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Branchen | Frankreich | Automobilsektor

Marktchancen Automobilproduktion

Frankreichs Automobilindustrie hat 2022 begonnen, sich von Pandemie und Lieferengpässen zu erholen. 

Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Paris

Produktion beeinträchtigt

Kostensteigerungen und der Mangel an Halbleitern hatten vor allem in der 1. Jahreshälfte 2022 die Produktion immer noch stark beeinträchtigt. Seit dem 2. Halbjahr 2022 gewinnt die Fertigung an Schwung. Insbesondere die Versorgung mit Elektronikkomponenten beginnt sich zu stabilisieren. 

Das Wirtschaftsinstitut Xerfi prognostiziert für 2022 Produktionssteigerungen gegenüber 2021 von 6,5 Prozent. So hat Renault die Fabrikation des neuen E-Modells des Megane hochgefahren. Stellantis ist mit dem neuen Peugeot 308 in Produktion gegangen und auch der Toyota Yaris Cross soll in größeren Stückzahlen vom Band laufen. Zudem hat der Newcomer Ineos im Juli 2022 am ehemaligen Smart-Standort in Hambach mit der Fertigung des Geländewagens Grenadier begonnen. Trotz der Produktionssteigerungen wird der Ausstoß 2022 dennoch gut 20 Prozent niedriger als 2019 liegen.

Kfz-Produktion in Frankreich (Stückzahl)

Kategorie

2018

2019

2020

2021

Pkw

1.630.941

1.533.729

872.758

852.549

leichte Nfz (bis 5,1 t)

603.295

639.342

498.854

519.253

Quelle: Inovev

Für 2023 erwartet Xerfi, dass sich die Lage normalisiert bei Komponentenzulieferungen und prognostiziert für das Gesamtjahr eine Produktionssteigerung von 8 Prozent. Diese wird vorrangig getragen vom weiteren Hochfahren der Fertigung des Renault e-Megane sowie der Aufnahme der Produktion des neuen Peugeot 408 in Mulhouse.

Kfz-Produktion in ausgewählten europäischen Ländern (Stückzahlen; Veränderung in Prozent) *

2019

2020

2021

Veränderung 2021/20

Deutschland

5.079.014

3.786.825

3.531.542

-6,7

Spanien

2.908.096

2.274.630

2.221.047

-2,4

Frankreich

2.173.071

1.350.314

1.276.542

-5,5

Tschechien

1.314.723

1.083.929

1.076.203

-0,7

Vereinigtes Königreich

1.382.528

1.003.131

950.839

-5,2

* Pkw und leichte NfzQuelle: Inovev

Trotz dieser vordergründigen Erholung stehen Autohersteller und Zulieferer in den kommenden Jahren vor Herausforderungen. Die Branche muss die Umstrukturierung in Richtung Elektromobilität vorantreiben, gleichzeitig aber für eine Übergangszeit eine Produktion von nach wie vor stark gefragten Verbrennermotoren vorhalten.  

Renault treibt inmitten von Krisen den Umbruch voran 

Renault ist dabei, sich aus der finanziellen Krise zu befreien, die den Autobauer 2020 dazu gezwungen hatte, einen staatlich garantierten Kredit von 4 Milliarden Euro aufzunehmen. Ende 2022 hat der Konzern seine Umstrukturierung vorgestellt in die zwei Geschäftszweige "Horse" (die herkömmliche Verbrennersparte) und "Ampere" (E-Auto). So soll die Finanzierung der Entwicklung der Elektromobilität unterstützt werden.

Im Zuge seines Sparprogramms hatte Renault 2022 die Produktion der kaum noch nachgefragten Modelle Scénic und Talisman aufgegeben, der Espace wird im 1. Quartal 2023 das letzte Mal vom Band laufen. Die drei Produktionsstandorte Douai, Ruitz und Maubeuge baut Renault zum "Pôle Renault ElectricCity" und damit zum Produktionszentrum für die Elektromobilität aus. So soll in Douai der neue Renault 5 Électrique aufgelegt werden. Ab 2024 soll in Douai zudem der legendäre R4 in einer modernisierten elektrischen Version montiert werden. Die Motoren für seine Elektromodelle Megane und R5 fertigt Renault in seinem für 620 Millionen Euro umgerüsteten Werk in Cleon. Bis 2030 soll die Fertigung eine Kapazität von mehr als 1 Million Motoren pro Jahr erreichen.

Neben der strategischen Neuausrichtung steht Renault vor weitergehenden Herausforderungen. Die zwischenzeitlich in Schieflage geratene Allianz zwischen Renault und Nissan, die schon seit 1999 besteht, soll wieder vertieft werden. Dafür hat CEO Luca di Meo im Januar 2021 die Strategie "Renaulution" (angelehnt an Revolution) vorgelegt. Diese sieht unter anderem die gemeinsame Nutzung von Fahrzeugplattformen und Patenten für die Elektromobilität sowie kürzere Entwicklungszeiten vor. Allerdings sind eine Vielzahl an Fragen noch offen. 

Zudem hat der russische Angriffskrieg Renault hart getroffen. Im Mai 2022 musste der französische Autobauer sämtliche Aktivitäten in Russland einstellen und verliert damit seinen weltweit zweitwichtigsten Markt. 

Stellantis und Renault - Konzernmarken

Stellantis

Renault /  Allianz Renault - Nissan - Mitsubishi

Peugeot

Jeep

Renault

Citroën

Lancia

Dacia

Abarth

Maserati

Alpine

Alfa Romeo

Opel

Mobilize

Chrysler

RAM-Trucks

DS Automobiles

Vauxhall

Fiat

Free2Move (Carsharing)

Leasys (Leasing-Anbieter)


Stellantis setzt auf Elektromobilität

Anfang 2021 entstand aus dem Zusammenschluss von PSA und Fiat Chrysler (FCA) der Großkonzern Stellantis. Stellantis vereinigt nunmehr 14 Automarken unter einer Leitung. Der Autoriese konnte sich 2022 trotz eines wirtschaftlich schwierigen Umfelds gut behaupten. Angesichts des Mangels an Komponenten konzentrierte der Konzern seine Ressourcen auf die Produktion margenstärkerer Oberklassewagen und erzielte in den ersten drei Quartalen 2022 stabile Umsatzsteigerungen. 

Stellantis steht im organisatorischen und technologischen Umbruch. CEO Carlos Tavares hat Anfang 2022 die neue Konzernstrategie Dare Forward 2030 vorgestellt. Die Entwicklung der Elektromobilität steht im Vordergrund. So wird Stellantis bis 2030 seine gesamte für Europa bestimmte Produktpalette auf Elektroantriebe umstellen. Mit konzernübergreifend 75 E-Modellen will sich das Unternehmen als weltweit führender E-Automobilhersteller positionieren. Der Ausbau der erforderlichen Infrastruktur steht ebenfalls auf dem Plan. Stellantis baut an einem breiten Netz an Partnerschaften und investiert in eigene Zulieferer. So hat der Autobauer gemeinsam mit TotalEnergie/Saft das Unternehmen Automotive Cells Company (ACC) gegründet. Seit Ende 2021 beteiligt sich auch Mercedes an ACC. ACC hat den Bau von drei Gigabatteriefabriken in Kaiserslautern, Douvrin (Frankreich) und Termoli (Italien) angekündigt. 

Toyota, der dritte große Autobauer in Frankreich, produzierte 2021 mit dem Toyota Yaris das meistgebaute Auto in Frankreich. Gut 156.000 Stück liefen in Onnaing im Norden des Landes vom Band. Toyota bleibt bei der Entwicklung der Elektromobilität für den europäischen Markt vorsichtiger als seine europäischen Konkurrenten und setzt zunächst auf den Ausbau seines Angebots von Hybridantrieben.  

Neue Akteure zieht es zum Wasserstoff

Zwei neue Autobauer werden zudem auf den Plan treten. Seit Juli 2022 produziert das deutsch-britische Unternehmen Ineos seinen Geländewagen Grenadier im ehemaligen Smart-Werk von Daimler in Hambach. Daimler hatte seine Smart-Produktion nach China verlegt. Ineos plant eine jährliche Produktion von 25.000 bis 30.000 Stück. Die Produktpalette soll perspektivisch um ein elektrisches und ein Wasserstoffmodell erweitert werden. Der französische Neuzugang Hopium hat im September 2022 angekündigt, in Douains ab 2025 das erste französische Wasserstoff-Sportauto bauen zu wollen.

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