Wirtschaftsstandort | USA

USA bleiben vorrangiges Investitions- und Exportziel

Deutsche Firmen machen in den Vereinigten Staaten hervorragende Geschäfte. Sie treffen auf ein Land der Gegensätze, das sich im Umbruch befindet.

Roland Rohde

Von Roland Rohde | Washington, D.C.

Die größte Wirtschaftsmacht der Welt bietet ein ambivalentes Bild: Wachsender Protektionismus steht steigenden Importen und Direktinvestitionen aus dem Ausland gegenüber. Küstenmetropolen, IKT-Konzerne und riesige Förderprogramme treiben die Konjunktur. Doch nicht überall kommt der Boom an – und die Staatsverschuldung wächst in immer neue Höhen.

Die Wirtschaft befindet sich im Umbruch. Die Konjunkturpakete führen zu einer Reindustrialisierung und Dekarbonisierung. Auch in die Infrastruktur fließt viel Geld. Landesweit entstehen neue Fabriken. Hiervon profitieren auch deutsche Unternehmen, insbesondere Hersteller von Investitionsgütern. Dennoch bleiben die USA in erster Linie eine Konsum- und Dienstleistungsgesellschaft.

  • Riesige staatliche Programme forcieren den Umbau der Wirtschaft. Erst in einigen Jahren wird sich herausstellen, ob der Prozess nachhaltig war oder nur die Verschuldung erhöht hat.

    Die USA bleiben gemessen am nominalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf absehbare Zeit die größte Volkswirtschaft der Welt. Das hat zwar auch etwas mit der eigenen Stärke, vor allem aber mit der Schwäche des Zweitplatzierten zu tun: China. Die Wachstumsraten der beiden Konkurrenten nähern sich immer stärker an. Die USA hingegen haben mit weniger strukturellen Problemen zu kämpfen, vor allem mit der demografischen Entwicklung. Der natürliche Bevölkerungsrückgang wird durch Zuwanderung überkompensiert.

    Dennoch bleibt die Zuwanderung ein politischer Zankapfel, obwohl der Fachkräftemangel für fast alle Unternehmen und Branchen ein ernstes Problem darstellt. Er wird sich in absehbarer Zeit eher noch verschärfen, insbesondere im technisch-industriellen Bereich, da derzeit mit großzügiger staatlicher Förderung landesweit zahlreiche neue Fabriken und Montagehallen entstehen.

    Verschuldung größtes ökonomisches Risiko

    Die Konjunkturprogramme führen allerdings auch zu Fehlallokationen und Verschwendung. Es werden Fabriken in Branchen gebaut, die ohne die Subventionen eigentlich nicht wettbewerbsfähig wären. Gleichzeitig treiben protektionistische Auflagen die Kosten der Vorhaben in die Höhe. Projektbetreiber können nicht immer die günstigsten Investitionsgüter kaufen, sondern müssen teilweise auf einheimische Waren ausweichen.

    Vor allem der Inflation Reduction Act (IRA) hat ein Problem: Er läuft bis 2032, ist aber nicht gedeckelt. Niemand weiß, wie viel er am Ende des Tages den Steuerzahler kosten wird. Eines ist schon jetzt klar: Der IRA führt zu enormen Einnahmeausfällen und treibt die Verschuldung in die Höhe. Bis 2028, so die Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF), wird die Schuldenstandsquote der USA mit der von Italien gleichziehen.

    335 Mio.

    Menschen lebten Mitte 2023 im Land.

    Quelle: U.S. Census Bureau, 2024

    26.950 Mrd.

    US-Dollar betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2023 laut Prognosen.

    Quelle: IWF 2024

    80.410

    US-Dollar machte das BIP pro Kopf damit 2023 aus.

    Quelle: IWF 2024

    Rang 1

    belegte das Land 2023 bei den deutschen Exportzielen.

    Quelle: Destatis 2024

    Rang 24

    nimmt das Land im Corruption Perceptions Index 2022 ein (unter 180 Ländern).

    Quelle: Transparency International 2023

    11,5 %

    betrug die Armutsquote im Jahr 2022.

    Quelle: U.S. Census Bureau 2024

    Ausführliche Informationen zur Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt.

    Deutsche Firmen profitieren trotz "local content"

    Unabhängig von der Reindustrialisierung bleiben die USA eine von Dienstleistungen getriebene Wirtschaft. Der Anteil des verarbeitenden Gewerbes an der Entstehung des BIP ist traditionell gering und dürfte maximal um ein paar Prozentpunkte steigen. Insbesondere in der Investitionsgüterindustrie und im Maschinenbau gibt es zahlreiche Sparten, in denen es keine oder zu wenige Anbieter gibt.

    Die USA sind somit auf den Import von Investitionsgütern angewiesen. Die entsprechenden Einfuhren sind im Zuge der großen Konjunkturprogramme und trotz der Vorschriften zur Erbringung lokaler Wertschöpfungsanteile ("local content") kräftig gestiegen. Denn wenn es keine oder nicht genug einheimische Produzenten gibt, greifen Ausnahmeregelungen. Davon konnten insbesondere deutsche Anbieter profitieren.

    Grundsätzlich wollen viele der in den USA tätigen deutschen Firmen ihr Engagement dort ausweiten. Vor allem treibt sie dabei das wachsende Absatzvolumen. Die Umgehung protektionistischer Schranken spielt aber auch eine Rolle. Schließlich erweist sich das Argument "made in America" als verkaufsfördernd. Nicht selten wird die eigene Marke durch geschicktes Marketing gar nicht mehr als fremd wahrgenommen. Bestes Beispiel ist der Motorsägenhersteller Stihl.

    SWOT-Analyse USA

    S

    Stärken Strengths

    • Riesiger Inlandsmarkt, hohe Kaufkraft
    • Hoch innovative Firmen im IKT-Bereich
    • Exzellente Universitäten und Forschungsinstitute
    • Hohe Energiesicherheit
    • "Weltwährung" US-Dollar
    W

    Schwächen Weaknesses

    • Relativ kleine industrielle Basis
    • Sehr hohes Handelsbilanzdefizit, hohe Importabhängigkeit
    • Regulierungsdichte, Bürokratie
    • Fachkräftemangel
    • Armut, Kriminalität in Großstädten
    O

    Chancen Opportunities

    • Reindustrialisierung durch Konjunkturprogramme
    • Wachsender Gas-/LNG-Sektor 
    • Firmen setzen auf Automatisierung und Robotics
    • Vorsprung bei Halbleitern, KI und Quantencomputern
    • Ausbau erneuerbarer Energie, Wasserstoffwirtschaft
    T

    Risiken Threats

    • Politische Destabilität, gesellschaftliche Spaltung
    • Militärische Konflikte
    • Wachsende Verschuldung
    • Vorzeitiges Ende der Konjunkturprogramme
    • Abhängigkeit von seltenen Erden bleibt hoch

    Geförderte Branchen: Elektroautos, Halbleiter, erneuerbare Energie, Wasserstoff

    Der IRA schiebt vor allem Investitionen in Fabriken für Elektroautos und Batterien sowie Solarmodule an. Zudem subventioniert er erneuerbare Energie, die Wasserstofftechnologie und die Dekarbonisierung der Wirtschaft. Bis 2050 wollen die USA klimaneutral (netto gerechnet) werden. Nahezu die Hälfte aller neu installierten Stromerzeugungskapazitäten entfällt inzwischen auf die Solarenergie. Bei Offshore-Windkraft herrscht derweil Flaute. Investoren schreiben Großprojekte ab, weil sie sich nicht gerechnet haben.

    Hinzu kommen die Auswirkungen des Chips and Science Act. Anfang 2024 befinden sich Investitionen in knapp zwei Dutzend Halbleiterfabriken mit einem Volumen von über 200 Milliarden US-Dollar (US$) in der Pipeline. Nicht nur amerikanische Firmen wie Intel oder Global Foundries investieren massiv, sondern auch asiatische Anbieter wie Samsung oder Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC). 

    Bedeutung der Wirtschaftszweige in den USAAnteile in Prozent (2022)

    Sektoren

    Anteil an der Bruttowertschöpfung 1)

    Anteil an den Beschäftigten 2)

    Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

    1,5

    1,3

    Bergbau (inklusive Öl- und Gasförderung)

    2,1

    0,3 3)

    verarbeitendes Gewerbe

    17,5

    13,4

    Versorgungssektor

    1,7

    0,3

    Baugewerbe

    5,2

    4,7

    Dienstleistungen, davon

    72,0

    80,0

      Einzel- und Großhandel, Logistik

    17,1

    17,1

      Finanzen und Immobilien

    20,1

    5,5

      Gesundheit, Erziehung, Soziales

    8,2

    14,8

    1 ohne Staatssektor; 2 ohne Selbstständige außerhalb der Landwirtschaft (=5,5%); 3 wird in der Originalquelle den Dienstleistungen zugeordnet.Quelle: U.S. Bureau of Economic Analysis 2024; U.S. Bureau of Labor Statistics 2024

    Die "Vereinigten Märkte von Amerika"

    Landeskenner betonen oft, dass die USA nicht ein Markt, sondern viele Märkte seien. Im sogenannten "mittleren Osten" ballen sich die Wirtschaftskraft von New York, New Jersey, der Hauptstadt Washington, D.C. und der Nachbarstaaten auf geografisch engem Raum. Doch verarbeitendes Gewerbe ist eher wenig anzutreffen. In New York dominiert die Finanzindustrie, in der Hauptstadt die Lobby-Branche. 

    Die großen Fabriken, etwa der Autobauer, sind woanders: Sie sitzen in Detroit bei den "Great Lakes". Hier dominieren amerikanische Hersteller. Doch die Arbeitgeber haben ein Problem: Die Gewerkschaften, die landesweit betrachtet kaum eine Rolle spielen, sind hier noch sehr mächtig. Entsprechend müssen die US-Autokonzerne deutlich höhere Löhne zahlen. Tesla meidet die Region. Deutsche Autobauer haben sich im Süden angesiedelt.

    Kalifornien mit dem Silicon Valley (in der Nähe von San Francisco) gilt als der Hightech-Standort. Hier hat sich ein Gebilde von einigen riesigen IKT-Konzernen sowie unzähligen Start-ups etabliert, das von den ansässigen Spitzenuniversitäten mit Fachkräften versorgt wird. Nicht umsonst hat San Francisco die mit weitem Abstand höchsten Löhne und Gehälter.

    Eckdaten der wichtigsten Bundesstaaten/Regionen in den USA 2022

    Gebiet

    Anteil am BIP (in %)

    BIP pro Kopf (in US$)

    Bevölkerung (in Mio.)

    Kalifornien (Westen)

    14,1

    92.100

    39,5

    Mittlerer Osten (Delaware, Washington, D.C., Maryland, New Jersey, New York)

    13,7

    113.500

    31,2

    "Great Lakes" (Illinois, Indiana, Michigan, Ohio, Wisconsin)

    13,0

    70.500

    47,8

    Südwesten (Arizona, New Mexico, Oklahoma, Texas)

    12,6

    76.600

    38,4

    Südosten (Florida, Georgia, North and South Carolina)

    12,5

    67.300

    47,8

    Quelle: U.S. Bureau of Economic Analysis 2024; U.S. Census Bureau 2024; Berechnungen von Germany Trade & Invest

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  • Die unter Donald Trump begonnene Abwendung vom Freihandel setzt Joe Biden im Prinzip fort. Das führt zunächst zumindest zu mehr ausländischen Direktinvestitionen.

    Viele deutsche Firmen wollen ihr Engagement in den USA verstärken. Doch die Umsetzung ist nicht immer einfach. Die USA sind ein Land, in dem die bürokratischen Hürden teils noch wesentlich höher liegen als in Deutschland. Besonders verwirrend sind die uneinheitlichen Rechtsnormen. Jeder Bundesstaat verfügt über sein eigenes Gesetzeswerk. Auch beim Lohn- und Preisniveau gibt es enorme Unterschiede, die sich zudem ständig ändern können.

    Viele deutsche Autobauer haben sich im traditionell billigeren Süden angesiedelt. Doch die Löhne und Grundstückspreise zogen rasch an. Landesweit deutlich niedriger als in Deutschland sind die Energiekosten. Zugleich fallen die Ansprüche an Gebäude in Sachen Energieeffizienz wesentlich lockerer aus. Trotzdem ist industrielles Bauen kein Sonderangebot, vor allem wegen des Fachkräftemangels. Dieser wird von vielen Unternehmen als der größte Standortnachteil genannt.

    Steigendes Marktvolumen

    Den Nachteilen steht ein gewaltiges Absatzpotenzial gegenüber. Die USA sind zusammen mit China der größte Einzelhandelsmarkt der Welt. Zudem generieren die Vereinigten Staaten eine enorme Nachfrage an Investitionsgütern. Vieles kann nicht im Land selber gefertigt werden und muss importiert werden. Die großen Konjunkturprogramme haben deutschen Firmen 2023 Umsatzrekorde in den USA beschert. 

    Für ausländische Kapitalgeber bleiben die USA ein hochattraktiver Markt. Insbesondere bei den Greenfield-Investitionen neue Fabriken auf der "grünen Wiese" gibt es ein starkes Wachstum.

    Die USA waren 2022 mit insgesamt 285 Milliarden US-Dollar (US$) der größte Empfänger ausländischer Direktinvestitionen weltweit. Das geht aus dem World Investment Report 2023 von UNCTAD hervor. Allerdings gibt das U.S. Bureau of Economic Analysis den entsprechenden Wert für 2022 mit rund 178 Milliarden US$ etwas niedriger an. Davon entfielen knapp 8 Milliarden US$ auf die Gründung oder Erweiterung von Unternehmen. Den Rest machten Übernahmen aus. Die Greenfield-Investitionen dürften 2023/24 deutlich höher ausfallen, denn ausländische Firmen investieren kräftig in den Neu- und Ausbau von Fabriken auf der grünen Wiese.

    Deutsche Autobauer zurückhaltend bei Detailfragen

    Von deutscher Seite gibt es mit Stand Anfang 2024 keine weiteren konkreten Investitionsprojekte. Volkswagen plant mit Investitionen in die E-Mobilität in Höhe von rund 7 Milliarden US$ im nordamerikanischen Raum, ohne Einzelheiten zu veröffentlichen. Auch BMW und Mercedes Benz sprechen allgemein nur von Expansionsplänen.

    Gemessen am Bestand ausländischer Direktinvestitionen in den USA landete Deutschland 2022 mit gut 430 Milliarden US$ auf dem 5. Platz, so das Bureau of Economic Analysis. Auf den vorderen vier Rängen lagen Japan, das Vereinigte Königreich, die Niederlande und Kanada. Bei den Zuflüssen erreichte Deutschland hingegen hinter Kanada und Japan Rang 3.

    Die Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, insbesondere was die angekündigten Investitionen betrifft: Bei den Kapitalströmen aus dem Vereinigten Königreich, den Niederlanden und Kanada dürfte es sich vor allem um Finanzinvestitionen handeln. Japanische und deutsche Firmen engagieren sich hingegen stark in der verarbeitenden Industrie, insbesondere in der Kraftfahrzeugbranche.

     

    Größte deutsche Investoren in den USA (Stand: Januar 2024) *)

    Unternehmen

    Branche

    Volumen (in Mio. US$)

    VolkswagenE-Mobility

    7.000 (Nordamerika)

    LindeWasserstoff

    1.800

    BMWE-Mobility

    1.700

    BASFChemie

    780

    MerckSpezialgas 

    330

    MieleElektrogeräte

    280

    BayerPharma

    250

    * angekündigte Investitionen der Unternehmen.Quelle: Pressemeldungen / Unternehmensmeldungen 2024

    Investitionsförderung über hohe Steuergutschriften

    Der Inflation Reduction Act (IRA) fördert vor allem Umwelttechnologien und erneuerbare Energien. Er funktioniert jedoch nicht wie ein klassisches Ausgabenprogramm, sondern entfaltet seine Wirkung über Steuererleichterungen. Die Unternehmen können diese gleich zu Beginn der Investitionen geltend machen und müssen sie nicht über die Gesamtdauer der Projekte abschreiben. Darin liegt einer der Hauptvorteile der Bundesinitiative.

    Sie will zugleich den Fachkräftemangel beheben: Wer in die Ausbildung seiner Mitarbeiter investiert, was in der Regel keine allzu großen Summen erfordert, kann zusätzliche Steuervorteile in Anspruch nehmen. Dadurch liegt die Förderquote bei 10 bis 50 Prozent der Investitionssumme. Im Durchschnitt gehen Landeskenner von 30 bis 40 Prozent aus. Der IRA läuft bis 2032 und ist nicht gedeckelt.

    GTAI stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen bereit.

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  • BezeichnungAnmerkung
    AHK USAdeutsche Auslandshandelskammer mit Niederlassungen in Atlanta, Chicago, New York, San Francisco und Washington, D.C.
    U.S. Census BureauNationales Statistikamt
    Bureau of Economic Analysisweitere Wirtschaftsdaten
    Bureau of Labor StatisticsZahlen zu Arbeitsmarkt und Inflation
    Inflation Reduction Actvom Weißen Haus veröffentlichter Leitfaden
    Chips and Science Actvom Weißen Haus herausgegebene Veröffentlichung