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Chile lebt gut vom Handel mit China

China ist Chiles wichtigster Handelspartner und ein bedeutender Investor. Aber nicht alle Investitionspläne und gewonnenen Ausschreibungen sind Selbstläufer. (Stand: 18.9.2026)

Stefanie Schmitt

Von Stefanie Schmitt | Santiago de Chile

Im August 2026 legte die Changzhou, ein 200 Meter langer Autotransporter des chinesischen Autobauers BYD, am chilenischen Hafen San Antonio an. Mit an Bord: 1.918 Elektro- und Plug-In-Hybridfahrzeuge. Die Chancen für chinesische E-Autohersteller stehen gut in Chile. Denn neben chinesischen Marken ist das Angebot begrenzt und teuer.

Das gilt nicht nur für Elektroautos. An chinesischen Produkten schätzen die Chilenen vor allem die wettbewerbsfähigen Preise. Im Einzelhandel ist die Dominanz geradezu überwältigend. Laut Zentralbank stammten 2025 rund 39 Prozent der importierten Konsumgüter aus China. Besonders hoch ist der Anteil bei Bekleidung (68 Prozent), Elektroartikeln wie Mobiltelefonen (53 Prozent) und Schuhen (49 Prozent), wie Zahlen der Cámara Nacional de Comercio zeigen.

Aber auch bei Investitionsgütern und Hightech gewinnt China an Gewicht, darunter in der Stromerzeugung aus erneuerbarer Energie, bei Speichersystemen sowie im intelligenten Bergbau.

Es ist in der Tat beeindruckend, dass sich selbst in den letzten Winkeln Chiles chinesische Billigsupermärkte finden. Aber es sind eben nicht mehr nur billige Textilien und andere Konsumgüter, die aus China bezogen werden, sondern inzwischen auch Autos, Lastwagen bis hin zu Maschinen und Anlagen. Das ist ein Trendwechsel.

Cornelia Sonnenberg Geschäftsführerin der AHK Chile

Schon jetzt nehme der Wettbewerbsdruck auch in den wenigen Segmenten zu, in denen Deutschland in Chile stark sei, allen voran im Automobilbau oder bei Bergbaumaschinen.

Seit Anfang der 2010er-Jahre ist China Chiles wichtigster Handelspartner. Während Chile überwiegend Rohstoffe (Kupfer, Lithium) und Agrarprodukte wie Kirschen liefert, kommen aus der Volksrepublik Konsum- und Investitionsgüter aller Art. Dabei zählt der Andenstaat zu den wenigen Ländern weltweit mit positiver bilateraler Handelsbilanz.

Tatsächlich verdanke Chile sein gutes Kreditranking vor allem den stabilen Dollarzuflüssen aus dem Export, und wichtigster Abnehmer sei eben die Volksrepublik, so Johannes Rehner, China-Experte an der Universidad Católica. Überdies bringe dieses gute Standing Chile in die komfortable Situation, beispielsweise nicht von Belt-and-Road-Finanzierungen abhängig zu sein.  

Chile hat in den letzten Jahren aus der Beziehung mit China nur gewonnen. Auch wenn die Wertschöpfungskette nur kurz ist, hat der Handel mit China viel Geld in die chilenischen Kassen gespült.

Johannes Rehner Verantwortlicher Forscher im ICLAC-Verbund (Impact of China in Latin America) an der Universidad Católica in Santiago de Chile

Chinas Investitionen stark unterschätzt

Zwar ist Kanada als Investor in Chile unangefochtene Nummer 1. Doch China ist aus der Investorenlandschaft nicht mehr wegzudenken. Dabei ist schwer abzuschätzen, wie viel die Volksrepublik tatsächlich investiert hat. So beziffert die chilenische Zentralbank die Direktinvestitionen für 2024 auf 959 Millionen US-Dollar (US$). Dies entspricht lediglich 0,3 Prozent des Gesamtbestands. Dabei hatte allein Tianqi Lithium 2018 für seinen Anteil an der chilenischen Sociedad Química y Minera (SQM) rund 4 Milliarden US$ gezahlt. Grund ist: Das Gros der Gelder fließt nicht direkt, sondern schwer nachvollziehbar über Drittstaaten.

Chinas Bemühungen um Chiles Lithium

Besonders bedeutend ist die Beteiligung des chinesischen Unternehmens Tianqi Lithium an SQM, dem neben Albemarle bislang einzigen Lithiumförderer in Chile. Künftig wird Tianqis Anteil an SQM von derzeit rund 24 Prozent jedoch sinken. Grund ist die unter der Regierung Gabriel Boric (März 2022 bis März 2026) angeschobene nationale Lithiumstrategie. Diese sieht vor, dass der staatliche Kupferkonzern Codelco ab 2031 die Mehrheitskontrolle über die Lithiumförderung im Salar de Atacama übernimmt.

Da die Vereinbarung ohne öffentliche Ausschreibung zustande kam und Tianqi seine Interessen beeinträchtigt sah, legte das Unternehmen rechtliche Schritte ein, blieb damit jedoch erfolglos. Im November 2025 erteilten die chinesischen Wettbewerbsbehörden schließlich die erforderliche Genehmigung für das Joint Venture zwischen Codelco und SQM. Im Gegenzug sagte die chilenische Seite China höhere garantierte Mindestliefermengen innerhalb einer festgelegten Preisspanne zu. Laut Medienberichten handelt es sich dabei um jährlich 120.000 bis 140.000 Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent, was knapp der Hälfte der chilenischen Gesamtproduktion entspricht.

Insgesamt verlief die Zusammenarbeit mit Chile aus chinesischer Sicht im Lithiumsektor bislang eher enttäuschend. Dazu trägt auch bei, dass bei den jüngsten Ausschreibungen für Lithiumprojekte ausschließlich chilenische und westliche Unternehmen zum Zuge kamen, allen voran der britisch-australische Bergbaukonzern Rio Tinto.

Problematischer Stromsektor

Schlagzeilen machte 2020 der Einstieg von China State Grid (SGCC) beim Netzbetreiber Chilquinta für 2,2 Milliarden US$ und ein Jahr später der Kauf des Netzbetreibers CGE für rund 3 Milliarden US$. CGE versorgt rund 57 Prozent der chilenischen Endverbraucher mit Strom.

Kritisch sehen Juristen auch den Zuschlag für den Betrieb der 1.500 Kilometer langen Hochspannungs-Gleichstromleitung Kimal-Lo Aguirre 2021 an Conexión Energía Chile. An diesem Joint Venture hält Chile HVDC Transmissions SPA, eine Tochter von China Southern Power Grid International (CSGI), 33 Prozent der Anteile. Nach chilenischem Recht sind Stromerzeugung, -übertragung und -versorgung strikt zu trennen. Sowohl SGCC als auch CSGI gehören aber dem chinesischen Staat. Zudem obliegt die Errichtung der Leitung CSGI und Xi'an Electric Engineering Co.

CSG hält überdies fast 28 Prozent an Transelec, dem größten Übertragungsnetz Chiles, und bemüht sich seit Jahren um die übrigen, in kanadischem Besitz befindlichen Anteile. Dies könnte jedoch aus Sicherheitsbedenken scheitern.

China baut seine Präsenz in Chiles Infrastruktur aus

Nach Angaben des Informationsdienstleisters BNAmericas sind chinesische Baufirmen in Chile derzeit an Infrastrukturprojekten im Wert von rund 2,8 Milliarden US$ beteiligt. Das war nicht immer so: Obwohl sie seit mehr als zwei Jahrzehnten an Ausschreibungen teilnehmen, mussten sie sich lange den dominierenden spanischen Wettbewerbern geschlagen geben.

Inzwischen haben sich chinesische Firmen erfolgreich im Konzessionsmarkt etabliert. Schwerpunkte sind der Krankenhausbau, der Ausbau des Schienen- und Straßennetzes sowie Energieprojekte. Führender Akteur ist der Staatskonzern China Railway Construction Corporation (CRCC).

Allerdings läuft nicht immer alles rund – etwa bei der CRCC-Konzession des Autobahnabschnitts Talca–Chillán oder beim Bau der U-Bahnlinie 7 in Santiago. Bauexperten meinen jedoch, solche Auseinandersetzungen seien in der Branche üblich, unabhängig von der Herkunft des Konzessionsnehmers.

Weitere Chancen sehen chinesische Unternehmen vor allem beim Ausbau von Eisenbahn- und Hafeninfrastruktur. Für die Erweiterung des Hafens San Antonio, des wichtigsten Seehafens Chiles, haben sich bereits zwei chinesische Anbieter qualifiziert.

Mobilfunk und digitale Infrastruktur

Die 4G- und 5G-Netze in Chile entstanden mit signifikanter chinesischer Beteiligung (Huawei, ZTE), und zwar auf allen Netzwerkebenen vom Funkzugang über Router bis hin zum Datentransport. Mit der Einführung von 5G verstärkt sich der Einfluss Huaweis. Allein Mobilfunkanbieter Entel weist einen diversifizierteren Technologiemix mit europäischer Beteiligung (Ericsson) auf.

Anders sieht es in den Bereichen Datenspeicherung und -verarbeitung aus. Trotz guter Position Huaweis als Anbieter von Speicher-, Verarbeitungs- und KI-Diensten dominieren Equinix (USA), Ascenty (Brasilien/USA/Kanada) und Odata (USA). Die "passive Infrastruktur" (Mobilfunkmasten, Standorte für -antennen) befindet sich überwiegend im Besitz lokaler und internationaler, nicht-chinesischer Betreiber.

Chiles Mobilfunksystem basiert großteils auf chinesischer TechnologieLieferanten der führenden Mobilfunkanbieter in Chile
LieferantEntelMovistarClaro (VTR)WOM
Huawei (China)4G/Glasfaserkabel4G/GlasfaserkabelCore bzw. Kernnetz/FunkstationenKernnetz/4G/5G
Ericsson (Schweden)5G/Core bzw. Kernnetz4G/Funkstationen--
Nokia (Finnland)-5G/Core bzw. KernnetzFunkstationen/5G-
Cisco (USA)IP/Core bzw. Kernnetz-

HFC (Híbrido Fibra-Coaxial) – Breitbandtechnologie /Festnetz

 

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AWS/Azure (Amazon Web Service/Microsoft; USA)Cloud-Lösungen, IT-B2B/Cloud

für die Cloud entwickelte Anwendungen (Cloud Native)

 

ZTE (China)-5G-Zugänge/Glasfaserkabel
Quelle: La Tercera 2026

Zweiter Vorstoß für Chinas digitale Seidenstraße gescheitert

Anfang 2026 scheiterte ein erneuter Versuch, Chile über ein Unterwasser-Glasfaserkabel direkt mit China zu verbinden. Auslöser waren unter anderem US-Drohungen mit Einreisebeschränkungen gegen Mitglieder der damaligen Regierung, beteiligte Beamte und deren Familienangehörige. Telekommunikationsminister Muñoz hatte das Vorhaben zunächst genehmigt, wenige Tage später wurde die Entscheidung zurückgenommen.

Bereits 2020 war ein ähnliches Projekt von Huawei gescheitert. Auch damals hatten die USA interveniert.

Wie sieht Chile China?

Für Chile ist China vor allem der wichtigste Abnehmer seiner Exporte und zugleich der größte Lieferant. Angesichts des unzureichend konkreten Interesses Europas und der aus chilenischer Sicht unberechtigten 12,5-Prozent-Abgabe auf Exporte in die USA dürfte die Bedeutung Chinas weiter zunehmen. "China zeigt sich insgesamt als weitaus beständigerer Partner. Ideologische Unterschiede werden nicht hoch gehängt", resümiert China-Forscher Johannes Rehner.

In diesem Sinne setzt auch der seit März 2026 regierende rechtskonservative Präsident José Antonio Kast die freundschaftlich-positiven Beziehungen zu China fort und reist im November zum nächsten APEC-Gipfel in Shenzhen.

Gleichzeitig ist das Bild Chinas in Chile differenzierter geworden. Erste Vorbehalte entstanden, als chinesische Unternehmen ab 2018 verstärkt in den Stromsektor investierten. Damals wurde vereinzelt die Sorge laut, China könne durch seine Marktstellung zu großen Einfluss auf die Energieversorgung gewinnen. Dies verhinderte jedoch nicht, dass 2021 ein chinesisches Konsortium den Zuschlag für die Hochspannungsleitung Kimal-Lo Aguirre erhielt.

Groß war indessen die Enttäuschung, als Sinovac 2023 die angekündigte 100-Millionen-US$-Fabrik für seinen Corona-Impfstoff stoppte oder dass BYD nun doch keine Batteriefertigung im Land aufbaut. Meist wird Kritik am größten Handelspartner jedoch nur hinter vorgehaltener Hand geäußert. 

Deutlich kritischer wird die Haltung dort, wo wirtschaftliche Eigeninteressen betroffen sind. So beklagen Fischer die starke chinesische Präsenz vor der ausschließlichen Wirtschaftszone Chiles und befürchten negative Folgen für die Tintenfischbestände. Auch in Teilen der Wirtschaft wächst die Unterstützung für eine stärkere Prüfung ausländischer, insbesondere chinesischer, Investitionen.

Der Bevölkerungsmehrheit dürfte China aber gleichgültig sein. Hauptsache der Preis stimmt.

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