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US-Marine baut ihre Flotte kräftig aus

Die amerikanische Marine will in den nächsten drei Jahrzehnten über 360 Schiffe anschaffen. Dafür müssen die einheimischen Werften wachsen und effizienter werden.

Von Roland Rohde | Washington, D.C.

Kurz vor Jahresende 2025 kündigte Donald Trump in Anwesenheit des Verteidigungsministers Pete Hegseth und des Marine-Chefs John Phelan den Bau von zwei Schlachtschiffen an. Langfristig, so der US-Präsident, benötigten die Vereinigten Staaten 25 Stück. Laut der Webseite des US-Kriegsministeriums – so der offizielle Name der Behörde – befindet sich das Projekt in der Designphase. Der Baubeginn ist für Anfang 2030 geplant.

Zu diesem Zeitpunkt wird Trump nicht mehr im Amt sein und es ist fraglich, ob die Schiffe unter einer neuen Administration gebaut werden. Dagegen sprechen nicht nur die hohen Kosten. Großkampfschiffe sind laut Militärexperten völlig aus der Zeit gefallen. Kein anderes Land der Welt besitzt sie noch oder plant deren Bau. Die USA hatten ihr letztes aktives Schlachtschiff Anfang der 1990er-Jahre ausgemustert.

Ohnehin hat die US-Kriegsmarine in jüngster Vergangenheit Programme zum Bau mittelgroßer Schiffe reduziert oder ganz gestrichen. Vom Zerstörer der Zumwalt-Klasse sollten ursprünglich 32 Einheiten gebaut werden. Doch die Kosten für das hochmoderne und schwer zu ortende Schiff liefen aus dem Ruder. Daher wurden nur drei Zerstörer in Dienst gestellt. Ende 2025 beendete das Kriegsministerium das Programm zum Bau von Fregatten der Constellation-Klasse. Auch hier war es zu einer Kostenexplosion gekommen.

Die Marine will sich laut ihrem "Long-Range Plan for Construction of Naval Vessels" künftig verstärkt auf den Bau kleinerer und teilweise unbemannter Kampfschiffe konzentrieren. Je größer ein Schiff, desto höher fällt seine Verletzbarkeit durch Antischiffsraketen und Drohnen aus. Mit vielen kleinen Einheiten kann der Gegner seine Feuerkraft nicht konzentrieren und das Risiko lässt sich besser streuen. Außerdem geht es darum, mit China zahlenmäßig Schritt zu halten. Die Volksrepublik besitzt inzwischen eine größere Überseeflotte als die USA. Immerhin wollen die Vereinigten Staaten am Flugzeugträger festhalten. Ein halbes Dutzend davon soll in den nächsten Jahren in Dienst gestellt werden.

Flotte soll bis 2054 auf fast 400 Schiffe wachsen

Ein 2025 veröffentlichter Bericht des Congressional Budget Office analysiert die langfristigen Schiffkaufpläne der Marine. Demzufolge soll die Flotte von 295 Schiffen bis 2027 auf 283 sinken. Anschließend wird sie aber stetig zulegen, um 2054 auf 390 Einheiten anzuwachsen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen eingerechnet der Außerdienststellungen insgesamt 364 Kampf- und Unterstützungsschiffe angeschafft werden.

Die entsprechenden Investitionskosten belaufen sich auf 40,1 Milliarden US-Dollar (US$) pro Jahr, und zwar zu Preisen von 2024. Die Konstruktionskosten für die Schiffe summieren sich dabei auf 35,8 Milliarden US$ per annum. Das Haushaltsvolumen der Marine lag 2024 laut dem Papier bei 255 Milliarden US$. Um die Schiffe wie geplant anzuschaffen, müsste es (nicht inflationsbereinigt) bis 2054 um ein Drittel auf 340 Milliarden US$ steigen. 

Marine will langfristig Hunderte Schiffe anschaffenGeplante Käufe bis 2054
Schiffsart

Anzahl

Flugzeugträger

6

mittelgroße Überwasserschiffe

51

kleine Überwasserschiffe

81

Jagd-U-Boote

59

U-Boote für ballistische Raketen

10

U-Boote für Cruise Missiles

6

amphibische und Landungsfahrzeuge

80

Logistik- und Unterstützungsschiffe

71

insgesamt

364

Quelle: Congressional Budget Office 2025

Investitionen steigen schon 2026 spürbar

Bereits in den kommenden Fiskaljahren werden sich die Expansionspläne niederschlagen. Laut Berechnung des Kongresses werden sich die Kosten für die Beschaffung von gut 50 Schiffen zwischen 2026 und 2029 auf rund 140 Milliarden US$ belaufen. Doch selbst wenn die Abgeordneten die geplanten Mittel im vollen Umfang genehmigen, bleibt die Frage, inwieweit die einheimische Industrie liefern kann.

Mittelfristig geht es um 50 GroßaufträgeAnschaffungen (in Milliarden US-Dollar)
Fiskaljahr

Wert

Anzahl

2025

28,3

6

2026

33,2

11

2027

38,3

14

2028

35,0

13

2029

32,7

13

2026 bis 2029

139,2

51

Fiskaljahr läuft vom 1. Oktober bis zum 30. September.Quelle: Congressional Budget Office 2025

Die Werften müssen ihre Kapazitäten hochfahren und effizienter werden. Bei zahlreichen Programmen gebe es enorme zeitliche Verzögerungen, so die Analyse des Kongresses. Dauerte es in den Nullerjahren noch fünf bis sechs Jahre, bis ein Zerstörer fertiggestellt wurde, liege die Konstruktionsphase inzwischen bei acht bis neun Jahren.

Der Fachkräftemangel ist nach Einschätzung des Papiers ein wesentlicher Engpassfaktor. Die Lage könnte sich auf absehbare Sicht sogar noch verschärfen, denn große Teile des Werftpersonals werden in den kommenden Jahren in Rente gehen. Alleine können dies die USA nicht bewältigen, das sieht selbst Donald Trump ein. Kapital und Know-how aus Fernost sollen es richten. 

Der südkoreanische Konzern Hanwa Ocean hatte bereits 2024 eine US Werft – Philly Shipyard in Pennsylvania – für den relativ geringen Betrag von 100 Millionen US$ übernommen. Er beabsichtigt, rund 5 Milliarden US$ in seine neue US-Tochter zu investieren. Dort sollen künftig Atom-U-Boote vom Stapel laufen.

Geschäftschancen für deutsche Anbieter

Auch deutsche Unternehmen können von den Expansionsplänen der US-Marine profitieren. Wie ein US-Beamter Germany Trade & Invest bestätigte, stehen viele Aufträge und Ausschreibungen auch für ausländische Firmen offen – insbesondere aus NATO-Ländern. Zu beachten sind aber Vorschriften bezüglich lokaler Wertschöpfungsanteile. Diese lassen sich durch Investitionen vor Ort oder auch Kooperationen mit US-Partnern erreichen. 

In den USA gibt es insgesamt sieben Anbieter mit eigenen Werften für Kriegsschiffe: Austal, Ficantieri Marinette, die zur Huntington Ingalls Gruppe gehörenden Firmen Ingalls Shipbuilding und Newport News Shipbuilding sowie die drei zur General Dynamics gehörenden Gesellschaften Bath Iron Works, National Steel and Shipbuilding Company und General Dynamics Electric Boat. Letztendlich teilen sich damit vier Konzerne den Kuchen auf.

Daneben existieren Tausende von Zulieferern für Spezialtechnologie. Bei 70 Prozent der kritischen Komponenten gibt es nur einen einzigen Hersteller. Dadurch kann es zu großen Lieferverzögerungen kommen. Es ist somit auch im Interesse der US-Marine, die Zahl der Anbieter zu erhöhen. Ein hoher pensionierter Offizier betonte im Gespräch mit Germany Trade & Invest, dass im Pentagon eine generelle Unzufriedenheit mit den angestammten Großzulieferern bestehe. Man sei auf der Suche nach Alternativen.

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