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Global Gateway im Fokus bei EU-Afrika Business Forum
In Angola berieten EU und Afrika, wie Finanzierungslücken geschlossen, lokale Produktion gestärkt und Unternehmen frühzeitig in Global‑Gateway‑Projekte eingebunden werden können.
22.12.2025
Von Henri Cartier, Dorothea Netz | Brüssel, Bonn
Beim EU-Afrika Business Forum im Zuge des EU-Afrika Gipfels in Angola diskutierten politische Entscheidungsträger, Entwicklungsbanken und Wirtschaftsvertreter aus Afrika und Europa im November 2025 über neue Wege, um die wirtschaftliche Kooperation zu vertiefen und die Voraussetzungen für nachhaltige Investitionen zu verbessern.
Die EU setzt dabei in erster Linie auf Global Gateway, ihrer globale Investitions- und Konnektivitätsinitiative. Ziel von Global Gateway ist es, die nachhaltige Infrastruktur, grüne Energie, Gesundheits- und Digitalisierungsvorhaben zu unterstützen. Subsahara Afrika ist eine Schwerpunktregion der Global-Gateway-Aktivitäten. Eines der Leuchtturmprojekte der Initiative befindet sich in Angola: Der Lobito-Korridor.
Neues EU-Angebot für Unternehmen: Global Gateway Investment Hub
Auf der Veranstaltung wurde auch der neue Global Gateway Investment Hub vorgestellt. Über diesen möchte die EU-Kommission Unternehmen bereits in frühen Projektphasen einbinden, Investitionschancen sichtbar machen und den Zugang zu Finanzierungsinstrumenten erleichtern. Bislang sind für Unternehmen die Unterstützungs- und Finanzierungsmöglichkeiten im Rahmen von Global Gateway oftmals nur schwer greifbar. Europäische und afrikanische Dachverbände haben ihre Forderungen und Vorschläge hierzu in einer gemeinsamen Business Declaration im Zuge des Forums zusammengefasst.
Das Format der Business Foren ist ein wichtiger Baustein für die EU-Kommission, um Unternehmen und Investoren über Investitions- und Beteiligungsmöglichkeiten in den verschiedenen Zielregionen von Global Gateway zu informieren und den Dialog mit Finanzierungsinstitutionen und nationalen Akteuren zu stärken. 2026 finden verschiedene weitere Business Foren statt mit einem Schwerpunkt auf afrikanischen Ländern. Bei diesen Veranstaltungen stehen neben Vorträgen auch Dialog- und Netzwerkformate auf dem Programm. Oftmals ist auch eine digitale Teilnahme möglich.
Bessere Rahmenbedingungen für Investitionen und mehr lokale Wertschöpfung nötig
Zahlreiche Redner wiesen bei der Veranstaltung darauf hin, dass Afrikas wirtschaftliche Zukunft maßgeblich von einem starken lokalen privaten Sektor abhängt. Der Zugang zu Finanzierung bleibt jedoch schwierig: Während Start-ups oft kein kommerzielles Kapital erhalten, sind Projekte im mittleren Segment für klassische Risikokapitalfinanzierungen zu groß. Diese sogenannte "Missing Middle"-Problematik wurde mehrfach als zentrale Barriere für Wachstum beschrieben.
Ein weiteres Schwerpunktthema war die Notwendigkeit, afrikanische Wertschöpfungsketten zu stärken. Vertreter beider Kontinente betonten, dass Afrika zwar reich an Rohstoffen sei, jedoch zu wenig lokale Verarbeitung stattfindet. Die Diskussionen zeigten, dass gemeinsame Investitionen in lokale Produktion, etwa von kritischen Mineralien, Nahrungsmitteln, pharmazeutischen Produkten oder erneuerbaren Energien, entscheidend sind, um Arbeitsplätze zu schaffen, Industrien aufzubauen und Handel auf Augenhöhe zu ermöglichen.
Neben Finanzierung und Know-how ging es auch um makroökonomische und regulatorische Voraussetzung für Investitionen. Die EU sowie afrikanische und europäische Unternehmen wiesen darauf hin, dass berechenbare Gesetze, steuerliche Stabilität und transparente Verfahren entscheidend sind, um insbesondere europäische kleine und mittlere Unternehmen zu Investitionen in Afrika zu bewegen.