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US-Chemie setzt auf stärkere Industrienachfrage

Die US-Chemieindustrie rechnet mit steigender Produktion. KI-getriebene Investitionen in Rechenzentren und Chipfabriken sowie die Autoindustrie sorgen für neue Nachfrageimpulse.

Von Heiko Stumpf | San Francisco

Ausblick auf die chemische Industrie in den Vereinigten Staaten

Bewertung:

 

  • Chemieproduktion in den USA wächst 2026 nur schwach, ab 2027 deutlich stärker.
  • Rechenzentren und Chipfabriken treiben die Nachfrage nach Bau- und Spezialchemikalien.
  • Die Autoindustrie sorgt für zusätzliche Nachfrage, der Wohnungsbau bleibt schwach.
  • Unter Trump treibt die US-Regierung eine Deregulierung voran – vor allem bei Umweltauflagen.
  • Milliardenprojekte für emissionsarmen Ammoniak profitieren weiter vom Inflation Reduction Act.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: August 2026.

  • Das Wachstum wichtiger industrieller Abnehmerbranchen belebt die US-Chemieindustrie. Bis 2028 dürfte die Produktion steigen. Auch der KI-Boom benötigt überraschend viel Chemie

    Trotz globaler Unsicherheiten kann sich die US-Chemieindustrie auf steigende Produktionsmengen einstellen. Nach einem vorhergesagten Plus von 0,5 Prozent für das Jahr 2026 rechnet der Branchenverband American Chemistry Council (ACC) in den Folgejahren mit einer spürbaren Belebung: Für 2027 und 2028 stellt er einen Anstieg der Chemieproduktion um 1,5 beziehungsweise 2,3 Prozent in Aussicht.

    11 Prozent

    des weltweiten Chemieumsatzes entfallen auf die USA.

    Ursache ist die stärkere US-Industrieproduktion. Mehr als 80 Prozent der in den USA produzierten Basis- und Spezialchemikalien sind für andere Industriesektoren bestimmt. "Im Jahr 2027 dürften sich 15 der 20 Hauptabnehmerbranchen für chemische Erzeugnisse auf Wachstumskurs befinden", sagt Martha Moore, Chefökonomin des ACC. Neben der Verteidigung sowie Luft- und Raumfahrt sorgt vor allem der KI-Boom für Impulse.

    KI-Boom kann auch die Chemie beflügeln

    Allein in den USA soll zwischen 2026 und 2028 mit dem Bau von 2.441 Rechenzentren begonnen werden, die Investitionen von rund 2,5 Billionen US-Dollar  (US$) mit sich bringen. "In Rechenzentren steckt eine enorme Menge an Chemie", so Martha Moore. 

    Dazu zählen Spezialchemikalien wie Kühlflüssigkeiten. Diese werden für Verfahren wie Immersions- oder Direct-Chip-Cooling benötigt, da KI-Rechenzentren sonst an ihre Leistungsgrenzen stoßen. Im Juli 2026 verkündete beispielsweise Wacker Chemie aus Burghausen seinen Einstieg in das Segment.

    Darüber hinaus werden Wasseraufbereitungschemikalien benötigt, um Kühlkreisläufe vor Korrosion und Ablagerungen zu schützen. Der Ausbau der KI-Infrastruktur erhöht zudem die Nachfrage nach Bauchemikalien für Beschichtungen, Dichtstoffe und Brandschutzlösungen in Rechenzentren. Auch Hersteller von Materialien für die Energie- und Elektrotechnik, darunter elektrische Isolierungen, profitieren.

    Hinzu kommt die Halbleiterindustrie. "Zur Herstellung eines einfachen Mikrochips werden rund 500 Spezialchemikalien benötigt, für hochmoderne Chips sind es mehr als 1.000", so Martha Moore. Der CHIPS and Science Act hat entlang der Wertschöpfungskette für Halbleiter über 160 Projekte mit einem Investitionsvolumen von rund 820 Milliarden US$ angestoßen. Die Chipproduktion im Land dürfte sich dadurch bis 2032 mehr als verdreifachen. In der Folge wurden auch über 50 Projekte für chemische Ausgangsmaterialien im Wert von 28 Milliarden US$ ausgelöst. 

    Höhere Chemienachfrage aus der Kfz-Industrie 

    Rückenwind kommt auch aus der Autoindustrie. Ein typisches US-Auto enthält Chemikalien im Wert von mehr als 4.000 US$ darunter 193 Kilogramm Kunststoffe und Verbundmaterialien. Doch es zeigen sich zwei gegenläufige Trends. 

    Während sich der Fahrzeugabsatz angesichts hoher Neuwagenpreise von durchschnittlich rund 50.000 US$ nur verhalten entwickelt, gewinnt die Produktion an Dynamik. Für 2027 wird ein Anstieg der US-Fahrzeugfertigung auf 10,7 Millionen Einheiten prognostiziert, ein Plus von 2,1 Prozent.

    Damit reagieren die Hersteller auf Trumps Zollpolitik. Um Importabgaben zu vermeiden, verlagern zahlreiche Hersteller die Produktion ihrer für den US-Markt bestimmten Modelle in die Vereinigten Staaten. Dies geht vor allem zulasten der Fertigungsstandorte in Mexiko und Kanada.

    Stellantis tätigt Investitionen von 13 Milliarden US$ und verlagert Modelle wie den Jeep Compass zurück in die USA. Toyota plant bis 2030 Investitionen von 10 Milliarden US$ und will den Pickup Tacoma künftig in Texas statt in Mexiko fertigen.

    Weniger Dynamik im Wohnungsbau

    Ein weiterer wichtiger Abnehmer der Chemiebranche ist die Bauindustrie. Ein neu gebautes Einfamilienhaus verschlingt in den USA rund 15 Tonnen chemischer Produkte. Allerdings stagniert der Wohnungsbau. Im Jahr 2026 dürfte wie im Vorjahr mit dem Bau von 1,36 Millionen Wohneinheiten begonnen werden. Die für 2027 erwarteten 1,37 Millionen Baustarts liegen weiterhin unter dem Höchststand von 2021 mit 1,6 Millionen Wohnungen.

    Dabei bremsen insbesondere Hypothekenzinsen von über 6 Prozent die Nachfrage. Projektentwickler reagieren auf die hohen Finanzierungskosten mit kleineren Wohnungen. Die durchschnittliche Wohnfläche neuer Häuser ist seit 2015 um etwa 10 Prozent gesunken. Auch das Renovierungsgeschäft bleibt schwach, da viele Eigentümer ihre Häuser behalten, um günstige Alt-Hypotheken nicht zu verlieren.

    Neben Isoliermaterialien, Kunststoffrohren, Bodenbelägen und Fensterrahmen wirkt sich dies auch auf die Nachfrage nach Farben und Lacken aus. Der Architekturbereich steht bei Farben und Lacken mengenmäßig für knapp 60 Prozent.

    Regierung fördert Düngemittelproduktion

    Durch die unsichere geopolitische Lage sind die Preise für Düngemittel spürbar gestiegen. Viele Farmer planen eine Ausweitung der Sojaflächen (2026: +4 Prozent), die weniger Dünger benötigen als Mais (2026: -3,8 Prozent). Mit dem Fertilizer Investment & Expansion for Long-Term Domestic Supply (FIELDS) Program setzt Washington darauf, die heimische Düngemittelproduktion auszubauen und stellt 500 Millionen US$ an Fördermitteln bereit.

    Parallel dazu beschleunigt die Trump-Regierung Genehmigungsverfahren für neue Anlagen. Davon profitierte unter anderem das 4 Milliarden US$ teure Blue-Point-Projekt in Louisiana, für das im August 2026 die Bauarbeiten starteten. Die Anlage von CF Industries, JERA und Mitsui soll künftig 1,4 Millionen Tonnen Ammoniak pro Jahr produzieren.

    Große Pläne für Ammoniak an der Golfküste

    Das Blue-Point-Projekt ist eines von 45 Vorhaben für Ammoniak in den USA, die gemeinsam eine Gesamtkapazität von 67 Millionen Tonnen pro Jahr erreichen könnten. Davon entfallen rund zwei Drittel auf emissionsarmen Ammoniak auf Basis von blauem Wasserstoff. Das dafür erforderliche Abscheiden und Speichern (CCS) von CO2 wird mit einem Steuerbonus (Section 45Q Tax Credit) von 85 US$ pro vermiedener Tonne CO2 gefördert.

    Allerdings kommen viele Projekte nur schleppend voran oder wurden ganz auf Eis gelegt. So beendeten Air Products und Yara 2026 ihr gemeinsames Louisiana Clean Energy Complex, nachdem zuvor bereits ein weiteres Ammoniakvorhaben von Yara und BASF gestoppt worden war.

    Von Heiko Stumpf | San Francisco

  • Billiges Gas und neue Steueranreize machen die USA attraktiv für die Chemiebranche. Der Bau von Anlagen für Flüssigerdgas an der Golfküste wird forciert.

    Die Vereinigten Staaten sind der weltweit zweitgrößte Produzent von chemischen Erzeugnissen. Auf Platz 1 liegt China. Die Branche deckt die gesamte Bandbreite von Grundchemikalien, Zwischenerzeugnissen und Spezialchemikalien ab. Wichtige Segmente sind Agrarchemikalien, Automobilchemie, Substanzen zur Wasserbehandlung, Kleb- und Dichtstoffe sowie Industriegase.

    Produktion ausgewählter chemischer Erzeugnisse in den USA *)Saisonbereinigte Produktionsindizes

    Sparte

    2022

    2023

    2024

     2025

    chemische Erzeugnisse (außer Pharmazeutika und Arzneimittel)

    92,2

    91,5

    91,4

    92,6

    organische Chemikalien

    94,6

    94,6

    94,3

    96,3

    anorganische Basischemikalien

    90,9

    91,9

    90,9

    87,8

    Harz, Synthesekautschuk und -fasern

    94,7

    95,3

    97,2

    98,3

    Agrarchemikalien

    89,1

    89,3

    89,2

    96,3

    Farben, Lacke und Klebstoffe

    89,0

    88,2

    88,1

    105,3

    Seifen und Körperpflegemittel

    86,0

    87,7

    88,1

    84,9

    * Durchschnittswert, 2017 = 100.Quelle: Federal Reserve 2026

    US-Raffinerien laufen auf Hochtouren 

    Eine Schlüsselrolle kommt derzeit der Petrochemie mit ihren insgesamt 132 Raffinerien zu. Die Anlagen können im Jahr 2026 eine Rohölmenge von 18,2 Millionen Barrel pro Tag verarbeiten. Infolge des Irankonflikts und der Einschränkungen in der Straße von Hormus sind die USA als Produktionsstandort für petrochemische Erzeugnisse eine weltweit wichtige Stütze. 

    Entsprechend arbeiten die US-Raffinerien mit zuletzt über 95 Prozent an der Auslastungsgrenze. Zugleich plant das indische Unternehmen Reliance Industries in Brownsville, Texas, die erste neue US-Raffinerie seit fast fünf Jahrzehnten. Die Anlage soll eine Kapazität von 168.000 Barrel pro Tag erreichen.

    Zusätzliche Kapazitäten entstehen auch für den Export von Flüssigerdgas (Liquified Natural Gas; LNG), das in den USA durch Fracking gewonnen wird. Im Jahr 2025 sicherten sich die USA zum dritten Mal in Folge den Titel des Exportweltmeisters für LNG und liegen damit vor Katar und Australien. 

    Einschließlich der sich noch im Stadium der Inbetriebnahme befindlichen Anlagen summieren sich die jährlichen Kapazitäten auf rund 151 Millionen Tonnen LNG. Nach dem Moratorium unter Joe Biden für LNG-Exporte treibt die Trump-Regierung den Ausbau mit neuen Genehmigungen massiv voran. 

    In den Bundesstaaten Louisiana und Texas befinden sich mittlerweile acht weitere Gasverflüssigungsanlagen im Bau, welche die Gesamtkapazität bis 2031 um knapp 132 Millionen Tonnen pro Jahr erhöhen. Zu den Vorhaben zählen Rio Grande LNG und Venture Global CP2 LNG mit einer Kapazität von jeweils rund 29 Millionen Tonnen.

    Hinzu kommen acht Projekte, die bereits vollständig genehmigt sind und zusätzliche Kapazitäten von etwa 83 Millionen Tonnen pro Jahr schaffen könnten. 

    Attraktive Standortbedingungen dank günstiger Preise

    Die reichhaltige und kostengünstige Verfügbarkeit von Erdgas ist einer der Hauptgründe für die guten Standortbedingungen der Chemieindustrie in den USA. Amerikanische Cracker können dadurch überwiegend gasbasiertes Ethan als Rohstoff nutzen, anders als Anlagen in Europa, die meist auf Naphtha aus der Rohölverarbeitung angewiesen sind. 

    Die Energy Information Administration (EIA) erwartet für 2026 einen durchschnittlichen Spotpreis von 3,44 US$ pro MMBtu (Million British thermal units). Als Benchmark gilt der Henry Hub nahe Erath, Louisiana.

    Für das Jahr 2027 wird ein Rückgang auf 3,31 US$ erwartet, was unter dem Durchschnittsniveau der letzten 20 Jahre liegt. Damit ist Erdgas deutlich günstiger als in Europa. An der niederländischen Title Transfer Facility (TTF), einer wichtigen Benchmark, notierte der Preis Mitte 2026 zeitweise bei mehr als 15 US$ je MMBtu.

    Hinzu kommt günstiger Strom: Laut der EIA lag der durchschnittliche Industriepreis im Juni 2026 bei 9,17 US-Cent pro Kilowattstunde. In Deutschland kostete Industriestrom zuletzt umgerechnet rund 19,4 US-Cent je Kilowattstunde und damit mehr als doppelt so viel. 

    Regierung schafft Investitionsanreize

    Günstige Energie- und Erdgaspreise verschaffen der US-Chemie einen entscheidenden Vorteil und stärken damit auch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Nachdem im Jahr 2025 Investitionen von rund 40 Milliarden US$ getätigt wurden, erwartet der ACC für 2026 eine Zunahme um 0,9 Prozent. Ab 2027 sollen die jährlichen Investitionen mit 3 bis 4 Prozent pro Jahr wieder spürbar wachsen.

    Insbesondere das Steuerpaket One Big Beautiful Bill Act (OBBBA) soll Unternehmensinvestitionen ankurbeln. Die Anfang Juli 2025 verabschiedete Gesetzgebung weitet die Möglichkeiten der Sofortabschreibung deutlich aus. Kernstück ist die dauerhafte Wiedereinführung der 100-prozentigen Bonusabschreibung für Maschinen und Anlagen. Zudem können Unternehmen bestimmte Investitionen in neue Produktionsgebäude und Fabriken sofort steuerlich geltend machen. Das schafft vor allem für kapitalintensive Branchen wie die Chemie starke Investitionsanreize.

    Auch deutsche Konzerne bauen ihre Anlagen in den USA aus: Oxea beschloss Mitte 2026 eine umfassende Erweiterung seines Standorts in Bay City (Texas). Geplant sind zusätzliche Kapazitäten für Propionaldehyd, Propanol und Butanol sowie mehr Einsatzstoffe für die Herstellung von Carbonsäuren. Begleitend investiert Air Liquide mehr als 200 Millionen US$ in den Bau einer Synthesegasanlage am Standort.

    Evonik erhöht die Produktion von Kieselsäure in Charleston, South Carolina, bis 2026 um die Hälfte. Zudem steckt das Unternehmen 100 Millionen US$ in den Ausbau seines Standorts in Lafayette (Indiana), um die Produktion pharmazeutischer Wirkstoffe zu stärken. Covestro investiert über 100 Millionen US$, um bis 2026 die Fertigung in Hebron, Ohio, zu erweitern, die mehrere Produktionslinien für Polycarbonate umfasst. Auch BASF und Röhm haben ihre Standorte in Louisiana und Texas erweitert.  

    Ausgewählte Investitionsprojekte der chemischen Industrie in den USAin Millionen US-Dollar
    Akteur (Projekt)

    Investitionssumme

    Geplante Fertigstellung

    Anmerkung
    Formosa Plastics (Sunshine Project)

    9.400

    Baustart unklar, Genehmigungs- und Gerichtsverfahren dauern noch an

    Polymere in St. James, Louisiana; Kapazität pro Jahr: 2,4 Mio. t Ethylen für u.a. 800.000 t verschiedener Polyethylene wie LLDPE und HDPE
    Chevron Phillips/Qatar Energy (Golden Triangle Polymers)

    8.500

    2027

    Polymere in Orange, Texas; Kapazität pro Jahr: 2,1 Mio. t Ethylen und 2 Mio. t Polyethylen

    Shintech Louisiana Expansion

    3.400

    k.A.

    Erweiterung des Standorts Plaquemine, Louisiana; Ausbau der PVC- und Chloralkali-Produktion sowie zugehöriger Infrastruktur; Kapazität pro Jahr: 800.000 t Chlor

    LG Chemicals

    3.200

    2026

    Kathodenaktivmaterial in Clarksville, Tennessee; Kapazität pro Jahr: 120.000 t
    Cronus Chemicals

     mehr als 2.000

    2028-2029

    Ammoniak für Düngemittel in Tuscola, Illinois; Kapazität pro Jahr: 860.000 t
    Syensqo

    850

    2026

    Polyvinylidenfluorid für die Batterieindustrie in Augusta, Georgia; Kapazität pro Jahr: ausreichend für 5 Mio. Autobatterien

    Koura Chemicals

    800

    2026

    Batteriechemikalien in St. Gabriel, Louisiana; Kapazität pro Jahr: 11.000 t Lithiumhexafluorophosphat und 44.000 t R-142b (Kältemittel)

    Epsilon Advanced Materials

    650

    2027

    Grafitanoden in Brunswick County, North Carolina; geplante Kapazität bis zu 50.000 t Grafitanoden pro Jahr
    PPG Industries

    380

    2027

    Beschichtungen für die Luft- und Raumfahrt sowie Dichtstoffe in Shelby, North Carolina
    PPG Industries

    280

    2027

    Fahrzeugbeschichtungen in Delaware, Ohio; Erweiterung der Produktionskapazitäten für die Automobilindustrie
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Vielzahl an regionalen Chemieclustern

    Der heterogene Charakter der Chemieindustrie und die engen Verbindungen zu anderen Wirtschaftszweigen zeigen sich auch geografisch. So verfügen fast alle US-Bundesstaaten über chemische Produktionen. Herausgebildet haben sich regionale Schwerpunkte.

    Für die Produzenten chemischer Grundstoffe aus Erdöl und Erdgas ist vor allem die Nähe zu Förderstätten und Häfen wichtig. Rund 90 Prozent der Petrochemie ballen sich deshalb in den Küstenstaaten Texas und Louisiana. Auch die Herstellung von Basischemikalien und Kunststoffen konzentriert sich stark an der Golfküste.

    Regionale Schwerpunkte in der US-Chemieproduktion

    Region

    Schwerpunkte

    Golfküste

    Petrochemikalien, Grundchemikalien, Polymere, Kunstharze, Synthesekautschuk

    Mittlerer Westen

    Agrarchemikalien, Kunststoffe, Farben

    Ohio Valley

    organische Chemikalien, Kunststoffe, Spezialchemikalien

    Mittelatlantik

    Konsumgüter

    Südosten

    anorganische Chemikalien, Fasern, Konsumgüter, Batteriechemikalien

    Nordosten

    Konsumgüter, Spezialchemikalien

    Westküste

    Grundchemikalien, Agrarchemikalien, Konsumgüter
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Die Stärke der US-Chemie zeigt sich auch in der Unternehmenslandschaft. Die USA haben weltweit agierende Branchengrößen wie Dow, ExxonMobil und Chevron hervorgebracht.

    Wichtige Branchenunternehmen in den USAin Milliarden US-Dollar

    Unternehmen

    Sparte

    Umsatz 2025

    ExxonMobilPetrochemikalien

    40,0

    Dow

    Chemieproduktion

    40,0

    LyondellBasell Industries

    Chemieproduktion

    30,2

    Chevron Phillips Chemical

    Petrochemikalien

    12,5

    Mosaic

    Düngemittel

    12,1

    Air Products and Chemicals

    Industriegase

    12,0

    CelaneseChemieproduktion

    9,5

    Eastman ChemicalChemieproduktion

    8,8

    EcolabSpezialchemikalien

    7,7

    OlinChemieproduktion

    6,8

    Quelle: Chemical & Engineering News (C&EN) 2026

    Von Heiko Stumpf | San Francisco

  • Das Gesetz über gefährliche Stoffe reguliert die meisten Industriechemikalien. Die von Donald Trump verfolgte Deregulierung hat Auswirkungen auf den Klimaschutz.

    In den USA gibt es eine Vielzahl von Aufsichtsbehörden, Gesetzen und Normen zur Chemikaliensicherheit. Die meisten Industriechemikalien unterliegen dem Toxic Substances Control Act (TSCA). Das Gesetz regelt Herstellung, Verarbeitung, Import und Verwendung chemischer Stoffe in den USA. Bestimmte Chemikalien und Gemische müssen gemeldet, registriert oder einer Risikobewertung unterzogen werden. Darüber hinaus enthält das TSCA Anforderungen an Formaldehydemissionen aus Holzwerkstoffen und daraus hergestellten Produkten.

    Wichtige Aufsichtsbehörden im Bereich der Chemikaliensicherheit sind:

    • Occupational Safety and Health Administration (OSHA): Teil des Arbeitsministeriums, verantwortlich für den Arbeitsschutz
    • National Institute for Occupational Safety and Health (NIOSH): Teil des Gesundheitsministeriums, zuständig für arbeitsmedizinische Forschung
    • Environmental Protection Agency (EPA): unabhängige Exekutivbehörde der US-Bundesregierung, zuständig für den Schutz der Umwelt und die Regulierung von Chemikalien; Informationen für Importeure und Exporteure zu bestimmten chemischen Stoffen, Pestiziden, ozonschädigenden Substanzen und weiteren umweltgefährdenden Stoffen veröffentlicht die EPA auf einer Sonderseite.

    Trump-Regierung setzt auf weitgehende Deregulierung

    Nach dem Wiedereinzug von Donald Trump ins Weiße Haus kommt es für den Chemiesektor zu spürbaren regulatorischen Erleichterungen. Im Fokus stehen insbesondere Luftschadstoffvorschriften, PFAS-Regeln und Luftqualitätsstandards. Die EPA überprüft mehrere unter Joe Biden erlassene Vorgaben, darunter die 2024 verschärften Luftreinhalteauflagen für die Herstellung synthetischer organischer Chemikalien (HON Rule). Diese sollten Emissionen gefährlicher Luftschadstoffe um rund 6.200 Tonnen pro Jahr senken und hätten Nachrüstungen an mehr als 200 Anlagen erfordert.

    Bis zu einer endgültigen Entscheidung setzt die Trump-Regierung auf Ausnahmen. Im Juli 2025 erhielten 25 Chemieanlagen, darunter das BASF-Werk in Geismar (Louisiana), eine zweijährige Befreiung von Teilen der HON-Vorschriften. Im Juli 2026 folgten weitere zweijährige Ausnahmen für zusätzliche Chemie- und Petrochemiestandorte. Parallel überprüft die EPA PFAS-Vorgaben sowie die 2024 verschärfte Feinstaubnorm (PM2.5), deren Auswirkungen auf Industrieinvestitionen neu bewertet werden.

    Rechtliche Grundlage für Klimaschutzmaßnahmen wurde gekippt

    Besonders weitreichend ist die Rücknahme des sogenannten Endangerment Finding durch die EPA im Februar 2026. Die Feststellung aus dem Jahr 2009 – basierend auf einem Urteil des Supreme Court – stuft CO2 und andere Treibhausgase als gesundheits- und umweltschädlich ein und bildet die rechtliche Grundlage für sämtliche Klimaschutzmaßnahmen der US-Regierung.

    Mit der Aufhebung entfallen zunächst die rechtlichen Voraussetzungen für die Regulierung von Treibhausgasemissionen aus Kraftfahrzeugen. Gleichzeitig kündigte die EPA an, weitere auf dem Endangerment Finding basierende Klimaregeln zu überprüfen. Für die Chemieindustrie erhöht dies die Wahrscheinlichkeit zusätzlicher regulatorischer Rücknahmen bei energieintensiven Anlagen. Gegen die Entscheidung laufen jedoch bereits mehrere Gerichtsverfahren, sodass die endgültigen Auswirkungen weiterhin offen sind. 

    Kehrtwende bei US-Position zum UN-Plastikabkommen

    Die zweite Trump-Regierung hat auch die US-Position bei den Verhandlungen über ein globales Plastikabkommen deutlich verändert. Zwar beteiligen sich die USA weiterhin am UN-Prozess, lehnen jedoch verbindliche Obergrenzen für die Kunststoffproduktion sowie globale Beschränkungen bestimmter Kunststoffzusätze ab. Stattdessen setzt Washington auf Recycling, Produktdesign, Kreislaufwirtschaft und ein verbessertes Abfallmanagement. Die frühere Unterstützung der Biden-Regierung für verbindliche Produktionsbeschränkungen wurde aufgegeben. Die Verhandlungen über das UN-Plastikabkommen dauern nach dem Scheitern einer Einigung in Genf 2025 weiter an.

    Ungeachtet dessen gibt es immer mehr Regelungen auf bundesstaatlicher und lokaler Ebene, um den Kunststoffverbrauch zu reduzieren und die Wiederverwertung zu fördern. Kalifornien, New York, Oregon und weitere Bundesstaaten haben Gesetze gegen Einwegplastik erlassen und fördern fortschrittliche Recyclingverfahren. Kalifornien war der erste US-Staat, der mit einem umfassenden Gesetz sowohl die Reduzierung als auch das Recycling von bestimmten Kunststoffverpackungen verlangt. Inzwischen haben sieben Bundesstaaten umfassende EPR-Regelungen für Verpackungen verabschiedet.

    Mit der amtierenden Trump-Regierung dürfte es eine breitere Unterstützung für das chemische Recycling geben, welches bislang vor allem von republikanischen Bundesstaaten gefördert wird.

    Superfund-Steuer für bestimmte Chemikalien

    Der Infrastructure Investment and Jobs Act von 2021 brachte mit der Wiedereinführung der Superfund-Steuer zusätzliche Belastungen für die Chemieindustrie. Die bis Ende 2031 geltende Verbrauchsteuer wird auf zahlreiche Chemikalien und importierte chemische Erzeugnisse erhoben. Die Liste der betroffenen Stoffe wurde seit 2022 mehrfach erweitert und umfasst inzwischen mehr als 170 Substanzen. Die Abgabe wird bei Herstellern und Importeuren fällig und ist beim Verkauf oder der erstmaligen Verwendung in den USA zu entrichten.

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Die Publikation Zoll und Einfuhr kompakt zu den USA informiert über aktuelle Zollvorschriften, die Handelspolitik der USA und Handelshemmnisse, die den Marktzugang erschweren können.

    Von Heiko Stumpf | San Francisco

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    Deutsch-Amerikanische Handelskammern (AHK USA)

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Der Delegierte der Deutschen Wirtschaft/Representative of German Industry and Trade - RGIT

    Verbindungsbüro des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) und der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) in Washington, D.C.

    U.S. Census Bureau

    Statistikbehörde

    U.S. Energy Information Administration (EIA)

    Behörde für Statistiken speziell zur Energiewirtschaft (einschließlich Öl und Gas)

    U.S. Department of Agriculture (USDA)

    Ministerium für Landwirtschaft

    American Chemistry Council (ACC)

    Verband der Chemieindustrie

    Plastics Industry Association (PLASTICS)Fachverband für die Kunststoffindustrie

    American Coatings Association (ACA)

    Fachverband für Farben und Lacke 

    US Oil & Gas Association (USOGA)

    Verband der Öl-/Gasindustrie

    Chemical Week

    Fachzeitschrift für Chemie

    Oil & Gas Journal

    Fachzeitschrift für Öl und Gas

    RIGZONE

    Internetportal für Öl und Gas

    NPE 2027 The Plastics ShowFachmesse, 3. bis 7. Mai 2027 in Orlando, Florida

    ATCE - SPE Annual Technical Conference and Exhibition

    Fachmesse, Schwerpunkte: Chemie, Petrochemie, Energiewirtschaft, 21. bis 23. Oktober 2026 in Houston, Texas

    The Battery Show - North America

    Fachmesse, 12. bis 15. Oktober 2026 in Detroit, Michigan

    Carbon Capture Technology Expo North AmericaFachmesse, 13. bis 17. Januar 2027 in Houston, Texas (gleichzeitig Hydrogen Technology Expo North America)

    Independent Commodity Intelligence Services (ICIS)

    Internetportal für die Chemieindustrie