Rechtsbericht | USA | Steuerrecht
US-Steuerreformen 2017 bis 2025
In den letzten Jahren gab es in den USA zahlreiche Steuerreformen – vom Tax Cuts and Jobs Act bis zum One Big Beautiful Bill Act.
28.05.2026
Von Jan Sebisch | Bonn
Tax Cuts and Jobs Act 2017
Der Tax Cuts and Jobs Act (TCJA), der ab 2018 in den USA in Kraft trat, stellt die größte Reform des amerikanischen Steuerrechts seit Jahrzehnten dar. Im Mittelpunkt standen vor allem umfassende Änderungen bei der Unternehmensbesteuerung. Unter anderem wurde die Körperschaftssteuer von 35 Prozent auf 21 Prozent gesenkt. Die damalige US-Regierung verfolgte damit das Ziel, die internationale Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Unternehmen zu stärken, Investitionen in den USA attraktiver zu machen und Kapitalrückflüsse aus dem Ausland zu fördern. Zusätzlich erhielten Unternehmen die Möglichkeit, Investitionen (zum Beispiel in Maschinen oder technische Anlagen) schneller steuerlich abzuschreiben.
Ein zentraler Punkt des TCJA ist auch die Entlastung kleiner und mittelständiger Unternehmen gewesen. Viele Unternehmen in den USA sind keine Kapitalgesellschaften, sondern sogenannte „Pass-through“- Gesellschaften wie zum Beispiel Partnerships, bei denen die Besteuerung auf Ebene der dahinterstehenden Gesellschafter erfolgt. In diesem Rahmen wurde für die hinter einer Pass-through – Gesellschaft stehenden natürlichen Personen ein neuer Steuerabzug von bis zu 20 Prozent für das sogenannte Qualified Business Income gewährt.
Darüber hinaus reformierte das Gesetz die internationale Besteuerung. Die USA wechselten teilweise von einem weltweiten zu einem territorial orientierten Steuersystem in dessen Rahmen die Gewinne ausländischer Tochtergesellschaften Konzerne anders behandelt werden als zuvor. Ziel ist es gewesen, hohe im Ausland erzielte Unternehmensgewinne zurück in die USA zu holen und Gewinnverschiebungen in Niedrigsteuerländer einzuschränken.
Inflation Reduction Act 2022
Der Inflation Reduction Act (IRA), der 2022 in den USA verabschiedet wurde, markiert einen weitreichenden Eingriff in die amerikanische Wirtschafts- und Energiepolitik. Die damalige US-Regierung verfolgte mit dem Gesetz das Ziel die industriellen Strukturen zu modernisieren sowie auf die zunehmende Bedeutung des Klimaschutzes zu reagieren. Charakteristisch für das Maßnahmenpaket ist die enge Verknüpfung von steuerlichen Reformen, staatlichen Investitionsanreizen und langfristigen energiepolitischen Zielen.
Ein wichtiger Bestandteil des Gesetzes ist die Einführung einer Mindeststeuer von 15 Prozent (Corporate Alternative Minium Tax) für große Kapitalgesellschaften gewesen. Die Regelung richtet sich an Unternehmen mit sehr hohen Gewinnen beziehungsweise findet auf alle in den US-ansässigen Unternehmen Anwendung, die im Rahmen eines Dreijahreszeitraum ein durchschnittliches adjusted financial statement income von mehr als einer Milliarde US-Dollar (US$) erwirtschaften. Ferner wurde unter anderem auch eine einprozentige Excise Tax auf den Rückkauf eigener Unternehmensteile eingeführt. Mit dieser Regelung reagierte der US-Gesetzgeber auf die zunehmende Bedeutung von Aktienrückkäufen als Instrument der Unternehmenspolitik. Gleichzeitig sollte hierdurch eine weitere Einnahmequelle für den Bundeshaushalt geschaffen werden.
Darüber hinaus enthielt der IRA umfangreiche Förderprogramme im Bereich Klimaschutz und erneuerbare Energien. Steuerliche Vergünstigungen und finanzielle Unterstützungen sind unter anderem vorgesehen gewesen für Investitionen in Solarenergie, Windkraft, Wasserstofftechnologien und Elektrofahrzeuge. Die Förderungsmöglichkeiten bestanden sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen.
One Big Beautiful Bill Act 2025
Der One Big Beautiful Bill Act (OBBBA) aus dem Jahr 2025 enthält umfangreiche Änderungen im Bereich der Besteuerung natürlicher Personen und Unternehmen in den Vereinigten Staaten. Ein zentraler Bestandteil des Gesetzes ist die dauerhafte Fortführung mehrerer einkommensteuerlicher Regelungen, die ursprünglich durch den TCJA aus dem Jahr 2017 eingeführt worden waren. Umfasst hiervon sind unter anderem die abgesenkten Einkommensteuersätze für natürliche Personen (zum Beispiel die Absenkung des Spitzensteuersatzes auf 37 Prozent).
Darüber hinaus enthält das Gesetz steuerliche Begünstigungen für bestimmte Einkommensarten. Unter festgelegten Voraussetzungen werden Trinkgelder sowie Teile von Überstundenvergütungen ganz oder teilweise von der Einkommensteuer freigestellt. Die Regelungen betreffen insbesondere Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit in bestimmten Branchen und Tätigkeitsbereichen. Ziel der Änderungen ist eine Verringerung der steuerlichen Belastung bestimmter Arbeitnehmergruppen.
Im Bereich der Unternehmenssteuer ist unter anderem die erneute Ausweitung der Sofortabschreibung für bestimmte Wirtschaftsgüter zu nennen. Unternehmen erhalten dadurch die Möglichkeit, bestimmte Investitionen bereits im Jahr der Anschaffung in größerem Umfang steuerlich geltend zu machen. Die Regelungen zur sogenannten Bonus Depreciation des TCJA wurden entsprechend angepasst und verlängert.
Außerdem enthält der OBBBA Änderungen im Zusammenhang mit den Förderungen des IRA. Während unter der Biden-Regierung umfangreiche steuerliche Anreize für Klimaschutzmaßnahmen und erneuerbare Energien geschaffen worden sind, sieht der OBBA in mehreren Bereichen Einschränkungen und Anpassungen vor. Eine vollständige Abschaffung der Förderprogramme erfolgt zwar nicht, jedoch werden einzelne Fördermaßnahmen reduziert, zeitlich verkürzt oder früher beendet als ursprünglich vorgesehen. Betroffen sind unter anderem bestimmte steuerliche Vergünstigungen im Bereich erneuerbarer Energien und klimabezogener Investitionen.