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Öl- und Gassektor in den USA spürt Rückenwind

Trotz steigender Bohrgenehmigungen und hoher Ölpreise halten sich die Energiekonzerne mit zusätzlichen Investitionen zurück. Langfristig stehen die Zeichen aber auf Expansion.

Von Roland Rohde | Washington, D.C.

Die amerikanische Öl- und Gasindustrie bekommt viel Rückendeckung aus dem Weißen Haus. Bereits am ersten Amtstag – dem 20. Januar 2025 – unterzeichnete Donald Trump mehrere Anweisungen (executive orders) zur Förderung des Sektors.

In der Weisung "Declaring a National Energy Emergency" erklärt Trump, dass die aktuelle Förderung und die Entwicklung im Energiesektor nicht für den nationalen Bedarf ausreichten und die Behörden alle notwendigen Maßnahmen zur Überwindung des Problems einleiten sollten. Im Rahmen der Order "Unleashing American Energy" soll die Förderung und Erforschung fossiler Ressourcen gepusht werden.

Bei beiden Ordern handelt sich um allgemein formulierte Anweisungen, die von den zuständigen Behörden in Durchführungsvorschriften übergeführt werden müssen. Zudem muss sich zeigen, ob nicht auch die US-Abgeordneten oder die Bundesstaaten für konkrete Schritte ihre Zustimmung geben müssen. Auch mit Klagen ist zu rechnen.

Selbst wenn nur ein Teil der Maßnahmen umgesetzt wird: Der Öl- und Gassektor kann davon profitieren, dass Genehmigungsverfahren verkürzt sowie Beschränkungen zur Förderung und Erforschung von Öl und Gas in geschützten Gebieten in den Vereinigten Staaten und vor ihren Küsten aufgehoben werden.

Anzahl der Bohr- und Fördergenehmigungen um 50 Prozent gestiegen

In den Statistiken zeichnet sich bereits ein deutlicher Aufwärtstrend ab. Nach Angaben des Bureau of Land Management (einer Abteilung des US-Innenministeriums) wurden zwischen dem 20. Januar und dem 31. Dezember 2025 mehr als 6.000 Bohrgenehmigungen für Öl- und Gasprojekte auf indigenem oder Bundesland erteilt. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum kam dies einem Plus von mehr als 50 Prozent gleich.

Ebenso großzügig zeigt sich das zum Innenministerium gehörende Bureau of Ocean Energy Management, das bei der Genehmigung von Offshore-Projekten eine tragende Rolle spielt: Im März genehmigte es das Kaskida-Vorhaben. Der britische Konzern BP will 400 Kilometer vor der Küste Louisianas bis 2029 insgesamt 5 Milliarden US-Dollar (US$) zur Erschließung von sechs Unterwasserölquellen investieren. Im April 2026 legten Umweltverbände jedoch Klage dagegen ein.

Höhere Ölpreise stärken Investitionskraft

Insgesamt betrachtet zeigt sich die Öl- und Gasindustrie trotz kräftig steigender Genehmigungszahlen nicht besonders investitionsfreudig. Der Ölpreis war zu lange zu niedrig, sodass sich viele Projekte einfach nicht rechneten. Die Lage hat sich mit dem Nahostkrieg zwar gewandelt. Selbst nach einer vollständigen Öffnung des Straße von Hormus dürften die Preise noch länger über dem Vorkriegsniveau bleiben.

Doch die Verantwortlichen in den Vorstandsetagen agieren vorsichtig: Bei der Vorstellung ihrer Quartalsergebnisse Anfang Mai 2026 ließen Vertreter von Exxon Mobil und Chevron die Öffentlichkeit wissen, dass sie die Anzahl ihrer Bohrungen nicht wesentlich über das Niveau vor dem Irankrieg erhöhen wollten.

Doch längerfristig stehen die Zeichen auf Expansion. Laut einer Projektion der Energy Information Agency (Behörde des Bundesenergieministeriums) soll die Förderung von Gas zwischen 2025 und 2050 um insgesamt mehr als ein Drittel steigen. Dieser Zuwachs wird den Rückgang bei der Ölförderung von 8 Prozent deutlich überkompensieren.

USA erreichen 2027 "Peak Shale Oil"

Ein weiterer Trend dürfte zu einem Anstieg der Investitionen führen: Die Bohrungen werden technisch immer anspruchsvoller. Der Fracking-Boom der letzten 20 Jahre erreicht 2027 laut Einschätzung von KPMG seinen Höhepunkt. Danach gehen Schiefergas und -öl aus den sogenannten Tier-1-Feldern, bei denen die Förderung relativ kostengünstig ist, zur Neige. Die Erschließung neuer Vorkommen erfordert immer höhere Investitionsvolumina.

Geringe ImportabhängigkeitAnbieter für Bohr- und Fördertechnik in den USA 2026 im Überblick
JahrGas
Umsatz (in Mrd. US$)

11,3

Mitarbeiter (in 1.000)

23,8

Anzahl Firmen

447

Gewinn (in Mrd. US$)

1,1

Gewinnmarge (in Prozent)

9,8

Einfuhren (2025, in Mrd. US$)

1,5

Ausfuhren (2025, in Mrd. US$)

0,3

Prognose.Quelle: IBIS World 2026; U.S. International Trade Commission 2026

Laut dem Marktforschungsunternehmen IBIS World soll sich der US-Markt für Bohr- und Fördertechnik (einschließlich entsprechender Mess- und Sensortechnik) 2026 auf ein Volumen von 11,3 Milliarden US$ summieren. In dieser Summe sind allerdings zahlreiche Produktkategorien nicht enthalten. Wenn man sämtliche Maschinen und Ausrüstungen berücksichtigt, die in der Öl- und Gasindustrie der Vereinigten Staaten zum Einsatz kommen, ergeben sich deutlich höhere Werte. Grandview Research etwa spricht von einem Gesamtmarktvolumen (2025) von über 50 Milliarden US$.

Deutsche Zulieferchancen bei Mess- und Regeltechnik

Amerikanische Ausrüster haben eine starke Position im heimischen Markt. Wichtige Mitspieler sind Haliburton, Schlumberger oder Baker Hughes. Die Einfuhren von Bohrtechnik und Tiefbohrgeräten fiel 2025 mit 1,5 Milliarden US$ relativ gering aus, berichtet die International Trade Commission. Die entsprechenden Einfuhren "made in Germany" lagen bei gut 120 Millionen US$.

Für ausländische Anbieter ergeben sich bessere Zulieferchancen bei Mess-, Regel-, Sensor- und Steuertechnik für Flüssigkeiten und Gase. In dieser Kategorie beliefen sich die US-Importe 2025 auf rund 10 Milliarden US$. Die deutschen Lieferungen erreichten fast 900 Millionen US$. Allerdings ist nur ein Teil dieser Importe für die Öl- und Gasindustrie bestimmt.

Zölle werden oft an die Kunden weitergegeben

Neben den allgemeinen Zöllen, die auf Einfuhren aus der EU zu entrichten sind, gelten noch branchenspezifische. Besonders die Abgaben auf Stahl und Aluminium kommen bei vielen Lieferungen für die Öl- und Gasindustrie zum Tragen. Sie gelten auch für bestimmte Derivate.

Allerdings können ausländische Anbieter einen Großteil der Zollkosten an ihre Endkunden weitergeben, wenn es nicht ausreichend einheimische Konkurrenten gibt. Eine Studie der Deutsch-Amerikanischen Handelskammern (AHK) förderte Anfang 2026 zutage, dass die US-Endabnehmer (über alle Branchen hinweg betrachtet) gut 70 Prozent der Zollkosten tragen.

Kontakte
InstitutionAnmerkung
U.S. Energy Information AdministrationUS-Behörde; liefert umfangreiche Daten zum Öl- und Gassektor, u. a. Projektion zu Fördermengen bis 2050
Bureau of Land ManagementUS-Behörde, vergibt Bohr- und Fördergenehmigungen an Land
Bureau of Ocean Energy ManagementUS-Behörde, vergibt Offshore-Bohr- und Förderlizenzen
IBIS Worldprivates Marktforschungsunternehmen; bietet kostenpflichtige Studien zu Bohr- und Fördertechnik in den USA
HaliburtonUS-Marktführer für Bohr- und Fördertechnik
BPbritischer Öl- und Gaskonzern, Informationen zu Offshore-Projekten im Golf von Mexiko