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Chinas E-Auto-Hersteller drängen nach Südostasien

Die Länder der Association of Southeast Asian Nations fördern E-Mobilität. In Thailand und Indonesien baut China Produktionszentren auf. Deutsche Hersteller sind unter Druck.

Von Frank Malerius | Bangkok

Die Schließung der Straße von Hormus hat in den Ländern Südostasiens (Association of Southeast Asian Nations; ASEAN) die Mobilität eingeschränkt. Die Region ist von Ölimporten aus dem Nahen Osten abhängig. Dieser Umstand beschleunigt den Umstieg auf Elektromobilität. Alle Regierungen der Region fördern die Transformation, sei es durch Zollerleichterungen für Importe, Steueranreize für Produzenten, Prämien für Käufer oder den staatlichen Aufbau der Ladeinfrastruktur.  

Der Umstieg von Verbrennern auf E-Autos bedeutet einen tiefgreifenden Strukturwandel der Automobilindustrie in ASEAN. Bisher lag die Branche weitgehend in den Händen japanischer Hersteller. Nun drängen chinesische Produzenten von E-Fahrzeugen in den Markt. Die chinesischen E-Autos haben eine hohe Qualität und sind günstig. Dadurch gewinnen die Hersteller aus dem Reich der Mitte rasant Marktanteile, auch in dem bisher von deutschen Herstellern dominierten Luxussegment.

China baut große Produktionskapazitäten in ASEAN auf

Derzeit plant ein halbes Dutzend chinesische E-Auto-Hersteller den Aufbau ihrer Produktion in Thailand. Laut Medienberichten sollen insgesamt Kapazitäten für bis zu 800.000 Einheiten aufgebaut werden. 

Noch gibt es wenige Anreize zur Umsetzung, denn E-Autos aus China können zollfrei nach Thailand eingeführt werden. Japanische Hersteller in Thailand kritisieren die Begünstigung der chinesischen Konkurrenz. 

Der indonesische Finanzminister nutzt diese Unzufriedenheit: Er hat Toyota zur Verlagerung seiner thailändischen Produktionskapazitäten nach Indonesien eingeladen. Daraufhin stellte die Regierung in Bangkok in Aussicht, die Importe aus China mit Abgaben zu belegen. Im Raum stehen 30 Prozent. 

Auch in Indonesien bauen chinesische Hersteller ihre Präsenz aus. Medienberichte nennen 14 chinesische E-Auto-Hersteller, die Fabriken mit einer Gesamtkapazität von 410.000 Einheiten aufbauen wollen. 

Das chinesische Unternehmen BYD eröffnete im September 2026 eine Produktionsstätte für jährlich 150.000 Einheiten. Das ist eine Reaktion auf die Local-Content-Anforderungen und die Steuerpolitik der indonesischen Regierung, die eine Produktion im Land erzwingen. 

 

Vinfast hält chinesische Konkurrenz im Zaum

Vietnam meldet keine offiziellen Produktions- und Verkaufszahlen, gilt aber als das ASEAN-Land mit den meisten verkauften E-Autos. Im Jahr 2025 wurden dort 175.000 E-Autos neu registriert. Fast alle kamen von Vinfast, dem einzigen E-Auto-Produzenten der Region. Das Unternehmen hält bisher sowohl chinesische Importe als auch deren Produktion weitgehend aus dem Land heraus. 

Trotzdem soll eine kleinere Fertigung des chinesischen Chery im Umfang von 30.000 bis 60.000 Einheiten noch 2026 starten. Allerdings geht es zunächst um Plug-in-Hybride und Verbrenner. Ein Engagement des aus China stammenden Unternehmens Geely für Plug-in-Hybride, Verbrenner und E-Autos ist ebenfalls in Planung und soll eine Kapazität von 75.000 Einheiten haben. 

Andere ASEAN-Länder hängen bei E-Mobilität hinterher

In Kambodscha und Laos stellen E-Autos zumindest im urbanen Raum bereits einen großen Anteil der Pkw.

In Malaysia ist die Zahl der E-Autos vergleichsweise gering. BYD erreichte 2025 einen Marktanteil von 32 Prozent – mit nur 14.400 Einheiten. Chery investiert derzeit in eine E-Auto-Produktion. Die Investitionsanforderungen in Malaysias Automobilbranche gelten als strenger als die in Thailand und Indonesien und sind ein Wettbewerbsnachteil.

Im kleinen Automobilsektor der Philippinen gibt es noch keine Montage von E-Autos. Im Juni 2026 hat die Regierung die "Electric Vehicle Incentive Strategy" mit Förderung von bis zu 1 Milliarde US-Dollar aufgelegt, um Hersteller anzulocken. In Singapur werden keine Autos produziert. Aber bis 2030 sollen dort 100 Prozent der Neuzulassungen E-Autos oder Hybride sein. 

Klimaschutz ist kein Grund für Umstieg auf E-Mobilität

Der Umstieg auf reine E-Autos dient in ASEAN nicht unbedingt dem Klimaschutz. In Indonesien, Vietnam und in den Philippinen werden sie noch auf absehbare Zeit mit Kohlestrom geladen werden. Thailand verwendet dafür überwiegend Strom aus Gas, Malaysia eine Mischung aus beidem. 

Erneuerbare Energien spielen auch elf Jahre nach Unterzeichnung des Pariser Klimaschutzabkommens in der ASEAN keine größere Rolle. Zwar bestehen überall Pläne zu deren Ausbau, doch ob sich die Länder diesen wirklich leisten können, ist offen. E-Autos verbreitern vor allem die Energiebasis von Mobilität: Anstatt teurem Importöl kommen andere Energieträger zum Einsatz.