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Branchen | Äthiopien | Landwirtschaft

Marktchancen

Bisher liefert Deutschland im Wesentlichen nur Pflanzenschutzmittel und einige Feldhäcksler an Äthiopiens Landwirtschaft. Chancen bietet die Erschließung von Tieflandgebieten.

Von Ulrich Binkert | Addis Abeba

Für Lieferanten aus Deutschland ist Äthiopiens Landwirtschaft bisher kaum ein Markt, wie die geringen deutschen Exporte von Landtechnik und Agrarchemikalien nahelegen. Nennenswerte Lieferungen erzielt Deutschland nur bei Pestiziden und Feldhäcklsern. Anbieter klagen wie in der gesamten Wirtschaft über Devisenmangel bei ihren Kunden. Landtechnik beschafft die Branche zudem teils erratisch. Traktoren zum Beispiel importierte Äthiopien 2012 massiv (aus China), 2018 praktisch gar nicht und 2021 immerhin wieder für gut 40 Millionen US$.

Äthiopiens Importe von Agrarchemikalien (Millionen US$)

Produkt (HS-Zolltarifposition)/Lieferland

2018

2019

2020

2021

Dünger  (3101) *)

417,6

504,1

507,4

590,9

  Marokko

209,4

304,9

286,3

361,8

  Ägypten

69,6

34,8

95,9

105,3

  Deutschland

0,5

0,1

2,2

0,3

Insektizide (3808.91)

46,7

53,1

53,0

63,7

Fungizide (3808.92)

4,9

10,3

16,1

41,5

Herbizide (3808.93)

10,1

22,1

33,3

57,6

Lieferländer für Pestizide (3808.91-93)

  China

7,4

10,6

21,7

22,6

  Indien

13,1

15,1

26,7

21,0

  Frankreich

5,6

8,9

12,0

20,0

  Deutschland

2,5

3,7

10,0

15,8

*) inklusive (wenig) organischem Dünger (HS 3101)Quelle: International Trade Centre

Äthiopiens Importe von Landtechnik (Millionen US$)

Produkt (HS-Zolltarifposition)/Lieferland

2018

2019

2020

2021

Bodenbearbeitungsmaschinen (8432)

4,6

5,6

7,3

13,5

  Feldhäcksler

2,6

11,6

38,4

3,6

    Deutschland

1,8

6,2

14,7

1,3

Lieferländer für Bodenbearbeitungsmaschinen

  Italien

1,6

1,3

2,2

2,7

  Indien

0,2

0,9

0,3

5,8

  Deutschland

0,3

1,7

0,0

0,7

  Erntemaschinen (8433)

4,4

16,6

49,2

7,4

  Deutschland

1,9

7,2

16,7

1,5

  Polen

0,1

5,9

16,6

0,4

Milchwirtschaftliche Maschinen (8434)

6,8

5,1

5,7

2,7

  China

2,2

0,7

3,6

0,2

  Deutschland

0,0

0,0

0,0

0,2

Andere Land-/Forstmaschinen (8436)

2,6

7,4

5,7

9,5

  China

0,6

0,8

2,2

4,5

  Deutschland

0,1

0,9

0,1

0,9

Schlepper außer Einachsschlepper (8701.91-.95) *)

6,8

16,6

24,6

43,4

  China

0,7

0,7

3,7

22,5

  Vereinigtes Königreich

1,1

6,7

11,0

10,3

  Deutschland

0,0

0,4

0,9

0,0

*) Daten der Partnerländer (mirror data), da äthiopische Daten besonders unplausibelQuelle: International Trade Centre

Erschließung von Tiefland schafft Bedarf

Lieferchancen könnten sich durch eine Mechanisierung bisher wenig genutzter Tieflandgebiete ergeben. Mit deren verstärkten Bewässerung versucht Äthiopiens Regierung gegen die Nahrungsmittelknappheit im Land anzugehen, seit 2021 gibt es dafür ein Ministry of Irrigation & Lowlands. Bisher wird eher Obst und Gemüse bewässert, auf den neuen großen Flächen sollen nun auch Grundnahrungsmittel wie Weizen wachsen. Die bewässerte Fläche stieg zuletzt auf 800.000 ha – oder 5 Prozent der Agrarfläche -, möglich seien aber 5,3 Millionen ha, zitierte die Presse Ende 2021 einen Wasserexperten der Universität Hawassa.

So plante die Regierung für das Fiskaljahr 2020/21 neun Projekte zur Bewässerung von 125.000 ha für insgesamt rund 400 Millionen US$. Im Jahr 2021 etwa begannen der Bau des angeblich 200 Millionen US$ teuren Anger-Damms durch Oromia Water Works Construction und des knapp 130 Millionen US$ teuren Ajima-Chacha-Damms durch China Civil Engineering. 

Zucker-Privatisierung mit Chancen

Beim Zuckerrohranbau sieht die äthiopische Beratungsfirma Agripol „große Absatzmöglichkeiten“ bei Technik und anderen Inputgütern. Voraussetzung ist allerdings, dass die laufende Privatisierung großer Teile der bisher staatlichen Branche in Gang kommt. Maschinen bereiten den Informationen zufolge bereits weitgehend den Boden vor und bringen Dünger und wohl auch Pflanzenschutzmittel aus. Das Pflanzen erfolge aber manuell, ebenso weitgehend die Bewässerung. Für die Ernte werde das Zuckerrohr bisher von Hand geschnitten und dann von Maschinen verladen und zur Raffinerie gebracht.

Großes Potenzial bescheinigen Beobachter dem Anbau von Obst und Gemüse, wofür Äthiopiens viele Klimastufen gute Bedingungen bieten. Wegen fehlender Kühlmöglichkeiten und anderer struktureller Probleme muss Äthiopien aber zum Beispiel Fruchtsaftkonzentrat importieren. Der zuständige Verband arbeitet jetzt mit niederländischen Partnern am Ausbau der Kühllogistik.

Agrarchemikalien mit Potenzial

Die Importe von chemischen Pflanzenschutzmitteln – die nationale Produktion ist vernachlässigbar – erreichten laut International Trade Centre (ITC) 2020 rund 100 Millionen US$ und 2021 gut 160 Millionen US$. Die Daten von Äthiopiens Handelspartnern weichen ab, bewegen sich aber grob in derselben Größenordnung. Die Agrarorganisation der Vereinten Nationen FAO wies für vergangene Jahre teils deutlich höhere Werte aus.

Deutlich niedrigere Zahlen nennt hingegen ein führender Anbieter in Addis Abeba: Er beziffert den Pflanzenschutz-Markt mit derzeit rund 35 Millionen US$, nach einer Spitze von 52 Millionen US$ in der Saison 2017/18. Rund 30 Prozent dieser Ausgaben wird den Angaben zufolge für die Behandlung von Weizen und Gerste eingesetzt, jeweils ein Sechstel für Mais und Gemüse und knapp ein Zehntel für Blumen. Das Potenzial des Marktes sei aber doppelt so hoch wie schon zu Spitzenzeiten.

Marktführerin ist den Branchenangaben zufolge die zu ChemChina gehörende Syngenta Group. Chinesische Anbieter sollen auch insgesamt den Markt bestimmen, sie litten allerdings mehr als die Konkurrenz unter den globalen Lieferproblemen: Wegen fehlender Schiffscontainer müssten sie wie die anderen Firmen mehr Ware einfliegen, was ihren Haupt-Wettbewerbsvorteil, die niedrigen Preise, schmälere. Die in den letzten Jahren deutlich gestiegenen Düngerimporte dürften angesichts der globalen Preissteigerungen ein noch größeres Loch in Äthiopiens Handelsbilanz reißen.

Lohnunternehmen als wichtige Technikkunden

Als wichtigste Kunden von Landtechnik in Äthiopien gelten Lohnunternehmen, die für Bauern im Hochland Böden bearbeiten und ernten. Die Firma Lersha etwa offeriert ein Portal für die Vermittlung solcher „Commercial Service Providers“ und erbringt selbst solche Dienste. Die nächstwichtige Kundengruppe sind laut Lersha die Farmer Unions als Zusammenschlüsse der primären Genossenschaften, in denen sich wiederum üblicherweise einige hundert Kleinbauern gruppieren. Die dritte wichtige Kundengruppe seien die großen Commercial Farms, die ihren Maschinenpark außer für die eigenen Flächen auch für die von umliegenden Kleinfarmen einsetzten.

Die größeren privaten Lohnunternehmen führen laut Landwirtschaftsministerium beispielsweise zehn Traktoren und zwanzig Feldhäcksler. Sie arbeiten zu Spitzenzeiten Tag und Nacht und sind den Angaben zufolge besser gemanagt als Farmers Unions, die nicht immer nachhaltig mit ihrem – meist kleineren - Maschinenpark umgingen.

Nachfrage nach Technik und anderen Einsatzgütern schaffen Programme ausländischer Geber wie USAID und GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) oder auch Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) wie SNV aus den Niederlanden. Die GIZ war und ist mit mehreren Branchenprogrammen im Land aktiv, so zur Mechanisierung von Kleinbauern. Als „erfolgreichstes Programm“ überhaupt bezeichnet ein langjähriger Beobachter die Initiative für „Agricultural Commercialization Clusters“, die 2019 maßgeblich die Niederlande finanzierten. Wenig effektiv sind diesen Aussagen zufolge hingegen die Aktivitäten der Bill-Gates-Stiftung.

Das Landwirtschaftsministerium hat oder plant nach eigenen Angaben keine Beschaffungsprogramme für Technik. Man helfe den Nutzern lediglich bei Beschaffungen. Auch die dem Ministerium unterstellte ATA spiele bei der Mechanisierung keine Rolle. ATA sollte nach einer Meldung von 2019 um die 200 Landtechnik-Verkaufsstellen einrichten, was laut Beobachtern aber kaum geschah.

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