Branchen | Vereinigte Arabische Emirate | Hafenbau, Logistik
Häfen in den VAE investieren in Digitalisierung und Expansion
Die Logistikbranche der VAE entwickelt sich dynamisch. Technologische Innovation, internationale Investitionen und neue Handelsabkommen stärken ihre Rolle als globales Drehkreuz.
10.02.2026
Von Heena Nazir | Dubai
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) investieren stark in den Ausbau ihrer Hafen- und Logistikinfrastruktur. Schwerpunkte sind Kapazitätserweiterungen, Digitalisierung und internationale Anbindungen. "Daraus ergeben sich konkrete Marktchancen für deutsche Unternehmen, insbesondere in Planung und Engineering, Hafen- und Umschlagtechnik, Automatisierung, Energieeffizienz sowie Smart-Port-Lösungen", erklärt Branchenexperte Markus Brandt, Senior Manager der AHK VAE.
Der Logistiksektor zählt zu den wichtigsten Trägern der wirtschaftlichen Entwicklung der Emirate und ist zentral für die wirtschaftliche Diversifizierung jenseits des Ölsektors. Nach Angaben des emiratischen Statistikamtes trägt die Branche rund 10 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Seit den 1960er-Jahren investieren die Emirate kontinuierlich in See- und Flughäfen und haben sich so zu einem der bedeutendsten globalen Handels- und Logistikzentren entwickelt.
Zu den führenden Akteuren gehören die staatlich dominierten Betreiber DP World, einer der größten Hafen- und Logistikkonzerne der Welt, und die AD Ports Group, die das nationale Hafen- und Industriecluster um den Khalifa Port in Abu Dhabi steuert. Beide Unternehmen vernetzen die Emirate über ein globales Seeroutennetz. Herzstück dieser Infrastruktur ist der Hafen Jebel Ali in Dubai, der mit einer Umschlagskapazität von rund 22 Millionen Standardcontainern (TEU) zu den größten Containerhäfen weltweit zählt.
Im regionalen Vergleich gelten die Häfen der VAE als besonders leistungsfähig. Laut dem Analyseinstitut Economist Intelligence Unit behauptet Dubai mit Jebel Ali die Spitzenposition, gefolgt von Saudi-Arabien und Oman. Internationale Rankings bestätigen diese Stellung: Im Logistics Performance Index der Weltbank belegten die VAE 2023 Rang 7 von 139 Ländern und damit Platz 1 in der Region Nahost und Nordafrika.
| Land / Wichtigster Hafen | Containerumschlag 2024 (in Mio. TEU) |
|---|---|
| Vereinigte Arabische Emirate – Jebel Ali (Dubai) | 15,5 |
| Saudi-Arabien – Jeddah Islamic Port / King Abdul Aziz (Dammam) | 7,5 |
| Oman – Port of Salalah | 3,3 |
| Katar – Hamad Port (Doha) | 1,4 |
| Kuwait – Shuwaikh / Shuaiba Ports | 0,9 |
| Bahrain – Khalifa Bin Salman Port | 0,5 |
Globale Expansion und internationale Partnerschaften
Die Störungen des Schiffsverkehrs im Roten Meer und im östlichen Mittelmeerraum haben die globalen Lieferketten zeitweise stark belastet. Im Jahr 2024 verzeichneten sowohl die AD Ports Group als auch DP World infolge rückläufiger Frachtvolumina und gestiegener Betriebskosten Ergebnisrückgänge. Dennoch blieben beide Unternehmen zentrale Akteure der emiratischen Logistik und konnten 2025 wieder deutlich wachsen.
DP World erzielte im 1. Halbjahr 2025 einen Nettogewinn von 532 Millionen US-Dollar (US$) bei einem Umsatzplus von 20 Prozent. Die AD Ports Group meldete im gleichen Zeitraum einen Gewinn von 182 Millionen US$ und ein Umsatzwachstum von 16 Prozent.
Beide Konzerne treiben ihre Internationalisierungsstrategien konsequent voran. DP World stärkt seine Präsenz in Afrika und im Mittelmeerraum, unter anderem durch Investitionen in Sokhna in Ägypten, Dakar im Senegal sowie perspektivisch in Tartous in Syrien. Diese Standorte dienen als alternative Routen abseits geopolitischer Spannungsgebiete. Auch die AD Ports Group expandiert mit Projekten in Kongo-Brazzaville, Angola, Tansania und Somalia.
Für deutsche Anbieter aus den Bereichen Hafenbau, Ingenieurwesen und Logistikinfrastruktur ergeben sich daraus zusätzliche Kooperationsmöglichkeiten, etwa bei Planung, Ausrüstung oder nachhaltigen Hafenlösungen. Laut DP-World-CEO Sultan Ahmed bin Sulayem suchen emiratische Betreiber zunehmend technologische Partner aus Europa, um ihre internationalen Projekte energieeffizienter und digitaler zu gestalten.
Infrastruktur und Freihandelsabkommen als Wachstumstreiber
Parallel zur internationalen Expansion investieren die Emirate auch umfangreich in ihre nationale Logistikinfrastruktur. Mit dem Komplex der Khalifa Industrial Zone Abu Dhabi entsteht eine der größten integrierten Industrie- und Logistikzonen der Region. Ziel ist es, Hafen, Industrieflächen und Logistikdienstleistungen enger zu verzahnen und internationale Wertschöpfungsketten im Land zu verankern.
In Dubai modernisiert DP World den Hafen Mina Al Hamriya, um innerstädtische Seeverbindungen effizienter zu gestalten und bestehende Kapazitäten besser auszulasten. Der Fokus liegt dabei auf effizienteren Abläufen, höherer Automatisierung und einer Reduzierung von Emissionen entlang der Lieferketten.
| Projektname / Betreiber | Projektwert (Mio. US$) | Projektstatus |
|---|---|---|
| AD Ports – Khalifa Industrial Zone (KIZAD) | 1.019 | Im Bau (78 %) |
| TA’ZIZ – Chemical Port at Ruwais Industrial City | 300 | Im Bau (47 %) |
| DP World – Mina Al-Hamriya Port Revamp | 200 | Entwurfsphase |
| Nakheel – Marinas Dubai Islands | 50 | Entwurfsphase |
| Fujairah Port – Al Rughaylat Port Phase 1 (Package A,B,C) | 40 | Im Bau (39 %) |
Flankiert wird der Infrastrukturausbau durch eine aktive Handelspolitik. Die Comprehensive Economic Partnership Agreements mit Indien, Indonesien, der Türkei sowie mehreren afrikanischen Staaten verbessern den Marktzugang und festigen die Rolle der VAE als logistischer Knotenpunkt zwischen Asien, Afrika und Europa.
Wettbewerb und Digitalisierung bestimmen den Kurs
Der regionale Wettbewerb im Logistiksektor nimmt zu. Saudi-Arabien, Oman und Katar investieren ebenfalls massiv in den Ausbau ihrer Hafen- und Logistikinfrastruktur. Um ihre Führungsposition zu behaupten, setzen die VAE verstärkt auf Digitalisierung, integrierte Dienstleistungen und datenbasierte Steuerungssysteme. Plattformen zur automatisierten Zoll- und Frachtabwicklung sowie intelligente Lager- und Umschlagslösungen verkürzen Abfertigungszeiten und senken den Energieverbrauch.
Für deutsche Unternehmen bleibt der Markteintritt anspruchsvoll. Der Wettbewerb ist intensiv, insbesondere durch asiatische Anbieter von Ingenieur-, Beschaffungs- und Bauleistungen (Engineering, Procurement and Construction; EPC), die Technologie, Bauleistung und Finanzierung kombinieren. Erfolgversprechend sind daher eine lokale Präsenz, gute Referenzen sowie strategische Partnerschaften. "Unternehmen, die technische Exzellenz mit nachhaltigen Lösungen und langfristigem Engagement verbinden, können vom Ausbau der emiratischen Hafen- und Logistikinfrastruktur langfristig profitieren", betont Brandt.