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Special | Slowakei | EU-Förderung

EU-Förderung in der Slowakei

Das Land kann fast 20 Milliarden Euro an Aufbau- und neuen Fördermitteln schöpfen. Komplementär wirkt bei Dekarbonisierung und Klimaschutz der Modernisierungsfonds.  

Von Miriam Neubert | Bratislava

Mittelzuweisungen für die Slowakei 2021-2027 (Zuschüsse, in Milliarden Euro)

Förderprogramm

Betrag *

Aufbau- und Resilienzfazilität

6,3

Kohäsionspolitische Mittelzuweisungen, darunter 

12,9

  Europäischer Sozialfonds Plus (ESF+)

2,4

  Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE)

8,1

  Kohäsionsfonds

2,1

*) Alle Angaben zu laufenden PreisenQuelle: EU-Kommission 2021

  • Förderung im Rahmen der Aufbau- und Resilienzfazilität

    Ein großer Teil der Aufbaumittel fließt in die Bereiche grüne Wirtschaft und Gesundheit. Wo gibt es Chancen für deutsche Unternehmen?

    Die Slowakei setzt auf 6,3 Milliarden Euro an Zuschüssen aus der europäischen Aufbau- und Resilienzfazilität, um als Gesellschaft robuster zu werden und den ökologischen und digitalen Wandel zu beschleunigen. Die Europäische Kommission gab dem slowakischen Aufbauplan (Plán obnovy a odolnosti SR) Mitte Juni 2021 grünes Licht.

    Darlehen hat die Slowakei in der frühen Phase nicht eingeplant, aber bereits 13 Prozent des Zuschussvolumens beantragt. Geht es nach Plan, sollen schon 2021 erste 114 Millionen Euro für Investitionen zur Verfügung stehen. Von 2022 bis 2025 sind es jährlich eine Milliarde Euro oder mehr.

    Die Gelder fließen in fünf Schlüsselbereiche öffentlicher Politik: grüne Wirtschaft; Bildung; Forschung, Entwicklung und Innovation; Gesundheit; effektive öffentliche Verwaltung. Diese sind in 18 Komponenten untergliedert, bei denen jeweils Investitionen und Reformen ineinandergreifen sollen.

    Bestandteile des slowakischen Aufbauplans und finanzielle Ausstattung

    Nummer

    Bezeichnung der Komponenten

    Vorgesehene Gelder (Mio. Euro)

    Grüne Wirtschaft, davon

    2.301

    1

       Erneuerbare Energiequellen, energetische Infrastruktur

    232

    2

       Gebäudesanierung

    741

    3

       Nachhaltiger Verkehr

    801

    4

       Dekarbonisierung der Industrie

    368

    5

       Anpassung an den Klimawandel

    159

    Bildung, davon

    892

    6

       Erreichbarkeit, Entwicklung, Qualität der inklusiven Ausbildung

    210

    7

       Bildung für das 21. Jahrhundert

    469

    8

       Leistungssteigerung der Universitäten

    213

    Forschung, Entwicklung und Innovation, davon

    739

    9

       Effizientere Leitung, Finanzierung von Wissenschaft, Forschung, Innovationen, digitaler Wirtschaft             

    633

    10

       Anziehung und Halten von Talenten

    106

    Gesundheit, davon

    1.533

    11

       Moderne und zugängliche Gesundheitsversorgung

    1.163

    12

       Humane, moderne, erschwingliche Pflege zur psychischen Gesundheit

    105

    13

       Zugängliche und qualitative langfristige sozial-gesundheitliche Pflege

    265

    Effektive öffentliche Verwaltung, davon

    1.110

    14

       Verbesserung des Geschäftsklimas

    11

    15

       Justizreform

    255

    16

       Korruptions- und Geldwäschebekämpfung, Sicherheit und Schutz der Bevölkerung

    229

    17

       Digitale Slowakei (Staat im Handy, Cybersicherheit, schnelles Internet, digitale Wirtschaft)

    615

    18

       Gesunde öffentliche Finanzen

    0

    Insgesamt

    6.575

    Quelle: www.planobnovy.sk 2021

    Start für eine Konvergenz unter neuen Vorzeichen

    Mit diesem Paket hofft die Slowakei, den Aufholprozess zu den entwickelteren Ländern der Europäischen Union (EU) neu zu zünden. Das Ziel ist ehrgeizig: Der Lebensstandard (als BIP pro Kopf) soll von aktuell 74 Prozent des EU-Durchschnitts bis 2030 auf 92 Prozent steigen. Neben Investitionen steht ein umfangreiches Reformpaket auf dem Programm. Diese betreffen unter anderem das Steuer- und Rentensystem, die Inklusion, das Krankenhausnetz, das Recycling von Bauschutt, die künftige Lenkung von Forschung und Entwicklung, das Beschaffungsgesetz und den Umweltschutz.

    Lieferchancen bei Verkehrs-, Industrie- oder Gebäudeprojekten

    Bei den Investitionen hat die Regierung mehr als die von Brüssel empfohlenen 37 Prozent der Mittel für die grüne und 20 Prozent für die digitale Transformation vorgesehen. Finanziell am besten ausgestattet ist der Schwerpunkt "grüne Wirtschaft". Dieser betrifft viele Investitionen, die Geschäftsfelder auch für deutsche Anbieter eröffnen. Gefragt sind Vorreitertechnologien, da die Novelle des Beschaffungsgesetzes Nachhaltigkeit berücksichtigen wird und die durchgeführten Maßnahmen selbst der Umwelt keinen Schaden zufügen dürfen.

    Am höchsten dotiert sind der nachhaltige Verkehr und die Gebäudeenergieeffizienz mit je 800 Millionen und 740 Millionen Euro. Beim Verkehr reicht das von Investitionen in die Schieneninfrastruktur (69 Kilometer) und ihre Digitalisierung (100 Kilometer), über Radfahrwege (200 Kilometer), einen ökologischeren Nahverkehr, die Unterstützung des intermodalen Verkehrs bis hin zum Aufbau von Ladeinfrastruktur für Elektro- und Wasserstoffautos (über 3.000 Lade- und Tankmöglichkeiten bis 2026). Bei den Gebäuden geht es um die Sanierung von mindestens 30.000 Familienhäusern, aber auch öffentlicher historischer und denkmalgeschützter Gebäude.

    Viel Geld fließt mit über 1,5 Milliarden Euro in den Gesundheitssektor. Gut zwei Drittel der Mittel betreffen die Modernisierung von Krankenhäusern, die Einführung moderner Klinikprozesse und den Austausch veralteter Technik. Des Weiteren sollen 270 neue ambulante Zentren die Versorgung verbessern.

    Förderung emissionssenkender Maßnahmen von Firmen

    Die Slowakei ist eines der am stärksten industrialisierten EU-Länder. Energiewirtschaft und Industrie haben an den Treibhausgasemissionen einen Anteil von 72 Prozent. Ganz vorn steht deshalb die Dekarbonisierung der industriellen Prozesse, um die EU-Ziele 2030 zu erfüllen. Bis dahin müssen die industriell emittierten Treibhausgase um mindestens 3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr sinken. Dazu beitragen sollen im Rahmen des Aufbauplans Investitionen in die Innovation industrieller Prozesse und den Technologieaustausch mit Blick auf bestverfügbare technologische Lösungen.

    Um den grünen Anteil am Energiemix zu erhöhen, gibt es Investitionshilfen für die Stärkung der Netze, den Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung (120 Megawatt über Auktionen 2022 bis Mitte 2026) und die Modernisierung bestehender alternativer Kraftwerke (100 Megawatt). Ein Feld ist dabei die Umrüstung von Biogasanlagen auf biologisch abbaubare Abfälle oder die Transformation von Biogas in Biomethan. Unterstützt werden sollen auch Batteriespeicher oder Anlagen zur Produktion von Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen. Zuvor erfolgt eine Reform des Regelrahmens, um den Anschluss erneuerbarer Quellen wieder attraktiv zu machen. 

    Für emissionssenkende Maßnahmen im verarbeitenden Gewerbe und Energiesektor sind insgesamt 600 Millionen Euro eingeplant.

    Beispiele für Abläufe bei der Umsetzung 

    Oberste entscheidende und genehmigende Instanz für den Aufbauplan ist die slowakische Regierung. Sie bildet den Lenkungsausschuss für den gesamten Mechanismus zur Unterstützung von Erneuerung und Resilienz. Ähnlich wie bei den Mitteln aus den europäischen Struktur- und Investitionsfonds werden die jeweils zuständigen Ministerien die durchführenden Instanzen sein. Vermittelnd - sprich Projektrunden ausschreibend oder Anträge annehmend - können auch nachgeordnete Behörden oder staatliche Agenturen auftreten. Das Gesetz, das diesen Mechanismus regelt, soll am 15. Oktober 2021 in Kraft treten. 

    In dem Aufbauplan werden auf Seite 745 einige Ablaufbeispiele genannt. Bei einem Krankenhausbau etwa können die ausführende Instanz und der Empfänger in Gestalt des Gesundheitsministeriums zusammenfallen. Dieses schreibt den Bau aus und schließt mit dem Anbieter den Vertrag ab.

    Geht es um Subventionen für die Renovierung von Familienhäusern, kann das zuständige Umweltministerium entweder selbst oder über eine vermittelnde Behörde Antragsrunden beziehungsweise einen Wettbewerb ausrufen. Haushalte oder Bürger, die den Zuschlag erhalten, wählen den Lieferanten. Ähnlich dürfte es bei den Themen Dekarbonisierung oder Energie sein, wo sich Unternehmen mit Projekten bewerben können. Durchführende Instanz, die direkt oder über eine nachgeordnete Stelle die Antragsrunden oder Auktionen ausschreibt, ist in dem Fall das Wirtschaftsministerium. 

    Von Miriam Neubert | Bratislava

  • Förderung im Rahmen der Kohäsionspolitik

    Transparenter und weniger korruptionsanfällig: In der neuen Förderperiode setzt die Slowakei auf nur ein einziges Programm, um fast 13 Milliarden Euro in Investitionen umzuleiten.

    Die Slowakei zählte beim Abfluss von Fördermitteln der Europäischen Union (EU) bisher zu den Schlusslichtern und hat in der Vergangenheit viel Geld für Vergabefehler zahlen müssen. Geht es nach der stellvertretenden Ministerpräsidentin Veronika Remišová, handelte es sich um fast eine halbe Milliarde Euro. Sie ist als Ministerin für Investitionen, regionale Entwicklung und Informatisierung für das neue Partnerschaftsabkommen mit der Europäischen Kommission und die Lenkung von 12,6 Milliarden Euro an europäischen Struktur- und Kohäsionsfondsmitteln zuständig.

    Zusammen mit der staatlichen Kofinanzierung besteht das Paket aus 16,3 Milliarden Euro. Bis 2027 wird es ein Treiber wesentlicher Investitionsvorhaben sein. In der zweiten Hälfte 2022 sollen sich Gemeinden, Regionen, nichtstaatliche Organisationen, Universitäten und Unternehmen mit ihren Projekten um erste Zuschüsse aus diesem Fördertopf bewerben können.

    Antragsteller sollen weniger Bürokratie erleben

    "Für uns hat es Priorität, ein qualitatives, transparentes, verständliches und unbürokratisches System für die Investitionen aus den neuen Eurofonds vorzubereiten", sagte Remišová, als sie Ende Oktober 2021 den Entwurf des Partnerschaftsabkommens an die Europäische Kommission übersandte. Statt sechs Operationellen Programmen (OP) wie in der vorangegangenen Förderperiode ist darin nur noch ein OP Slowakei vorgesehen. Die Zahl der zuvor 28 umsetzenden Instanzen soll auf ein Drittel abnehmen.

    Die fünf Ziele des Programms entsprechen den kohäsionspolitischen Zielen der EU. Doch will die Slowakei in den Verhandlungen mit Brüssel auch nationale Prioritäten durchsetzen. Es geht dabei um in der Vergangenheit versäumte, dringend nötige Investitionen in Straßen, Wasserleitungen, Kanalisation oder die Beseitigung von Umweltaltlasten. Das soll die regionalen Ungleichgewichte abbauen und eine gleichmäßigere Teilhabe der Regionen an der wirtschaftlichen Entwicklung sicherstellen.

    "Ein Operationelles Programm mit einheitlichen Regeln, Methoden und Management bringt eine große Vereinfachung bei der Nutzung der EU-Fonds", verspricht Remišová. Die Koalitionsregierung, der sie angehört, ringt seit ihrem Amtsantritt im März 2020 damit, die EU-Fördermittel aus der Periode 2014 bis 2020 schneller abfließen zu lassen, damit dem Land nichts verloren geht. Dazu hat sie mehrere Vereinfachungs- und Beschleunigungsschritte durchgesetzt.

    Geförderte Ziele des OP Slovensko (Mittel in Milliarden Euro) 1)

    Politisches Ziel

    Geplante Aktivitäten

    Designierte EU-Fördermittel

    1 Wettbewerbsfähigeres und intelligenteres Europa

    Entwicklung und Erweiterung der Forschungs- und Innovationskapazitäten; Digitalisierung für Bürger, Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Staat; nachhaltiges Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit der KMU; Entwicklung der intelligenten Spezialisierung und Industrietransformation; verbesserte digitale Verbindung

    2,0

    2 Ökologischeres Europa 2)

    Energieeffizienz und CO₂-Senkung; erneuerbare Energien; intelligente Energiesysteme, -netze und -speicher; Anpassung an den Klimawandel, Prävention von Risiken und Katastrophen; Verbesserung der Wasserqualität und Abwasserklärung; Übergang zur Kreislaufwirtschaft; Erforschung, Sanierung und Monitoring von Umweltlasten; Umweltschutz und Biodiversität; saubere Mobilität; nachhaltige Fischereiwirtschaft

    3,9

    3 Verbundeneres Europa durch verstärkte Mobilität

    Bau neuer Autobahnen und Schnellstraßen; Entwicklung von Hauptschienentrassen und -knoten; Wasserinfrastruktur; Straßen 1. Ordnung, Kreuzungen, Brücken; Straßen 2. und 3. Ordnung; lokale Verkehrsinfrastruktur; Ausräumung von Flaschenhälsen der Eisenbahninfrastruktur

    2,2

    4 Sozialeres Europa

    Anpassungsfähiger und zugänglicher Arbeitsmarkt; qualitative inklusive Ausbildung; Garantien für junge Menschen; Bekämpfung Nahrungs- und materieller Not; soziale Innovation und Experimente

    2,9

    5 Bürgernahes Europa

    Aufbau von administrativen und analytisch-strategischen Strukturen lokaler und regionaler Akteure; bessere öffentliche Politik und offenes Regieren; Prävention negativer gesellschaftlicher Erscheinungen und Schaffung eines sicheren Umfelds; zugängliche Pflegeeinrichtungen; lokale Infrastruktur für Sport und Freizeit; Dienstleistungen und Infrastrukturen des kulturellen Erbes, der kommunalen Entwicklung, des nachhaltigen Tourismus

    0,7

    Technische Hilfe

    0,9

    Insgesamt 3)

    12,6

    1) Stand: Oktober 2021; 2) unter Ziel 2 fällt auch das OP Fischerei mit 22 Millionen Euro; 3) hinzu kommen für eine gerechte Transformation der vom Kohleausstieg geforderten Regionen weitere 459 Millionen EuroQuelle: Ministerium für Investitionen, regionale Entwicklung und Informatisierung der Slowakischen Republik MIRRI, Entwurf des Partnerschaftsabkommens


    Konsultationen zur Ausgestaltung des OP Slovensko 

    Diese Erfahrung geht in die vierte Förderperiode 2021 bis 2027 mit ein. Auch laufen, ähnlich wie bereits im Vorfeld des Nationalen Aufbauplans, zum OP Slowakei seit September 2021 Konsultationen mit Vertretern der Selbstverwaltungsorgane, mit Fachverbänden, der akademischen Welt, Interessensvereinigungen und anderen sozio-ökonomischen Partnerorganisationen. Das Programm soll möglichst breit abgestimmt sein.

    Es enthält zudem Mittel der technischen Hilfe und in einem spezifischen Ziel Mittel aus dem Europäischen Fonds für einen gerechten Übergang. Dieser unterstützt den Strukturwandel in den vom Kohleausstieg betroffenen slowakischen Regionen mit 459 Millionen Euro. Es geht um die Regionen Trenčín (horná Nitra), Košice und Banská Bystrica.

    Das Partnerschaftsabkommen sieht darüber hinaus bis zu elf Programme der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit vor. Davon betreffen vier (Interreg VI) die bilaterale Zusammenarbeit jeweils mit Tschechien, Österreich, Ungarn und Polen. Hinzu kommt das Mehrländerprogramm Interreg VI-A Next, das Ungarn, die Slowakei, Rumänien und die Ukraine umfasst.

    Firmen kommen als Investoren und Anbieter zum Zug  

    Speziell kleine und mittelständische Unternehmen können sich unter Ziel 1 "Wettbewerbsfähigeres und intelligenteres Europa" mit bestimmten Projekten um Zuschüsse bewerben - beim Ausbau der Forschung und Entwicklung zwischen den Sektoren oder der Kooperation mit Universitäten, der Clusterbildung, der Entwicklung innovativer Produkte oder der Digitalisierung. Unter Ziel 2 "Ökologischeres Europa" werden auch Projekte der Energieeffizienz und der erneuerbaren Energien von Firmen gefördert.

    Umgekehrt können Anbieter prüfen, im Rahmen welcher geplanten Aktivitäten ihre Produkte oder Dienstleistungen nachgefragt werden. Mülltrennungs- und Recyclinglösungen, Abwasserklärungsvorrichtungen, Messtechnik, Filter, Energiespeicher, emissionsarme Fahrzeuge oder Aquakulturausrüstungen beispielsweise dürften mit Projekten unter Ziel 2 verbunden sein. Tiefbauarbeiten oder Bahntechnik fallen besonders unter Ziel 3. Die Sanierung von Denkmälern läuft unter Ziel 5, die Verbesserung der Krankenhausinfrastruktur unter Ziel 4. Mit Blick auf Einzelheiten ist aber die endgültige Abstimmung des Partnerschaftsabkommens mit der Europäischen Kommission abzuwarten.   

    Von Miriam Neubert | Bratislava

  • Modernisierungsfonds stützt den Wandel der Energiebranche

    Aus diesem Fördertopf fließen in der Slowakei bis 2030 rund 1,4 Milliarden Euro in die Modernisierung des Heizkraftsektors und die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen.   

    Die Slowakei bereitet erste Ausschreibungen von Mitteln aus dem Modernisierungsfonds vor. Dieses Förderinstrument der Europäischen Union (EU) unterstützt in zehn einkommensschwächeren Mitgliedsländern Mittel- und Osteuropas bis 2030 den Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft. Es soll komplementär zu anderen Förderprogrammen wirken. Details über die Regeln finden sich in der Durchführungsverordnung (EU) 2020/1001.

    Der Modernisierungsfonds profitiert von der erwarteten positiven Entwicklung des Europäischen Emissionshandels (EU-ETS) in der vierten Handelsperiode 2021 bis 2030. In dem Zeitraum stehen ihm 2 Prozent der Zertifikatsmenge zur Verfügung. Mindestens 70 Prozent der erlösten Mittel müssen Projekten in fünf vorrangigen Bereichen zufließen: Erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Energiespeicher, Energienetze, gerechter Übergang der Kohleregionen. Bis zu 30 Prozent können nicht-vorrangige Projekte unterstützen. Diese werden dann besonders geprüft hinsichtlich ihres Beitrags zu einer klimafreundlichen Energiewirtschaft. 

    Die Slowakei bezieht mit rund 16,9 Millionen Zertifikaten 6,1 Prozent der zur Verfügung stehenden Gesamtmenge. Auch hat das Land durch den Transfer weiterer Zertifikate aus seinem nationalen Anteil die Menge aufgestockt auf 52 Millionen Zertifikate. Geschätzt wird das Mittelvolumen bis 2030 auf mindestens 1,4 Milliarden Euro.

    Erste indikative Liste zu Investitionen

    Das Interesse der unter Dekarbonisierungsdruck stehenden Energiewirtschaft und Industrie ist groß. In Vorbereitung auf die Investitionsstrategie, die die Slowakei mithilfe des Modernisierungsfonds verfolgen will, gingen beim zuständigen Umweltministerium 124 Projektvorschläge ein. Der Gesamtwert der geplanten Investitionen: 4 Milliarden Euro. Eine Kommission stellte daraus eine Liste zusammen, die sie an die Europäische Investitionsbank EIB sandte. Eine solche Übersicht ist jährlich zu übermitteln, um daraus die Investitionspläne des Landes für die folgenden zwei Kalenderjahre ablesen zu können.

    Mit Blick auf Vorhaben, die in den kommenden beiden Jahren umsetzbar sind, in denen der Slowakei etwa 240 Millionen Euro zur Verfügung stehen, umfasst diese erste indikative Liste 19 Projekte des Heizkraftsektors und ein Förderschema zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen.

    Zwei Förderschemen vorgestellt

    Im Mai 2021 hat das Umweltministerium zwei staatliche Förderschemata aus Mitteln des Modernisierungsfonds veröffentlicht und in Brüssel vorgestellt. Die Europäische Kommission muss über die Auszahlung erster Mittel aus dem Modernisierungsfonds für diese beiden Programme entscheiden.

    Das erste Förderschema richtet sich an den Heizkraftsektor, die zentralen Wärme- und Kühlungsversorger. Es wird vom Umweltministerium gelenkt. Als umsetzende Instanz tritt der Umweltfonds auf. Das zweite Förderschema unterstützt die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen. Auch hier ist das Umweltministerium die lenkende Institution, die Umsetzung obliegt dem Wirtschaftsministerium.

    Aufrufe sind in Vorbereitung

    Erste Aufrufe im Rahmen dieser beiden Schemata werden im 4. Quartal 2021, spätestens 1. Quartal 2022 erwartet. Als weitere Investitionsfelder in den kommenden Jahren sollen hinzukommen: Kohleersatz in industriellen Energieerzeugungsanlagen, Energieeffizienz und Emissionssenkung in der Industrie, Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Quellen, mehr Energieeffizienz bei der Stromerzeugung. In der Umsetzung kann das über weitere Förderschemata oder individuelle Projekte erfolgen. 

    Für deutsche Technologieanbieter im Energiesektor ergeben sich durch den Modernisierungsfonds in der Slowakei eine ganze Reihe von Geschäftschancen. Sie reichen von hochwirksamen Blockheizkraftwerken über Speichersysteme bis hin zu Software oder Mess- und Regeltechnik. Slowakische Niederlassungen deutscher Unternehmen wiederum können prüfen, ob sich diese Förderquelle für ihre Energie-, Effizienz- oder Emissionseinsparungsprojekte eignet.    

    Zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung 1 Milliarde Euro

    Die Heizkraftwirtschaft kann bis 2030 aus dem Modernisierungsfonds mit Fördermitteln in Höhe von 1 Milliarde Euro rechnen, also circa 100 Millionen Euro pro Jahr. Es geht dabei um Projekte zur Verbesserung der Energieeffizienz, zur Modernisierung der Energiesysteme einschließlich der Fernwärmenetze zentraler Wärme- oder Kühlungsversorger, zu Energiespeichern, zu smarten Lösungen bei der Wärmeverteilung sowie zur Erhöhung des Anteils von Strom und Wärme aus Anlagen hocheffizienter Kraftwärmekopplung (KWK).

    Förderfähig ist die Beschaffung von Sachanlagen bei Bau/Erweiterung, Rekonstruktion oder Modernisierung der Fernwärmedistribution (samt Speichersysteme) und der Energiequellen (im Rahmen hocheffizienter KWK). Gefördert wird auch die Beschaffung von Software, digitalen Systemen, Mess- und Steuertechnik, die Erhöhung der Intelligenz und der Cybersicherheit der Wärmeverteilung.

    Einzelheiten enthält das im Handelsanzeiger veröffentlichte Förderschema für den Heizkraftsektor.

    Für mehr Strom aus erneuerbaren Energien 400 Millionen Euro

    Die Slowakei braucht mehr Energie aus erneuerbaren Quellen, um deren Anteil am Bruttoendverbrauch bis 2030 weiter zu erhöhen. Ursprünglich sollten erneuerbare Energien durch Auktionen einen neuen Schub bekommen. Doch kam dann der Modernisierungsfonds als Quelle für Investitionshilfen gelegener.

    Ob Neubau, Rekonstruktion oder Modernisierung von Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen – mit Projekten sollen sich in den geplanten Förderrunden kleine und mittlere Unternehmen, aber auch Großunternehmen, selbstversorgende Betriebe und Kommunen bewerben können. Es geht dabei um die Energiequellen Wasser, Sonne, Wind, Geothermie (auch in der kombinierten Produktion von Strom und Wärme) und bei der Stromerzeugung mithilfe von KWK auch um feste Biomasse, Biogas, Deponiegas und Kläranlagengas.

    Einzelheiten enthält das im Handelsanzeiger veröffentlichte Förderschema für die Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen.

    Von Miriam Neubert | Bratislava

  • Kontaktadressen

    Institution

    Anmerkungen

    Vertretung der Europäischen Kommission in der Slowakei

    Informationsstelle der Europäischen Kommission

    Deutsch-Slowakische Industrie- und Handelskammer

    Auslandshandelskammer Slowakei, Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Regierungsamt der Slowakischen Republik

    Oberstes Lenkungsorgan für EU-Fördermittel: Informationen zu Partnerschaftsabkommen, Operationellen Programmen, Ausschreibungen, Projekten und Beispielen guter Praxis

    Ministerium für Investitionen, regionale Entwicklung und Informatisierung MIRRI

    Zentrale Koordinierungsstelle für die Vorbereitung der neuen EU-Förderperiode 2021 bis 2027 und des Partnerschaftsabkommens; zugleich durchführende Behörde zum Thema Digitalisierung und Cybersicherheit

    Webportal für die neue Förderperiode 2021-2027

    Beinhaltet auch andere EU-Programme

    Finanzministerium

    Federführend bei der Erstellung des Aufbau- und Resilienzplans

    Webportal für den Aufbau- und Resilienzplan

    Informationen zum aktuellen Stand, übersichtliche Darstellung der Verzahnung von Investitionen und Reformen, kompletter Plan mit Umsetzungssystematik

    Umweltministerium

    Durchführende Behörde zu den Themen Klimawandel, Umweltschutz, Gebäudeenergieeffizienz, verantwortlich für die Mittel aus dem Modernisierungsfonds  

    Ministerium für Wirtschaft

    Durchführende Behörde zu den Themen Industrie und Energie, umsetzende Instanz für das Förderschema erneuerbare Energien des Modernisierungsfonds

    Ministerium für Verkehr und Bau

    Durchführende Behörde für Verkehrsinfrastrukturprojekte

    Liste regionaler Informations- und Beratungszentren

    Beratung bei der Beantragung von EU-Fördermitteln

    Umweltfonds

    Umsetzende Instanz für das Förderschema Heizkraftsektor des Modernisierungsfonds

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