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Ukraine schafft neue Anreize für grüne Projekte

Mit Steuerprivilegien bis 2029 und Bürokratieabbau stellt Kyjiw die Weichen für einen Investitionsschub – von Großwindparks bis zu Solaranlagen auf Tankstellen und Supermärkten.

Von Waldemar Lichter | Warschau

Anfang Dezember 2025 hat das ukrainische Parlament Steuererleichterungen für Energieausrüstung um drei Jahre bis zum 1. Januar 2029 verlängert und ausgeweitet. Für eine große Liste von Komponenten, darunter Turbinen, Generatoren, Transformatoren, Wechselrichter, Solarmodule sowie Lithium-Ionen-Batterien mit mehr als 300 Watt, entfallen Einfuhrzölle und Einfuhrumsatzsteuer vollständig. Das senkt die Investitionskosten von Wind-, Solar- und Speicherprojekten dauerhaft um rund 15 bis 25 Prozent, weil auf importierte Technik weder 20 Prozent Mehrwertsteuer noch reguläre Zölle von bis zu 10 Prozent anfallen.

Die zollfreie Einfuhr ermögliche Unternehmen, Projekte schneller und kostengünstiger zu realisieren, betonte die jetzige Premierministerin Julija Swyrydenko bei der Einführung der Regelung im Juli 2024.

Deregulierung beschleunigt Solar- und Speicherausbau

Seit Anfang 2026 kommen zu den finanziellen Anreizen Deregulierungsmaßnahmen hinzu. So wurden Lithium-Ionen-Batterien für Stromspeichersysteme von der Liste lizenzpflichtiger Importgüter gestrichen und können somit ohne Importlizenz eingeführt werden.

Ende Januar 2026 hat die Regierung per Beschluss zudem die Montage von Solarstromanlagen auf Dächern und Fassaden von jeglichen Baugenehmigungen oder Registrierungsverfahren befreit. Diese Vereinfachung kann den Ausbau von Dach- und Fassadenphotovoltaik vorantreiben, insbesondere bei Haushalten, Kommunen und gewerblichen Gebäuden.

Maßnahmen zeigen positive Wirkung

Branchenverbände werten die jüngsten Beschlüsse positiv. Die Solar Energy Association of Ukraine (SEAU) sieht in den Maßnahmen einen Wachstumstreiber: In der Ukraine wurden 2025 rund 1,5 Gigawatt neue Solarkapazität installiert – fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Das Wachstum wurde maßgeblich durch Steuer- und Zollbefreiungen sowie durch das Bedürfnis nach Eigenversorgung bei anhaltenden Blackout-Risiken getrieben. 

Dank der Verlängerung der Steuererleichterungen erwartet die SEAU für 2026 mindestens weitere 1,5 Gigawatt Solarkapazität und mehr als 3 Gigawattstunden neuer Batteriespeicher. Die Kombination aus Steuerfreiheit, Lizenzabbau und genehmigungsfreien Dachanlagen soll die Investitionsschwelle für dezentrale Projekte senken. Für Banken und Investoren verringern sich Projektrisiken, weil Planungs- und Genehmigungsphasen kürzer und verlässlicher werden.

Wachsende Marktchancen beflügeln Investitionen

Für deutsche Unternehmen eröffnen sich Geschäftsmöglichkeiten. Der Bedarf an Photovoltaikmodulen, Wechselrichtern, Dach- und Fassaden-Montagesystemen sowie Transformatoren und Schalttechnik wächst. Hinzu kommt eine steigende Nachfrage nach Batteriespeichern und integrierten Solar-Speichersystemen. Zulieferchancen bieten Projekte jeglicher Größe.

Kleinere Projekte für den Eigenbedarf

So nutzen Unternehmen die Sonderregelungen um in eigene Erzeugungsanlagen zu investieren. Die Tankstellenkette OKKO hat bis Ende 2025 bereits 265 ihrer rund 400 Tankstellen mit Solaranlagen auf den Dächern ausgestattet. Die Baumarktkette Epicentr hat seit 2022 auf fünf Einkaufszentren Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von rund 6 Megawatt installiert.

Großprojekte mit internationaler Unterstützung

Aber auch Großanlagen werden ausgebaut und neu errichtet. Der größte private Stromproduzent der Ukraine, DTEK, will in Phase 2 des Windparkprojektes Tyligulska die Kapazität von 114 auf 500 Megawatt ausbauen. Es handele sich um die größte private Investition in der Ukraine seit dem Beginn der russischen Invasion 2022, teilte DTEK mit.

Der deutsche Entwickler Notus Energy und der Horizon Capital Catalyst Fund haben im Januar 2026 die Finanzierung eines 124-Megawatt-Windparks in der Oblast Odessa vereinbart. Das Projekt im Wert von 220 Millionen Euro wird durch ein strukturiertes Kreditpaket der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), der Investitionstochter der Weltbank IFC, dem Swedfund, der Belgian Investment Company for Developing Countries (BIO) sowie dem Green for Growth Fund gefördert.

Partnerschaften und Absicherung ermöglichen den Ausbau

Das eigene Know-how in der Projektentwicklung, der Sicherung privater Finanzierung sowie im Bau und Betrieb von Anlagen wird dabei mit einer teilweisen Absicherung kombiniert. Notus Energy ist bereits mit Eigenkapitalfonds und Entwicklungsbanken an Windparks beteiligt. Die deutsche Goldbeck Solar hat bereits Mitte 2024 das Joint Venture Goldbeck Solar Investment Ukraine mit der EBRD gegründet. Ziel ist es bis spätestens zum Ende dieses Jahrzehnts Solaranlagen mit bis zu 500 Megawattpeak zu realisieren.

Weitere Hemmnisse müssen abgebaut werden

Trotz der attraktiven Anreize bleiben Investitionen nicht frei von Risiken. Die Ukrainian Wind Energy Association (UWEA) kritisiert die hohe Verschuldung des staatlichen Unternehmens "Guaranteed Buyer". Dieses Unternehmen ist verpflichtet, den gesamten aus erneuerbaren Energien erzeugten Strom zu festgelegten Förderkonditionen abzunehmen. Seine Verbindlichkeiten gegenüber Produzenten erneuerbarer Energien hätten umgerechnet 785 Millionen Euro erreicht. "Diese Schulden demotivieren bestehende Marktakteure und schaffen hohe finanzielle Risiken für neue Investoren", schreibt UWEA-Vorsitzender Andriy Konechenkov.

Neben der Schuldenlast sollte zudem schnellstmöglich das Ukraine Renewable Energy Risk Mitigation Mechanism (URMM) eingeführt werden. An dem Mechanismus, der künftig Einnahmen aus erneuerbaren Projekten über garantierte Mindestpreise absichern soll, arbeitet Ukraine mit internationalen Partnern zusammen. Bis dahin blieben neue Projekte schwer zu finanzieren sein.

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