Branchen | USA | Robotik, Automation
US-Fabriken setzen auf Automatisierung
Der Fachkräftemangel und ein hoher Nachholbedarf treiben das Geschäft mit industrieller Automatisierungstechnik. Ein Großteil davon muss importiert werden.
27.01.2026
Von Roland Rohde | Washington, D.C.
Der US-Markt für industrielle Automatisierungstechnik soll auf absehbare Zeit kräftig wachsen. Davon gehen praktisch alle Marktforschungsunternehmen aus. Grandview Research, Modor Intelligence sowie P&S Intelligence beziffern das Marktvolumen für 2025 auf rund 50 Milliarden US-Dollar (US$). Sie erwarten in den kommenden Jahren ein jährliches Wachstum von 10 Prozent, sodass sich für 2030 ein Wert um die 80 Milliarden US$ ergibt. P&S geht sogar davon aus, dass 2032 die 100-Milliarden-Marke erreicht wird.
Auch deutsche Aussteller auf der Fachmesse FABTECH, die im Herbst 2025 in Chicago stattfand, bestätigten im Gespräch mit Germany Trade & Invest den Trend. Zwar gab es im 1. Halbjahr 2025 infolge des Handelskonflikts eine gewisse Investitionszurückhaltung. Diese habe sich aber zum Sommer 2025 weitgehend aufgelöst. Die US-Zölle bewirkten lediglich eine Verschiebung der Nachfrage: Während etwa der Bedarf aus der Pharma- und der Halbleiterbranche kräftig wächst, schwächelt er vonseiten der Automobilindustrie.
Fachkräftemangel in der Industrie soll sich verschärfen
Der wohl wichtigste Treiber für Investitionen in Automatisierungstechnik, der auf nahezu alle Industriebranchen zutrifft, ist der Personalmangel. Insbesondere in technischen Berufen gibt es eine große Angebotslücke. Die Demografie sorgt ebenfalls für Gegenwind. Rund 30 Prozent der Arbeiter in der produzierenden Industrie werden bis 2035 in Rente gehen, berichtete 2025 das Wall Street Journal. Die von Trump umgesetzte restriktive Einwanderungspolitik wirkt da wie ein Brandbeschleuniger, indem sie das Angebot an Arbeitskräften zusätzlich verknappt. Im Jahr 2025 sei die Nettoeinwanderung das erste Mal seit 50 Jahre negativ ausgefallen, berichtete Anfang 2026 die Brookings Institution.
Daneben sorgt ein hoher Modernisierungsbedarf für eine steigende Nachfrage. Das verarbeitende Gewerbe in den USA ist vergleichsweise wenig automatisiert. Das zeigt sich unter anderem an der relativ geringen Roboterdichte (installierte Roboter pro 10.000 Angestellten). Laut der International Federation of Robotics (IFR) hinken die Vereinigten Staaten den führenden Industrienationen deutlich hinterher.
Kfz-Industrie als Hauptabnehmer schwächelt
Laut der IFR wurden 2024 im verarbeitenden US-Gewerbe rund 30.000 Industrieroboter installiert. Damit lag das Land hinter Japan (40.000), aber vor Südkorea (22.000). Die meisten Roboter kommen in den Vereinigen Staaten traditionell in der Kfz-Branche zum Einsatz. Sie war 2024 für rund 40 Prozent aller Neuinstallationen verantwortlich. Die Autoindustrie leidet unter den Zöllen auf Kfz-Teile, Aluminium und Stahl. Bisher konnte sie die gestiegenen Kosten nicht an die Verbraucher weitergeben, da die Autokonjunktur dafür zu schwach ist.
Außerdem musste sie ihre Pläne zum Bau von Fabriken für Elektroautos und Batterien auf Eis legen. Die Trump-Administration strich ab September 2025 die bisherige Kaufprämie für Elektroautos in Höhe von 7.500 US$. Die Neuzulassungen gaben darauf hin im 4. Quartal 2025 um 36 Prozent zum Vorjahreszeitraum nach, berichtet Cox Automotive. General Motors und Ford verzeichneten im 4. Quartal 2025 einen Verlust von zusammengerechnet knapp 27 Milliarden US$. Das Geld fehlt natürlich bei Investitionen.
Steigende Nachfrage aus der Pharma-, Chip- und Nahrungsmittelbranche
Doch es gibt Profiteure, die dank der Zölle kräftig wachsen. Die Pharmaindustrie hat im Lauf des Jahres Investitionen von 600 Milliarden US$ in neue Fabriken angekündigt. Im Rahmen der Zollverhandlungen zwischen den USA und Taiwan wurde vereinbart, dass die taiwanischen Chiphersteller insgesamt 250 Milliarden US$ in neue Halbleiterfabriken in den USA investieren. Auch die amerikanische Nahrungsmittelbranche dürfte verstärkt investieren. Sie leidet besonders unter der strikten Immigrationspolitik, da sie viele Migranten beschäftigt. An einer verstärkten Automatisierung führt dort kein Schritt vorbei.
Gemäß Grand View Research kamen im Geschäft für industrielle Automatisierung die vier Sparten Sensortechnik, Steuerventile, Mensch-Maschine-Geräte (sogenannte HMI-Technik) sowie Robotik 2024 auf einen Marktanteil von jeweils gut 20 Prozent. Das Geschehen zeichne sich durch eine hohe Innovationsgeschwindigkeit aus. Lernende Maschinen und künstliche Intelligenz werden an Bedeutung gewinnen. Zugleich gibt es einen zunehmenden Konzentrierungsprozess. Große, finanzkräftige Unternehmen versuchen, innovative Start-ups zu übernehmen.
Trotz der Zölle gute Aussichten für ausländische Anbieter
Führend bei Automatisierungstechnik in den USA sind ABB, Honeywell und Schneider Electric. Zu den weiteren Anbietern gehören Dwyer Instruments, Emerson Electric, Kawasaki Heavy Industries, Mitsubishi Electric, Omron, Rockwell Automation, Siemens und Yogokawa Electric. Ausländische Hersteller spielen insbesondere bei Industrierobotern eine dominierende Rolle. Ein Großteil der installierten Anlagen kommen aus China, Japan, Deutschland und Südkorea, berichtet die Fachvereinigung IFR.
Die meisten Einfuhren aus Deutschland unterliegen im Rahmen des Handelsabkommens zwischen der EU und den USA einem Zollsatz von 15 Prozent. Daneben fallen (anteilige) Zölle auf Stahl, Aluminium und zahlreiche Derivate in Höhe von 50 Prozent an. Fast die Hälfte der deutschen Maschinenlieferungen in die Vereinigten Staaten sind davon betroffen, berichtet der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Diese Zölle führen zu einem hohen bürokratischen Aufwand, müssen doch für jede Schraube Metallgehalt und Herkunftsland ermittelt werden.
Da es in den USA aber oft keine oder nur wenige einheimische Wettbewerber gibt, können die ausländischen Lieferanten einen Großteil der zusätzlichen Kosten auf ihre Endabnehmer abwälzen. Laut Berechnung des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) zahlen US-Unternehmen und -Konsumenten 96 Prozent der Zölle in Form höherer Preise. US-Ökonomen kommen auf Quoten um 80 Prozent.
| Art der Roboter | 2024 |
|---|---|
| Handhabung, davon | 20.321 |
| von Materialien | 13.415 |
| zum Verpacken/Portionieren | 4.211 |
| zum Bedienen von Maschinen | 2.806 |
| Schweißen | 7.487 |
| Reinluft (v. a. für Halbleiter) | 1.523 |
| Montage | 1.119 |
| "Dispensing" (v. a. Lackierung) | 540 |
| Verarbeitung | 508 |
- USA
- Robotik, Automation
- Maschinenbau
- Künstliche Intelligenz
- Branchen