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Ghanas Bauwirtschaft zurück auf Wachstumspfad
Für 2026 erwartet die Baubranche ein robustes Wachstum, getragen von einer sich stabilisierenden Gesamtwirtschaft, Infrastrukturinvestitionen und zunehmender Urbanisierung.
23.03.2026
Von Corinna Päffgen | Accra
Ausblick der Bauwirtschaft in Ghana
- Private Bautätigkeit und öffentliche Infrastrukturprojekte sorgen für Wachstum.
- Bevölkerungswachstum und Urbanisierung sorgen für stetige Nachfrage im unteren und mittleren Preissegment.
- Großes Defizit bei bezahlbarem Wohnraum und Infrastruktur.
- Nachhaltigkeit und Energieeffizienz gewinnen langsam an Bedeutung.
- Großteil der Baumaschinen und -materialien wird importiert.
Anmerkung: Einschätzung der Autorin für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: März 2026.
Markttrends
Die ghanaische Bauwirtschaft befindet sich nach zwei schwächeren Jahren seit 2024 wieder auf Wachstumskurs. Im Jahr 2025 dürfte der Sektor zwischen 5 und 7 Prozent zulegen und damit sein Wachstum im Vergleich zu 2024 (+3,2 Prozent) weiter steigern können. Branchenkenner erwarten eine Fortsetzung des Trends mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 5 Prozent bis zum Jahr 2029. Begünstigt wird die Entwicklung durch ein verbessertes makroökonomisches Umfeld und die Aufsetzung beziehungsweise Fortsetzung großer Infrastrukturprojekte. Die Baubranche trägt rund 1,1 Milliarden US-Dollar (US$), umgerechnet 13 Milliarden ghanaische Cedi (GHS) zur Wirtschaftsleistung bei und beschäftigt etwa 420.000 Personen.
Infrastrukturausbau als Wachstumsmotor
Wichtiger Treiber für die Bauwirtschaft ist die im Jahr 2025 von Präsident Mahama initiierte "Big Push Agenda". Die Agenda ist ein mehrjähriges Infrastrukturprogramm zur Modernisierung und Instandsetzung der Straßen- und Verkehrsinfrastruktur. Rund 13,85 Milliarden GHS, etwa 1 Milliarde US$, sollen in den Ausbau von Autobahnen, Zubringerstraßen und Brücken fließen, um die Anbindung aller 16 Regionen zu verbessern und die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern.
Die Finanzierung soll aus staatlichen und privaten Mitteln sowie von internationalen Gebern wie der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB) erfolgen. Der Haushalt 2026 sieht dafür Ausgaben in Höhe von 30 Milliarden GHS, rund 2,5 Milliarden US$, vor.
Impulse aus Industrie und Bergbau
Steigende Nachfrage nach Bauleistungen kommt auch von der Industrie. Dazu zählen vor allem Projekte im Bergbau sowie im Öl- und Gassektor. Zu den größten aktuellen Industrieprojekten Ghanas zählen die Entwicklung der Ewoyaa-Lithium-Mine und der geplante West African Petroleum Hub. Zudem entwickelt sich der Goldbergbau dank des seit nunmehr fünf Jahren stetig steigenden Goldpreises recht dynamisch.
Dabei benötigen Minengesellschaften eine umfangreiche Infrastruktur, um neue Abbauprojekte zu entwickeln oder Minen zu erweitern. Dies führt zu einer steigenden Nachfrage in Bereichen wie Aufbereitungsanlagen, Energie- und Versorgungsinfrastruktur, Lager- und Werkstatteinrichtungen sowie Untertage- und Tagebaukonstruktionen.
Privater Wohnungsbau in Accra boomt
Der private Wohnungsbau steht ebenfalls unter positiven Vorzeichen. Er kann von sinkenden Kreditkosten, niedriger Inflation und starkem urbanen Bevölkerungswachstum profitieren.
Viel Bautätigkeit in Accra gibt es in den Stadtteilen Adenta, Oyarifa, Pokuase und Oyibi, wo neue Wohnanlagen entstehen und die Straßeninfrastruktur ausgebaut wird. Zudem wachsen Prime-Lagen wie Cantonments, Airport Residential und East Legon trotz Leerstand seit Jahren stetig.
Klimafreundliches Bauen steht noch am Anfang
Die Regierung möchte mit der Climate Action Roadmap und neuen Green Building Standards nachhaltiges Bauen vorantreiben. Zwar steigt das Bewusstsein für klimafreundliches Bauen, grüne Gebäude gibt es jedoch bislang nur wenige. Herausforderungen sind vor allem hohe Anfangskosten, geringe Fachkenntnis und fehlende Anreize.
| Projekt | Investitionssumme | Projektstand | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| Big Push Agenda | 10.000 | Im Bau | Umfasst mehr als 30 Straßenbauprojekte. |
| Bibiani Goldmine | 470 | In Planung; Machbarkeitsstudie 2025 fertiggestellt | Betreiber der Mine: Asante Gold Corp. |
| Ausbau des Accra-Tema-Motorway (N1) | 350 | Im Bau | PPP-Projekt ist Flagship der Big-Push-Agenda; Durchführer: Maripoma Enterprise Ltd. |
| Ausbau Flughafen Kumasi | 88 | Im Bau | Phase 2 von 3 erreicht. Durchführer: Contracta Construction UK Ltd. |
| Ewoyaa Lithium Mine | N.A. | Im Bau | Durchführer: Atlantic Lithium Ltd. |
| Black Volta Gold Project | N.A. | Im Bau | Durchführer: Engineers and Planners Ltd. |
Branchenstruktur und Rahmenbedingungen
Die ghanaische Bauindustrie ist stark segmentiert. Ein Großteil der rund 2.500 aktiven Unternehmen sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die im Wohnungsbau sowie im Sanitär- und Innenausbau tätig sind.
Eine zentrale Rolle spielen internationale Großunternehmen aus Europa, dem Vereinigten Königreich und China. Sie dominieren Großprojekte wie den Bau von Autobahnen, Häfen, Flughäfen sowie Energieanlagen. Auch mittelständische lokale Bauunternehmen realisieren immer häufiger größere Projekte im Wohnungs‑, Gewerbe‑ und öffentlichen Infrastrukturbau. Sie kooperieren zudem oft mit internationalen Baukonzernen.
| Unternehmen | Spezialisierung |
|---|---|
| Consar (italienisch) | Private und staatliche Hochbauprojekte, Tiefbau |
| De Simone (italienisch) | Private und staatliche Hochbauprojekte, Tiefbau |
| Micheletti (italienisch) | Privater Hochbau |
| Engineers & Planners | Tiefbau und Minen |
| INZAG (deutsch) | Geberfinanzierter Tiefbau |
| Mendanha & Sousa (portugiesisch) | Hochbau |
| Maripoma Enterprise Ltd. | Tiefbau |
| Goldkey Properties | Private und staatliche Hochbauprojekte |
| Oswal Investment | Tiefbau |
| Sinohydro Corp. (chinesisch) | Tiefbau |
| China State Hualong Construction (chinesisch) | Tiefbau |
Öffentliche Ausschreibungen erfolgen digital
Öffentliche Ausschreibungen erfolgen seit 2019 über die Plattform Ghana Electronic Procurement System (GHANEPS). Bei staatlichen Auftraggebern kann sich die Abwicklung teilweise kompliziert gestalten, da die Regierung ihre finanziellen Verpflichtungen nicht immer fristgerecht erfüllen kann.
Informationen über Projekte und Ausschreibungen
Bei der Umsetzung von geberfinanzierten Vorhaben schreiben die Staaten die benötigten Bau-, Liefer- und Beratungsleistungen oft international aus.
GTAI informiert tagesaktuell mit Projektfrühinformationen und Hinweisen auf Ausschreibungen über die vielfältigen Geschäftschancen in der internationalen Zusammenarbeit. Die kostenfreie Datenbank ist nach Land, Branche und Geber filterbar.
Unser E-Mail-Service Tenders & Projects Daily liefert Ihnen täglich die neuesten öffentlichen Ausschreibungen und Projekte aus der ganzen Welt - direkt in Ihr Postfach.
Kein einfacher aber chancenreicher Markt für deutsche Unternehmen
Der Marktanteil deutscher Unternehmen ist überschaubar, dabei genießen "Made in Germany"-Produkte aufgrund der hohen Qualität und Langlebigkeit ein hohes Ansehen. Beteiligungsmöglichkeiten können sich bei geberfinanzierten Tiefbauprojekten, im Zuliefererbereich ergeben. Mit Ausnahme von Zement (z.B. Heidelberg Materials, CBI und CIMAF) ist die lokale Produktion von Baustoffen noch gering aufgestellt.
Das deutsche Unternehmen INZAG Germany setzt derzeit ein 250 Millionen-US$-Projekt im Straßenbau (Eastern Corridor Road) um. Daneben sind deutsche Firmen wie MC Bauchemie, Heidelberg Materials und Knauf vor allem im Bereich Baumaterialien tätig. Der Verkauf von Baumaschinen erfolgt über meist international agierende Vertriebshändler. Das deutsche Handelsunternehmen C. Woermann importiert und vertreibt zudem hochwertige Bauwerkzeuge.
Unternehmensvertreter berichten im Gespräch mit Germany Trade & Invest von einem kompetitiven Geschäftsumfeld, in dem günstige Produkte aus Asien dominieren. Der Zugang zu Finanzierung und die insgesamt geringe Kaufkraft stellen die größten Herausforderungen dar. Zudem ist der Umgang mit Behörden – insbesondere mit der Ghana Revenue Authority – häufig herausfordernd. Vor allem die Zollabfertigung gestaltet sich oft unnötig kompliziert.
Dennoch sind die meisten deutschen Unternehmen vor Ort vorsichtig optimistisch und verfolgen konkrete Expansionsvorhaben. Ihre Präsenz konzentriert sich bislang überwiegend auf Accra und die umliegende Greater‑Accra‑Region. Zukünftig sollen jedoch auch Niederlassungen in den nächstgrößeren Städten Kumasi und Tamale aufgebaut werden.