Politische Stabilität und ein unternehmensfreundlicher Kurs machen das Land attraktiv. Deutsche Unternehmen sind nur schwach vertreten.
Côte d'Ivoire gilt insbesondere im afrikanischen Vergleich als unternehmensfreundlich. Das ivorische Recht schützt das Privateigentum für In- und Ausländer gleichermaßen. Es gibt keine Beschränkungen für den Devisen- und Kapitaltransfer. Der westafrikanische CFA‑Franc ist an den Euro gebunden. Währungsrisiken sind deswegen kaum gegeben.
Unterdurchschnittliches Risiko für Zahlungsausfälle
Im Subsahara‑Afrika‑Vergleich stuft Euler Hermes Côte d’Ivoire (Stand: Q1/2026) als Land mit unterdurchschnittlichem Risiko für Zahlungsausfälle ein. Dennoch bleibt Côte d’Ivoire Teil eines insgesamt sensiblen afrikanischen Risikoumfelds, sodass Zahlungsziele weiterhin abgesichert werden sollten.
Das ivorische Justizsystem ist nominell unabhängig. Richter sind mitunter politischem Einfluss ausgesetzt. Das Land erkennt ausländische Schiedssprüche an und hat diese in der Vergangenheit auch vollstreckt. Obwohl das öffentliche Beschaffungsverfahren gesetzlich offen ist, kann es in der Praxis intransparent ausfallen.
Laut Transparency International hat Côte d’Ivoire in den vergangenen Jahren zwar Fortschritte im Kampf gegen Korruption erzielt, im Transparency-Korruptionswahrnehmungsindex 2025 erreichte das Land jedoch nur 43 von 100 Punkten und belegte Rang 76 von 180 Ländern.
Investitionen in Bergbau und Infrastruktur
Die Investitionen werden im Zeitraum 2026 bis 2030 auf hohem Niveau bleiben, getragen von anhaltenden Investitionen in den Öl‑ und Gassektor, in den Bergbau sowie in die Infrastruktur.
Der Nationale Entwicklungsplan (NDP) 2026 bis 2030 legt den Schwerpunkt auf Investitionen in die Infrastruktur und die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie auf Maßnahmen zur Verbesserung des Geschäftsumfelds, darunter der Abbau bürokratischer Hürden, die Bekämpfung von Korruption und die Vereinfachung der Steuergesetze. Fortschritte dürften jedoch nur schrittweise erfolgen.
Neue Player auf dem Feld
Frankreich bleibt aufgrund der tief verwurzelten wirtschaftlichen und historischen Beziehungen eine wichtige Quelle für ausländische Direktinvestitionen. Die ehemalige Kolonialmacht ist unter anderem stark in die Telekommunikation, den Energiesektor und das Tankstellennetz investiert.
Für Singapur, Malaysia, die Schweiz, Indien und die USA liegt der Schwerpunkt auf der Verarbeitung von Kakao und Cashew sowie weiteren agrarischen Rohstoffen. China ist unter anderem an der Hafeninfrastruktur Abidjans beteiligt.
Marokko und Südafrika sind im Bankensektor und in der Telekommunikation aktiv. Das Vereinigte Königreich hat vor allem in die Stromerzeugung investiert. Die Türkei ist als Projektpartner präsent.
Die ivorische Statistik führt Mauritius als führendes Ursprungsland für ausländische Direktinvestitionen an. Das spiegelt Holdingstrukturen wider; die Kontrolle liegt meist bei Konzernen aus Drittstaaten.
Deutsche Präsenz überschaubar
Deutsche Firmen sind vor allem in den Sektoren Energie, Bau, Industrie und Logistik aktiv. Sie agieren meist projektorientiert oder als Technologielieferanten. Siemens Energy ist regional wichtiger Technologielieferant und Serviceanbieter bei Energieprojekten. Zu den vor Ort präsenten Unternehmen gehören auch der Ausrüster in der Getränkeindustrie Krones oder der Pumpenhersteller Wilo.
Das Ingenieurbüro Gauff ist an diversen Infrastrukturprojekten beteiligt. Bayer betreibt ein neues Saatgutlager als regionalen Distributionshub. Deutsche Unternehmen mit lokaler Produktion sind allerdings nicht vertreten.
Ende März 2026 fand in Abidjan das EU Regional Business Forum statt, das im Rahmen der europäischen Global-Gateway Initiative unter anderem Investitionen entlang der Korridore Abidjan–Lagos (Nigeria) und Abidjan–Ouagadougou (Burkina Faso) mobilisieren soll.
Staat wirbt mit Steueranreizen
Der Investitionskodex sichert die Gleichbehandlung ausländischer Investoren, freien Gewinn‑ und Kapitaltransfers, freien Devisenzugang, und den Eigentumsschutz zu. Einige Sektoren wie Bergbau unterliegen Sondergesetzen.
Enteignungen sind nur im öffentlichen Interesse und gegen gerechte, vorherige Entschädigung möglich. In einigen Sektoren (Kakao‑ und Cashew) gibt es Präferenzen für ivorische Unternehmen.
Übersichtstabelle Investitionsförderung in der Betriebsphase*| A (Abidjan‑Distrikt) | 5 Jahre | 50 % Entlastung über 5 Jahre; 70 % bei KMU | Steuergutschrift (Crédit d’impôt) 25 % |
| B (Regionalsitze inkl. Bonoua/Grand‑Bassam) | 10 Jahre | 100 % in den ersten 5 Jahren, danach 50 % in den folgenden 5 Jahren | Steuergutschrift (Crédit d’impôt) 35 % |
| C (übriges Landesgebiet) | 15 Jahre | 100 % in den ersten 10 Jahren, danach 75 % in den folgenden 5 Jahren | Steuergutschrift (Crédit d’impôt) 50 % |
* Es handelt sich um Richtwerte; verbindlich ist der CEPICI Bescheid.Quelle: Portail d'informations et de promotion de l'économie de Côte d'Ivoire 2026
Anreize nach Branchen
Die höchste Förderfähigkeit (Catégorie 1) im Kodex umfasst Investitionen in die Agroindustrie, die Gesundheitswirtschaft und – ab bestimmten Mindestinvestitionen – die Hotellerie. Die übrigen förderfähigen Bereiche (Catégorie 2) sind unter anderem: verarbeitende Industrie, Transport und Logistik, IKT sowie Umweltwirtschaft.
Nicht förderfähige Branchen sind: Handel, Banken und Finanzen und das Bauwesen für die nicht-industrielle Nutzung. Die gewährten Vorteile setzen sich aus steuerlichen Entlastungen, Zollpräferenzen und weiteren speziellen Regelungen zusammen. In einigen Bereichen (zum Beispiel bestimmte Finanzaktivitäten, einzelne Rohstoffförderungen) sind ausländische Investitionen ausgeschlossen.
… und nach Regionen
Die Förderhöhe wird zudem nach regionalen Zonen (A/B/C) differenziert. Zusatzanreize kann es unter anderem bei der Erfüllung bestimmter Bedingungen für die lokale Verarbeitung und Beschäftigung, Reinvestition von Gewinnen geben. Während der Gründungsphase gelten Erleichterungen bei Zoll und Mehrwertsteuer.
Geringe Lohnnebenkosten
Der Standardsatz für die Körperschaftsteuer liegt bei 25 Prozent des steuerpflichtigen Gewinns. Die Mehrwertsteuer beläuft sich auf 18 Prozent; für eng umrissene Güter auf neun Prozent. Es gibt keine lokalen Ertragsteuern. Die Lohnnebenkosten und arbeitgeberseitige Abgaben liegen bei rund 17 Prozent des Lohnbruttogehalts.
Industriezonen in Côte d’Ivoire | Zonenname | Ort | Investitionscode-Zone | Branchenschwerpunkte |
|---|
| Akoupé-Zeudji PK24 | Grand Abidjan | A | Verarbeitungsindustrie; u.a. Kakaoindustrie |
| Bondoukou – Zone agro-industrielle Anacarde | Bondoukou | B | Cashew |
| Bouaké – Zone logistique & industrielle (im Aufbau) | Bouaké | B | branchenoffen |
| Ferkessédougou – Industrie/Logistik | Ferkessédougou | B | Logistik/Handel |
| Grand-Bassam – VITIB (ZBTIC, Zone franche) | Grand-Bassam | Sonderregime ZBTIC: u.a. 0% Steuern 5 Jahre; ab Jahr 6: 1% Steuer | IKT/Tech, Biotechnologie |
| Korhogo – Zone agro-industrielle Anacarde | Korhogo | B | Cashew |
| Koumassi – Zone industrielle | Abidjan Sud | A | branchenoffen |
| San Pedro – Réserve industrielle de Kablaké (im Aufbau) | San Pedro | B | Kakao-Industrie / weitere verarbeitende Industrie |
| Séguéla – Zone agro-industrielle Anacarde | | B | Cashew |
| Vridi – Zone industrielle | Abidjan | Zone A | Energie/Petroleum & Hafennahe Industrie |
| Yamoussoukro – Zone industrielle | Yamoussoukro | B u. C | Agroverarbeitung |
| Yopougon – Zone industrielle | Abidjan Ouest | A | branchenoffen |
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026
Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.
Von
Fausi Najjar
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Abidjan