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Usbekistans Importe innovativer Medizintechnik legen stetig zu
Reformen in der öffentlichen und privaten Gesundheitsfürsorge sorgen für viele Ausbau- und Modernisierungsprojekte. Importe dominieren den usbekischen Medizintechnikmarkt.
06.03.2026
Von Uwe Strohbach | Taschkent
Ausblick der Medizintechnik in Usbekistan
Bewertung:
- Usbekistans Importbedarf an Medizintechnik wächst stetig.
- Zahlreiche Investitionsprojekte für den Bau neuer und die Modernisierung bestehender medizinischer Objekte bieten viele Lieferchancen.
- Zunehmendes Interesse an modernen digitalen technologischen Lösungen im Gesundheitswesen einschließlich Telemedizin und künstlicher Intelligenz.
- International übliche Rahmenbedingungen für die Produktregistrierung und neue technische Standards erleichtern Markterschließung.
Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: März 2026
Markttrends
Usbekistans Markt für Medizintechnik kennt seit Jahren nur einen Trend: nach oben. Dabei gilt es, eine geringe Ausgangsbasis zu beachten.
Reformen, Investitionen und neue Gesundheitsprogramme beflügeln Nachfrage
Die Branche profitiert von Reformen im Gesundheitswesen, mehr Investitionen in die öffentliche Gesundheitsvorsorge und einem dynamisch zunehmenden privaten medizinischen Sektor. Treiber des Geschäfts mit Medizintechnik sind zudem ein starker Bevölkerungszuwachs, ein wachsender Anspruch der Einwohner an eine hochwertige medizinische Versorgung und nicht zuletzt die seit 2024 laufende etappenweise Einführung einer landesweit obligatorischen staatlichen Krankenversicherung.
Die Regierung baut ihre Programme zur Frühdiagnostik und Prävention von Herz-Kreislauf-, Diabetes-, Atemwegs- und Krebserkrankungen sowie zur Behandlung schwerer und chronischer Krankheiten weiter aus. Eine bessere fachärztliche und Primärversorgung stehen ebenfalls im Fokus der Gesundheitsfürsorge.
Der Gesamtmarkt für medizinische Dienste betrug 2025 etwa 4,3 Milliarden US-Dollar (US$). Er hat sich gegenüber 2020 verdoppelt und wächst jährlich real um 13 bis 15 Prozent, so Branchenkenner gegenüber Germany Trade & Invest.
Medizintechnik erreicht bald Milliardenumsatz
Der Absatz von Medizintechnik dürfte in den nächsten vier Jahren im Schnitt um jährlich 10 Prozent zulegen und 2030 die Marke von 1 Milliarde US$ erreichen. Dies entspricht einer Verdopplung gegenüber 2023. Der Markt wird zu mehr als 90 Prozent über Importe gedeckt. Unter Einschluss medizinischer Verbrauchsartikel beträgt diese Quote etwa 75 bis 80 Prozent.
Die Herausforderungen für den weiteren Um- und Ausbau des Gesundheitswesens und die Implementierung moderner Behandlungsmethoden kann Usbekistan auch künftig nur mit massiver Unterstützung aus dem Ausland stemmen.
Hauptabnehmer von Medizintechnik sind öffentliche medizinische Einrichtungen. Der Staat investiert in den Neubau sowie in die Modernisierung der bestehenden medizinischen Infrastruktur. Allein 2026 sollen 36 neue medizinische Einrichtungen, darunter vor allem Polikliniken, errichtet und 189 bestehende Objekte modernisiert werden. Etwa die Hälfte der in öffentlichen Krankenhäusern und Kliniken genutzten Geräte zur Diagnose, Therapie und Prävention von Krankheiten bedarf einer Erneuerung.
Der expandierende private Sektor steht heute für 35 Prozent der im Land gewährten medizinischen Dienste, gegenüber nur 10 Prozent im Jahr 2017. Die Anzahl privater Kliniken, Ambulatorien und Labors stieg in jenem Zeitraum von 3.200 auf mehr als 9.000. Allein 2025 erhielten 1.329 neue private Akteure eine Zulassung. Bis 2030 dürfte die Anzahl privater Einrichtungen auf etwa 13.000 steigen. Mittelfristig soll der Anteil des Privatsektors an den in Usbekistan jährlich gewährten medizinischen Diensten auf 50 Prozent steigen. Der Sektor profitiert von steuerlichen Vorzugsbedingungen und vereinfachten Lizenzverfahren.
Deutsche Anbieter stehen für knapp ein Siebtel der Importe
Unter den Importeuren dominieren Lieferanten aus China, Europa (vorrangig aus Deutschland, Italien, Frankreich, Großbritannien, Schweiz), Südkorea, den USA, der Türkei, Japan und Russland. Deutschland ist der Hauptlieferant unter allen westlichen Ländern. Deutsche Firmen stehen im Schnitt für 12 bis 13 Prozent der usbekischen Medizintechnikimporte.
Die öffentliche Beschaffung von Medizintechnik wird größtenteils über projektgebundene internationale Darlehen finanziert (vor allem über Kredite der Asiatischen Entwicklungsbank, der Islamischen Entwicklungsbank und der Weltbank) sowie über staatliche Exportkreditagenturen und Förderinstitute (insbesondere aus Südkorea, Japan, China und Deutschland). In den Jahren 2024 und 2025 sind jeweils mehr als 300 Millionen US$ an ausländischen Geldern in Projekte des Gesundheitswesens geflossen. Für 2026 und 2027 erwartet das Gesundheitsministerium einen Zufluss von mindestens 400 Millionen US$.
| Akteur/Projekt | Investitionssumme | Projektstand/Umsetzung | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| Cluster "Medical Smart City" (u.a. Krankenhäuser, Universität) | 5.000 | Frühstadium, bis 2034 | OOO TMSC (Südkorea/Usbekistan), Gebietsverwaltung Taschkent |
| Krankenhaus (interdisziplinär, 800 Betten, PPP/Public Private Partnership), Region Fergana | 284 | 2026 bis 2029 | Vision International Investment Company (Saudi-Arabien), FE KOC Construction Mekanik Elektrik (Usbekistan) |
| Bau/Ausstattung mehrerer Geburtskliniken, Ausbau der Reproduktionsmedizin (Sonderprogramm für Mutter und Kind) | 200 | bis 2027 | Ministerium für Gesundheitswesen |
| Nationales Zentrum für Neurologie und Neurorehabilitation (200 Betten), Taschkent | 175 | bis 2032 | Ministerium für Gesundheitswesen |
| Medizinisches Zentrum und Krankenhaus (interdisziplinär, 300 Betten), Taschkent | 150 | bis 2028 | Kyeryong (Südkorea) |
| Ausrüstung von Rettungsdiensten und Kliniken mit Spezialtechnik (Programm zur Bekämpfung und Behandlung von Schlaganfällen), Modernisierung mehrerer Kliniken für integrierte Onkologie | 60 | bis 2027 | Ministerium für Gesundheitswesen |
| Bau/Ausstattung von Kardiologiezentren in allen Verwaltungsgebieten des Landes | k.A. | Frühstadium | Ministerium für Gesundheitswesen (in Kooperation mit ausländischen Investoren) |
| Bau/Ausstattung von 198 Blutanalyselabors | k.A. | bis 2030 | Ministerium für Gesundheitswesen |
Branchenstruktur und Rahmenbedingungen
In Usbekistan gibt es 38 Hersteller von medizintechnischen Ausrüstungen, die zumeist technisch weniger anspruchsvolle Geräte herstellen. Sie spielen bei der Belieferung medizinischer Einrichtungen nur eine untergeordnete Rolle. Mit der Produktion von medizinischen Verbrauchsartikeln sind 103 Unternehmen befasst.
Wichtige Produzenten sind Magnum Medikal Service (Ausrüstungen für Physiotherapie, Gynäkologie, Urologie und Elektrochirurgie), TSMT (Röntgengeräte), Nukus Medical Device (Holter-Langzeit-EKG-Systeme, Operationstische und -lampen), Chirana Asia (Anästhesie- und Beatmungsgeräte), Sultan Medical (nichtinvasive Beatmungssysteme), Naf (Lasertherapiegeräte), Ancient Medical (HNO-Diagnosesysteme), Universal Best Ideas, Texno-Med-Komplekt (beider Krankenhausbetten) und Muruvvatxon (nichtinvasive Blutzuckermessgeräte).
Das Zentrum für die Sicherheit medizintechnischer Produkte ist die zentrale Organisation für die Registrierung von medizintechnischen Ausrüstungen und medizinischen Verbrauchsartikeln. Seit Jahresbeginn 2026 gilt ein an internationale Standards angepasstes neues Registrierungsverfahren. Für das Prüfverfahren werden die Ausrüstungen und Verbrauchsartikel in vier Risikogruppen unterteilt.
Für Produkte, die von ausländischen Zulassungsbehörden mit einem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) anerkannten hohen Reifegrad (WHO-Listed Authory/WLA; Maturity Level 4) registriert sind, kommt seit Mitte 2021 eine vereinfachte Registrierung zur Anwendung. Laboruntersuchungen und andere technische Prüfungen entfallen. Auf der WLA-Liste steht auch das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).
Bei diesem Verfahren erfolgt die Registrierung innerhalb von höchstens 15 Arbeitstagen. Das Konformitätszertifikat ist bei der Einfuhr im Original oder in beglaubigter Kopie zusammen mit der Zollanmeldung vorzulegen. Die Registrierung gilt zunächst für fünf Jahre und kann danach auf Antrag dauerhaft in das staatliche Register aufgenommen werden. Details zum Registrierungsverfahren können der Ministerkabinettsverordnung Nr. 213 vom 23. März 2018 in der aktuellen Fassung von 2026 entnommen werden.