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Branchen | Frankreich | Automobilsektor

Marktchancen Kfz-Absatzmarkt

Der Kfz-Absatz lag 2022 weiter unter dem Vorkrisenniveau von 2019.  Elektroautos finden mehr Abnehmer, sind aber für viele Kunden noch zu teuer. 

Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Paris

Markt noch nicht erholt

Der französische Automarkt hat sich auch 2022 noch nicht von den Krisen der vergangenen Jahre erholt. Anhaltende Lieferengpässe insbesondere bei Halbleitern, der Ukrainekrieg, Energiekrise und Kostensteigerungen bei Vorprodukten belasten Autobauer und Zulieferer. Zwar ziehen die Zulassungen von Neufahrzeugen im letzten Quartal 2022 wieder an. Dennoch lagen die Verkäufe von Pkw in den ersten elf Monaten 2022 knapp neun Prozent unter dem Vorjahresniveau. Gegenüber 2019 sind die Zulassungen von Kfz um annähernd 32 Prozent eingebrochen.  

Benzinbetriebene Fahrzeuge machten in den ersten elf Monaten 2022 mit 37,4 Prozent die größte Gruppe der verkauften Fahrzeuge aus, gefolgt von Hybridfahrzeugen mit einem Anteil 29,8 Prozent. Reine Elektroautos gewinnen in der Käufergunst stark hinzu, die Zulassungen lagen in den ersten elf Monaten 2022 gut 28 Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraums. E-Autos erreichen einen Anteil an den Neuzulassungen von 13 Prozent. Ab 2023 dürften reine Elektrofahrzeuge zumindest aufladbare Hybride verdrängen, da ab dann jegliche Kaufförderung für Hybridfahrzeuge entfällt. 

Neuzulassungen von Kfz in Frankreich (Stückzahl; Veränderung in Prozent)

Kategorie

2021

Veränderung 2021/20

Januar -November 2022

Veränderung Januar - November 2022/Januar - November 2021

Pkw

1.659.003

0,5

1.371.008

-8,6

Nutzfahrzeuge <5,1t

432.631

7,5

314.959

-20,0

Lkw*

44.138

5,8

40.312

0,5

Busse

6.503

12,3

k.A.

-

* über 5,1 tQuelle: CCFA

Käufer üben sich in Zurückhaltung

Die Aussichten für den Kfz-Absatz in Frankreich sind weiterhin unsicher. Zwar haben die Verbraucher in der Krise hohe Ersparnisse angehäuft. Die auch in Frankreich spürbaren wirtschaftlichen und geopolitischen Unwägbarkeiten aber führen dazu, dass Verbraucher sich seit Mitte 2022 mit neuen Investitionen zurückhalten. Zudem kommt es aufgrund von Nachschubproblemen bei Halbleitern nach wie vor zu einer geringeren Produktion. Das gilt insbesondere im Segment preisgünstigerer Modelle. Neufahrzeuge sind nur mit langen Wartezeiten verfügbar.

Gerade in Paris, der größten Metropole des Landes, verliert das eigene Auto an Anziehungskraft. Die Kombination aus hohen Mieten und Benzinpreisen, wenigem und teurem Parkraum und einer Politik, die die autofreie Stadt fördert, führt dazu, dass Autofahren nicht nur teuer, sondern auch zunehmend unpraktisch wird. Autohersteller beginnen sich mit Programmen wie Mobilize von Renault auf neue Mobilitätsansprüche einer städtischen Klientel einzustellen. In ländlichen Regionen ist das Auto noch oft einziges Fortbewegungsmittel. 

Der Gebrauchtwagenmarkt ist im Ungleichgewicht. Der Mangel an Neuwagen führt zu einer verstärkten Nachfrage an Gebrauchtwagen, die aber rarer und teurer werden. Während die Verkäufe von bis zu fünf Jahre alten Fahrzeugen in den ersten acht Monaten 2022 um 20,3 Prozent einbrachen, stiegen die Preise um 7,5 Prozent.

Tesla gewinnt Marktanteile

Französische Autokäufer gelten als besonders "patriotisch". Dies schlägt sich in den Absatzzahlen nieder. Die zwei heimischen Anbieter Renault und Stellantis dominieren den Markt. 

Neuzulassungen von leichten Kfz nach Herstellern in Frankreich (Stückzahl; Marktanteil und Veränderung in Prozent) *

Hersteller

Absatz Januar bis September 2022 

Veränderung Januar - September 2022/21

Marktanteil 2022

Stellantis

472.095

-17,9

34,5

  Peugeot

228.834

-17,5

16,7

  Citroen

142.018

-18,3

10,4

  Fiat

44.369

-26,0

3,2

  Opel

34.366

-7,4

2,5

Gruppe Renault 

344.761

-11,9

25,2

  Renault

247.172

-17,0

18,0

  Dacia

96,156

3,7

7,0

Toyota

75.264

-9,1

5,5

Sonstige

477.112

-11,9

34,8

Gesamt

1.369.608

-14,0

100

* Pkw und leichte Nfz bis 5,1 tQuelle: CCFA

Deutsche Oberklassefahrzeuge wie Mercedes und BMW haben es auf diesem eher lokal ausgerichteten Markt hingegen schwerer. Zudem hat das Auto als Statussymbol einen geringeren Stellenwert als in Deutschland. Gut positioniert ist allerdings die Volkswagen-Gruppe. Mit seinen drei Marken Audi, Skoda und VW erreicht der Wolfsburger Autobauer zwischen Januar und November 2022 einen Marktanteil von 13,1 Prozent bei den Neuzulassungen. 

Auch Tesla entwickelt eine sichtbare Marktpräsenz und verkaufte sich in den ersten elf Monaten 2022 knapp 24.000 Mal, davon 14.300 Stück des Tesla Model 3. Die kostengünstigere Alternative Tesla Y ist erst seit Ende August 2022 in Frankreich zu kaufen, schaffte es bis November 2022 aber bereits auf knapp 9.400 verkaufte Fahrzeuge. Insgesamt hat Tesla damit einen Marktanteil von 1,7 Prozent. Der in China produzierte Dacia Spring ist mit gut 13.000 Stück das meistverkaufte E-Auto. 

Markt kehrt dem Diesel den Rücken zu

Bei den Karosserietypen dominieren Sedans und SUV. Klassische Sedans (Karosserievariante) machen weiter etwa 47 Prozent der Verkäufe aus, SUV und Geländewagen können ihren Anteil von 43 Prozent 2021 auf 45 Prozent 2022 ausweiten. Großraumlimousinen spielen mit Anteil von 1 Prozent 2022 kaum eine Rolle. Kombis machen ebenfalls lediglich 1 Prozent der verkauften Fahrzeuge aus. Sie waren immer deutlich weniger gefragt als in Deutschland.

Politisch steht in Frankreich die emissionsarme Mobilität auf der Agenda. Das Fahrverbot für Verbrennermotoren ab 2035 wird in den kommenden Jahren zu einer Verschiebung des Kaufverhaltens hin in Richtung E-Auto führen. Der Staat unterstützt Käufer von E-Fahrzeugen mit Konversions- und Kaufprämien. Dennoch liegen die Preise von E-Fahrzeugen im Moment noch zu hoch, um für den Großteil der Bevölkerung bezahlbar zu sein. Zudem mangelt es gerade in ländlichen Regionen noch an einer hinreichenden Ladeinfrastruktur. Benzinbetriebene Fahrzeuge werden damit auch in den kommenden Jahren für den Durchschnittskäufer, aber auch kleine Unternehmen, das Auto der Wahl bleiben. 

Wasserstoff bleibt noch ein Antrieb der Zukunft. In den ersten elf Monaten 2022 wurden nach Angaben der Plateforme Automobile (PFA) 151 Wasserstoffautos zugelassen. Im September 2022 hat das französische Unternehmen Hopium angekündigt, in Frankreich eine Produktion von wasserstoffbetriebenen Sportwagen aufzubauen. Bislang fehlt es aber noch an jeglicher Lade- und Tankinfrastruktur. 

Dieselfahrzeuge hingegen fallen immer stärker in Ungnade. Die Ausweitung und Verschärfung von Umweltzonen in den Städten des Landes wird kurz- und mittelfristig Fahrverbote auch für moderne Dieselfahrzeuge zur Folge haben. 2022 haben insgesamt 11 Metropolregionen Zones à faibles émissions (ZFE-m) eingerichtet. Hier wird der Zugang nach der französischen Umweltmarke Crit'air immer weiter eingeschränkt. So könnten Dieselfahrzeuge ab 2024 von Paris und der Hauptstadtregion ausgeschlossen sein. Potenzielle Käufer haben Sorge um den Wiederverkaufswert von Dieselfahrzeugen. Auch steigende Dieselpreise an den Zapfsäulen dämpfen die Kauflust.  

Kfz-Bestand (zum 1. Januar 2022)

Antriebsart

Anzahl (in 1.000)

Durchschnittsalter (in Jahren)*

Elektro- oder Wasserstoffantrieb

403

2,4

Benzin

15.523

10,6

Diesel

21.364

10,1

Gas

195

11,6

Aufladbare Hybride

299

4,4

Andere

955

-

Gesamt

38.739

10,2

*) Alter wird für Benziner und "Andere" sowie für aufladbare Hybride und Gasantriebe gemeinsam erfasstQuelle: SDES

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