Die Regierung hat den Gesundheitssektor zu einem von acht strategischen Sektoren erklärt, die bis 2030 gefördert werden.
Bis zum Jahr 2029 soll das Marktvolumen für Medizintechnik in Mexiko auf rund 12,4 Milliarden US-Dollar (US$) ansteigen, so Angaben des Marktforschungsinstituts BMI. Das ist rund ein Drittel mehr als 2024. Die jährliche Wachstumsrate soll im Schnitt bei rund 5,5 Prozent liegen, so BMI. Damit entwickelt sich Mexikos Medizintechnikmarkt aller Voraussicht nach dynamischer als das allgemeine Wirtschaftswachstum des Landes.
Regierung fördert den Gesundheitssektor wieder stärker
Angekurbelt wird der Bedarf an Medizintechnik von einer Zunahme chronischer Krankheiten wie Diabetes, Krebs und kardiovaskulären Erkrankungen. Gleichzeitig erwartet BMI steigende Ausgaben des öffentlichen Gesundheitssektors in der Amtsperiode von Präsidentin Claudia Sheinbaum. So werden dank der kürzlich gegründeten Gesundheitskasse IMSS Bienestar verstärkt Personen ohne Krankenversicherung vom Gesundheitssystem abgedeckt.
"Bei B. Braun erzielten wir 2025 in Mexiko ein zweistelliges Umsatzwachstum. Rund 70 Prozent unserer Verkäufe im Land gehen an den öffentlichen Gesundheitssektor",
berichtet Carlos Jiménez, Geschäftsführer von B. Braun in Mexiko, im Gespräch mit Germany Trade & Invest (GTAI).
Das Programm Plan México der Regierung Sheinbaum hat den Gesundheitssektor zu einem von acht strategischen Sektoren erklärt, die bis 2030 besonders gefördert werden. So soll die lokale Produktion bestimmter Produktgruppen expandieren, unter anderem von medizinischen Verbrauchsmaterialien, chirurgischen Instrumenten, Krankenhausmöbeln und Dialysemitteln.
20,4
Milliarden US$
öffentliche und private Investitionen in die Gesundheitsinfrastruktur zwischen 2026 und 2030 in Mexiko.
Im Februar 2026 kündigte das Finanzministerium im Zuge des Plan México bis 2030 öffentliche und private Investitionen in Höhe von 20,4 Milliarden US$ in die Gesundheitsinfrastruktur an. Nur für den Energiesektor und die Verkehrsinfrastruktur sind noch höhere Ausgaben eingeplant ("Plan de Inversión en Infraestructura para el Desarrollo con Bienestar 2026-2030").
Gleichzeitig sieht der Plan México vor, die Prozesse für die Zulassung und den Import von Medizinprodukten bei der Behörde COFEPRIS (Comisión Federal para la Protección contra Riesgos Sanitarios) zu verschlanken. Hierzu erließ das mexikanische Gesundheitsministerium bereits entsprechende Bestimmungen. Bislang bereitet COFEPRIS aufgrund langsamer Genehmigungsverfahren den Anbietern von Medizintechnik häufig Schwierigkeiten. "Die Regierung hat das Problem erkannt, allerdings muss man für eine Zulassung weiterhin mit 6 bis 12 Monaten rechnen", berichtet Jiménez von B. Braun.
Nach Angaben von BMI importierte Mexiko 2024 rund 81,5 Prozent seines Bedarfs an Medizintechnik aus dem Ausland. Die USA sind aufgrund der geografischen Nähe und des USMCA-Handelsabkommens der mit Abstand wichtigste Lieferant. Von den gesamten Importen an Medizintechnik im Wert von 7,7 Milliarden US$ stammten 2024 zwei Drittel aus den USA und 13,1 Prozent aus China. Deutschland war drittwichtigster Lieferant von Medizintechnik mit einem Anteil an den Importen von 4,8 Prozent, gefolgt von Dänemark (2,6 Prozent) und Japan (2,0 Prozent).
Gesammelte Einkäufe des öffentlichen Gesundheitssektors bieten Chancen
Für Hersteller von Medizintechnik ist das öffentliche Gesundheitssystem ein schwieriges, wenn auch ein potenziell lukratives Umfeld. Rund 70 bis 80 Prozent der medizintechnischen Geräte werden in Mexiko von öffentlichen Einrichtungen abgenommen. Um mit den Trägern ins Geschäft zu kommen, ist neben der allgemeinen Produktzulassung bei COFEPRIS eine Aufnahme in den staatlichen Einkaufskatalog (Compendio Nacional de Insumos para la Salud) notwendig, der rund 15.000 Medizinprodukte umfasst.
Über die Aufnahme in den "Compendio" entscheidet der Rat für Gesundheitsangelegenheiten (Consejo de Salubridad General, CSG), der dem Gesundheitsministerium (Secretaría de Salud) unterstellt ist. Dies ist laut Branchenvertretern vor allem für innovative Produkte ein langwieriger Prozess, der zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen kann. "Der gesamte Zulassungs- und Aufnahmeprozess für neue Produkte liegt somit bei drei bis vier Jahren, wenn man an den öffentlichen Sektor verkaufen möchte. Damit ist unsere time-to-market-Phase in Mexiko sehr lang", sagt Carlos Jiménez.
Große Bedeutung kommt in Mexiko den regelmäßigen, konsolidierten Einkäufen verschiedener Regierungsstellen (Compra Consolidada del Sector de Salud del Gobierno de México) zu. Die Gesundheitskassen IMSS, IMSS Bienestar und ISSTSE, das Gesundheitsministerium, die mexikanische Marine, der Erdölkonzern Pemex und andere Organisationen schreiben gesammelt ihren Bedarf an Gesundheitsprodukten aus. Die nächste öffentliche Ausschreibung wird für das Frühjahr 2026 erwartet, geliefert werden muss 2027. Laut Branchenexperten hat sich das System der gesammelten, öffentlichen Einkäufe unter der Regierung Sheinbaum im Vergleich zur Vorgängerregierung erheblich verbessert. Für die kommende Ausschreibungsrunde wird erwartet, dass Unternehmen, die auch über eine Produktion in Mexiko verfügen, bevorzugt werden.
Ausgewählte Investitionsprojekte im Gesundheitssektor in MexikoIn Millionen US-DollarProjekt | Investitionssumme | Projektstand | Anmerkung |
|---|
| Neue Klinik Agustín O'Horán in Mérida (Bundesstaat Yucatán) | 275 | Soll Mitte 2026 in Betrieb genommen werden | Größte Klinik im Südosten Mexikos mit 600 Betten und 16 OP-Sälen; staatliche Sozialversicherung IMSS (Instituto Mexicano del Seguro Social); Regierung des Bundesstaates Yucatán (Gobierno del Estado de Yucatán); Bau durch Verteidigungsministerium SEDENA (Secretaría de Defensa Nacional) |
| Neue Klinik in Guaymas (Sonora) | 215 | In Planung; Projekt wurde in den Nationalen Entwicklungsplan 2025-2030 der Regierung aufgenommen | Kapazität 120 Betten; soll existierende Klinik aus den 60er Jahren ersetzen; staatliche Sozialversicherung IMSS |
| Neue Klinik in Coatepec (Veracruz) | 199 | In Planung | 260 Betten; 35 Fachrichtungen; staatliche Sozialversicherung IMSS |
| Neue Klinik in San Lorenzo Cacaotepec (Oaxaca) | 187 | Im Bau; soll Mitte 2027 Betrieb aufnehmen | 250 Betten; staatliche Sozialversicherung ISSSTE (Instituto de Seguridad y Servicios Sociales de los Trabajadores del Estado); Bau durch Unternehmen Idimsa |
| Neue Kinderklinik in Guadalupe (Nuevo León) | 176 | Bau im Januar 2026 zu 7 Prozent fortgeschritten; soll Mitte 2027 Betrieb aufnehmen | 307 Betten; Gesundheitsministerium von Nuevo León (Secretaría de Salud); Bau durch GP Construcción |
| Hospital General Regional Los Cabos (Baja California Sur) | 159 | Im Bau; soll Ende 2028 fertig sein | 260 Betten; Klinik, die unter dem neuen Modell "IMSS Universal" für alle Personen zugänglich ist, unabhängig von ihrem Versicherungsstatus; staatliche Sozialversicherung IMSS; Bau durch Verteidigungsministerium SEDENA |
| Hospital General Regional Santa Catarina (Nuevo León) | 155 | Im Bau; soll Ende 2027 in Betrieb gehen | 260 Betten; Klinik unter dem neuen Modell "IMSS Universal"; staatliche Sozialversicherung IMSS; Bau durch Verteidigungsministerium SEDENA |
Quelle: BNamericas; Recherchen von Germany Trade & Invest 2026
Digital Health ist in Mexiko noch ausbaufähig
Bei der elektronischen Erfassung von Patientendaten und deren Weitergabe besteht in Mexiko noch Spielraum. Die Vorgaben zum Datenschutz sind dafür nicht so streng wie in europäischen Ländern. Die digitale Vernetzung zwischen Patienten, Ärzten und Gesundheitseinrichtungen bietet ebenfalls Optimierungspotenzial. Lokale Start-ups wie Leona (KI-Assistent für Ärzte) oder Clivi (App zur Überwachung von Übergewicht und Diabetes) versuchen, diese Lücke zu schließen.
Die Zulassungsbehörde für Medizinprodukte COFEPRIS bietet inzwischen an, den Antrag auf Zulassung eines neuen Medizinprodukts digital einzureichen (DIGIPRIS). Dies erleichtert den Genehmigungsprozess und hat den Vorteil, dass Anträge rund um die Uhr und an allen Tagen des Jahres eingereicht werden können. "Allerdings hat man nun den Nachteil, dass kein direkter Ansprechpartner mehr existiert, den man notfalls telefonisch erreichen könnte", berichtet Manager Jiménez von B. Braun.
Von Edwin Schuh
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Mexiko-Stadt