Branchenbericht | USA | Schiffbau
US-Werften hoffen auf Geldregen aus Ostasien
Der am Boden liegende zivile Schiffbau soll mit Investitionen aus Südkorea und Japan aufgepäppelt werden. Fachkräftemangel und Visapolitik stellen ein Hindernis dar.
23.01.2026
Von Roland Rohde | Washington, D.C.
Donald Trump will die am Boden liegende zivile Schiffsbauindustrie wieder aufrichten. Dazu erließ er im April 2025 einen Dekret, in dem entsprechenden Pläne und Maßnahmen enthalten sind. Doch Papier ist bekanntlich geduldig und finanzielle Konsequenzen sind damit nicht verbunden. Zwar erließ er daraufhin eine Abgabe für chinesische Schiffe, die in US-Häfen anlegen, um die inländischen Werften zu schützen. Doch im November wurde diese wieder auf Eis gelegt.
Andere Maßnahmen schädigen die Industrie hingegen nachhaltig, vor allem ein Zollsatz in Höhe von 50 Prozent auf Stahl und Aluminium sowie deren Derivate. Im Stahlgeschäft können US-Werke zwar rund 80 des einheimischen Bedarfes decken. Doch insbesondere bei Spezialstählen herrscht eine hohe Importabhängigkeit. Infolge erhöhen sich die Produktionskosten für die einheimischen Werften, was ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit weiter untergräbt.
Zivile Werften aufgrund Fachkräftemangel und hoher Löhne wenig wettbewerbsfähig
Preislich können die US-Werften schon seit langem nicht mithalten. Laut Einschätzung von Branchenanalysten sind Schiffe aus US-Produktion bis zu viermal teurer als chinesischen Konkurrenzprodukte. Grund dafür sind vor allem der Fachkräftemangel und die hohen Löhne. Für die meisten Amerikaner ist es nicht attraktiv, im produzierenden Gewerbe zu arbeiten. Die wenigen die dennoch dazu bereit sind, können mit saftigen Entgelten rechnen. Ein Schweißer kann als Einstiegsgehalt von bis zu 60.000 US-Dollar (US$) rechnen. Mit Berufserfahrung wird die 100.000-US$-Marke geknackt.
Nicht umsonst ist die zivile Schiffsbauindustrie der Vereinigten Staaten ist im internationalen Vergleich ein Zwerg. Laut Deloitte lag ihr Anteil am globalen Branchenoutput 2024 bei 0,1 Prozent. Das Geschehen wird von China, Südkorea und Japan dominiert. Sie erreichten nach dem World Shipyard Monitor zusammengerechnet eine Quote von 95 Prozent. Auch in Nischen können sich US-Werften nicht behaupten. So lässt etwa der Disney-Konzern seine riesigen Kreuzfahrtschiffe bei der deutschen Meyer-Werft produzieren.
Hanwha investiert 5 Milliarden US$ in neue US-Tochter
Ohne ausländische Hilfe - das hat auch Donald Trump eingesehen - geht es nicht. Diese soll vor allem aus Ostasien kommen. Der südkoreanischhe Konzern Hanwa Ocean hatte bereits 2024 eine US Werft - Philly Shipyard in Pennsylvania - für einen geringen Betrag von 100 Millionen US$ übernommen. Der Konzern beabsichtig rund 5 Milliarden US$ in seine neue US-Tochter zu investieren.
Dabei soll es sich nur um den Anfang handeln. Im Rahmen der Zollübereinkunft zwischen den Vereinigten Staaten und Südkorea sagte Seoul Gesamtinvestitionen im Umfang von 150 Milliarden US$ in die US-Werft-Industrie zu.
Auch mit Japan wurde im Oktober 2025 eine Absichtserklärung, der zufolge das Land der aufgehenden Sonne in den US-Schiffbau investieren soll und die Werftindustrie beider Länder stärker miteinander kooperieren sollen. Es ist Teil eine Investitionsabkommens mit einem Gesamtumfang von 550 Milliarden US$. Wieviel davon in den Schiffbau fließen sollen, ist nicht bekannt. Es gab auch noch keine entsprechenden Ankündigungen von Seiten japanischer Unternehmen
Doch selbst bei den konkreten Investitionssummen bleibt fraglich, wieviel davon am Ende des Tages umgesetzt werden. In Verhandlungen mit Donald Trump haben es sich Unternehmen und ausländische Regierungsvertreter angewöhnt, dem US-Präsidenten um den Bart zu streichen und mit gigantischen Zahlen zu beeindrucken. Dabei warten sie gerne mit Vorhaben auf, die sich ohnehin in der Pipeline befanden oder mit langfristigen Projekten, deren Verwirklichung nicht mehr vor dem Ende von Trumps Amtszeit (Anfang 2029) wahrscheinlich ist.
Umfangreicher Knowhow-Transfer nötig
Doch auch mit südkoreanischem oder japanischen Kapital bleibt zunächst das Personalproblem. Laut Aussage von Hanwha ist ein umfangreicher Technologie- und Knowhow-Transfer nötig. Es gelte eine jahrzehntelangen Rückstand aufzuholen. Das US-Personal müsste ausgebildet und moderne Fertigungstechniken eingeführt werden. Dazu gehören automatisierte Schweißsysteme, digitale Montage, aber auch KI-basierte Lagersysteme.
Ohne die Mithilfe ausländischer Fachkräfte lässt sich die Umstellung bewerkstelligen. Doch hier wirkt die restriktive Immigrationspolitik der Trump-Administration kontraproduktiv. So waren im Herbst 2025 fast 300 Südkoreanische Arbeiter von der Immigrationsbehörde ICE festgenommen und zurück in ihre Heimat deportiert worden. Sie hatten beim Bau einer Batteriefabrik von Hyundai geholfen. Die US-Regierung hat zumindest Hilfe bei der künftigen Visavergabe in Aussicht gestellt.
Vermutlich schielen die ostasiatischen Kapitalgeber ohnehin eher auf den lukrativen Bereich. Dort gelten lokale Wertschöpfungsquoten von über 50 Prozent, die nach dem Willen der Trump-Administration weiter steigen sollen. Ohne Kapazitäten vor Ort kann man praktisch nicht ins Geschäft kommen. Nicht umsonst plant Hanwha auf seiner neue erworbenen US-Werft U-Boote mit Atomantrieb zu produzieren. Dabei kann der Konzern auch auf das Knowhow von US-Partnern, die zumindest im militärischen Bereich über einen Wettbewerbsvorsprung verfügen, zurückgreifen.
Einheimische Schiffbauer konzentrieren sich auf militärischen Bereich
Viele US-Werften haben sich auf den Bau, die Reparatur oder den Umbau von Kriegsschiffen konzentriertLaut IBIS World gab es 2025 über 400 Branchenbetriebe mit mehr als 110.000 Mitarbeitern. Sie generierte einen Umsatz von rund 41 Milliarden US$. Das waren gut 100 Millionen US$ pro Unternehmen. Virginia ist gemäß dem Marktforschungsunternehmen das Zentrum des militärischen Schiffbaus. Der Vorteil des Standortes ist nicht nur die Seelage, sondern auch die geografische Nähe zur Hauptstadt, wo alle das Militär betreffende wichtigen Entscheidungen gefällt werden.