Kenias Gesundheitssektor zeichnet sich durch einen der größten Privatsektoren Subsahara-Afrikas aus. Hier wird auf die Qualität geachtet.
Kenias Gesundheitssektor teilt sich auf in staatlich und privat. Beide teilen sich den Gesundheitsmarkt in etwa im Verhältnis 60:40 untereinander auf. Auch wenn es gute staatliche Gesundheitseinrichtungen in Kenia gibt, ist das Niveau der staatlichen Gesundheitsversorgung nicht mit Europa vergleichbar.
KEMSA ist die entscheidende Stelle bei staatlichen Beschaffungen
Dennoch wird teilweise qualitativ hochwertige Medizintechnik beschafft. Wer sich an den Ausschreibungen beteiligen möchte, kommt mit verschiedenen ausschreibenden Behörden in Berührung.
Zentrale Beschaffungsstelle ist die Kenya Medical Supplies Agency (KEMSA). Sie veröffentlicht die meisten Ausschreibungen, wenngleich auch das Ministry of Health, die einzelnen Provinzen (Counties) oder Einrichtungen wie das Militär und die Polizei mitunter selber ausschreiben.
Militär und Polizei beschaffen separat für ihre Krankenhäuser
Ausschreibungen für Polizeikrankenhäuser in Kenia werden primär über das Innenministerium (Ministry of Interior & National Administration) und den National Police Service (NPS) veröffentlicht. Die Gesundheitsversorgung der Polizei ist ein relevanter Bereich. Erst im September wurde in Nairobi das National Police Service Referral Hospital (NPSRH) eröffnet, ein Krankenhaus mit 200 Betten. Kenia verfügt auch über eine Reihe guter Militärhospitäler. Deren Beschaffungen werden in der Regel vom Ministry of Defence ausgeschrieben.
Um sich über zukünftige Ausschreibungen zu informieren, empfiehlt sich nicht nur der Kontakt zu den Behörden, sondern auch zu im Gesundheitssektor aktiven Geberorganisationen. Diese finanzieren zahlreiche Investitionen des kenianischen Staates. Nicht wenige Zulieferer bewerben sich bei staatlichen Ausschreibungen nur dann, wenn Geber mitfinanzieren. Ihre Beteiligung stellt eine zusätzliche Sicherheit für die Zahlung dar sowie auch dafür, dass keine Compliance-Probleme auftreten. Nicht wenige Zulieferer sitzen jahrelang auf hohen Forderungen an den Staat, die sie nicht mehr eintreiben können.
Privater Gesundheitssektor unter den größten in Subsahara-Afrika
Kenia verfügt über einen der größten privaten Gesundheitssektoren in Subsahara-Afrika. Nach Südafrika und Nigeria dürfte er auf Platz drei liegen. Das liegt an der relativ großen Mittel- und Oberschicht, die sich diese teureren Gesundheitsdienstleistungen leisten kann. Hinzu kommt eine hohe Präsenz internationaler Organisationen und ausländischer Firmen und Nairobis Rolle als regionaler Hub für den Gesundheitstourismus in Ostafrika.
In Nairobi gibt es eine Reihe privater Krankenhäuser wie Aga Khan, Nairobi Hospital, M.P. Shah, Karen Hospital, AAR oder Avenue Hospital. Hinzu kommen zahlreiche Arztpraxen und Diagnostikzentren. Sie verfügen über einen weitgehend internationalen Standard. Auf die Kosten müssen jedoch auch sie achten und beschaffen daher bei entsprechender Qualität auch Medizintechnik aus China oder Indien.
Eine wichtige Rolle - gerade in ländlichen Regionen - spielen private "Non-Profit-Einrichtungen", die von religiösen Organisationen wie Kirchen betrieben und finanziert werden. Sie müssen zwar auch auf die Kosten achten, beschaffen in der Regel aber bessere Qualität als der Staat.
Importe ausgewählter Medizinprodukte nach Kenia und Anteil aus Deutschlandin Millionen US-Dollar; Anteil in Prozent| SITC | | Import weltweit | Anteil aus Deutschland |
|---|
| 774.1 | Elektrodiagnoseapparate und -geräte | 1,7 | 0,4 |
| 774.2 | Röntgenapparate etc. | 15,2 | 14,4 |
| 741.83 | Sterilisierapparate | 26,5 | 3,9 |
| 872.1 | Zahnmedizinische Instrumente; a.n.g. | 0,8 | 1,2 |
| 872.21 | Spritzen, Nadeln, Katheter, Kanülen etc. | 19,7 | 5,8 |
| 872.25 | Ophthalmologische Instrumente | 1,0 | 1,9 |
| 872.29 | Andere Instrumente, Apparate und Geräte | 42,4 | 9,8 |
| 872.3 | Therapiegeräte, Atmungsgeräte etc. | 8,3 | 18,8 |
| 872.4 | Medizinmöbel etc. | 7,3 | 3,9 |
| 899.6 | Orthopädietechnik, Prothesen etc. | 9,7 | 7,0 |
Quelle: UN Comtrade 2026
Vertrieb: Lokale Präsenz wird immer wichtiger
Die meisten deutschen Hersteller medizintechnischer Geräte sind in erster Linie an Liefergeschäften nach Kenia interessiert. Das Marktwachstum der letzten Jahre sowie die steigende Konkurrenz seitens anderer Anbieter machen eine Präsenz vor Ort auch für deutsche Unternehmen interessanter und wichtiger.
Mit einer eigenen Vertriebsfiliale sind bislang nur die wenigsten ausländischen Medizintechnikhersteller in Kenia vertreten. Dafür dürfte der Markt noch zu klein sein. Indes ist es von Kenia aus möglich, mehrere Länder Ostafrikas zu betreuen, wie Tansania, Uganda und Ruanda.
Bevorzugtes Modell der Marktbearbeitung ist aktuell noch die Partnerschaft mit einem lokalen Distributor. Speziell bei Geschäften mit dem Staat bevorzugen ausländische Lieferanten auch aus Compliance-Gründen die Vertretung durch einen lokalen Agenten. Andere Distributoren konzentrieren sich auf den privaten Gesundheitssektor und legen hierbei Wert auf die Beratung und den After-Sales-Service. Die folgende Tabelle zeigt eine Auswahl der großen Handelsvertreter für Medizintechnik.
Die großen Vertriebspartner im kenianischen Gesundheitssektor| Händler | Kurzbeschreibung des Händlers |
|---|
| Surgipharm | Vertreten eine Reihe der großen Pharma- und Medizintechnikanbieter. Zentrale in Nairobi, Filiale in Mombasa |
| Harleys | Familienunternehmen, das 1953 gegründet wurde. Büros in Nairobi, Mombasa und Eldoret. |
| Laborex | Gegründet 1911 unter dem Namen Howse & McGeorge. Gehört heute zur französischen CFAO-Gruppe. Büro in Nairobi. |
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026
Dräger eröffnete 2022 Niederlassung in Nairobi
Einfach ist es nicht, sich im kenianischen Gesundheitssektor zu etablieren aber das Interesse ist vorhanden. Im Jahr 2024 eröffnete der Medizintechnikhersteller Dräger sein neues Büro in Nairobi, von dem aus der Vertrieb nach ganz Ostafrika betreut werden soll. Dräger arbeitet zusätzlich noch mit einem lokalen Vertriebspartner zusammen.
Ein solches zweigleisiges Modell fahren auch andere Zulieferer des Gesundheitssektors. Bei der Auswahl der Handelsvertreter ist Sorgfalt geboten, wenn man sicherstellen will, dass sein eigenes Produkt vom Handelsvertreter mit Priorität vertrieben wird.
Lokale Produktion: Das Umfeld ist schwierig
Denkbar ist auch eine lokale Produktion. Diesen Schritt ist 2020 B. Braun gegangen, das seitdem Infusionslösungen in Nairobi herstellt. Das Melsunger Unternehmen hat dafür einen zuvor kenianischen Produzenten übernommen und die Produktionsanlagen zum Teil erneuert. Gleichwohl ist das Geschäft für lokal produzierende Firmen nicht immer leicht. Sie konkurrieren mit asiatischen Billigimporten. Das wird dann zum Problem, wenn die Kunden keinen Wert auf Qualität legen.
Für Torsten Dönhoff, seit 2021 Geschäftsführer von B. Braun in Nairobi, sind folgende Punkte entscheidend, wenn man als Produzent in Kenia Erfolg haben möchte:
- Herstellungskosten beständig optimieren. Die permanente Kostenkontrolle beim lokalen Einkauf zum Beispiel von Etiketten, Verpackungen und Dienstleistungen sowie ein effizienter Einsatz der Arbeitskräfte sind unerlässlich.
- Den am besten geeigneten Marktzugang finden: Direktvertrieb oder Online-Vertrieb wo möglich – mit Vertriebspartnern wo nötig.
- Komplettlösungen für Krankenhausprozesse statt Einzelprodukte anbieten.
- Produktinnovationen und Anwendungsschulungen bereitstellen.
- Sich als echte Partner des Kunden erweisen: zum Beispiel durch neue Geschäftsmodelle und zuverlässige Produktversorgung.
Rahmendaten zum Gesundheitssystem in Kenia| Indikator | Wert |
|---|
| Einwohnerzahl (2026 in Mio.) | 58,6 |
| Bevölkerungswachstum (2024 in % pro Jahr) | 2,0 |
| Altersstruktur der Bevölkerung (2024) | |
| Anteil der unter 14-Jährigen (in %) | 37,0 |
| Anteil der über 65-Jährigen (in %) | 1,7 |
| Durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt (2023 in Jahren) | 64 |
| BIP pro Kopf (2026 in US$) | 2.358,0 |
| Gesundheitsausgaben pro Kopf (2023 in US$) | 85,0 |
| Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP (2023 in %) | 4,4 |
| Ärzte/100.000 Einwohner (2024) | 26,0 |
| Zahnärzte/100.000 Einwohner (2024) | 0,5 |
| Krankenhausbetten/100.000 Einwohner (2019) | 133 |
Quelle: The Economist Intelligence Unit 2026; The World Bank 2026; World Health Organization 2026; IWF 2026
Von Carsten Ehlers
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Nairobi