mehr Beschäftigten. Davon kamen 55 Unternehmen auf 250 und mehr Mitarbeitende. Insgesamt waren 2023 in Tschechien 413.000 Beschäftigte in der Baubranche registriert.

Bei den Großaufträgen für umfangreichere Vorhaben teilen sich ausländische Konzerne und starke einheimische Player den Markt auf. Auf die zehn größten Baufirmen entfielen 2024 rund 16 Prozent aller Umsätze in der Baubranche. Unter ihnen sind fünf tschechische Unternehmen, die oft bei öffentlichen Aufträgen für den Infrastrukturbau zum Zuge kommen. Beispielsweise bekam das einheimische Unternehmen Subterra im Herbst 2025 einen Großauftrag für die zweite Bauphase der Metrolinie D in Prag (Auftragsvolumen rund 1,2 Milliarden Euro). Subterra ist einer von drei Baubetrieben in den Top 10, die zum Prager Metrostav-Konzern gehören.

Wichtige Branchenunternehmen in der Tschechischen RepublikUmsatz in Millionen Euro; Veränderung in Prozent

Unternehmen

Sparte

Umsatz 2024 1)

Veränderung 2024 / 2023 2)

Eurovia CZVerkehrsbauten, Tiefbau, Infrastrukturbau804,09,1
StrabagVerkehrsbauten, Tiefbau, Hochbau623,3-2,3
MetrostavInfrastrukturbau, Tiefbau, Industriebauten, Verkehrsbauten, unterirdische Bauten575,4-18,6
Ohla ŽSVerkehrsbauten, Tiefbau, Technologiebauten, Wasserbauten423,1-0,9
Metrostav DIZEnergie-, Industrie-, Verkehrsbauten, Denkmalsanierung, Hochbau, Tiefbau391,122,9
Imos Brno 3)Hochbau, Wasserbauten, Asphaltproduktion, Entwicklungszentrum, akkreditiertes Testlabor und Zertifizierung für Baustoffe396,79,4
SkanskaEisenbahnbauten, Verkehrsbauten, Tiefbau, Hochbau, Beton- und Steinproduktion317,01,8
PorrHochbau, Verkehrsbauten, Tiefbau, Gebäudezertifizierung312,715,7
SubterraInfrastrukturbau, Tiefbau, Hochbau, Verkehrsbauten, unterirdische Bauten309,011,0
Colas CZVerkehrsbauten, Tiefbau, Beton- und Steinproduktion, Testlabor für Baustoffe und Straßenbauten301,310,1
Hochtief CZHochbau, Verkehrsbauten295,019,4
1 Umgerechnet zum Wechselkurs der Tschechischen Nationalbank 2024: 1 Euro = 25,119 Tschechische Kronen; 2 Veränderung auf Basis der nicht aufgerundeten Werte in Tschechischen Kronen; 3 Geschäftsjahr 1.4.2023 bis 31.3.2024.Quelle: Handelsregister; Recherchen von Germany Trade & Invest 2025

Steigende Insolvenzzahlen in der Branche

Wie angespannt die Lage in der Branche ist, zeigen die Statistiken der Unternehmensinsolvenzen. In den ersten acht Monaten 2025 war die Zahl der Firmenbankrotte im Bausektor um ein Viertel gestiegen, so stark wie in keinem anderen Wirtschaftszweig. Insgesamt verzeichnete das Czech Credit Bureau (CRIF) 91 Insolvenzverfahren in der Bauwirtschaft.

Dafür wächst die Investitionsbereitschaft der Bauwirtschaft. In Kronen gerechnet haben sich die Bruttoanlageinvestitionen zwischen 2020 und 2024 nahezu verdoppelt auf umgerechnet 3,7 Milliarden Euro. Der Personalmangel erhöht den Druck der Baufirmen, Automatisierungslösungen einzusetzen.

Digitalisierung schreitet voran

An der Prager Technischen Hochschule ČVUT wird derzeit ein "Nationales Zentrum Bauwirtschaft 4.0" aufgebaut. Es soll dabei helfen, die Digitalisierung der Branche voranzutreiben (BIM Building Information Modeling), Bauprozesse zu automatisieren und den Einsatz von Robotern bei Bauausführung und Produktion von Baustoffen zu entwickeln. Das soll die Bauwirtschaft zukunftsfähig und attraktiver für junge Generationen machen. Das Zentrum arbeitet eng mit Unternehmen zusammen und unterstützt Start-ups bei der Entwicklung marktreifer Produkte. 

Institutsdirektor Radoslav Sovják sieht die Branche auf einem guten Weg. Allerdings bremsen gesetzliche Hürden die Bauunternehmen noch aus. "Unklar ist unter anderem die Verantwortlichkeit bei autonomen Fahrzeugen und anderen schweren Maschinen, die auf Baustellen eingesetzt werden", sagte der Professor auf Anfrage von Germany Trade & Invest. 

Laut Sovják gibt es einige Erfolgsbeispiele für den Einsatz von Bauwirtschaft 4.0 in Tschechien. Dazu zählt er Mauerwerksroboter von Wienerberger, teilweise ferngesteuerte Kompaktlader des mittelböhmischen Herstellers First Green Industries oder robotergestützte Beton-3D-Drucker des Prager Unternehmens ICE Industrial Services.

Der Trend zu mehr Automatisierung wird durch den Personalmangel und die schnell steigenden Löhne im Bausektor befördert. Im 2. Quartal 2025 betrug der Durchschnittslohn im Baugewerbe 43.588 Kronen (rund 1.750 Euro). Das war ein nominaler Anstieg um fast 10 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Engpässe bei bestimmten Gewerken sorgen dafür, dass spezialisierte Handwerker deutlich höhere Löhne verlangen. 

Baustoffpreise stabilisieren sich auf hohem Niveau

Der Preisauftrieb bei Baustoffen in Tschechien hat sich vorerst beruhigt. Nachdem sich wichtige Ausgangsstoffe nach 2021 teilweise um 30 bis 50 Prozent verteuerten, zeigt sich seit 2024 eine Stabilisierung. Die Preise für Zement und Beton stagnieren weitgehend, bei Stahl und Glas gingen sie sogar zurück. In den ersten acht Monaten 2025 kosteten die wichtigsten Baustoffe ähnlich viel wie im Vorjahreszeitraum. Bei Dämmstoffen gibt es laut Medienberichten leichte Lagerüberstände, was die Preise drückt. Ebenso verbilligt hat sich Bauholz. 

Allerdings ist nicht damit zu rechnen, dass die Preise massiv nachgeben. Denn die Produktionskosten bleiben hoch wegen der Löhne, notwendiger Modernisierungsinvestitionen und Umweltanforderungen. Auch die Energiepreise bleiben auf hohem Niveau.

Das Interesse an recycelten Materialien steigt. Da es aber zu wenig Verarbeitungskapazitäten gibt und hohe Energiekosten zu Buche schlagen, sind diese kaum wettbewerbsfähig. 

Entwicklung der Erzeugerpreise für ausgewählte Baumaterialien
Produkte (NACE-Code)

2024 *)

Juli 2025 *)

Glas und Glaswaren (23.1)

-4,3

5,1

Keramische Baumaterialien (23.3)

-8,5

-1,4

Zement, Kalk, gebrannter Gips (23.5)

-0,4

3,3

Erzeugnisse aus Beton, Zement und Gips (23.6)

0,0

2,0

Naturstein (23.7)

2,1

-2,5

Stahlrohre, Rohrverbindungsstücke aus Stahl (24.2)

-10,5

-1,7

* Veränderung in Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode.Quelle: Tschechisches Statistikamt ČSÚ 2025

Als starkes Industrieland kann sich Tschechien bei den wichtigsten Baustoffen selbst versorgen. Auch deutsche Unternehmen sind präsent. Zur Heidelberg Materials AG gehören zum Beispiel Tschechiens größter Zementhersteller Českomoravský cement, die Betonwerke Českomoravský beton sowie der Kies- und Schotterproduzent Českomoravský štěrk.

Produktion ausgewählter Baumaterialien in der Tschechischen Republik In Millionen Euro; Veränderung in Prozent

Sparte (NACE-Code)

2023

Veränderung 
2023 / 2022

Konstruktionsteile, Fertigbauteile, Ausbauelemente und Fertigteilbauten aus Holz (16.23)

1.660

-1,4

Baubedarfsartikel aus Kunststoff (22.23)

1.299

-5,5

Glas und Glaswaren (23.1) 

2.529

-12,7

Keramische Baumaterialien (23.3)

418

-30,1

Sonstige Porzellan- und keramische Erzeugnisse (23.4)

237

-11,6

Zement, Kalk und gebrannter Gips (23.5)

770

7,2

Erzeugnisse aus Beton, Zement und Gips (23.6)

2.913

-6,2

Be- und Verarbeitung von Naturwerksteinen und Natursteinen (23.7)

137

5,8

Quelle: Eurostat 2025

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