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Personalsuche: Erfahrungen und Tipps aus der Unternehmerwelt
Unternehmen berichten über ihre wichtigsten Erfahrungen zur Personalsuche – von Herausforderungen über wirksame Rekrutierungskanäle bis hin zu Empfehlungen zur Mitarbeiterbindung.
13.05.2026
Von Stefanie Schmitt | Santiago de Chile
Die Personalsuche in Chile ist nicht einfach. GTAI hat mit Unternehmensvertretern gesprochen. Hier ihre Einschätzungen und Tipps:
Was ist bei der Personalsuche in Chile zu beachten? Was sind die größten Herausforderungen für deutsche und ausländische Unternehmen?
"Die größte Herausforderung liegt für uns darin, unter den Bewerbern diejenigen Kandidaten herauszufiltern, die wirklich motiviert sind und sich mit uns für unsere Unternehmensziele einsetzen. Unserer Erfahrung nach sind die auf dem Papier oder ihrer Erfahrung nach Qualifiziertesten nicht unbedingt diejenigen, die langfristig am besten zu uns passen."
"Sich nur auf Lebensläufe zu verlassen, hilft nichts – die sehen doch alle eher gleich aus. Ich setze auf persönliche Befragungen, auch mit Hilfe von Arbeitspsychologen. Und ich schaue mir deshalb so viele Bewerber wie möglich persönlich an.“
"Wir sind dazu übergegangen, nach der passenden Persönlichkeit zu suchen. Nach Menschen, die in der Lage und willens sind, sich mit der Firma zu identifizieren. Es ist nicht selten, dass wir Führungspersonal haben, das immer nur auf die Firma schimpft – und dem ich als Geschäftsführer erst einmal deutlich machen muss: 'Die Firma – die bist du!'"
Welche Kanäle spielen nach ihrer Erfahrung in der Personalsuche die wichtigste Rolle?
"Am meisten bewegt sich auf dem chilenischen Arbeitsmarkt über bezahlte Anzeigen auf LinkedIn. Dabei hilft es, wenn unsere Angestellten diese Anzeigen über ihre Konten reposten. Außerdem haben wir auch schon Jobportale wie Laborum genutzt, da hatten wir aber nur begrenzt Erfolg."
"Headhunter wie Michael Page haben gute Netzwerke zu Personal in bestehenden Arbeitsverhältnissen. Dadurch entstehen höhere Abwerbekosten. Ohnehin sind Headhunter nicht billig, solche, die nur auf Erfolgsbasis arbeiten, verlangen rund 15 Prozent eines Jahresgehalts. Üblicher ist aber ein Fixbetrag – sowie der Rest im Erfolgsfall. Inhouse selbst nach Personal zu suchen, ist deutlich aufwendiger – aber es ist für uns der bessere Weg, Leute zu finden, die die richtige Grundmotivation mitbringen."
Welche Instrumente der Personalbindung sind gängig oder empfehlenswert?
"Für das Gros der Beschäftigten steht zunächst eine gute Bezahlung im Vordergrund. Doch gefragt sind außerdem Krankenzusatzversicherungen, mehr Urlaubstage und natürlich die Option zum Homeoffice."
"Wer kein Homeoffice bieten kann, dem bleiben am ehesten Mitarbeiter bei der Stange, die zu Hause keine familiären Verpflichtungen haben."
"Motivierte und smarte Leute hält man am ehesten, indem man ihnen Möglichkeiten bietet, sich weiterzuentwickeln. Das Problem ist nur, sie wachsen dann schnell über die Position hinaus, für die man sie ursprünglich eingestellt hat. Das heißt, man muss den Personalstamm ständig erneuern."