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Ghanas Bauwirtschaft zurück auf Wachstumspfad

Für 2026 erwartet die Baubranche ein robustes Wachstum, getragen von einer sich stabilisierenden Gesamtwirtschaft, Infrastrukturinvestitionen und zunehmender Urbanisierung. 

Von Corinna Päffgen | Accra

Ausblick der Bauwirtschaft in Ghana

 

  • Private Bautätigkeit und öffentliche Infrastrukturprojekte sorgen für Wachstum.
  • Bevölkerungswachstum und Urbanisierung sorgen für stetige Nachfrage im unteren und mittleren Preissegment.
  • Großes Defizit bei bezahlbarem Wohnraum und Infrastruktur.
  • Nachhaltigkeit und Energieeffizienz gewinnen langsam an Bedeutung.
  • Großteil der Baumaschinen und -materialien wird importiert.

 

Anmerkung: Einschätzung der Autorin für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: März 2026.

Markttrends

Die ghanaische Bauwirtschaft befindet sich nach zwei schwächeren Jahren seit 2024 wieder auf Wachstumskurs. Im Jahr 2025 dürfte der Sektor zwischen 5 und 7 Prozent zulegen und damit sein Wachstum im Vergleich zu 2024 (+3,2 Prozent) weiter steigern können. Branchenkenner erwarten eine Fortsetzung des Trends mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 5 Prozent bis zum Jahr 2029. Begünstigt wird die Entwicklung durch ein verbessertes makroökonomisches Umfeld und die Aufsetzung beziehungsweise Fortsetzung großer Infrastrukturprojekte. Die Baubranche trägt rund 1,1 Milliarden US-Dollar (US$), umgerechnet 13 Milliarden ghanaische Cedi (GHS) zur Wirtschaftsleistung bei und beschäftigt etwa 420.000 Personen.

Infrastrukturausbau als Wachstumsmotor

Wichtiger Treiber für die Bauwirtschaft ist die im Jahr 2025 von Präsident Mahama initiierte "Big Push Agenda". Die Agenda ist ein mehrjähriges Infrastrukturprogramm zur Modernisierung und Instandsetzung der Straßen- und Verkehrsinfrastruktur. Rund 13,85Milliarden GHS, etwa 1Milliarde US$, sollen in den Ausbau von Autobahnen, Zubringerstraßen und Brücken fließen, um die Anbindung aller 16 Regionen zu verbessern und die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern.

Die Finanzierung soll aus staatlichen und privaten Mitteln sowie von internationalen Gebern wie der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB) erfolgen. Der Haushalt 2026 sieht dafür Ausgaben in Höhe von 30 Milliarden GHS, rund 2,5 Milliarden US$, vor.

Impulse aus Industrie und Bergbau

Steigende Nachfrage nach Bauleistungen kommt auch von der Industrie. Dazu zählen vor allem Projekte im Bergbau sowie im Öl- und Gassektor. Zu den größten aktuellen Industrieprojekten Ghanas zählen die Entwicklung der Ewoyaa-Lithium-Mine und der geplante West African Petroleum Hub. Zudem entwickelt sich der Goldbergbau dank des seit nunmehr fünf Jahren stetig steigenden Goldpreises recht dynamisch.

Dabei benötigen Minengesellschaften eine umfangreiche Infrastruktur, um neue Abbauprojekte zu entwickeln oder Minen zu erweitern. Dies führt zu einer steigenden Nachfrage in Bereichen wie Aufbereitungsanlagen, Energie- und Versorgungsinfrastruktur, Lager- und Werkstatteinrichtungen sowie Untertage- und Tagebaukonstruktionen.

Privater Wohnungsbau in Accra boomt

Der private Wohnungsbau steht ebenfalls unter positiven Vorzeichen. Er kann von sinkenden Kreditkosten, niedriger Inflation und starkem urbanen Bevölkerungswachstum profitieren. 

Viel Bautätigkeit in Accra gibt es in den Stadtteilen Adenta, Oyarifa, Pokuase und Oyibi, wo neue Wohnanlagen entstehen und die Straßeninfrastruktur ausgebaut wird. Zudem wachsen Prime-Lagen wie Cantonments, Airport Residential und East Legon trotz Leerstand seit Jahren stetig.

Klimafreundliches Bauen steht noch am Anfang

Die Regierung möchte mit der Climate Action Roadmap und neuen Green Building Standards nachhaltiges Bauen vorantreiben. Zwar steigt das Bewusstsein für klimafreundliches Bauen, grüne Gebäude gibt es jedoch bislang nur wenige. Herausforderungen sind vor allem hohe Anfangskosten, geringe Fachkenntnis und fehlende Anreize.

Im Jahr 2026 wandelt sich Ghanas Bausektor vom bloßen Bauen hin zum intelligenten Bauen. Doch um dieses Potenzial ausschöpfen zu können, benötigen wir mehr als exzellente Ingenieurskunst – wir brauchen die finanziellen Strukturen, um die Qualität erschwinglich zu machen. Für deutsche Unternehmen und ihre lokalen Partner geht es darum, die Lücke zwischen hohen Anfangskosten und langfristigen Einsparungen zu schließen. Durch gezielte Anreize – wie spezielle Steuervergünstigungen für grüne Technologien und flexible Leasingmodelle für schwere Maschinen – kann deutsche Präzision zur wettbewerbsfähigsten Option für die lokale Industrie werden.

Kwadwo Botuo Gyimah Branchenexperte für Bauwirtschaft bei der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Ghana

Ausgewählte Großprojekte in der Bauwirtschaft in Ghanain Millionen US-Dollar
Projekt

Investitionssumme 

ProjektstandAnmerkungen
Big Push Agenda

10.000

Im BauUmfasst mehr als 30 Straßenbauprojekte.
Bibiani Goldmine

470

In Planung; Machbarkeitsstudie 2025 fertiggestelltBetreiber der Mine: Asante Gold Corp.
Ausbau des Accra-Tema-Motorway (N1)

350

Im BauPPP-Projekt ist Flagship der Big-Push-Agenda; Durchführer: Maripoma Enterprise Ltd.
Ausbau Flughafen Kumasi

88

Im BauPhase 2 von 3 erreicht. Durchführer: Contracta Construction UK Ltd.
Ewoyaa Lithium Mine

N.A.

Im BauDurchführer: Atlantic Lithium Ltd. 
Black Volta Gold Project

N.A.

Im BauDurchführer: Engineers and Planners Ltd.
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

Branchenstruktur und Rahmenbedingungen

Die ghanaische Bauindustrie ist stark segmentiert. Ein Großteil der rund 2.500 aktiven Unternehmen sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die im Wohnungsbau sowie im Sanitär- und Innenausbau tätig sind.  

Eine zentrale Rolle spielen internationale Großunternehmen aus Europa, dem Vereinigten Königreich und China. Sie dominieren Großprojekte wie den Bau von Autobahnen, Häfen, Flughäfen sowie Energieanlagen. Auch mittelständische lokale Bauunternehmen realisieren immer häufiger größere Projekte im Wohnungs‑, Gewerbe‑ und öffentlichen Infrastrukturbau. Sie kooperieren zudem oft mit internationalen Baukonzernen. 

Bauunternehmen in Ghana
UnternehmenSpezialisierung
Consar (italienisch)Private und staatliche Hochbauprojekte, Tiefbau
De Simone (italienisch)Private und staatliche Hochbauprojekte, Tiefbau
Micheletti (italienisch)Privater Hochbau
Engineers & PlannersTiefbau und Minen
INZAG (deutsch)Geberfinanzierter Tiefbau
Mendanha & Sousa (portugiesisch)Hochbau
Maripoma Enterprise Ltd.Tiefbau 
Goldkey PropertiesPrivate und staatliche Hochbauprojekte
Oswal InvestmentTiefbau
Sinohydro Corp. (chinesisch)Tiefbau
China State Hualong Construction (chinesisch)Tiefbau
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

Öffentliche Ausschreibungen erfolgen digital

Öffentliche Ausschreibungen erfolgen seit 2019 über die Plattform Ghana Electronic Procurement System (GHANEPS). Bei staatlichen Auftraggebern kann sich die Abwicklung teilweise kompliziert gestalten, da die Regierung ihre finanziellen Verpflichtungen nicht immer fristgerecht erfüllen kann.

Informationen über Projekte und Ausschreibungen

Bei der Umsetzung von geberfinanzierten Vorhaben schreiben die Staaten die benötigten Bau-, Liefer- und Beratungsleistungen oft international aus.

GTAI informiert tagesaktuell mit Projektfrühinformationen und Hinweisen auf Ausschreibungen über die vielfältigen Geschäftschancen in der internationalen Zusammenarbeit. Die kostenfreie Datenbank ist nach Land, Branche und Geber filterbar.

Unser E-Mail-Service Tenders & Projects Daily liefert Ihnen täglich die neuesten öffentlichen Ausschreibungen und Projekte aus der ganzen Welt - direkt in Ihr Postfach.

Kein einfacher aber chancenreicher Markt für deutsche Unternehmen

Der Marktanteil deutscher Unternehmen ist überschaubar, dabei genießen "Made in Germany"-Produkte aufgrund der hohen Qualität und Langlebigkeit ein hohes Ansehen. Beteiligungsmöglichkeiten können sich bei geberfinanzierten Tiefbauprojekten, im Zuliefererbereich ergeben. Mit Ausnahme von Zement (z.B. Heidelberg Materials, CBI und CIMAF) ist die lokale Produktion von Baustoffen noch gering aufgestellt.

Bei Knauf Ghana haben wir Vertrauen in den ghanaischen Markt und blicken optimistisch in die Zukunft. Die Bauindustrie in Ghana erlebt derzeit eine deutliche Zunahme beim Einsatz von Gipsprodukten – angetrieben durch die fortschreitende Urbanisierung und den Trend hin zu modernen, leichten und effizienten Trockenbausystemen anstelle von traditionellem Putz sowie durch die Verwendung von Gips zur Wärmedämmung für die Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden.

Wir wollen unsere Marktpräsenz mit unserem Sortiment an umweltfreundlichen Produkten, die auf nachhaltige Infrastruktur ausgerichtet sind, weiter stärken. Mittelfristig planen wir die Errichtung eines Gipswerks in Ghana, um dem ghanaischen Markt qualitativ hochwertige und gleichzeitig kostengünstige Produkte anbieten zu können.

Nana Opoku Danquah Technischer Leiter (Technical Manager), Knauf Ghana Limited

Das deutsche Unternehmen INZAG Germany setzt derzeit ein 250 Millionen-US$-Projekt im Straßenbau (Eastern Corridor Road) um. Daneben sind deutsche Firmen wie MC Bauchemie, Heidelberg Materials und Knauf vor allem im Bereich Baumaterialien tätig. Der Verkauf von Baumaschinen erfolgt über meist international agierende Vertriebshändler. Das deutsche Handelsunternehmen C. Woermann importiert und vertreibt zudem hochwertige Bauwerkzeuge.

Unternehmensvertreter berichten im Gespräch mit Germany Trade & Invest von einem kompetitiven Geschäftsumfeld, in dem günstige Produkte aus Asien dominieren. Der Zugang zu Finanzierung und die insgesamt geringe Kaufkraft stellen die größten Herausforderungen dar. Zudem ist der Umgang mit Behörden – insbesondere mit der Ghana Revenue Authority – häufig herausfordernd. Vor allem die Zollabfertigung gestaltet sich oft unnötig kompliziert.

Dennoch sind die meisten deutschen Unternehmen vor Ort vorsichtig optimistisch und verfolgen konkrete Expansionsvorhaben. Ihre Präsenz konzentriert sich bislang überwiegend auf Accra und die umliegende Greater‑Accra‑Region. Zukünftig sollen jedoch auch Niederlassungen in den nächstgrößeren Städten Kumasi und Tamale aufgebaut werden.

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