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Wirtschaftsumfeld | Kolumbien | Wirtschaftsstruktur

Kolumbien zwischen Aufbruch und Herausforderungen

Kolumbiens Wirtschaft nimmt in vielen Bereichen Kurs auf Modernisierung. Doch die Attraktivität des Standorts hat zuletzt gelitten. Die Wahlen 2026 könnten das ändern.

Von Janosch Siepen | Bogotá

Mit einem Bruttoinlandsprodukt von knapp 420 Milliarden US-Dollar war Kolumbien 2024 die viertgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas, nach Brasilien, Mexiko und Argentinien. Bei der Einwohnerzahl liegt der Andenstaat regional auf Platz 3.

Kolumbien punktet mit seiner günstigen geografischen Lage zwischen Karibik und Pazifik und bietet deutschen Firmen Geschäftschancen in vielen Bereichen, nicht zuletzt dank des hohen Modernisierungsbedarfs und der zunehmenden Bedeutung von Nachhaltigkeitsthemen, etwa in der Chemieindustrie sowie der Wasser- und Abfallwirtschaft. Auch in Zukunftsbranchen hat das Land viel zu bieten, darunter bei erneuerbaren Energien, grünem Wasserstoff und im Start-up-Sektor

 

53 Mio.

Personen lebten 2025 im Land.

Quelle: DANE 2025

419 Mrd.

US-Dollar betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2024 laut Schätzungen.

Quelle: IWF 2025

7.950

US-Dollar machte das BIP pro Kopf damit 2024 aus.

Quelle: IWF 2025

Rang 60

belegte das Land 2024 unter den deutschen Exportzielen.

Quelle: Destatis 2025

Rang 92

nimmt das Land im Corruption Perceptions Index 2024 ein (unter 180 Ländern).

Quelle: Transparency International 2025

4,7 %

betrug die Analphabetenquote im Jahr 2024.

Quelle: Weltbank 2025

 

Ausführliche Informationen zur Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt.

Deutsche Firmen sehen Kolumbien als Land mit stabilen institutionellen Rahmenbedingungen und relativ gutem Fachkräftepotenzial. Ein Freihandelsabkommen mit der EU erleichtert den Warenaustausch. Zahlreiche Unternehmen aus Deutschland bearbeiten von Kolumbien aus den lateinamerikanischen Markt.

Wahlen 2026 beeinflussen künftige Standortattraktivität

Doch die Attraktivität des Standorts hat in den letzten Jahren gelitten. Unternehmen klagen über viele Eingriffe in das Marktgeschehen und eine unberechenbare Wirtschaftspolitik. Nach den Wahlen 2026 hoffen viele auf einen Kurswechsel und Wirtschaftsreformen.

SWOT-Analyse Kolumbien

S

Stärken Strengths

  • Großer Binnenmarkt
  • Gutes Fachkräfteangebot
  • Hohe Marktreife in diversen Branchen kommt deutschen Firmen entgegen
  • Zahlreiche Handelsabkommen, u.a. mit der EU und den USA
  • Stabile Institutionen
W

Schwächen Weaknesses

  • Korruption und Bürokratie
  • Mangelhafte Infrastruktur mit hohen Transportkosten
  • Währung anfällig für Schwankungen
  • Fiskalische Situation des Staates
  • Tarifäre und nicht-tarifäre Handelshemmnisse
O

Chancen Opportunities

  • Fokus auf erneuerbare Energien und grünen Wasserstoff
  • Investitionsprogramme für Verkehrsinfrastruktur
  • Modernisierungstendenzen, gerade bei großen Firmen
  • Neue Wirtschaftszweige (z.B. Dienstleistungshubs und Fintech)
  • Agrarsektor als Konjunkturtreiber
T

Risiken Threats

  • Wirtschaftspolitische Eingriffe der Regierung
  • Angespannte Sicherheitslage und Energieversorgung
  • Widerstand der lokalen Bevölkerung gefährdet Projekte
  • Abhängigkeit von internationalen Öl- und Kohlepreisen
  • Regulierung stellt mitunter Rentabilität von Projekten infrage

Wirtschaftsstruktur wandelt sich

Kolumbiens Wirtschaftsstruktur verändert sich. Landwirtschaft und Dienstleistungssektor gewinnen an Bedeutung. Das Land ist zu einem interessanten Standort für das Outsourcing von Unternehmensdienstleistungen (Business Process Outsourcing) avanciert, vor allem im IT-Bereich. Deutsche Unternehmen wie B.Braun und Adidas betreiben Servicecenter in der Hauptstadt Bogotá.

Hinzu kommt die dynamische Start-up-Szene, die bereits mehrere Unicorns hervorgebracht hat. In den vergangenen Jahren hat der Andenstaat seine Platzierung im "Global Startup Ecosystem Index" von StartupBlink stetig verbessert. So rückte das Land 2025 weltweit auf Rang 36 vor (2021: 47). Innerhalb Lateinamerikas liegt Kolumbien nach Brasilien auf Platz 2.

Gleichzeitig ist der Anteil des verarbeitenden Gewerbes und des Bergbaus am Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Die Produktion im Öl- und Gassektor stagniert, auch wegen der Klima- und Umweltpolitik von Staatspräsident Gustavo Petro und weil in den vergangenen Jahren nur wenig in die Exploration investiert wurde.

Auch im Bergbau ist die Stimmung verhalten. Der Sektor leidet unter höheren Abgaben und regulatorischer Unsicherheit. Laut einer Umfrage des Fraser Institutes liegt Kolumbien bei der Investitionsattraktivität im Bergbau lateinamerikaweit inzwischen auf dem viertletzten Platz und hinsichtlich der Bergbaupolitik sogar auf dem vorletzten. Kritikpunkte sind der rechtliche und regulatorische Rahmen, die Infrastruktur und die Sicherheit im Land.

Bedeutung der Wirtschaftszweige in Kolumbien (Anteile in Prozent)

Sektoren

Anteil am BIP 2024 1) 

Anteil an den Beschäftigten 2024

Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

9,3

14,3

Bergbau (inklusive Öl- und Gasförderung)

4,4

k.A.

Verarbeitendes Gewerbe

10,1

10,7

Energieversorgung (inklusive Wasserversorgung)

4,3

2,6 2)

Baugewerbe

4,2

6,7

Dienstleistungen (inklusive öffentliche Verwaltung und Verteidigung)

58,2

65,7

1 vorläufige, unbereinigte Werte, nominal; 2 inklusive Bergbau.Quelle: Statistikamt DANE, November 2025

Regionale Wirtschaftshubs punkten mit spezifischen Vorteilen

Ein Viertel der kolumbianischen Wirtschaftsleistung entfällt auf die Hauptstadtregion Bogotá. Hier konzentrieren sich viele Wirtschaftszweige wie das verarbeitende Gewerbe und der Finanzsektor. Im Jahr 2024 lag der Hauptstadt-Flughafen El Dorado beim Passagier- und Frachtaufkommen auf Platz 1 in Lateinamerika.

Die nächstgrößten Städte Kolumbiens sind Medellín und Cali. Die beiden Städte mit jeweils rund 2,5 Millionen Einwohnern fungieren als Wirtschaftshubs im Zentrum und Westen des Landes. 

Die Städte Barranquilla und Cartagena an der Karibikküste sind wichtige Logistikzentren. Von Cartagena aus benötigt ein Schiff lediglich drei Tage nach Florida und fünf Tage zur Ostküste der USA. Gleichzeitig ist die Stadt nur knapp 500 Kilometer vom Panamakanal entfernt.

Cartagena beherbergt einen der wichtigsten Häfen Lateinamerikas und den dritteffizientesten Hafen der Welt, so der Container Port Performance Index der Weltbank. Die Stadt ist ein bedeutender Umschlagshub der Region, insbesondere für Reedereien wie Hamburg Süd, Maersk und CMA-CGM. Der Hafen kann Schiffe der Neopanamax-Klasse empfangen; zudem verbindet der Dique-Kanal die Stadt mit dem wichtigsten Fluss des Landes, dem Río Magdalena.

Die Bundesstaaten Casanare und Meta im Osten verfügen über große Vorkommen an fossilen Energieträgern. La Guajira im Nordosten Kolumbiens ist wichtig für den Steinkohlebergbau und erneuerbare Energien. Hier lebt ein Großteil der indigenen Bevölkerung des Landes. Bei Projekten kommt es immer wieder zu sozialen Konflikten mit Unternehmen.

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