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Marokko investiert künftig mehr in Medizintechnik
Die marokkanische Regierung hat das Kapitel Gesundheit im Staatshaushalt 2026 deutlich ausgebaut. Es fließt zudem mehr privates Geld in Gesundheitseinrichtungen.
02.02.2026
Von Ullrich Umann | Casablanca
Ausblick der Medizintechnik in Marokko
Bewertung:
- Erheblicher Investitionsbedarf, da veraltete Geräte ersetzt werden müssen.
- Es besteht die Notwendigkeit, Gesundheitseinrichtungen in entlegenen Regionen zu errichten.
- Staatliche Gesundheitsausgaben müssen erhöht werden.
- Hohe Importabhängigkeit bei Medizintechnik bei gleichzeitiger Förderung lokaler Produktion.
- Bei der Zulassung werden europäische Standards wie CE‑Marking, ISO‑13485 und EU‑Konformitätsbewertungen anerkannt.
Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Januar 2026
Markttrends
Der marokkanische Medizintechnikmarkt befindet sich 2026 in einer Phase des beschleunigten Wachstums sowie der Modernisierung. Treiber sind umfassende Gesundheitsreformen, im Vorjahresvergleich aufgestockte staatliche Ausgaben und der Ausbau medizinischer Infrastruktur. Das Gesundheitsbudget steigt 2026 im Rahmen des Haushaltsgesetzes PLF auf 4,24 Milliarden Euro. Das sind rund 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Davon werden 1,45 Milliarden Euro in Medizintechnik, medizinisches Verbrauchsmaterial und digitale Anwendungen investiert.
Digitalisierung und Versicherungsausbau treiben Marktnachfrage
Parallel dazu wird das staatliche Versicherungssystem ausgebaut: Die allgemeine Krankenversicherung soll nahezu die gesamte Bevölkerung abdecken, was die Nachfrage nach diagnostischer und therapeutischer Technologie erhöht. Für 2025 bezifferten Regierungsquellen das Volumen der öffentlichen Ausschreibungen für Medizintechnik mit 744 Millionen Euro. Diese Ausgaben sollen bis 2030 nominal um 7 Prozent pro Jahr weiter anschwellen.
Digital-Health-Programme gewinnen bei den öffentlichen Beschaffungen an Bedeutung, darunter Telemedizin und E‑Health zur besseren Versorgung ländlicher Gebiete. Initiativen wie Maroc Digital sowie internationale Veranstaltungen wie die GITEX Future Health Africa 2026 stärken dabei Marokkos Rolle als interessanten Innovationsstandort, auch für deutsche Anbieter von Medizintechnik.
Konjunkturell entwickelt sich die Branche dynamisch. Im Jahr 2025 erzielte der medizinische und pharmazeutische Sektor 1,82 Milliarden Euro Umsatz, unterstützt durch wachsende Industriepartnerschaften.
Medizintechnikmarkt profitiert von Reformen und Ausbauprogrammen
Zentrale Investitionsprogramme verändern das Marktumfeld nachhaltig. Dazu gehören u. a. der Neubau und die Ausstattung mehrerer Universitätskliniken (CHU - Centre Hospitalier Universitaire) in Rabat, Agadir, Laâyoune, Béni Mellal, Guelmim und Errachidia. Bis 2027 entstehen darüber hinaus 44 lokale Krankenhäuser, während 91 bestehende Einrichtungen modernisiert werden. Dazu kommen 49 regionale Gesundheitszentren, ausgestattet mit Technik zur Grundversorgung und für mobile Medizin, sowie Rettungs- und Transporteinheiten. Diese Maßnahmen führen zu einer mittelfristig dauerhaften Nachfrage nach Medizintechnik in nahezu allen Geräteklassen.
Der Markt ist stark importabhängig: Rund 90 Prozent der Medizintechnik stammen aus dem Ausland, vor allem aus China, Deutschland und den USA. Zugleich gilt ein striktes Importverbot für gebrauchte Medizingeräte, wodurch ausschließlich fabrikneue Technik eingeführt werden darf – ein Faktor, der das wertmäßige Marktvolumen erhöht.
Insgesamt positioniert sich Marokko als wachstumsstarker Markt, getragen von Infrastrukturinvestitionen, Reformen und Digitalisierung. Die Kombination aus steigenden Gesundheitsausgaben, erweiterten Versicherungsstrukturen und großen Bauprojekten macht das Land zu einem der attraktivsten Medizintechnikmärkte Nordafrikas.
| Akteur/Projekt | Investitionssumme | Anmerkungen |
|---|---|---|
| Gesundheitsbudget 2026 – Investitionslinie (Medizintechnikbeschaffung) | 1450 | gezielte Beschaffung von Diagnostik, ICU, Notfalltechnik. |
| Krankenhaus Ibn Sina, Rabat (Neubau & Ausstattung) | 750 | Fertigstellung & umfassende Ausstattung mit moderner Medizintechnik (Bildgebung, OP, ICU). |
| Krankenhaus Agadir & CHU Laâyoune (Eröffnung & Ausstattung) | 600 | Neue Universitätskliniken mit vollständiger medizinischer Ausstattung; Teil des nationalen Ausbaus. |
| Krankenhaus Béni Mellal, Guelmim, Errachidia (Weiterbau) | 680 | Ausbau medizinischer Universitätszentren inkl. Diagnostik/Behandlungstechnik. |
Branchenstruktur und Rahmenbedingungen
Die Medizintechnikbranche lässt sich in zwei Säulen gliedern: einen stark wachsenden öffentlichen Sektor, der von Sozialreformen massiv profitiert, und einen privaten Sektor mit Klinikgruppen, Händlernetzen und spezialisierten Herstellern. Mit 1,82 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2025 und über 30 relevanten Unternehmen zählt die Gesundheitsindustrie zu den bedeutenden Industriesektoren des Landes. Partnerschaften wie Cooper Pharma–Jemincare oder der Ausbau des integrierten Medizintechnik‑Ökosystems durch die Dislog Group stärken die lokale Produktion.
Zu den wichtigsten Sparten gehören bildgebende Diagnostik (Röntgen, CT, MRT), Intensiv- und Überwachungstechnik, Labordiagnostik, Notfallausstattung sowie Onkologie‑ und Dialysetechnik. Der Bedarf wird vor allem durch neue staatliche Großprojekte und die Modernisierung bestehender öffentlicher und privater Einrichtungen erzeugt.
Klare Regulierungen und Importverbote sichern hohe Nachfrage nach Neugeräten
Regulatorisch ist der Markt klar strukturiert. Seit 2017 besteht ein Einfuhrverbot für gebrauchte Medizingeräte, wodurch ein durchgehend hoher Bedarf an neuen Geräten entsteht. Zulassungen erfolgen ab 2026 zentral über die Agence Marocaine du Médicament et des Produits de Santé (AMMPS): Die AMMPS hat damit die Technikabteilung DMP des Gesundheitsministeriums als Hauptregulator abgelöst. Hersteller und Händler müssen strenge technische und regulatorische Anforderungen erfüllen, bevor Produkte in Verkehr gebracht werden dürfen.
Zur Förderung der lokalen Industrie setzt Marokko unter anderem auf Programme zur Importsubstitution. Erfolgreiche nationale Produktionen von Spritzen, Handschuhen, Masken, COVID‑19‑Tests und intensivmedizinischem Equipment zielen genau darauf ab. Gleichzeitig unterstützt der Staat Public‑Private‑Partnerships, um sowohl die Produktionskapazitäten als auch die Versorgungsqualität zu optimieren.
Im Ergebnis befindet sich die Branche an einem Wendepunkt: Der Markt bietet internationalen Herstellern attraktive Chancen, während lokale Akteure gleichzeitig Kapazitäten und Kompetenzen aufbauen können. Die Verbindung aus Investitionen, technologischer Modernisierung und regulatorischen Leitplanken schafft ein Umfeld, in dem der Medizintechniksektor sicherlich an Bedeutung gewinnen wird.