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Ende der 6x1-Arbeitszeit in Brasilien

Nach heftigen Debatten im brasilianischen Parlament wird eine Verfassungsreform die Arbeitszeit verändern.

Von Dr. Julio Pereira | Berlin

Am 27. Mai 2026 hat die brasilianische Abgeordnetenkammer (Câmara dos Deputados) mit einer breiten Mehrheit eine Verfassungsänderung angenommen, die den rechtlichen Rahmen für die Arbeitszeit grundlegend verändert. Im Wesentlichen wird damit der rechtliche Rahmen abgeschafft, der die sogenannte 6x1-Arbeitszeit („Escala 6x1": 6 Arbeitstage x 1 Ruhetag) in Brasilien noch ermöglicht. Die Änderung wird kurzfristig erhebliche Auswirkungen auf die Unternehmen haben.

Derzeitiges Modell: Die 6x1-Arbeitszeit

In Brasilien ist das vorherrschende Arbeitszeitmodell im Handel, bei Dienstleistungen und in der Logistik der 6x1-Arbeitstag. Dieses Modell ist durch sechs aufeinanderfolgende Arbeitstage und einen bezahlten Ruhetag gekennzeichnet. Die normative Logik dahinter ist in Artikel 7, XIII der brasilianischen Verfassung (Constituição Federal de 1988 - CF/88) verankert, die den Arbeitnehmern derzeit einen Arbeitstag von acht Stunden pro Tag und pro Arbeitswoche 44 Stunden garantiert. Das Arbeitsgesetzbuch (Consolidação das Leis do Trabalho - CLT) und die gesamte Arbeitsgesetzgebung basierten auf diesem verfassungsrechtlichen Parameter, der nun abgeschafft werden soll.

Verfassungsänderung

Die anstehende Änderung ist das Ergebnis von zwei Verfassungsänderungsentwürfen (Proposta de Emenda Constitucional – PEC): PEC 221/2019 und PEC 8/2025. Der von den Abgeordneten verabschiedete Text sieht vor, die verfassungsmäßige Höchstarbeitszeit von 44 auf 40 Stunden pro Woche zu reduzieren. Die tägliche Höchstarbeitszeit von acht Stunden wird beibehalten und es werden zwei bezahlte wöchentliche Ruhetage festgelegt (vorzugsweise einschließlich des Sonntags).

Die Übergangsfrist bis zur Einhaltung der neuen Höchstarbeitszeit ist recht kurz. Die Umstellung dürfte in etwas mehr als einem Jahr nach Inkrafttreten der Verfassungsänderung erfolgen. Im Grunde gibt es nur zwei Phasen bis zum Ende der 6x1-Arbeitszeit:

PhaseNeue Regelung
60 Tage nach Verabschiedung der PECMaximale Wochenarbeitszeit von 42 Stunden und 5x2-Arbeitszeit (5 Arbeitstage x 2 Ruhetage)
14 Monate nach Inkrafttreten der PECHöchstarbeitszeit von 40 Stunden pro Woche

Jegliche Gehaltskürzung als Folge der Arbeitszeitverkürzung ist durch die Verfassungsänderung ausgeschlossen. Da die Verfassungsänderung noch vom Bundessenat (Senado Federal) geprüft werden muss, kann es zu Änderungen kommen.

Relevante verfassungsrechtliche Aspekte

Die PEC hat Auswirkungen, die über eine einfache Verkürzung der Wochenarbeitszeit hinausgehen. Es gibt drei relevante Auswirkungen:

Konstitutionalisierung des Endes der 6x1-Arbeitszeit

Die brasilianische Verfassung garantiert derzeit eine „bezahlte wöchentliche Ruhezeit“, vorzugsweise an Sonntagen (Art. 7, XV), schreibt aber nicht ausdrücklich eine bestimmte Anzahl von Ruhetagen vor. Mit der Änderung werden die obligatorischen zwei Ruhetage verfassungsmäßig verankert. Damit erhält dieses Thema den höchsten normativen Schutz im brasilianischen Rechtssystem und wird zu einem Grundrecht für Beschäftigte.

Die praktische Konsequenz ist bedeutend: Zukünftige Versuche, die Arbeitszeit zu erhöhen, können nicht per Gesetz durchgeführt werden. Sie würden im Prinzip von einer neuen Verfassungsänderung abhängen, für die das Gesetzgebungsverfahren wesentlich anspruchsvoller ist.

Neustrukturierung der Quellen des Arbeitsrechts

Der zweite Aspekt ist die Änderung der Hierarchie der Arbeitszeitregelungen. Mit der Senkung der verfassungsmäßigen Höchstarbeitszeit auf 40 Stunden pro Woche und der Einführung von zwei obligatorischen Ruhetagen müssen Einzelverträge, Tarifverträge und alle Regelungen, die Parameter festlegen, die mit dem neuen Verfassungstext unvereinbar sind, während der kurzen, im PEC vorgesehenen Übergangszeit überprüft und angepasst werden. Somit wird durch die Änderung der Parameter für die Gültigkeit des gesamten Systems der arbeitsrechtlichen Vorschriften über die Arbeitszeit neu definiert.

Der Fall der KMUs

Die Arbeitszeitverkürzung wird sich je nach der wirtschaftlichen Größe des Unternehmens unterschiedlich äußern: Es wird erwartet, dass sie sich auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) auswirken wird. Daher sieht die Verfassungsänderung den Erlass eines Gesetzes mit Anpassungsvorschriften vor, das speziell auf diese Art von Unternehmen ausgerichtet ist. 

Dies ist eine notwendige Bestimmung, da sie den verfassungsrechtlichen Schutz sowohl der Beschäftigten als auch der KMUs harmonisiert. Die brasilianische Verfassung verpflichtet den Staat, vereinfachte und differenzierte Regelungen für kleine Unternehmen zu schaffen (Art. 170 IX und Art. 179 CF/88).

Wichtigste Auswirkungen in Brasilien

Die Hauptauswirkungen für in Brasilien tätige Unternehmen sind struktureller Natur. Unternehmen, die mit kontinuierlichen Schichten arbeiten, werden ihre Schichtpläne und Tarifverträge überprüfen müssen. In arbeitsintensiven Sektoren könnte die Verkürzung der Arbeitszeit dazu führen, dass neue Mitarbeitende eingestellt werden müssen. Die Veränderung wirkt sich direkt auf die Betriebsplanung und die Personalkosten aus. Vor allem für die Industrie- und Logistikbranche ist die wichtigste rechtliche Folge eine Verringerung der Flexibilität bei Kollektivverhandlungen.

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